Lange Texte richtig gliedern und spannend schreiben

Seit einigen Jahren gebe ich regelmäßig Schreib-Seminare für Mitarbeiter eines Sozialverbandes, die beruflich viel mit Text zu tun haben – und diese Schreibaufgaben so gut wie nie an einen professionellen Texter auslagern können. Die Fragen der Teilnehmer sind dabei immer dieselben: Wie bleiben auch Fachtexte verständlich? Wie mache ich Lust aufs Lesen und bringe die Leser dazu, in meinem Sinne auf den Text zu reagieren? Und wie strukturiere ich längere Texte wie Berichte?

Um Letzteres in Zukunft einfacher beantworten zu können, habe ich hier einen Leitfaden für alle entwickelt, die oft lange Textformen schreiben müssen:

  1. Schritt: Material sichten und Hauptthesen identifizieren
  2. Schritt: Passende Textart finden
  3. Schritt: Inhaltliche Einheiten definieren
  4. Schritt: Einleitung entwickeln und Leselust wecken
  5. Schritt: Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Material sichten und Hauptthesen identifizieren

Wer einen langen Text schreiben muss, hat in der Regel auch jede Menge Material dafür vorliegen. Das gilt für Berichte im Geschäftsleben genauso wie für lange Stücke im Journalismus. Zahlen, Fakten, Zitate, Beobachtungen, Hintergrund- und Quellenmaterial, Szenen und Analysen, Erklärungen und Erläuterungen und dazu persönliche Kommentare – je nachdem, wie lange die Recherche dauerte, kann der Wust an Informationen schier unüberwindbar wirken.

Deshalb ist der erste Schritt – lange bevor Sie einen Buchstaben zu Papier bringen – das Sortieren.

Nehmen Sie sich die Zeit, jede Zeile und jede Zahl, jede Quelle und jede Notiz noch mal zu lesen (am besten am Stück, damit alle Informationen gleich präsent sind, wenn Sie anschließend ans Strukturieren gehen). In diesem Arbeitsschritt – oder auch bei einem zweiten Lesen – markieren Sie mit einem Textmarker die wirklich wichtigen Passagen in Ihrem Recherchematerial.

Kleiner persönlicher Tipp: Ich markiere nicht nur die wesentlichen Passagen, sondern versehe sie auch gleich mit einem Kürzel, um auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich um einen relevanten Fakt, etwas, das ich im Text später als Zitat verwenden oder eine Beobachtung handelt, die dem Beitrag als szenische Darstellung dienen könnte. Fakten bekommen dann ein Ausrufezeichen am Rand, „S“ steht für Szene und „Z“ steht für Zitat. Selbstredend können Sie auch Ihre eigenen Kürzel erfinden.

Anschließend formulieren Sie aus dem Material eine Hauptthese. In journalistischen Texten ist das der Nachrichtenkern oder „Küchenzuruf“. In langen Berichten ist es meist nicht ganz einfach, alles auf einen einzigen Satz zu reduzieren. Suchen Sie in diesem Fall nicht so sehr nach einer inhaltlichen Hauptthese, sondern eher nach dem übergeordneten Ziel des Textes. Hier hilft es, wenn Sie sich fragen, was genau Sie mit Ihrem Bericht erreichen wollen. Definieren Sie aber auch Ihre Zielgruppe. Wen wollen Sie erreichen und was sollen diese Leser nach der Lektüre tun?

Denken Sie dabei nicht zu konkret, in diesem Schritt geht es wirklich nur um die große, übergreifende These. Sie dient Ihnen später beim Schreiben als Richtschnur, indem Sie immer wieder prüfen können, ob das, was Sie gerade schreiben, wirklich Ihrem Ziel dient. So schweifen Sie weniger ab und verlieren den roten Faden nicht.

Passende Textart(en) finden

Sie können einen Bericht natürlich einfach herunterschreiben, indem Sie einen Fakt an den anderen reihen. Lesegenuss schaffen Sie so aber eher nicht. Vor allem bei Texten, die sich über viele Seiten strecken, ist die Gefahr riesig, dass Ihre Leser mittendrin aussteigen. Damit verschenken Sie Ihre Chance, den Leser zu einer Reaktion zu bewegen, die in Ihrem Sinne ist. Wenn Sie etwa mit einem Tätigkeits- oder Geschäftsbericht Unterstützer, Spender oder Kooperationspartner gewinnen wollen, dann sollte der Bericht nicht dröge, langweilig und langatmig sein, sondern neugierig machen und überzeugen.

Das gelingt durch einen guten Stil, aber auch durch Abwechslung in den Darstellungsformen. Gerade umfangreiche Berichte profitieren davon, wenn der reine Fakten-Text ergänzt wird durch Mini-Reportagen (etwa Szenen aus konkret umgesetzten Projekten) oder wirklich interessante Interviews mit Verantwortlichen oder Projektteilnehmern. Überlegen Sie sich zunächst, in welcher Textart Sie den Haupttext gestalten wollen und finden Sie dann passende Darstellungsformen für die „Sidekicks“.

Inhaltliche Einheiten definieren

Jetzt geht es an die Struktur des Textes: Fassen Sie die Bestandteile Ihres Recherchematerials zu Blöcken zusammen, bilden Sie also inhaltliche Einheiten. Aber Vorsicht: Seien Sie ehrlich zu sich und zwingen Sie sich zu streichen. Was nicht zur Hauptthese aus dem vorherigen Arbeitsschritt, also zum Ziel Ihres Textes passt, fliegt beziehungsweise schafft es gar nicht erst in den Text.

Jede dieser einzelnen, inhaltlichen Einheiten bekommt jetzt eine Überschrift, die ihren jeweiligen Nachrichtenkern zusammenfasst. Das kann auch eine Leitfrage sein, die Sie dann im dazugehörigen Text umfassend beantworten.

Tipp: Diesen Arbeitsschritt können Sie gut mit Karteikarten organisieren. Legen Sie für jeden inhaltlichen Block eine Karte an, schreiben Sie oben die Überschrift oder Leitfrage auf und fügen Sie darunter stichpunktartig alle Fakten, Szenen, Zitate und Quellen hinzu, die dazu gehören. Die Karteikarten können Sie dann auf dem Tisch oder Boden ausbreiten und verschieben, um die richtige Reihenfolge und damit die perfekte Gliederung für den Text zu finden.

Einleitung entwickeln und Leselust wecken

Erst jetzt beginnen Sie mit dem Schreiben. Wenn Sie so viel Zeit in die Vorbereitungen investieren, hat das nicht nur den Vorteil, dass Sie schneller und strukturierter schreiben können. Es wird Ihnen auch leichter fallen, an verschiedenen Tagen an Ihrem Text weiterzuarbeiten, wenn Sie nicht am Stück schreiben können.

Um Neugier zu wecken, Lust auf den langen Text zu machen und die Leser davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Zeit für die aufwändige Lektüre zu investieren, kommt der Einleitung eine wichtige Rolle zu. Seien Sie ruhig kreativ und überlegen Sie sich eine lebendige Einleitung. Rufen Sie sich Ihre Hauptthese aus Schritt eins noch mal in Erinnerung, dann fällt Ihnen sicher etwas ein. Sind Sie eher ein Faktenmensch, können Sie auch erstmal mit dem Faktenteil des Textes beginnen und eine kreative Einleitung später ergänzen (oder vom Korrekturleser ergänzen lassen).

Die Einleitung ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Zusammenfassung Ihres Textes. Auch die steht häufig am Anfang und gibt dem Leser in Kurzform einen Überblick über die Fakten. Sie ist aber sehr sachlich. Die Einleitung dagegen soll vor allem Lust machen und den Leser in den Text ziehen. Hier führen Sie Ihre Protagonisten ein und skizzieren die Hauptthesen Ihres Textes. Das können Sie tun, in dem Sie den Leser Szenen nacherleben lassen oder starke Zitate Ihrer Protagonisten benutzen.

Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Ähnlich wichtig wie die Einleitung ist der Schluss Ihres Textes. Sie können die Einleitung fortführen und einen Rahmen schaffen, indem Sie zum Beispiel die Eingangsszene noch mal aufgreifen oder die Protagonisten aus der Einleitung noch mal zu Wort kommen lassen.

Hier ist aber nun auch Platz für das, was online der „Call to action“-Button wäre – also der Knopf, den die Nutzer drücken sollen, um zum Beispiel eine Bestellung zu tätigen, Informationsmaterial anzufordern oder Sponsor zu werden.

Nehmen Sie Ihre These aus Arbeitsschritt eins noch mal hervor, die Ihr Ziel definierte: Zu welcher „Action“, also welcher Handlung möchten Sie Ihre Leser mit dem Text motivieren? Sollen Sie Ihre Projekte im nächsten Geschäftsjahr finanziell unterstützen? Für Sie werben? Oder möchten Sie sie als Teilnehmer oder Kooperationspartner gewinnen?

Stimmen Sie Ihren Schluss darauf ab, indem Sie zum einen ganz deutlich machen, warum der Leser so und nicht anders handeln sollte, was er also davon hat, in Ihrem Sinne zu reagieren. Und machen Sie es ihm zum Zweiten so einfach wie möglich, genauso zu handeln. Das bedeutet: Geben Sie Kontakt- oder Bankdaten an, hängen Sie ein Adressen- oder Ansprechpartnerregister an und listen Sie alle Websites auf, die der Leser brauchen kann. Vermeiden Sie auf jeden Fall, dass er Ihren Text erst zur Seite legen und an anderer Stelle nach Informationen oder einer Kontaktmöglichkeit suchen muss.

Was tun, wenn der Texter die falschen Texte schreibt?

Ich habe wirklich eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Post veröffentliche, weil ich sie schon alle schreien höre: „Du kannst doch nicht Kunden öffentlich kritisieren!“ (Tue ich gar nicht.) „Jetzt denken alle, sie könnten endlos unbezahlt an Texten rummäkeln!“ (Das kann tatsächlich zu einem Problem werden, aber die meisten meiner Kunden sind sehr fair und gehören nicht zu der Gruppe, die abzocken und ausnutzen, deshalb riskiere ich es.). Weil ich aber glaube, dass der Nutzen dieses Posts größer ist als das Risiko:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Urlaub gebucht. Und Sie haben einen Aufpreis bezahlt, weil Sie Wert darauf legen, in einer Suite mit eigener Küchenzeile zu übernachten. Damit Sie morgens im Schlafanzug auf dem Zimmer frühstücken oder sich spontan einen Mitternachtssnack zubereiten können, wenn Ihnen danach ist. Das Geld ist schon abgebucht.

Sie kommen im Hotel an, man begrüßt Sie freundlich, erklärt Ihnen, wann und wo es Frühstück gibt, wie Sie an den Pool kommen, was es in der Nähe so an Sehenswürdigkeiten gibt – und dann zeigt man Ihnen Ihr Zimmer. Ein Zimmer. Keine Suite. Keine Küchenzeile.

Würden Sie einfach zwei Wochen lang den Kopf in den Sand stecken und nichts sagen? Oder würden Sie sofort wieder zur Rezeption laufen und darauf bestehen zu bekommen, was Sie gebucht haben?

Unzufrieden mit Texten vom Texter? Reden Sie darüber!

In letzter Zeit kam es immer mal wieder vor, dass ich Kunden hatte, die mit den Erstentwürfen der Texte für Ihre Website nicht so recht zufrieden waren. Das ist weder ungewöhnlich noch dramatisch, sondern ganz normal.

Immerhin haben wir meist nur ein Gespräch – oft genug sogar nur telefonisch – um uns kennenzulernen. Meist reicht mir das, um nicht nur die Fakten für die Texte abzufragen, sondern auch, um ein Gefühl für den Stil und den Ton zu bekommen, den sich meine Kunden wünschen. Aber meistens ist eben nicht immer.

Manchmal fehlt den Texten nur eine Kleinigkeit, um den Kunden wirklich glücklich zu machen. Manchmal liege ich auch total daneben und muss noch mal anfangen. Manchmal wird einem Kunden auch erst beim Lesen der Erstentwürfe klar, was und wie er es sich eigentlich genau wünscht. Vor allem solche Kunden, die sich mit Ihrem Marketing bisher noch nie richtig beschäftigt haben, fällt es manchmal schwer, auszuformulieren, was sie sich wünschen.

Das macht die Arbeit an den Texten nicht leichter, aber es macht sie auch nicht unmöglich. Unmöglich wird sie aber, wenn ich von diesen Kunden einfach nichts mehr höre. Manche melden sich wochenlang nicht mehr und wenn wir dann doch noch mal zueinander finden, erfahre ich, dass es daran lag, dass Ihnen die Texte nicht gefielen, Sie sich aber a) nicht trauten, mir das zu sagen und sie b) nicht formulieren konnten, was sie genau stört.

Deshalb heute meine zwei wichtigsten Ratschläge:

Trauen Sie sich, mir zu sagen, dass Ihnen meine Texte nicht gefallen!

Dem Hotelier würden Sie ja auch sagen, dass Sie sich etwas Anderes gewünscht – und bezahlt – haben. Auch für die professionelle Texterstellung zahlen Sie Geld. Entweder direkt, wenn Sie selbst einen Texter beauftragen. Oder indirekt über den Paketpreis, den Ihnen die Agentur für alle Leistungen in Rechnung stellt. Wir sind Dienstleister und Profis und zum Handwerk gehört auch das Nachbessern.

Im Mittelpunkt stehen Sie mit Ihrem Auftrag. Aber nur, wenn Sie mit mir reden, kann ich am Ende Texte bauen, die Sie auch langfristig glücklich machen – und die zu Ihrem Marketingkonzept insgesamt passen. Und wenn wir dafür zwei oder drei Anläufe brauchen, dann ist das so.

Sie verletzen weder meine Gefühle, noch bin ich beleidigt, wenn Sie meine Texte kritisieren. Aber ich bin frustriert, wenn ich dieser Kritik immer hinterherlaufen muss, genau merke, dass etwas nicht stimmt (und den Auftrag auch nicht abschließe kann, weil von Ihnen keine Reaktion kommt), aber nicht handeln kann. Also: Lassen Sie uns reden! Gerne auch immer wieder.

Äußern Sie Kritik einfach, wie Sie sie fühlen – und vergessen Sie die „richtigen“ Worte!

Wenn Sprache nicht gerade ein persönliches Hobby oder eben der Beruf ist, kann es richtig schwer sein, in Worte zu fassen, was Sie an einem bestimmten Text stört. Hören Sie auf, nach diesen Worten zu suchen.

Es kann sein, dass es länger dauert, bis ich verstehe, was Sie wirklich stört, wenn Sie es nicht direkt in Worte fassen können. Aber ich werde es irgendwann verstehen, weil ich im Zweifel Wort für Wort der Entwürfe mit Ihnen durchgehe. Ich werde Ihnen Alternativen vorschlagen zu Formulierungen, die Ihnen besonders missfallen. Und ich werde Ihnen Fragen stellen, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Fragen wie diese, die Ihnen vielleicht auch im Vorfeld helfen, besser zu fassen, was Ihnen an den Texten nicht gefällt:

  • Haben Sie den Eindruck, der Text ist für die falschen Personen geschrieben? Ist er Ihnen zu männlich, zu weiblich, zu kindlich?
  • Ist Ihnen der Text zu schmalzig, zu kitschig? (Ich liebe Adjektive, kann schon mal sein, dass ich damit ein bisschen sehr großzügig war und damit dieses Gefühl auslöse.)
  • Empfinden Sie den Text als zu trocken, langweilig, leblos?
  • Stören Sie bestimmte Worte, weil Sie die selbst nie benutzen und deshalb das Gefühl haben, sich selbst in Ihren Texten gar nicht mehr wiederzufinden? (Versuchen Sie herauszustreichen, welche Worte das genau sind.)
  • Fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sind sie nicht genug betont? Welche?
  • Fehlt dem Text Ihrer Meinung nach der rote Faden? Wünschen Sie sich andere Information weiter vorn im Text?
  • Ist Ihnen der Text zu lang (Vorsicht: Ist der Text für das Internet gedacht, sollten Sie 200 Worte pro Seite nicht unterschreiten, weil Sie sonst unter Umständen in den Suchmaschinen nicht mehr so gut gelistet sind)?
  • An welche Begriffe denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihr Unternehmen beziehungsweise das Produkt denken, um das es im Text geht? Tauchen diese (oder Synonyme) oft genug im Text auf?

Die Antworten auf diese Fragen helfen mir, herauszufinden, wo stilistisch die Stellschraube anzuziehen ist, damit der Text zu Ihrem Text wird. Fühlt er sich für Sie zum Beispiel zu männlich an, kann es sein, dass ich mit mehr Adjektiven und einem emotionaleren Vokabular schon einen großen Schritt in die richtige Richtung mache. Haben Sie das Gefühl, wichtige Informationen kommen nicht richtig zur Geltung, arbeite ich eher am Aufbau des Textes und wenn sich die Worte, an die Sie zuerst denken, wenn es um Ihr Unternehmen geht, im Text nicht wiederfinden, ist es kein Wunder, dass Sie beim Lesen unzufrieden sind.

Also trauen Sie sich: Wenn Ihnen der Erstentwurf nicht gefällt, denken Sie immer an das Hotel im Urlaub. Kommen Sie an meine Rezeption und teilen Sie mir mit, dass Sie noch nicht bekommen haben, was Sie gebucht haben (vor Reiseantritt! Natürlich dürfen Sie sich auch gern nach dem Einchecken noch umentscheiden, aber dafür fallen dann eben Umbuchungsgebühren an – auch beim Texter). Wenn wir miteinander reden, finde ich in den allermeisten Fällen auch einen Weg, Sie mit meinen Texten glücklich zu machen – früher oder später!

Geburtstagsgewinnspiel: Sieger steht fest!

Neue Woche, neues Glück. Bei Komplextext sind die Stapel auf dem Schreibtisch übers Wochenende auf geheimnisvolle Weise gewachsen und müssen jetzt zügig abearbeitet werden, aber vorher nehme ich mir die Zeit für diesen kurzen Blogpost, denn… Trommelwirbel… der Sieger des Geburtstagsgewinnspiels steht fest!

Sie erinnern sich? Komplextext wurde ein Jahr alt. Das haben wir mit einer Verlosung gefeiert. Übrigens, vielen Dank für die vielen Geburtstagswünsche, die mich über Facebook oder privat erreicht haben. Die Verlosung selbst hat zwar nur wenige Teilnehmer gefunden, das macht aber nichts. Gefreut habe ich mich über jede Nachricht und Sie wissen ja: Wenn Sie einen guten Texter brauchen, der sich besonders gut in Zielgruppen einfühlen und Ihre Ideen in die richtigen Sätzen verwandeln kann, dürfen Sie sich bei mir natürlich auch außerhalb jedes Gewinnspiels immer melden.

Einen Gewinner haben wir aber trotzdem – oder besser eine Gewinnerin: Eve. Eve schrieb unter dem Post zum Gewinnspiel:

„Ich habe mich mit einer Nischenseite auch auf ein bestimmtes Thema spezialisiert. Es geht dabei um Gesundheit im Mund. Auf meinem Blog würde ein ausführlicher Text zum Thema ‚Wie sich gesunde Ernährung (Essen u. trinken) auf die Mundflora auswirkt.‘ meinen Lesern einen tollen Mehrwert bieten. Ich freue mich sehr an der Verlosung teilzunehmen und bin jetzt gespannt wie ein Flitzebogen:-).“

Herzlichen Glückwunsch, liebe Eve! Ich freue mich sehr darauf, diesen Text zu schreiben – und dabei sicherlich auch noch selbst was zu lernen. Und er passt gerade gut in die Zeit. Auf dem über Wochenende geheimnisvollerweise gewachsenen Stapel liegt nämlich auch ein Auftrag, der zu deinem Thema passt: Die Website eines Zahnarztes soll neu getextet werden – mit den Schwerpunkten auf Prophylaxe und Zahnersatz. Und jetzt packe ich wohl mal die Schokolade, die hier neben mir liegt, weg und hole mir lieber einen Apfel, nicht wahr? 😉

Liebe Eve, noch einmal: Herzlichen Glückwunsch. Bitte schick mir deine Kontaktdaten per Mail an grasse@komplextext.de, damit wir in Ruhe einen Telefontermin ausmachen können, um über die Details deines Gewinns zu reden!

Happy Birthday, Komplextext!

Nur noch wenige Tage: Am Freitag knallen hier die Sektkorken – jedenfalls im übertragenen Sinne –  denn dann wird Komplextext ein Jahr alt. Unheimlich viel hat sich seither geändert. Entgegen aller Unkenrufe hat sich die enge Fokussierung als richtig erwiesen. Wo ich vorher einen Bauchladen voller toller Angebote hatte und von Grafik über Fotografie bis zur PR-Konzeption alles gemacht habe, ist da heute nur noch ein kleines Schatzkästchen in meiner Auslage: Da funkelt und glänzt der Text.

Und erstaunlicherweise fühle ich mich damit überhaupt nicht eingeschränkt. Das mag daran liegen, dass Kunden, mit denen ich auch früher schon zusammenarbeitete, wissen, dass ich auch die anderen Dinge kann und immer mal wieder auch in diesen Feldern um Unterstützung bitten. Aber das passiert nur noch sehr selten, auch weil ich es nicht forciere, denn auch beim reinen Texten kam in den vergangenen Monaten nie Langeweile auf.

Abwechslungsreiche, herausfordernde Aufträge

So unterschiedlich sind die Kunden und Projekte, für die und an denen ich arbeiten durfte. Das Magazin der Welterberegion Wartburg Hainich ist ein Herzensprojekt. Das ist Heimat und deren Schönheit so zu beschreiben, dass auch Fremde sich verlieben, war mir eine große Freude. Ganz neu entwickelte sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen, die im Auftrag ihrer eigenen Kunden Websites betexten lassen. Das kann relativ einfach sein – wie die Texte für eine Physiotherapiepraxis oder ein Sonnenstudio. Das kann aber auch richtig, richtig anspruchsvoll sein wie die Energiepolitiktexte für einen großen Industrieverband, die mich nicht nur als Texterin, sondern in meinem Kern als Journalistin gefordert haben. Sie waren nämlich nicht nur aufwendig zu schreiben, sie waren auch rechercheintensiv. Ebenso neu – und eine große Leidenschaft – sind die Bastelseiten, die ich einmal in der Woche für diverse Tageszeitungen in Südthüringen und Nordbayern produziere. Projekte zu finden, die sich mit Kindern basteln lassen, die echten Nutzwert bieten, nicht in jedem x-beliebigen Bastelbuch stehen, kein Vermögen kosten und die Wohnung nicht in ein Schlachtfeld verwandeln – die Herausforderung ist nicht zu unterschätzen. Und ich liebe sie.

Aktuell darf ich helfen, die Website des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal neu zu gestalten (Übrigens ist ein Naturpark etwas ganz anderes als ein Nationalpark. Es lohnt sich, sich damit mal zu beschäftigen. Bei Bedarf erkläre ich das auch gern in den Kommentaren). Auch das ist für mich Heimat (jedenfalls der südliche Teil), aber wie das so ist: Von den Schönheiten, die direkt vor der eigenen Haustür liegen, weiß man meistens am wenigsten. Deshalb liegt, wenn ich die Texte schreibe, jetzt immer ein kleiner Notizzettel neben meinem Rechner, auf dem ich mir aufschreibe, was ich mir jetzt endlich und unbedingt ansehen, welche Wege ich wandern und welche Abenteuer (Wasserwandern!) ich erleben muss.

Neues „Lebensjahr“ bringt neue Ideen und Projekte

Es war ein aufregendes Jahr, ein arbeitsreiches, ein befriedigendes. Und ich habe vor, das nächste genauso zu gestalten. Neue Projekte sind schon in Arbeit. Da ist das Bastelbuch, das im November erscheinen soll. Da sind die Schreibcoachings, die ich anbiete – und die im Frühjahr durch ein ebook und eine kostenlose Online-Challenge flankiert werden sollen. Und auch meine eigene Weiterbildung wird ein Schwerpunkt werden. Im Moment zum Beispiel arbeite ich mich in alles ein, was mit SEO-Texten zu tun hat, also Beiträgen, die für Suchmaschinen optimiert sind.

Dieses Geburtstagsgeschenk können Sie gewinnen!

Aber erstmal feiere ich Geburtstag. Und zum Geburtstag gehören Geschenke. Und wenn ich mich auch immer über Geschenke freue (Danke für die leeren Kaffeekapseln zum Basteln, lieber Kollege, die sind diese Woche gut angekommen!) – heute bekommen Sie ein Geschenk. Zum 1. Geburtstag von Komplextext verlose ich einen Text. Wenn Sie also eh gerade Ihre Website neugestalten oder einen Flyer, ein Mailing, einen Liebesbrief, eine Rede oder irgendetwas anderes schreiben wollten, ist das hier Ihre Chance.  Unter allen Beiträgen, die als Kommentare hier im Blog oder auf der Komplextext-Facebookseite eingehen, verlose ich maximal zwei DIN A4-Seiten Text. Das sind etwa 1200 Wörter oder knapp 8000 Zeichen. Damit lässt sich eine ganze Menge sagen – vor allem in einem professionellen Beitrag. Vorher besprechen wir natürlich ausführlich Ziele, Zielgruppen, Inhalte und Ausspielwege, damit Sie Ihren Gewinn am Ende auch wirklich sinnvoll einsetzen können.

Ich glaube zwar nicht, dass dieser Hinweis nötig ist, aber dennoch: Der Gewinn kann nicht eingelöst werden für Texte, die gegen Gesetze oder die guten Sitten verstoßen. Ich behalte mir vor, das Texten abzulehnen, wenn ich es nicht mit meinen Überzeugungen oder meinem Berufsethos vereinbaren kann. Für die Richtigkeit der Informationen übernimmt der Gewinner die Gewährleistung, sofern sie von ihm zur Verfügung gestellt wurden.

Also los, ran an die Tasten: Feiern Sie mit mir den 1. Komplextext-Geburtstag, schreiben Sie mir in den Kommentaren, wofür Sie Ihren Gewinn einsetzen würden und ich lasse Ende nächster Woche das Los entscheiden, wenn es mehrere Interessenten gibt. Damit es spannender wird, dürfen Sie diesen Beitrag natürlich auch gern großzügig teilen und weiterverbreiten. Happy Birthday!

Stillos: Als Texter bin ich Handwerker, kein Künstler

Vor kurzem erklärte ich hier, dass der größte Vorteil für meine Kunden die Tatsache ist, dass ich von nichts so richtig Ahnung habe. Es gibt einen weiteren: Ich bin keine Edelfeder. Sie wissen schon: Autoren, die regelrecht Künstler sind, die mit Sprache malen und komponieren und deren Stil so unverkennbar ist, dass Sie den Autorennamen gar nicht lesen müssen, um zu wissen, von wem der Text ist. Sprache auszureizen, mit ihr zu spielen und sie zu zelebrieren, genieße auch ich. Aber ich habe keinen persönlichen Stil. Ich bin eher Handwerker als Künstler. Wie ein Drechsler lernt, wie er das Holz bearbeiten muss, damit es am Ende gleichmäßig und weich ist, habe ich gelernt, wie ich Worte bearbeiten und verbinden muss, um eine bestimmt Wirkung zu erzielen.

Jeder Text ist anders – weil jeder Kunde anders ist

Und darin liegt in Sachen PR ein großer Vorteil: Ich bin auf das Handwerk, die Basis festgelegt, aber nicht auf das Ergebnis. Mein Stil ist flexibel und ich kann ihn frei auf den Auftraggeber und seine Zielgruppen anpassen. Das macht mich – so ehrlich muss man sein – als Autorin austauschbar. Es würde im Zweifel nicht auffallen, wenn ich zum Beispiel in der Zeitung nicht mehr schreibe, weil es einfach ein anderer machen würde. Wollte ich mein Geld vor allem im Journalismus oder als Buchautorin verdienen, würde mir das das Leben ziemlich schwer machen. Will ich aber nicht. Ich genieße die Mischung, die ich beruflich leben darf und zu der eben auch gehört, dass ich einen großen Teil meiner Zeit in PR-Projekte stecke. Dort ist meine „Stillosigkeit“ ein Segen.

Für einen Wirtschaftsverband, für den ich kürzlich wirtschaftspolitische Dossiers und Einzeltexte schrieb, texte ich ganz anders als für ein Gästemagazin, das den Jahreslauf extra für Kinder aus Sicht einer Wildkatze schildert. Einen Text für die Website eines Sonnenstudios lasse ich anders klingen als den für einen Finanzdienstleister. Und selbst in eigener Sache passe ich meinen Rhythmus, meine Klangfarbe und meine Ansprache an: Hier auf dem Komplextext-Blog bin ich formeller unterwegs als auf tueteglueck.wordpress.com, meinem Kreativblog, der aber inzwischen auch Teil meiner professionellen Präsenz ist.

„Komische“ Fragen im Kundenbriefing ernst nehmen

Aus diesem Grund bitte ich bei einem Briefing durch den Kunden auch immer um mehr als eine Erklärung zu Inhalt und Länge des Textes. Ich frage einen Kunden zum Beispiel auch nach solchen Dingen:

  • Wer soll den Text lesen?
  • Wie soll sich der Leser fühlen, wenn er den Text gelesen hat?
  • Was soll der Leser tun, wenn er den Text gelesen hat?
  • Welche Eigenschaften soll man mit Ihrem Unternehmen/Produkt/Angebot verbinden?
  • Welche Eigenschaften verbinden Sie mit Ihrem Unternehmen/Produkt/Angebot?

Diese Fragen stelle ich so nicht immer im Wortlaut, es gibt diverse Abwandlungen je nach Typ Mensch, der mir gegenüber sitzt. Der eine mag solche Gespräche eher sachlich und faktenorientiert, der andere fühlt sich auf der emotionalen Ebene direkt wohl. Aber wie auch immer es mir gelingt: Um den Text wirklich auf den Kunden zuzuschneiden, brauche ich die Antworten auf diese weichen Fragen, denn sie geben mir – mehr als alle Fakten – einen Hinweis darauf, wie der Text aufgebaut sein muss und wie er klingen darf.

Wenn Sie also das nächste Mal einen Texter engagieren und er Ihnen solche vermeintlich seltsamen Fragen stellt: Blocken Sie nicht ab, sondern freuen Sie sich. Vermutlich haben Sie auch ein Exemplar erwischt, das kein Künstler ist, sondern ein solider Handwerker. Und wie jeder gute Handwerker baut er Ihnen ihr (textliches) Zuhause so, dass Sie und Ihre Mitbewohner sich wohl fühlen – und nicht so, wie er selbst es gerne hätte.

Stärkste Waffe im Kampf um guten Stil: Textkritik

Diesen Blogpost möchte ich mit einem Satz beginnen, der mir in der Ausbildung mitleidslos gestrichen worden wäre, weil „eigentlich“ eigentlich kein Wort ist. Trotzdem: Eigentlich arbeite ich ja nicht mehr für Tageszeitungen. Jedenfalls war das im kompletten, vergangenen Jahr so. Doch Dinge ändern sich eben. Vergangene Woche war ich also nach über einem Jahr wieder in einer Redaktion der Thüringer Allgemeine, zum ersten Mal in Ilmenau – übrigens eine viel spannendere Stadt (und Gegend) als man auf den ersten Blick glaubt. Die Abstinenz hat mir gut getan, Themenideen flogen mir nur so zu. In vier Tagen, die ich dort aushalf, habe ich es auf 11 Beiträge geschafft. Viele davon waren durchschnittlich, einer richtig toll – fand ich.

Doch dann ließ ich ihn jemanden lesen, der weder mit dem Thema, noch mit der Zeitung oder dem Journalismus etwas zu schaffen hat. Der fand den Text zwar nicht schlecht, konnte die Euphorie aber nicht teilen. Sätze, die ich brillant fand, hatte er kaum wahrgenommen, weil sie sich in ihrer Struktur zu wenig von den sie umgebenden abgehoben hatten. Nun kann man das auf unterschiedliche Geschmäcker und Lesegewohnheiten schieben. Und tatsächlich ist der Testleser auch eher kein Reportagen-, sondern ein Nachrichtenleser. Aber ich fände es sträflich, die Erkenntnisse aus diesem spontanen Test so abzutun.

Textkritik hilft auch bei Pressemitteilungen und Artikeln für die Firmen-Website

Im Studium und sogar noch im Volontariat war es üblich, dass ein erfahrener Kollege meine Texte las und kritisierte, bevor sie veröffentlicht wurden. Nichts in meiner Ausbildung hat mich je weiter gebracht als diese Textkritik. Doch irgendwann ist man selbst der erfahrene Kollege und die eigenen Texte werden nur noch auf Rechtschreibfehler korrigiert, aber nicht mehr ausführlich analysiert und besprochen. Dafür ist im Redaktionsalltag gar keine Zeit. Doch manchmal tut eine solche Sicht von außen Not, um die eigenen Stilmarotten zu erkennen – und sie entweder als eigene Handschrift zu etablieren oder auszumerzen.

Diese Erfahrung mache ich regelmäßig auch in meinen Schreibseminaren. An ein bis zwei Tagen lernen die Teilnehmer bei mir, wie man eine ordentliche Pressemitteilung oder einen Text schreibt und wie man diese anschließend möglichst erfolgreich vertreibt. Die meisten Seminarteilnehmer müssen dabei sehr viel neuen Stoff aufnehmen. Doch das ist gar nicht das Problem. Die Theorie haben viele schnell verinnerlicht, aber erstaunlicherweise heißt das noch lange nicht, dass sie die neuen Regeln auch in der Praxis anwenden können. Oft merken sie nicht einmal, dass sie beim Schreiben sofort wieder in alte Muster verfallen und kaum etwas von dem neuen Wissen in ihre Texte einfließt.

Bisher habe ich nur eine Methode gefunden, um dieses Problem zu lösen: die regelmäßige Textkritik. Das Seminar und das Handout bereiten den Boden und legen die Saat aus. Aber damit aus Saat etwas wächst, muss man wässern, düngen und gut zureden. In unserem Fall: üben und reflektieren. Das ist an eigenen Texten fast unmöglich (Nur, wenn man sie mit viel zeitlichem Abstand liest, fallen einem bei eigenen Texten Schwächen auf). Deshalb lautet meine Empfehlung: Lassen Sie nach einem Schreibseminar neue Texte immer von einem Kollegen gegenlesen, der die Veranstaltung auch besucht hat. Aber: Seien Sie dann auch kritikfähig! Und weil das unter Kollegen schwierig ist, biete ich oft an, nach dem Seminar selbst zu Textkritik-Tagen vorbei zu kommen. Über ein halbes Jahr treffen wir uns einmal im Monat und besprechen ganz ausführlich Ihre Texte, die in der Zwischenzeit entstanden sind. Sie bekommen die Chance, sie noch mal zu überarbeiten, denn nur, was man regelmäßig einübt, wird irgendwann zur Gewohnheit – das gilt auch für das Schreiben.

Dass das funktioniert weiß ich, trotzdem hatte ich die Textanalyse und -kritik bei meinen eigenen Texten schleifen lassen – bis sie jetzt eben eher zufällig meinen Lieblingsbeitrag traf. Das tut ein bisschen weh – zugegeben – aber es hilft auch. Und auch wenn er vielleicht nicht so brillant steht, wie er es tun könnte, ist der Satz der Sätze immer noch toll. Er lautet: „Als ginge es weniger ums Blasen, ums Gestalten, als vielmehr darum, Herr über Hitze und Kälte zu werden.“

Und worum es in dem Beitrag nun tatsächlich ging? Die Auflösung finden Sie hier, wenn Sie sich trauen.