Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

Blogparade: Der weibliche Weg zum Erfolg

Kürzlich bin ich in einer Facebook-Gruppe über eine Blogparade gestolpert, in der es um „weiblichen“ Erfolg geht. Mit solchen Gender-Zuschreibungen tue ich mich furchtbar schwer. Ich bin kein Verfechter der Frauenquote und halte auch nicht viel von Ratgebern, die sich auf die männliche oder eben weibliche Art etwas zu tun fokussieren. Als wäre das Geschlecht ein Malus, den es zu überwinden gälte – oder eine Geheimwaffe, die man nur zu nutzen lernen müsse. Beides halte ich für Unsinn. Trotzdem: Seit ich von dieser Blogparade unter dem Titel „Der weibliche Weg zum Erfolg“ gelesen habe, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf und ich habe mich also entschlossen, selbst teilzunehmen.

Männlichen Erfolg kann man zählen, weiblichen hören

Ich glaube, ob Erfolg männlich oder weiblich ist, hängt gar nicht so sehr mit den Dingen zusammen, die man tut oder sagt, um erfolgreich zu sein. Meiner Meinung nach ist der einzige Unterschied die Definition von Erfolg, denn darin unterscheiden sich Frauen (immer noch) häufig von vielen Männern, habe ich beobachtet.

Männlicher Erfolg lässt sich zählen. Ein Mann definiert sich als erfolgreich über das Gehalt oder den Umsatz, über die Zahl der Aufträge, die Position im Unternehmen, den Titel auf der Visitenkarte. Viele Frauen haben nach wie vor das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, wenn sie das Gleiche anstreben, weil es so „unweiblich“ ist. Sie definieren ihren Erfolg eher über das Lob der Anderen, die Zahl der Weiterempfehlungen und manchmal sogar über die Zahl der Überstunden (wobei auch Männer die zum Prahlen nutzen, überarbeitet zu sein, ist derzeit sehr in und unsinnigerweise ein Erfolgssymbol).

Nicht der weibliche Weg, aber MEIN Weg

Ich bin mit Komplextext noch lange nicht da, wo ich mal sein möchte. Aber ich empfinde mich dennoch auch heute schon als erfolgreich. Aber bin ich anders erfolgreich als meine männlichen Texterkollegen? Ja, ich bin stärker auf Harmonie bedacht als viele von ihnen. Auch wenn ein Kunde oder Geschäftspartner Forderungen stellt, die an Unverschämtheit grenzen, schimpfe ich lange nur im (leeren) Büro allein vor mich hin, bevor ich den Konflikt (und damit eine Lösung) suche. Macht mich das weniger erfolgreich? Ich glaube nicht, denn ausschlaggebend ist, DASS ich den Konflikt annehme – nicht, WANN ich das tue.

Ich glaube nicht, dass Erfolg davon abhängt, ob ich einen weiblichen oder einen männlichen Weg gehe. Er hängt davon ab, ob ich MEINEN Weg finde. Ich muss mich mit dem, was ich verkaufe und den Konditionen, zu denen ich es anbiete, wohl fühlen. Nur dann kann ich authentisch und selbstbewusst auftreten – und erfolgreich sein. MEIN Weg zum Erfolg war mit folgenden Lektionen gepflastert:

  1. Keine Dumpinghonorare!

Der schlimmste Fehler, den ich im Laufe meiner Selbstständigkeit je gemacht habe: Am Anfang habe ich mich auf Honorare eingelassen, die nicht mal die Spritkosten für die Fahrt zum Briefing und zurück deckten. Warum? Weil ich zum einen keine (brauchbare) Kalkulation für meine Stunden- und Tagessätze gemacht hatte. Und zum anderen, weil ich vor lauter Panik, nicht genug zu verdienen, um davon zu leben, einfach jeden Auftrag angenommen habe.

Klar, am Anfang braucht man Referenzen und marktangemessene Preise durchzusetzen ohne jede Erfahrung ist schwierig. Aber: Einmal zu niedrig angesetzte Honorare später auf ein ordentliches Niveau zu bringen, ist beinahe unmöglich. Deshalb: Keine Dumpinghonorare!

Das hat noch einen weiteren Vorteil: Wenn ich bei 90 Prozent aller Aufträge angemessene Preise erziele, kann ich mir ein- oder zweimal im Jahr auch ein schlecht- oder unbezahltes Herzensprojekt gönnen.

  1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken!

In meiner Branche haben viele Kollegen eine Heidenangst davor, sich zu vernetzen. Wenn sie einem anderen Texter einen Auftrag vermitteln oder ihn als Projektpartner ins Boot holen, befürchten sie, von ihm ausgebootet zu werden. Die Erfahrung (und der gesunde Menschenverstand) zeigt aber, dass das quasi nie passiert. Warum auch? Die Branche ist überschaubar, man kennt sich – und sei es nur über drei Ecken – und es spricht sich schlichtweg herum, wenn jemand ständig Kollegen verdrängt oder über den Tisch zieht. Derjenige steht sehr schnell selbst ohne Netzwerk und damit auch ohne Autragsnachschub da.

Die Ängste sind also zumindest übertrieben. Die Vorteile, die ein gutes Netzwerk mit sich bringt, werden dagegen immer noch oft unterschätzt. Wenn ich eine Flaute erlebt habe, fand ich den Weg heraus nie über Akquise (auch weil ich unfassbar unbegabt auf diesem Gebiet bin), sondern immer über mein Kollegen-Netzwerk, in dem ich dann gestreut habe, dass ich freie Kapazitäten und Lust auf neue Aufträge hätte. Das hat nicht immer sofort funktioniert, aber es hat funktioniert – und häufig sind daraus nicht nur einmalige, sondern auch langfristige Zusammenarbeiten entstanden.

Darüber hinaus habe ich mein Netzwerk auch auf Personen aus verwandten Branchen ausgeweitet, bin also gut vernetzt mit Fotografen, Webdesignern oder Grafikern, denn häufig kommt es vor, dass ein Kunde ein Projekt am liebsten als Ganzes vergeben will, um nur einen Ansprechpartner zu haben. Ich habe von Bereichen, die ans Texten grenzen, zwar Ahnung, aber ich bin darin kein Experte. Also sammle ich Experten um mich herum – und kann dem Kunden das Gesamtpaket zu optimaler Qualität anbieten.

  1. Ich muss nicht alles selber können!

„Du musst nicht alles selber können!“ Das hat mal ein Kommilitone zu mir gesagt. Damals ging es um eine Excel-Tabelle (Excel und ich – wir sind bis heute keine engen Freunde.), aber die Lektion hat sich festgesetzt. Man ist nicht erfolgreich, wenn man alles selbst macht. Erfolg ist, zu wissen, worin man so gut ist, dass es sich lohnt, seine Zeit genau in diese Aufgaben zu investieren – und andere zu delegieren. Dinge, die ich zum Beispiel abgegeben habe, weil ich darin nicht gut bin (und/oder sie mich wahnsinnig machen): Alles, was mit Steuern zu tun hat und alles, was nötig ist, damit ein Rechner oder eine sonstige Maschine mit einer Macke wieder richtig läuft. In der Zeit, in der mein Steuerbüro meine Buchhaltung macht oder der IT-Mann meinen Rechner wieder zum Laufen bringt, kann ich mich um mein Unternehmen, meine Aufträge und Auftraggeber – oder diesen Blog – kümmern. Davon haben wir alle was.

  1. Nische finden!

Gegen diese Lektion habe ich mich sehr lange gewehrt. Ich bin Journalistin geworden, um mich nicht festlegen zu müssen, fand es toll, dass ich jeden Tag etwas Neues sehen, erfahren, ausprobieren, lernen konnte. Entsprechend habe ich ein paar Jahre nach Beginn meiner Selbstständigkeit einen ganzen Bauchladen an Angeboten mit mir herumgetragen: Texten, Fotografieren, Layouten, Social-Media-Management, Lektorieren, Reden schreiben, Seminare geben – alles, was ich spannend fand, habe ich ausprobiert und schließlich auch meinen Kunden angeboten. Immer im Glauben: Je mehr ich anbiete, desto mehr verkaufe ich auch.

Das war ein kolossaler Trugschluss. Es ist vielmehr wie bei einem Handwerker: Wenn Sie Ihr Bad fliesen lassen wollen und der Fliesenleger Ihnen versichert, er könne genauso gut auch noch Ihr Dach decken und die elektrischen Leitungen neu verlegen, würden Sie ihm ja auch kein Wort glauben (egal, ob er für all diese Gewerke Zusatzqualifikationen nachweisen kann oder nicht). Wahrscheinlich würden Sie vielmehr anfangen, auch an seinen Fähigkeiten als Fliesenleger zu zweifeln. So ungefähr ging mir das auch. Bis ich mit Komplextext einen Neuanfang mit neuer – streng fokussierter – Ausrichtung wagte.

Meine Nische ist der Text – aber eben auch alles, was dazu gehört. Ich biete Fotografie- und Grafikdienstleistungen nicht mehr aktiv an (profitiere von der Qualifikation aber trotzdem und sei es nur, weil ich meine Geschäftsausstattung selbst produzieren kann), dafür aber alles rund um das professionelle Texten. Das sind Schreibwerkstätten und Seminare ebenso wie Texte für Website oder Social-Media-Kanäle. Text – das bin ich, ohne dass ich mich dabei allzu sehr einengen muss. Und das fühlt sich genau richtig an, was auch meine Auftraggeber merken.

Und noch einen Vorteil hat diese klare Fokussierung: Ich bin für potenzielle Auftraggeber viel leichter zu finden, denn die googeln im Zweifel nach „Texter“ und vielleicht noch der geografischen Nähe. Darunter hat man mich früher vergeblich gesucht. Heute ist das anders.

  1. An die Zukunft denken!

Dass man als Unternehmerin die Zahlen im Blick haben muss, ist nicht gerade das, was ich als die schönste Seite meines Jobs bezeichnen würde. Aber über die Jahre habe ich gelernt, dass es trotzdem wichtig ist. So bequem es ist, die Buchhaltung und den Steuerkram auszulagern: Ich habe trotzdem immer einen Überblick über meine Zahlen und bilde Rücklagen für alle relevanten Belange.

Das meint zum einen so kleine Dinge wie die Versicherung, die nur einmal im Jahr abbucht. Wenn ich jeden Monat einen kleinen Betrag dafür zurücklege, tut die große Abbuchung im Januar (einem der umsatzschwächsten Monate in der Regel) nicht so weh. Das meint aber auch große, weit in die Zukunft gedachte, Rücklagen wie für die Altersvorsorge oder auch für ein neues Auto, eine teure Weiterbildung oder neues Equipement. Wenn ich jeden Monat ein bisschen dafür abzweige, schlafe ich ruhiger – auch wenn ein Monat mal nicht so prickelnd läuft. Allerdings müssen diese Rücklagen dafür auch sicher sein. Wer also dazu neigt, Geld auszugeben, wenn es da ist, sollte für die Rücklagen ein eigenes, separates Konto anlegen.

  1. Auszeiten nicht nur planen, sondern auch nehmen!

Dieser Fehler hätte mich vor ein paar Jahren beinahe ins Verderben gestürzt. Auszeiten für den Sport, den Stadtbummel oder den Spaziergang habe ich mir immer eingeplant – die standen sogar fest im Kalender. Und waren das Erste, was daraus verschwand, sobald es stressig wurde. Ich habe nie weniger wichtige Termine mit anderen abgesagt, sondern immer die, die ich nur mit mir und für mich eingetragen hatte. Eine Zeit geht das gut, aber irgendwann fordern Körper und Seele ihren Tribut für diesen Raubbau. Ich muss mich noch immer ziemlich zusammenreißen, um diesen Fehler nicht zu wiederholen, aber mir half ein Umdenken: Ich bin es nicht nur mir schuldig, für Ausgleich und Erholung zu sorgen, sondern auch meinen Kunden. Die bezahlen schließlich ordentliches Geld und dürfen dafür auch eine sehr gute Leistung erwarten. Die kann ich aber nur bringen, wenn ich ausgeruht und voller Energie bin.

Warum freiberuflich? Hier gibt es die Antwort

Vor einiger Zeit fragten Kollegen in einer Blogparade, warum Menschen wie ich gerne freiberuflich arbeiten. Auf der Suche nach der Antwort dachte ich viel und lange über meinen Beruf, meine Art zu arbeiten und meine Persönlichkeit nach. Am Ende aber war meine Antwort weder philosophisch, noch moralisch, sondern ganz pragmatisch – nachzulesen im ebook, das jetzt aus dieser Blogparade entstanden ist.

Die Kollegen haben die besten Beiträge ergänzt um eine ganze Reihe wirklich guter Tipps für all jene, die ebenfalls darüber nachdenken, freiberuflich im Journalismus Fuß zu fassen. Und hier gibt es das Buch in verschiedenen Dateiformaten zum Download – völlig kostenlos, aber sicher nicht umsonst.