#stolzTexte: Besser schlafen

Interviews werden in der Unternehmenskommunikation immer noch wie ungeliebte Stiefkinder behandelt. Dabei können Sie so viel leisten: In der Regel bringen Sie mehr Aufmerksamkeit als eine bloße Meldung und zwar sowohl im eigenen Unternehmensblog wie auch in der klassischen Medienarbeit. Ich rufe heute den Tag des Interviews aus und lege mit diesem über guten Schlaf vor, das ich kürzlich für ein Magazin geschrieben habe:

 

Gute Nacht, Thüringen!

Laut einer Statistik des Portals Statista litten im Jahr 2016 immerhin 38 Prozent der Deutschen an Einschlafproblemen. 45 Prozent konnten nicht gut durchschlafen. Doch wer schlecht schläft, kann auch seine Tage nicht genießen. Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des interdisziplinären Schlaflabors am Universitätsklinikum Jena, kennt alle gängigen Schlafstörungen – und weiß, was dagegen hilft.

Prof. Dr. Schwab, was ist „guter“ Schlaf?

Menschen schlafen dann gut, wenn sie sich am nächsten ausgeschlafen und erholt fühlen. In der Regel ist das der Fall, wenn man gut durchschlafen kann.

Ist „guter“ Schlaf also für alle Menschen gleich?

Grundsätzlich ja. Was wir brauchen, um durchzuschlafen und erholt aufzuwachen, ist aber von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt zum Beispiel Kurzschläfer und Langschläfer. Das ist weitestgehend genetisch programmiert. Ein Kurzschläfer kann auch nach sechs Stunden Schlaf absolut erholt und fit sein. Ein Langschläfer braucht vielleicht mehr als acht Stunden, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Und auch die optimale Einschlafzeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sind Sie eher ein Morgenmensch, können Sie sich zwar antrainieren, lange wach zu bleiben, aber Höchstleistungen werden Sie abends nicht mehr bringen. Umgekehrt geht es Abendtypen so, wenn Sie früh am Morgen Spitzenergebnisse liefern sollen.

Morgen- oder Abendtyp: Ist das ebenfalls genetisch vorgegeben?

Ja, allerdings nicht gleich von Geburt an. Der Schlaf-Wach-Rhythmus von Babys wird nahezu ausschließlich vom Hunger bestimmt. Erst wenn die innere Uhr gereift ist, bildet sich allmählich auch der Aktivitätstyp heraus, wobei jüngere Kinder fast immer Morgentypen und fast alle Jugendliche in der Pubertät Abendtypen sind. Erst danach, also so mit 17 oder 18 Jahren, legt sich endgültig fest, zu welchem Typ wir als Erwachsene gehören.

Welchen Einfluss hat die Umgebung auf die Schlafqualität?

Die Umgebung kann großen Einfluss auf den Schlaf haben. Wenn es laut ist oder sehr hell im Schlafzimmer, verhindert das unter Umständen, das wir einschlafen.

Wie soll das Schlafzimmer also gestaltet sein?

Zunächst einmal ist es wichtig zu unterscheiden: Wer gut schläft, also problemlos ein- und durchschläft und sich am nächsten Tag erholt fühlt, kann tun und lassen, was er will. Er kann einen Fernseher ins Schlafzimmer stellen und bei laufendem Krimi einschlafen. Er kann wenig schlafen und spät ins Bett gehen und von mir aus auch direkt vor dem Einschlafen Sport machen. Solange er seinen Schlaf-Wach-Rhythmus einigermaßen dem Tag-Nacht-Rhythmus anpasst, damit die Hormonproduktion nicht durcheinander gerät, wird das alles keine Probleme verursachen.

Erst, wenn wirklich Schlafstörungen auftreten, können sogenannte schlafhygienische Maßnahmen sinnvoll sein, zu denen auch die Gestaltung des Schlafzimmers gehört. In diesem Fall empfehlen wir, den Raum möglichst dunkel zu halten, denn erst bei Dunkelheit wird das schlafanstoßende Hormon Melanin aktiv. Außerdem sollte das Schlafzimmer ruhig und kühl sein. Nachts sinkt unsere Körpertemperatur. Das ist normal und mit einem kühlen Schlafzimmer kommen wir dem entgegen. Auch eine gute Matratze kann helfen, den Schlaf zu verbessern.

Und woran erkennt man eine gute Matratze?

Daran, dass man am nächsten Tag keine Rückenschmerzen hat. Vor dem Kauf sollte man auf jeden Fall probeliegen und sich beraten lassen. Grundsätzlich gilt: Sehr dicke Matratzen und solche aus Latex, die sich der Körperform richtig anpassen, sind besser als einfache Schaumstoffmatratzen. Aber im Details muss jeder selbst ausprobieren, welche Matratze für ihn perfekt ist.

Was ist mit elektronischen Geräten? Dürfen die ins Schlafzimer?

Wie gesagt: Jemand, der keine Schlafprobleme hat, kann das halten, wie es ihm gefällt. Bei Schlafstörungen sollte man allerdings alles aus dem Raum verbannen, was nichts mit dem Schlafen zu tun hat. Das Gehirn soll lernen, das Schlafzimmer mit Schlaf zu assoziieren – und nur damit. Deshalb empfehlen wir auch, sich nicht ewig im Bett herumzuwälzen, wenn man nicht schlafen kann. Wer nach 15 bis 30 Minuten immer noch wach ist, sollte lieber aufstehen. Gehen Sie in einen anderen Raum. Dort können Sie auch lesen oder fernsehen, wenn Sie das müde macht. Aber wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie das nicht im Bett tun. Dort wird nur geschlafen.

Welche Verhaltensweisen oder Rituale können helfen, besser, also gesünder, zu schlafen?

Rituale sind grundsätzlich eine gute Idee, weil sie in der Regel helfen, ruhiger zu werden und zu entspannen – und das ist die wichtigste Voraussetzung, um gut und schnell einzuschlafen. Deshalb führen die meisten Eltern ja auch Rituale ein, wenn es darum geht, Kinder ins Bett zu bringen. Ob Sie jeden Abend eine heiße Milch mit Honig oder einen Abendtee trinken, einen Spaziergang machen oder Entspannungsübungen, ist Ihnen überlassen. Die Rituale selbst haben meist keinen kausalen Zusammenhang zum Schlaf. Es handelt sich dabei eher um einen sehr effektiven Placeboeffekt, denn durch die regelmäßige Wiederholung lernt das Gehirn dieses Rituale mit Schlaf zu verbinden. Und der Schlaf ist nichts, was einfach „passiert“. So fühlt es sich zwar an, aber in Wirklich ist es für das Gehirn ein aktiver Prozess. Es muss den Schlaf „anstoßen“, damit wir einschlafen.

Schlafen wir heute besser oder schlechter als früher?

Weder noch. Ich glaube, dass es heute nicht mehr Schlafstörungen gibt als früher. Aber wir sind heute so fokussiert auf uns und überprüfen ständig jeden Bereich unseres Lebens. Dafür hatte man früher einfach keine Zeit und deshalb sind Schlafstörungen damals nicht so häufig aufgefallen und erst Recht nicht so oft behandelt worden.

Für manchen Patienten wäre es gut, ein bisschen dieser Sorglosigkeit zurückzugewinnen. Viele Schlafstörungen entstehen auch, weil die Patienten sich Schlafdruck machen. Sie haben mal gehört, dass man eine bestimmte Schlaflänge braucht, um gesund zu bleiben und machen sich wahnsinnigen Stress, wenn sie nicht rechtzeitig genug einschlafen, um auf diese Stundenzahl zu kommen. Sie gehen dann vielleicht früher ins Bett, obwohl sie noch gar nicht müde sind und mit jeder Stunde, die sie wach im Bett liegen, steigt ihre Angst, gar nicht mehr schlafen zu können, am nächsten Tag nicht fit zu sein und krank zu werden. Daraus entsteht dann ein Teufelskreis, weil sie diese Gedanken so aufwühlen, dass sie erst Recht nicht mehr schlafen können und dann natürlich am nächsten Tag nicht erholt sind – und abends im Bett wird die Angst vor der Einschlafstörungen dann gleich noch ein bisschen schlimmer.

Es stimmt also nicht, dass man mindestens acht Stunden Schlaf braucht?

Nicht in dieser Pauschalität. Wie viel Schlaf man braucht, ist wirklich von Mensch zu Mensch verschieden.

Welches sind die häufigsten Probleme, die den Schlaf stören?

Am häufigsten treten sogenannte psycho-physiologische Insomnien auf. Das sind Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, die in der Regel psychische Ursachen haben. Das kann durch genetische Prädispositionen begünstigt werden, wenn jemand also schon von vornherein ein Schlechtschläfer ist. In der Regel trifft es aber Menschen, die sehr stressanfällig sind und zum Grübeln neigen.

Es gibt auch Patienten, die das Gefühl haben, ständig wach zu sein. Im Schlaflabor stellt sich dann aber manchmal heraus, dass sie in Wirklichkeit durchschlafen. Unser Tiefschlaf – das ist der Schlaf, der für den Erholungseffekt sorgt – unterteilt sich in mehrere Phasen. Eine davon ist der sogenannte Leichtschlaf. Und diesen empfinden diese Patienten als Wachsein.

Es gibt auch organische Ursachen für Schlafstörungen, die sind aber extrem selten.

Welche Ursachen können das sein?

Die Schlafkrankheit zum Beispiel. Oder auch das Schnarchen, das mit Atemaussetzern einhergeht, hat in der Regel körperliche Ursachen und muss behandelt werden, damit es nicht zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt.

Wer ist vor allem von Schlafproblemen betroffen?

Das ist unterschiedlich. Psycho-physiologische Insomnien betreffen eher Frauen. Das Schnarchen mit Atemaussetzern ist ein typisches Männerproblem – vor allem, wenn Männer stark übergewichtig sind.

Wann ist ein Schlafproblem behandlungsbedürftig?

Grundsätzlich sollte man Schlaf nicht problematisieren. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang und in der Regel holt sich der Körper den Schlaf, den er braucht. Auch Schlafstörungen sind nicht gleich schädlich. Wenn jemand gerade besonders viel Stress hat, zum Beispiel, weil er die Arbeitsstelle gewechselt hat oder einen Angehörigen pflegt, dem es sehr schlecht geht, wird das auch Auswirkungen auf die Schlafqualität haben. Das gibt sich aber wieder, wenn das Leben ruhiger wird. Wer aber ohne äußeren Anlass länger als einen Monat Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen hat, sollte das ärztlich abklären lassen.

An wen kann sich jemand wenden, der Hilfe bei Schlafproblemen sucht?

Zunächst natürlich an den Hausarzt. Der kann dann auch an eine Schlafsprechstunde beziehungsweise ein Schlaflabor überweisen.

Was passiert in einem Schlaflabor?

Die Patienten werden an verschiedene Messgeräte angeschlossen, die die Körperfunktionen während des Schlafes überwachen. So können wir zum einen das subjektive Empfinden der Patienten objektivieren. Wir finden also heraus, ob sie wirklich so schlecht und so wenig schlafen, wie sie glauben. Ist das nicht der Fall, geht die Diagnostik weiter, weil hinter dem Abgeschlagenheitsgefühl und der Müdigkeit vielleicht andere Ursachen liegen.

Aber wir können natürlich auch feststellen, wenn jemand wirklich Atemaussetzer hat und wie schwerwiegend diese sind.

Wie geht es für die Patienten nach dem Aufenthalt im Schlaflabor weiter?

Ist geklärt, dass wirklich ein behandlungsbedürftiges Schlafproblem vorliegt, stoßen wir die Therapie an. Die fällt je nach Diagnose sehr unterschiedlich aus und wird mit jedem Patienten individuell festgelegt. Häufig ist sie eine Mischung aus psychotherapeutischen Ansätzen, medikamentöser Behandlung und schlafhygienischen Maßnahmen.

Das heißt, es werden Schlafmittel verschrieben?

Nur in sehr seltenen Fällen. Manchmal kann das indiziert sein, um den Körper zur Ruhe zu bringen und dem Gehirn zu zeigen, dass das mit dem Schlaf sehr wohl klappen kann. So lässt sich der Teufelskreis aus Schlafstörung und Schlafdruck durchbrechen. Schlaftabletten können aber abhängig machen und dürfen nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Häufiger arbeiten wir deshalb mit Antidepressiva – auch wenn der Patient keine Depression hat. Antidepressiva sind zum Langzeitgebrauch bestimmt und machen deshalb nicht abhängig, dafür ist eine sehr häufige Nebenwirkung einiger Antidepressiva, dass sie müde machen und den Schlaf fördern. Das machen wir uns zunutze.

Und was ist mit „schlafhygienischen Maßnahmen“ gemeint?

Das sind vor allem Dinge, die der Patient selbst tun kann und muss, um seine Schlafqualität wieder zu verbessern. Das geht von der Gestaltung des Schlafzimmers, die wir schon angesprochen haben, bis zur Schlafrestriktion. Dabei geht der Patient bewusst erst sehr spät ins Bett – so spät, dass er wirklich müde ist – steht aber zu seiner normalen Zeit auf. Und auch tagsüber sollen diese Patienten nicht schlafen. Das führt zwar dazu, dass sie sich einige Tage erschöpft fühlen, hilft Gehirn und Körper aber, wieder zu einem Schlafrhythmus zu finden. Allmählich wird die Einschlafzeit dann wieder vorverlegt.

Und was ist mit den Schnarchern, deren Atem aussetzt? Hilft ihnen diese Art der Therapie auch?

Nein, diese Schlafstörung wird anders behandelt. Oft hilft es diesen Patienten schon, auf der Seite statt auf dem Rücken zu schlafen und abzunehmen. Das Problem ist nämlich, das bei starkem Übergewicht die Muskulatur verfettet und schlaff wird – auch die, die die Zunge hält. Schlafen diese Patienten auf dem Rücken, kann es deshalb passieren, das die Zunge nach hinten fällt und die Atemwege verlegt. Die Atemaussetzer führen dann zu Sauerstoffmangel im Blut und das kann langfristig ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen. Deshalb sollten diese Patienten unbedingt zügig zum Arzt gehen. Mit einem speziellen Atemgerät, dass nachts zusätzlich Luft in die Atemwege bläst, kann man dieses Problem gut behandeln. Das führt in der Regel schnell zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafqualität und damit fühlen sich diese Patienten auch am Tag wieder fitter.

Dieser Text ist im Magazin „Besser leben in Thüringen“ erschienen, das die Mediengruppe Thüringen herausgibt.

Theater Erfurt startet eigenen Blog

In Deutschland gibt es bisher kaum brauchbare Unternehmensblogs. Warum das extrem schade ist, habe ich hier und hier ja schon hinlänglich erklärt. Umso überraschender kam die Nachricht, über die ich gestern auf der Website des Theaters Erfurt stolperte: Seit Ende Juni gibt es hier einen Blog, der einen Blick hinter die Kulissen verspricht. Einen Unternehmensblog, der richtig gut aussieht. Und dann auch noch direkt vor meiner Haustür. Ich war hin und weg – und klickte mich sofort durch die ersten Beiträge. Gleichzeitig bat ich Alexandra Kehr, Pressesprecherin des Theaters, mir ein paar Fragen zum Blog zu beantworten.

Viele Bilder, wenige, kurze Texte

Aber von Anfang an, die Bestandsaufnahme: Im Moment finden sich im Blog vor allem Bilder und nur wenige, sehr kurze Texte. Das ist zugleich großartig und ein bisschen frustrierend. Warum? Weil die Bilder das Versprechen des Blogs halten. Es gibt hier WIRKLICH Einblicke hinter die Kulissen. Und zwar richtig interessante. Bilder vom Aufbau der Kulisse für die Domstufen-Festspiele. Bilder aus der Kostümschneiderei. Bilder von der Domstufen-Premiere. Frustrierend wird es in dem Moment, indem die Bildtexte eine Geschichte an-, aber nicht zu Ende erzählen. Dass die Kostüme aus China toll aussehen, aber wie die Pest nach Mottenspray stinken zum Beispiel fand ich eine sehr amüsante Anekdote. Jetzt würde ich nur gern auch wissen, ob man des Problems Herr geworden ist, ob das Einsprühen üblich ist beim Versand von Kostümen, ob das Zeug gesundheitsgefährdend ist. Tausend Fragen, auf die der Blog (noch) keine Antworten liefert.

Die Idee, mit vielen Bildern, richtigen Galerien, zu arbeiten, finde ich trotzdem richtig. Den Blog habe man auch eingerichtet, um Menschen zu erreichen, die man auf Facebook und Twitter nicht finde, erklärt Alexandra Kehr. Dafür müsse man dort andere Geschichten erzählen und andere Erzählformen finden als in den sozialen Netzwerken. Sehe ich genauso. Aber die Bildergalerien im Blog und nur sparsam auf Facebook zu veröffentlichen, hat noch einen anderen Vorteil. Wer auf Facebook Bilder hochlädt, räumt dem Netzwerkriesen alle Bildrechte ein. Man versichert mit dem Klick auf „Ich akzeptiere die AGB“ beim Anmelden, dass man nur Fotos hochlädt, an denen man selbst alle Rechte hat und erlaubt Facebook, diese Bilder für jeden nur erdenklichen Zweck zu nutzen. Dass jemand Bilder vom Blog klaut, lässt sich vermutlich auch nicht ganz vermeiden, aber ein bisschen mehr Kontrolle über die Verwendung der Bilder hat man als Blogbetreiber eben doch.

Spontaner Start. Jetzt wird justiert.

Als ich fragte, wie lange die Theaterleute brauchten, um die Idee in einen wirklich funktionierenden Blog umzusetzen, musste Alexandra Kehr ein bisschen lachen. „Es war eine ziemlich spontane Aktion“, sagt sie. Generalintendant Guy Montavon habe die Idee gehabt und die Domstufenfestspiele hätten sich als Starttermin angeboten. Deswegen habe alles ganz schnell gehen müssen.

Schnellschüsse dieser Art sind normalerweise gefährlich, weil sie das Projekt anfällig für Fehler machen. Und gerade bei einem Unternehmensblog sollte tausendfach getestet sein, dass das System auch bei vielen Zugriffen stabil läuft, die Grafik auf allen Benutzeroberflächen richtig angezeigt wird und die Kommentarfunktionen zuverlässig funktionieren. Aber: Ich habe den Blog vom Theater Erfurt auf dem iPad und auf dem Rechner getestet und keine Fehler finden können. Glück gehabt oder richtig gut gemacht? Letztlich ist das völlig egal, denn die Hauptsache ist: Der Blog sieht gut aus, die Navigation ist übersichtlich und intuitiv. Einzig eine Kleinigkeit ist mir aufgefallen: Es gibt keinen „Startseite“-Button. Will man von einem Beitrag wieder zur Übersicht navigieren, muss man sich für eine Kategorie entscheiden. Zur großen Gesamtübersicht kommt man nur, indem man in der Browserzeile wieder die Start-URL eingibt (oder ich habe den Startseite-Button schlicht übersehen, auch gut möglich).

Aber die Theaterleute sind ja auch noch lange nicht fertig mit dem Blogaufbau. Im Gegenteil: „Nach den Theaterferien schauen wir uns das noch mal ganz genau an. Überlegen, wann und wie oft künftig gebloggt werden soll und von wem“, sagt Alexandra Kehr. Momentan stammen die meisten Posts noch aus ihrer Feder, aber schon jetzt zeigt die Seite ein illustres Autorenteam an, das nicht nur aus Marketing- und Kommunikationsleuten besteht. Die Verantwortlichen konnten auch Menschen für das Bloggen gewinnen, die wirklich hinter den Kulissen, also in der Schneiderei, der Technik, der Dramaturgie, arbeiten. Auf ihre Beiträge freue ich mich wirklich. Ebenso wie auf die Interviews mit Mitarbeitern, die an neuen Produktionen arbeiten. Auch die verspricht Alexandra Kehr nämlich für die Zeit nach den Theaterferien.

Aktuell also eine Art Probierphase, bevor es im Herbst richtig losgeht. Ich liebe solche Phasen. Nur wer Mut zum Experimentieren hat, auch wenn ihm noch nieman eine Garantie für das Gelingen geben kann, wird neue Wege entdecken, seine Ziele zu erreichen.

Kundenbindung, Image und Bekanntheit

Und Ziele verfolgt natürlich auch das Theater Erfurt mit dem Blog. Kein Unternehmen der Welt bloggt, weil das so lustig ist. Aber wer seine (potenziellen) Kunden erreichen will, muss sich etwas einfallen lassen: Klassische Medien nehmen – das höre ich immer wieder von Kunden – immer seltener Informationen aus Pressemitteilungen auf. Auch auf Presseeinladungen wird die Resonanz immer kleiner. Wer mit seiner Information viele Menschen erreichen will, muss also auf neue Kanäle setzen.

Das Theater Erfurt hat dabei hauptsächlich Facebook für sich entdeckt. „Hier erreichen wir unheimlich viele Menschen und bekommen eine wirklich gute Resonanz“, ist Alexandra Kehr zufrieden. Der Auftritt auf Twitter und das eigene Mini-Magazin „Prospekt“, das alle zwei Monate mit der Tageszeitung und im Theater selbst verteilt wird, vervollständigen das Portfolio. Und jetzt also der Blog.

„Was kann er, was die Website nicht kann?“, wollte ich wissen. Und Alexandra Kehr antwortet, indem sie mir zunächst erklärt, was der Blog nicht kann – und auch nicht können soll. „Hier werden wir nie Veranstaltungshinweise veröffentlichen und auch keine Karten verkaufen. Dafür ist weiter unsere Website da“, sagt sie und fügt dann hinzu: „Aber mit dem Blog können wir unseren Gäste einen Blick in die Bereiche der Theaterarbeit erlauben, die sie sonst nie sehen.“

Mehr Transparenz in der Arbeit bedeutet immer auch mehr Identifikationsmöglichkeiten für die Leser, die hoffentlich auch Kunden sind oder werden. So funktioniert Content Marketing: Nicht verkaufen, überreden, bewerben, sondern mit echten Geschichten von echten Menschen das Unternehmen erlebbar und fühlbar machen. Und wer fühlt, wer sich verbunden fühlt, bleibt einem Unternehmen auch länger und treuer als Kunde erhalten. Insofern halte ich den Blog für eine gute Wahl, wenn es um Kundenbindung und Image-PR geht.

Ob er auch hilft, die Bekanntheit zu steigern, wird die Zeit zeigen. Ich werde auf jeden Fall immer mal wieder reinschauen. Und wenn der Blog einmal wirklich Geschichten erzählt – nicht nur in Bildern, sondern auch in Worten – und die Menschen zu Wort kommen lässt, die ich sonst wirklich nie höre, dann hat der Blog in mir schon mal einen treuen Leser.

Gnadenlos unterschätzt: Unternehmensblogs

Beinahe hätte ich diesen Text mit der Frage „Lesen Sie Blogs?“ begonnen. Ich muss jetzt noch lachen, wenn ich darüber nachdenke. Wäre auch einigermaßen lächerlich gewesen, denn wenn Sie den Anfang dieses Textes lesen, lesen Sie ja gerade einen Blog. Trotzdem interessiert mich: Lesen Sie regelmäßig Blogs, und wenn ja, warum und welche?

Längst sind Blogs nicht mehr nur „Webtagebücher“. Sie sind Ratgeber, Sehnsuchtsstiller, Staunendmacher, Fernwehwecker, Inspiration, Beruhigungsmittel, Diskussionsplattform und Liebesbotschafter. Und Sie sind PR-Instrument, Markenbotschafter und eigenes Medium. Fünf Gründe, warum mehr Unternehmer und Freiberufler Blogs schreiben sollten:

 

1. Verbreiten Sie, was Sie wollen, wann Sie es wollen und in der Länge, die Sie wollen!

In unseren Seminaren oder im Gespräch mit Kunden hören wir immer wieder, dass die klassische Medienarbeit nicht mehr so gut funktioniere. Dass Informationen, die Unternehmen an die Medien geben, gar nicht mehr oder nur stark gekürzt oder bearbeitet gedruckt bzw. gesendet werden. In meiner Brust schlagen in dieser Sache zwei Herzen. Die Journalistin in mir jubelt, denn genau DAS ist die Aufgabe der Medien. Es ist nicht ihr Job, Pressemitteilungen von Unternehmen und Institutionen unhinterfragt zu übernehmen. Es ist ihr Job, sie als Anstoß zu eigener Recherche zu nutzen, und sie, wenn sie veröffentlicht werden, um Werbung und allzu heftige Selbstbeweihräucherung zu bereinigen.

In den vergangenen Jahren allerdings fand das in vielen Redaktion immer seltener statt. Immer weniger Personal für immer mehr Seiten – da waren viele Kollegen dankbar, wenn vernünftig geschriebene Pressemitteilungen ankamen, die man eins zu eins übernehmen konnte. Unternehmen und Institutionen sind also verwöhnt und haben jetzt ein Problem, wenn sie ihre Informationen nicht mehr unter die Menschen bekommen. Als PR-Verantwortliche macht mich das nervös. Also suchen auch wir nach anderen Möglichkeiten, unseren Kunden Veröffentlichungen und eine breite Leserschaft zu ermöglichen. Ein eigener Blog ist eine solche Möglichkeit.

Ihr Blog unterliegt ausschließlich Ihrem Filter. Natürlich müssen Sie sich an Gesetze halten, aber darüber hinaus entscheiden allein Sie, wann Sie einen Beitrag veröffentlichen, wie lang der ist und welche Informationen er transportiert. Bei einem Blog gibt es keine weitere Person, die Sie überzeugen müssten, um veröffentlicht zu werden. Allerdings: Es gibt eine Menge Personen, die Sie überzeugen müssen, damit Sie Ihren Blog auch regelmäßig lesen. Dazu mehr in den nächsten Punkten.

 

2. Positionieren Sie sich als Experte und gewinnen Sie so neue Kunden!

Worüber Sie in einem Unternehmensblog schreiben, hängt vor allem davon ab, was Sie anbieten und wen Sie erreichen wollen. In den allermeisten Fällen aber bietet es sich an, das Blog zu einem Expertenblog zu machen, weil Sie Ihren Lesern dabei mit jedem Blogpost konkreten Nutzwert bieten. Das eine relativ einfache Art, Leser an den Blog zu binden. Ein Beispiel: Nehmen wir einen kleinen IT-Betrieb, spezialisiert auf Reparatur und Einrichtung privater Computer und kleinerer Netzwerke. Hier könnte der Unternehmer oder einer seiner Fachleute einmal in der Woche einen Blog schreiben, der häufige Computerprobleme aufgreift und erklärt, wie man sie selbst löst. Hier könnte eine Einschätzung der Experten zu neuen Betriebssystemen veröffentlicht werden oder To-Do-Videos oder -Anleitungen, wie man bestimmte Hardware installiert und konfiguriert. Themen gibt es genug.

Für die Nutzer des Blogs hat das gleich zwei Effekte: Zunächst einmal bekommen Sie ganz schnell Hilfe bei einem konkreten Problem. Zum zweiten aber fassen Sie Vertrauen. Wer ein PC-Problem ein paar Mal nach Anleitungen dieses Blogs lösen konnte, bringt seinen Rechner vermutlich auch zu diesen Experten, wenn er mal richtig Zicken macht. Sie generieren so im besten Fall also direkt mit dem Blog Kunden.

Allerdings ist das kein Selbstläufer. Den Blog einzurichten und zu bestücken, ist nur ein Teil der Arbeit. Danach müssen Sie ihn natürlich auch bekannt machen. Sie müssen also die Kanäle finden, auf denen sich Ihre Zielgruppe tummelt und dort Ihre Bloginhalte bewerben. Dafür können Sie aber auch klassische Medien wieder ins Boot holen. Vielleicht hat die lokale Zeitung ja Interesse, Ihre Blogposts als Ratgeber-Kolumne zweitzuverwerten. Und Sie müssen sich damit beschäftigen, was Suchmaschinen mögen. Schließlich sollen Ihre Texte ja auch in den Suchmaschinen gut gelistet – und von Ihren Lesern gefunden – werden.

 

3. Erfahren Sie schnell, direkt und konkret, was Ihre Zielgruppe beschäftigt.

Am Anfang wird Ihr Blog eine Einbahnstraße sein: Sie veröffentlichen, der Rest konsumiert im besten Fall. Eine aktive Community aufzubauen, dauert und kostet neben Zeit auch Mühe. Lohnt sich aber. Gelingt es Ihnen nämlich, die Leser Ihres Blogs auch zu Kommentatoren zu machen, wird der Blog plötzlich zu viel mehr als nur einer Plattform, um Informationen zu streuen. In diesem Moment wird er zu einem wichtigen Instrument für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens. Diskutieren Sie mit Ihren Lesern, nehmen Sie sie ernst und binden Sie sie zum Beispiel ein, wenn Sie eine neue Dienstleistung oder ein neues Produkt entwickeln. Das geht schrittweise hervorragend mittels Blog, vor allem, weil man in Blogs wunderbar Umfragen und ähnliches einbinden kann. Auf diese Weise lernen Sie Ihre Zielgruppe besser kennen (oder entdecken sogar neue Zielgruppen, die Sie bisher nicht auf dem Schirm hatten) und können Ihr Angebot besser zuschneiden.

 

4. Sorgen Sie durch ständig neuen Inhalt für mehr Traffic auf Ihrer Website!

Gute Kommunikation ist aufgebaut wie ein Stern. Am hellsten leuchtet er im Zentrum, in der Mitte. Davon gehen Strahlen ab, die zwar allmählich an Helligkeit verlieren, dafür aber weit reichen. Das Zentrum Ihrer Kommunikationsstrategie ist Ihre Homepage. Die Strahlen sind alle Distributionskanäle, über die Sie Ihre Inhalte vertreiben – egal, ob es sich dabei um Pressemitteilungen, Sommerfeste oder Ihre Social-Media-Präsenz handelt. ALLE Informationen, die Sie streuen, sollten sich auch auf Ihrer Website finden. So müssen Interessenten nicht alle Ihre Kanäle nutzen, sondern m Zweifel nur auf der Website suchen, wenn sie etwas bestimmtes nachsehen wollen. Ziel ist es nun, dass sie auf dieser Website regelmäßig vorbeischauen. Dass sie sich Informationen also selbst abholen. Das erhöht die Chance, sie mit relevanten Informationen auch wirklich zu erreichen. Denn wenn Sie etwas auf Facebook posten oder per Mailing verschicken, wissen Sie nie, ob es dort ankommt, wo es hinsoll, und es ist erst Recht unklar, ob der, der es bekommt, es auch liest und gerade gebrauchen kann. Besser ist es also, Ihre Nutzer holen sich die Infos selbst ab, wenn sie Zeit und Lust dazu haben.

Damit das geschieht, muss sich auf Ihrer Website aber auch etwas tun. Wer dreimal eine Seite aufgerufen hat und dreimal dasselbe lesen musste, kommt kein viertes Mal. Nun haben Sie aber vermutlich nicht jede Woche ein neues Angebot, einen neuen Mitarbeiter oder ein neues Produkt, das sie auf der Website vorstellen können. Hier greift Ihr Blog. Integrieren Sie ihn in die Website und lassen Sie die neuesten Blogposts automatisch auf der Startseite anzeigen. Schon finden Nutzer regelmäßig neue (im besten Fall auch spannende) Inhalte auf der Website und kommen irgendwann hoffentlich deshalb auch regelmäßig wieder. Ganz nebenbei nehmen sie so dann auch andere neue Informationen auf der Website wahr.

5. Grenzen Sie sich durch den Experten-Blog von Mitbewerbern ab!

In einigen Branchen gehört ein eigener Blog schon fast zum guten Ton. Viele freie Journalisten zum Beispiel bloggen. In anderen Branchen aber hat sich der Blog als Marketinginstrument noch nicht einmal annähernd durchgesetzt. Das ist Ihre Chance, sich gegen Mitbewerber aus der gleichen Branche abzusetzen. Geben Sie Ihren Kunden mit dem Blog einen Ton, eine Botschaft, eine Plattform, mit der sie sich identifizieren können. Im besten Fall führt das dazu, dass sie sich auch mit Ihnen und Ihrer Marke identifizieren und treue Kunden werden oder bleiben.

Einen Blog einzurichten und zu betreiben, ist kein Hexenwerk. Und in aller Regel auch nicht übermäßig teuer. Aber er kostet eben Zeit, vor allem, weil er nur effektiv ist, wenn er regelmäßig befüllt, moderiert und vermarktet wird. Wollen Sie lernen, wie das geht? Interessiert Sie, wie Sie einen Blog aufbauen? Wollen Sie herausfinden, worüber Sie erfolgreich bloggen könnten und wie? Dann haben Sie vielleicht Lust auf unser Seminar „Blogging für Anfänger“ am 16. März in Gotha. Ich würde mich jedenfalls sehr auf Sie freuen. Details zu Inhalt und Anmeldung finden Sie im Bild zum Post ganz oben.