Lange Texte richtig gliedern und spannend schreiben

Seit einigen Jahren gebe ich regelmäßig Schreib-Seminare für Mitarbeiter eines Sozialverbandes, die beruflich viel mit Text zu tun haben – und diese Schreibaufgaben so gut wie nie an einen professionellen Texter auslagern können. Die Fragen der Teilnehmer sind dabei immer dieselben: Wie bleiben auch Fachtexte verständlich? Wie mache ich Lust aufs Lesen und bringe die Leser dazu, in meinem Sinne auf den Text zu reagieren? Und wie strukturiere ich längere Texte wie Berichte?

Um Letzteres in Zukunft einfacher beantworten zu können, habe ich hier einen Leitfaden für alle entwickelt, die oft lange Textformen schreiben müssen:

  1. Schritt: Material sichten und Hauptthesen identifizieren
  2. Schritt: Passende Textart finden
  3. Schritt: Inhaltliche Einheiten definieren
  4. Schritt: Einleitung entwickeln und Leselust wecken
  5. Schritt: Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Material sichten und Hauptthesen identifizieren

Wer einen langen Text schreiben muss, hat in der Regel auch jede Menge Material dafür vorliegen. Das gilt für Berichte im Geschäftsleben genauso wie für lange Stücke im Journalismus. Zahlen, Fakten, Zitate, Beobachtungen, Hintergrund- und Quellenmaterial, Szenen und Analysen, Erklärungen und Erläuterungen und dazu persönliche Kommentare – je nachdem, wie lange die Recherche dauerte, kann der Wust an Informationen schier unüberwindbar wirken.

Deshalb ist der erste Schritt – lange bevor Sie einen Buchstaben zu Papier bringen – das Sortieren.

Nehmen Sie sich die Zeit, jede Zeile und jede Zahl, jede Quelle und jede Notiz noch mal zu lesen (am besten am Stück, damit alle Informationen gleich präsent sind, wenn Sie anschließend ans Strukturieren gehen). In diesem Arbeitsschritt – oder auch bei einem zweiten Lesen – markieren Sie mit einem Textmarker die wirklich wichtigen Passagen in Ihrem Recherchematerial.

Kleiner persönlicher Tipp: Ich markiere nicht nur die wesentlichen Passagen, sondern versehe sie auch gleich mit einem Kürzel, um auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich um einen relevanten Fakt, etwas, das ich im Text später als Zitat verwenden oder eine Beobachtung handelt, die dem Beitrag als szenische Darstellung dienen könnte. Fakten bekommen dann ein Ausrufezeichen am Rand, „S“ steht für Szene und „Z“ steht für Zitat. Selbstredend können Sie auch Ihre eigenen Kürzel erfinden.

Anschließend formulieren Sie aus dem Material eine Hauptthese. In journalistischen Texten ist das der Nachrichtenkern oder „Küchenzuruf“. In langen Berichten ist es meist nicht ganz einfach, alles auf einen einzigen Satz zu reduzieren. Suchen Sie in diesem Fall nicht so sehr nach einer inhaltlichen Hauptthese, sondern eher nach dem übergeordneten Ziel des Textes. Hier hilft es, wenn Sie sich fragen, was genau Sie mit Ihrem Bericht erreichen wollen. Definieren Sie aber auch Ihre Zielgruppe. Wen wollen Sie erreichen und was sollen diese Leser nach der Lektüre tun?

Denken Sie dabei nicht zu konkret, in diesem Schritt geht es wirklich nur um die große, übergreifende These. Sie dient Ihnen später beim Schreiben als Richtschnur, indem Sie immer wieder prüfen können, ob das, was Sie gerade schreiben, wirklich Ihrem Ziel dient. So schweifen Sie weniger ab und verlieren den roten Faden nicht.

Passende Textart(en) finden

Sie können einen Bericht natürlich einfach herunterschreiben, indem Sie einen Fakt an den anderen reihen. Lesegenuss schaffen Sie so aber eher nicht. Vor allem bei Texten, die sich über viele Seiten strecken, ist die Gefahr riesig, dass Ihre Leser mittendrin aussteigen. Damit verschenken Sie Ihre Chance, den Leser zu einer Reaktion zu bewegen, die in Ihrem Sinne ist. Wenn Sie etwa mit einem Tätigkeits- oder Geschäftsbericht Unterstützer, Spender oder Kooperationspartner gewinnen wollen, dann sollte der Bericht nicht dröge, langweilig und langatmig sein, sondern neugierig machen und überzeugen.

Das gelingt durch einen guten Stil, aber auch durch Abwechslung in den Darstellungsformen. Gerade umfangreiche Berichte profitieren davon, wenn der reine Fakten-Text ergänzt wird durch Mini-Reportagen (etwa Szenen aus konkret umgesetzten Projekten) oder wirklich interessante Interviews mit Verantwortlichen oder Projektteilnehmern. Überlegen Sie sich zunächst, in welcher Textart Sie den Haupttext gestalten wollen und finden Sie dann passende Darstellungsformen für die „Sidekicks“.

Inhaltliche Einheiten definieren

Jetzt geht es an die Struktur des Textes: Fassen Sie die Bestandteile Ihres Recherchematerials zu Blöcken zusammen, bilden Sie also inhaltliche Einheiten. Aber Vorsicht: Seien Sie ehrlich zu sich und zwingen Sie sich zu streichen. Was nicht zur Hauptthese aus dem vorherigen Arbeitsschritt, also zum Ziel Ihres Textes passt, fliegt beziehungsweise schafft es gar nicht erst in den Text.

Jede dieser einzelnen, inhaltlichen Einheiten bekommt jetzt eine Überschrift, die ihren jeweiligen Nachrichtenkern zusammenfasst. Das kann auch eine Leitfrage sein, die Sie dann im dazugehörigen Text umfassend beantworten.

Tipp: Diesen Arbeitsschritt können Sie gut mit Karteikarten organisieren. Legen Sie für jeden inhaltlichen Block eine Karte an, schreiben Sie oben die Überschrift oder Leitfrage auf und fügen Sie darunter stichpunktartig alle Fakten, Szenen, Zitate und Quellen hinzu, die dazu gehören. Die Karteikarten können Sie dann auf dem Tisch oder Boden ausbreiten und verschieben, um die richtige Reihenfolge und damit die perfekte Gliederung für den Text zu finden.

Einleitung entwickeln und Leselust wecken

Erst jetzt beginnen Sie mit dem Schreiben. Wenn Sie so viel Zeit in die Vorbereitungen investieren, hat das nicht nur den Vorteil, dass Sie schneller und strukturierter schreiben können. Es wird Ihnen auch leichter fallen, an verschiedenen Tagen an Ihrem Text weiterzuarbeiten, wenn Sie nicht am Stück schreiben können.

Um Neugier zu wecken, Lust auf den langen Text zu machen und die Leser davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Zeit für die aufwändige Lektüre zu investieren, kommt der Einleitung eine wichtige Rolle zu. Seien Sie ruhig kreativ und überlegen Sie sich eine lebendige Einleitung. Rufen Sie sich Ihre Hauptthese aus Schritt eins noch mal in Erinnerung, dann fällt Ihnen sicher etwas ein. Sind Sie eher ein Faktenmensch, können Sie auch erstmal mit dem Faktenteil des Textes beginnen und eine kreative Einleitung später ergänzen (oder vom Korrekturleser ergänzen lassen).

Die Einleitung ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Zusammenfassung Ihres Textes. Auch die steht häufig am Anfang und gibt dem Leser in Kurzform einen Überblick über die Fakten. Sie ist aber sehr sachlich. Die Einleitung dagegen soll vor allem Lust machen und den Leser in den Text ziehen. Hier führen Sie Ihre Protagonisten ein und skizzieren die Hauptthesen Ihres Textes. Das können Sie tun, in dem Sie den Leser Szenen nacherleben lassen oder starke Zitate Ihrer Protagonisten benutzen.

Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Ähnlich wichtig wie die Einleitung ist der Schluss Ihres Textes. Sie können die Einleitung fortführen und einen Rahmen schaffen, indem Sie zum Beispiel die Eingangsszene noch mal aufgreifen oder die Protagonisten aus der Einleitung noch mal zu Wort kommen lassen.

Hier ist aber nun auch Platz für das, was online der „Call to action“-Button wäre – also der Knopf, den die Nutzer drücken sollen, um zum Beispiel eine Bestellung zu tätigen, Informationsmaterial anzufordern oder Sponsor zu werden.

Nehmen Sie Ihre These aus Arbeitsschritt eins noch mal hervor, die Ihr Ziel definierte: Zu welcher „Action“, also welcher Handlung möchten Sie Ihre Leser mit dem Text motivieren? Sollen Sie Ihre Projekte im nächsten Geschäftsjahr finanziell unterstützen? Für Sie werben? Oder möchten Sie sie als Teilnehmer oder Kooperationspartner gewinnen?

Stimmen Sie Ihren Schluss darauf ab, indem Sie zum einen ganz deutlich machen, warum der Leser so und nicht anders handeln sollte, was er also davon hat, in Ihrem Sinne zu reagieren. Und machen Sie es ihm zum Zweiten so einfach wie möglich, genauso zu handeln. Das bedeutet: Geben Sie Kontakt- oder Bankdaten an, hängen Sie ein Adressen- oder Ansprechpartnerregister an und listen Sie alle Websites auf, die der Leser brauchen kann. Vermeiden Sie auf jeden Fall, dass er Ihren Text erst zur Seite legen und an anderer Stelle nach Informationen oder einer Kontaktmöglichkeit suchen muss.

Wie finde ich den richtigen Ton für jede Zielgruppe?

„Wie gelingt es mir, mich sprachlich auf mein Zielgruppe einzustellen?“ Diese Frage stellte mir vor einiger Zeit jemand in einer der vielen Facebook-Gruppen, in denen ich Mitglied bin. Ehrlich gesagt, ich fand nicht sofort eine Antwort darauf. Das ist insofern seltsam, als es einer meiner wichtigsten USPs ist: Ich verkaufe meine Dienstleistung vor allem über meine Fähigkeit, aus demselben Stoff ganz unterschiedliche Texte zu machen. Darüber hatte ich hier schon mal geschrieben.

Aber wie das so ist, mit Dingen, die man selbst gut kann – und schon lange macht: Wenn man erklären soll, wie man sie genau macht, kommt man in Erklärungsnot. Ich mache das eben, dachte ich. Aber weil diese Antwort weder für mich noch für die Dame, die danach gefragt hatte, besonders befriedigend war, habe ich ein bisschen gegrübelt und analysiert.

Schreiben ist Handwerk. Jedenfalls das Schreiben, mit dem ich mein Geld verdiene. Dazu gehört ein bisschen Intuition, ein bisschen Talent, aber vor allem Fachwissen, Übung und Erfahrung. Aber was man lernen und üben kann, muss sich auch beschreiben lassen. Also muss es eine sinnvolle Antwort auf die Frage geben, wie man sein Schreiben an die Zielgruppe anpasst.

Und ich habe meine gefunden, aber eine Warnung sei an dieser Stelle erlaubt: Meine Art, das zu tun, ist weder schnell, noch einfach. Weiterlesen sollte jetzt also nur, wer sich wirklich mit seinem Stil auseinandersetzen und diesen anpassen will.

Beobachten und analysieren Sie, wie Ihre Zielgruppe spricht

Um Ihren Stil anzupassen, müssen Sie zunächst einmal genau wissen, wer Ihre Zielgruppe ist. Definieren Sie die so konkret wie möglich – und dann schauen Sie ihr auf den Mund. Hören Sie genau zu und analysieren Sie, wie Ihre Zielgruppe spricht. Wollen Sie einen Ton treffen, der Menschen anspricht, müssen Sie sich an deren Sprache orientieren, nicht daran, wie diese Menschen schreiben. Denn das Schreiben lernen wir in der Schule. Unsere Schriftsprache ist fast immer förmlicher, konstruierter als das gesprochene Wort. Aber über die Sprache schaffen wir Identifikation, sie zeigt unsere Zugehörigkeit zu einer Gruppe an – altersmäßig, regional, beruflich oder sozial. Und wenn wir nicht gerade Schauspieler oder Wissenschaftler sind, „lernen“ wir das sprechen auch nicht (neu) auf verschulte Weise, sondern reden, wie wir es von Klein auf gehört haben.

Texten, denen es gelingt, das aufzugreifen, schaffen ein verbindendes Gefühl zwischen Autor und Leser. Aber Vorsicht: es geht um den Ton, den Stil. Es geht nicht darum, statt Hochdeutsch plötzlich alle Worte in den Dialekt Ihrer Zielgruppe zu transkribieren. Das kann ein Stilmittel sein, das funktioniert, aber nur, wenn a) Sie selbst diesen Dialekt sprechen und b) Ihr Thema dazu passt. Andernfalls könnten sich Ihre Leser schnell veralbert fühlen.

Wenn Sie eine Weile zugehört und Beobachtungen gesammelt haben, wie Ihre Zielgruppe spricht, versuchen Sie zu analysieren, welche Eigenheiten deren Sprache hat, die sich als Stilmittel umsetzen lassen. Benutzt die Zielgruppe zum Beispiel überdurchschnittlich viele Substantive oder Adjektive? Formuliert sie häufig ausschließlich einfach Hauptsätze oder mag sie Verschachtelungen? Gehören Fremd- und Fachwörter zu ihrem aktiven Vokabular? Setzt sie auf eine betont förmliche Sprache oder eben das Gegenteil?

Wie passen „authentisch bleiben“ und „zielgruppengerecht schreiben“ zusammen?

Aus dieser Analyse können Sie nun Ihren neuen Stil aufbauen, der ganz gezielt auf diese Gruppe zugeschnitten ist. Allerdings: Wenn Ihr eigener Stil stark davon abweicht, haben Sie nun zwei Probleme: 1. Die Gefahr, dass Sie gestelzt, gekünstelt, unauthentisch klingen, ist sehr groß – und fast immer schädlich für den Erfolg Ihres Textes. 2. Das Schreiben wird frustrierender und deutlich länger dauern als Sie es bisher gewohnt sind, weil Sie automatisch immer wieder in Ihren eigenen Stil zurückfallen und große Passagen des Textes überarbeiten oder neu schreiben müssen.

Mit viel Zeit und Übung kann es gelingen, sich so einen neuen Stil anzutrainieren. Ich halte aber Nutzen und Aufwand für vollkommen unverhältnismäßig. Und die Erfahrung zeigt auch, dass es gar nicht nötig ist, seinen eigenen Stil völlig neu zu erfinden. Oft helfen schon ganz kleine Änderungen, um einen Text für eine neue Zielgruppe attraktiv zu machen.

Die folgende Auflistung kann dafür Anregungen geben, ist aber weder vollständig, noch eine Erfolgsgarantie. Dafür sind die Empfehlungen viel zu pauschal und Menschen – auch wenn Sie zu ein- und derselben Gruppe zusammengefasst werden können – neigen nun mal dazu, unterschiedliche Dinge gut zu finden. Aber in meiner Texterfahrung haben diese kleinen Kniffe oft funktioniert:

Zielgruppe Kinder:

  • Einfache Sätze, keine Verschachtelungen
  • Fremd- und Fachwörter vermeiden oder kindgerecht erklären
  • Kindern fehlt die Erfahrung erwachsener Leser, aber sie sind keine Idioten, also sollten wir auch nicht so schreiben, als wären sie es
  • Beispiele, Vergleiche aus der kindlichen Erfahrungswelt nutzen, um Dinge aus der Erwachsenenwelt zu erklären
  • Interaktionen einbauen: Kinder direkt ansprechen, auf Entdeckunsgreise in der Wirklichkeit schicken, um dort Dinge aus dem Text wieder zu entdecken, o.ä.

Zielgruppe Fachpublikum:

  • Fachtermini benutzen, neue und ungewöhnliche Begriffe kurz und sachliche erklären
  • Statistiken, Studien etc. benutzen, dabei Quellen nennen oder verlinken, damit sich die Leser selbst einlesen können
  • Kurze Sätze
  • Deutliche optische und inhaltliche Gliederung
  • Textaufbau wie Nachrichtenpyramide

Zielgruppe Enthusiasten für ein bestimmtes Hobby:

  • Duzen
  • Kurze Sätze
  • Viele Adjektive
  • Persönliches einfließen lassen (eigene Erfahrungen, eigene Meinung, Anekdoten)
  • Emotional schreiben

Egal, wie Ihre Zielgruppe aussieht und was Sie ihr mitteilen wollen: Bleiben Sie vor allem Sie selbst!Was nützt es Ihnen, wenn Sie Ihren Schreibstil mit viel Mühe so verbiegen, dass er perfekt zu dem Ihrer Zielgruppe passt, wenn Sie im persönlichen Kontakt nicht halten können, was Ihre Texte versprechen, weil Sie eben doch nicht auf einer (Stil)Wellenlänge liegen? Fragen Sie sich also nicht, wie Sie Ihren Stil verändern können, damit er zu dem Ihrer Zielgruppe passt, sondern fragen Sie sich lieber: Wie muss ich schreiben, damit meine Zielgruppe mich versteht und meine Inhalte aufnimmt?

Goldene Schreibregeln für verständliche, schöne Texte

Um dieses Ziel zu erreichen, helfen vor allem diese goldenen Schreibregeln:

  1. Verständlichkeit vor Schönheit: Ein Satz kann noch so elegant und poetisch sein, wenn der Leser ihn nicht sofort versteht, gehört er in die Tonne!
  2. Zahlen und Fachbegriffe nicht in den Text, sondern lieber als Glossar in einen Faktkasten oder unter den Blogpost auslagern. So liefern sie trotzdem ihren Mehrwert, behindern aber den Lesefluss im Text nicht.
  3. Klar strukturierte, verständliche Sätze. Das bedeutet nicht, dass Sie nur noch Hauptsätze aneinander reihen sollen, aber wenn Sie selbst den Satzanfang zweimal lesen müssen, um am Satzende den Zusammenhang wieder herzustellen, stimmt etwas mit Ihrem Satz nicht.
  4. Lieber Aktiv statt passiv, also lieber „Er malte das Haus an“ statt „Das Haus wurde angemalt.“ Aktiv aktiviert die Leser, zieht sie in den Text und motiviert zum Weiterlesen.
  5. Anfang, Höhepunkt, Ende: Machen Sie sich die Mühe, Ihrem Text eine klare, inhaltliche Gliederung zu geben. Handeln Sie einen Gedankengang ab, bevor Sie zum nächsten kommen und schaffen Sie durch Absätze, Aufzählungen oder Zwischenüberschriften Ordnung. Ein gutes Ende – das zum Beispiel den Einstieg aufgreifen kann – entlässt Ihre Leser mit einem positiven Gefühl. Und bringt Sie im besten Fall zu Ihnen zurück.
  6. Arbeiten Sie mit Beispielen: Fakten sind gut. Einprägsamer sind sie aber, wenn Sie sie Ihren Lesern verpackt in ein gutes Beispiel oder einen Vergleich präsentieren.

Nicht unter- und nicht überschätzen: Unterfordern Sie Ihre Leser, indem Sie ewig wiederholen, was sie schon wissen, springen sie ab und lesen Ihren Text im Zweifel nicht zu Ende. Überfordern Sie sie, indem Sie neue Fakten nicht ausreichend erklären oder nicht in einen verständlichen Zusammenhang stellen, passiert dasselbe. Vermeiden Sie beides – und genießen Sie die Herausforderung, die dieser Balanceakt jedes Mal bedeutet.

Beachten Sie das und prüfen jeden neuen Text vor der Veröffentlichung darauf, ob er Ihrer Zielgruppe Mehrwert, Unterhaltung, Information oder Austausch bietet, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Der Rest ist Übung und Erfahrung. Viel Spaß dabei, beides zu sammeln!

Warum ich Überschriften hasse – und wie sie trotzdem gut werden

Ich hasse Überschriften und Überschriften hassen mich. Das ist keine Übertreibung. Tatsächlich bereitet mir ein kompletter Text mit 3000 Wörtern insgesamt weit weniger Probleme als die Überschrift dazu. Ich suche nämlich immer nach einem Titel, der sowohl den wichtigsten Inhalt des Textes spiegelt, als auch spannend genug ist, damit Sie weiterlesen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Die einen behaupten, die sachliche Information sei in der Überschrift wichtiger als die Kreativität. Der Rest sagt genau das Gegenteil. Aber keiner hat je behauptet, beides ginge auf einmal. Wenn Sie für eine Zeitung oder ein Magazin schreiben, kommt noch ein dritter Punkt hinzu: Sie haben nicht viel Platz. Auf jeden Fall haben Sie immer zu wenig Platz, um kreativ UND sachlich zu sein. Deshalb ist es meistens eine Frage der Abwägung:

Sachlich-informierende Überschriften

Diese Art der Überschrift finden Sie in den allermeisten Zeitungen. Sie bietet einen kurzen Überblick über das Thema des folgenden Textes. Der Leser kann also sofort entscheiden, ob ihn der Beitrag interessiert oder nicht. Er muss dafür keine Zeile Text gelesen haben und kommt so schneller zum Ziel.

Ein Beispiel:
Geschrieben ist ein Beitrag über die Erweiterung einer Schweinemastanlage.
Eine nachrichtliche Überschrift könnte lauten:
„13 Millionen in Ausbau der Schweinemastanlage in XY investiert“

Der Leser weiß sofort, worum es geht. Aber: Sachlich ist eben meist auch nüchtern und nüchtern kann ganz schnell langweilig sein, vor allem wenn das Thema keinen unmittelbaren Bezug zum Leben des Lesers hat. Wenn es dumm läuft, verpasst er so einen brillanten Text, der ihm neue Perspektiven eröffnet hätte, weil er sich von einer wenig inspirierenden Überschrift hat abschrecken lassen.

Trotzdem gilt: Für alle Texte, die Sie rein zur Information verschicken, sollten Sie sich für eine informierende Überschrift entscheiden. Das betrifft also Berichte an Vorgesetzte, Vorstand, sonstige Kontrollgremien oder Behörden. Das betrifft aber zum Beispiel auch – jedenfalls in den meisten Fällen – Pressemitteilungen.

Journalisten stehen zwar auf Kreativität, aber nicht, wenn das ihre Arbeit behindert. Verschicken Sie nun eine Pressemitteilung, die vielleicht eine DIN A4-Seite lang ist, liegt Ihre Mail zwischen vielleicht 100 anderen im Postkasten des Journalisten. Er hat aber keine Zeit, 100 Mails in Ruhe zu lesen, also scannt den Eingang und sortiert zunächst vermutlich in wichtig, dringend, interessant, Papierkorb. Bieten Sie jetzt eine Pressemitteilung mit einer zwar kreativen, aber auch kryptischen, Überschrift, landen Sie im besten Fall auf dem „interessant“-Stapel, der auch Wiedervorlage heißen könnte. Wann das wieder vorgelegt wird, steht aber in den Sternen. Und im schlimmsten Fall landet die Meldung direkt im Papierkorb.

Wenn Ihnen Ihr Thema für eine schnöde Nachrichtenüberschrift zu schade ist, greifen Sie zu einem Trick: Führen Sie zusätzlich zur Überschrift die Unterzeile oder Rubrikenzeile ein. Beide haben den gleichen Zweck, sie unterscheiden sich nur in der Platzierung: Die Rubrikenzeile steht über der Überschrift, die Unterzeile darunter. Üblicherweise sind Unterzeilen außerdem länger. Mit der Kombination aus Überschrift und Unterzeile/Rubrikenzeile können Sie nun spielen: Eine davon fasst nachrichtlich den Text zusammen, die andere ist kreativ.

Überschriften als Leseanreiz

Der zweite Ansatz Überschriften zu texten, geht davon aus, dass Leser motiviert werden müssen, einen Text zu lesen. Sie finden das häufig in Magazinen und das lässt sich gut erklären: Während viele Menschen die Tageszeitung quasi als Pflichtlektüre empfinden (noch) und sie lesen, um informiert zu seinen, lesen wir Zeitschriften und Magazin in der Freizeit, aus Spaß. Und die rare freie Zeit vergeuden wir nicht mit Texten, die uns uninteressant erscheinen. Also müssen hier schon die Überschriften Lesevergnügen, Nutzwert, Unterhaltung signalisieren.

Wie das geht, kann ich an dieser Stelle nicht erschöpfend beantworten, denn theoretisch sind kreativen Überschriften nur an zwei Stellen Grenzen gesetzt: Das sind zum einen die Gesetze und die Regeln des guten Geschmacks und zum anderen unter Umständen eine vorgegebene Länge. Darüber hinaus können Sie aber aus den Vollen schöpfen und eine Überschrift kreativ gestalten, indem Sie zum Beispiel:

  • Fakten ungewöhnlich kombinieren oder überzeichnen:
    Wenn wir das Schweinemastbeispiel wieder aufgreifen, könnte die Überschrift lauten:
    „13 Millionen für Schnitzel“
  • Mit Sprichwörtern oder dem Volksmund spielen:
    „Viel Schwein gehabt!“
  • Fragen stellen:
    „Wie viel Schwein braucht der Mensch?“
  • Zitate nutzen, wenn Sie pointiert und passend sind:
    „Der neue Stall ist wie Wellness für Schweine“

Probieren Sie sich da ruhig ein bisschen aus. Das kann übrigens auch im Team viel Spaß machen – vor allem, wenn rumspinnen erlaubt ist. Es gibt allerdings nur wenig Verwendungsbeispiele, die mit einer kreativen Überschrift ohne sachliche Unterzeile funktionieren. Gut geht das wie gesagt in Magazinen – auch weil dort die begleitenden Bilder bereits einen zusätzlichen Hinweis auf den Inhalt des Textes geben. Rein kreative Überschriften können auch in Newslettern funktionieren, wenn der nachfolgende Teasertext den Inhalt vernünftig zusammenfasst, auf den er dann verlinkt. Für Blogposts kann das ebenfalls klappen, es kann aber auch ziemlich nach hinten losgehen.

Doch für Online-Texte sind die Überschriftenregeln aus der analogen Welt ohnehin nur bedingt anwendbar. Es schadet auch bei Onlinetexten nicht, darüber nachzudenken, wer die Zielgruppe und was das Ziel des Beitrages ist – davon hängt ab, ob man kreativ oder nachrichtlich textet. Aber dann geht es bei Onlinetexten ja vor allem darum, im Wust der vielen Blogposts, die täglich veröffentlicht werden, aufzufallen und Leser, also Klicks, zu gewinnen. Wie das geht, hat Marc Roth auf seinem Blog DoktorConversion gerade erst so schön erklärt, dass ich mir das an dieser Stelle spare und Ihnen einfach einen Besuch bei ihm ans Herz lege.

Toller Nachwuchs: Schreibtraining für Schüler in Mühlhausen

Regelmäßig bin ich im Moment am evangelischen Schulzentrum in Mühlhausen. Grund-, Regelschule und Gymnasium sind da auf einem Gelände vereint und vor ein paar Monaten gründeten einige Schüler aus den höheren Klassen eine gemeinsame Schülerzeitung. Das Besondere: Sie erscheint nicht auf Papier und auch nicht an einem bestimmten Tag oder in einem festen Rhythmus. Sie ist ein Blog. Und mein Herzensprojekt für dieses Jahr.

Herzensprojekt Schülerzeitungsblog

Jedes Jahr gönne ich mir ein Projekt, das nicht oder schlecht bezahlt wird, weil es mir am Herzen liegt. Sehr oft sind das Projekte mit Kindern oder Jugendlichen, denen das Schreiben so viel Spaß macht wie mir damals und die lernen wollen, wie man das kreativer und professioneller macht.

Einmal im Monat bin ich deshalb aktuell in Mühlhausen und helfe beim Aufbau – manchmal, indem ich zur Struktur des Blogs und zur Technik berate, manchmal indem ich helfe, Führungspotenzial auszugraben und durchzusetzen, aber meistens mit klassischem Handwerk. Und so stand kürzlich ein Schreibtraining auf dem Programm. Thema: Kommentar.

Kommentare sind eine Herausforderung für jeden Journalisten. Ihr Ziel ist es immer, den Leser von der eigenen Meinung zu überzeugen. Guter Stil ist, das mit Argumenten zu tun statt mit Polemik. Das setzt aber voraus, dass man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und Argumente kennt. Und dass man die Zeit und Lust hat, an einem Text zu feilen, statt ihn nur herunter zu schreiben. Denn selten ist ein Kommentar schon im ersten Guss wirklich gut.

Guter Journalismus trennt Meinung und Nachricht

In den klassischen Medien heute findet man gute Kommentare immer seltener, finde ich. Dafür werden Nachricht und Meinung immer öfter vermischt. In meinen Seminaren zu diesem Thema fällt mir dazu nur eine Sache ein: Kann man machen, es darf einem nur nicht passieren! Soll heißen: Bewusst als Stilmittel eingesetzt, kann eine Mischung verschiedener Textformen kreativ und damit überzeugend sein (ein Feature ist schließlich nichts anderes als eine Mischung aus Reportage und Bericht und eine der wie ich finde effizientesten Darstellungsformen). Aber wenn man Stile mischt, weil man nicht aufpasst oder zu faul ist, einen zweiten Text zu schreiben (also der Nachricht einen Kommentar zur Seite zu stellen), dann ist das weder kreativ  noch überzeugen, sondern unprofessionell.

Meinen Schülern erkläre ich deshalb seit Monaten, dass sie Meinung und Nachricht trennen sollen. Dass sie aber durchaus Meinung haben und veröffentlichen dürfen. Das ein meinungsstarkes Medium langfristig eines mit treuen Lesern wird – und eines mit höherer Relevanz, weil es zu Diskussionen anregt. Jetzt üben sie das Kommentare schreiben und probieren dabei aus, was sie einfacher und was überzeugender finden: einen Kommentar, der einfach nur ihre Argumente auflistet – in der Hoffnung, dass die überzeugend genug sind. Oder einen Kommentar, der zusätzlich die Argumente der Gegenseite aufgreift und entkräftet. Und ein Redaktionsmitglied versucht sich sogar an einer Glosse (wobei ich nicht helfen kann, weil mir dazu jegliches Talent fehlt). Toller Nachwuchs!

Neues Angebot: Schreibcoaching

Es brodelt in der Komplextext-Projekteküche. Eine Menge großartiger Arbeiten sind in den vergangenen Wochen fertig geworden, aber darüber erfahren Sie in einem späteren Blogpost mehr. Heute geht es nicht um fertige Dinge, sondern um die, die gerade erst anfangen. Eines davon ist aufmerksamen Lesern dieser Website sicher schon ins Auge gefallen, denn es hat eine eigene Unterseite bekommen: die Schreibcoachings und Workshops.

Seit Jahren gebe ich neben meiner Arbeit als Texterin immer wieder Seminare. Vor allem Unternehmen und Organisationen buchen mich, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu schulen, die (künftig) für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich sind und lernen sollen, wie Journalisten arbeiten und wie professionelle Unternehmenskommunikation funktioniert.

Diese Seminare sind ein toller Auftakt. An einem, maximal zwei Tagen bekommen die Teilnehmer einen kompakten Überblick und beschäftigen sich in dieser Zeit sehr intensiv mit dem Schreiben. Doch darin liegt auch ein Problem: Wer zwei Tage lang mit völlig neuem Wissen bombardiert wird, kann davon in der alltäglichen Arbeit meist nur einen Bruchteil anwenden. Zum einen, weil normalerweise die Zeit fehlt, um das Seminar noch mal ausführlich und in Ruhe nachzuarbeiten. Zum anderen aber auch, weil wir neue Fertigkeiten einfach erst nach mehreren Wiederholungen verinnerlichen und im automatisieren Arbeitsprozess abrufen können.

Und nach dem Seminar: Schreibcoaching

Um wirklich maximal von einem Seminar zu profitieren, müssten die Teilnehmer also in den Monaten danach weiter Feedback und Anregungen bekommen, damit alte Fehler gar nicht erst die Chance haben, sich wieder einzuschleichen. Daraus ist die Idee für die Schreibcoachings entstanden. Seminarteilnehmer erhalten damit für einen bestimmten Zeitraum weitere Übungen und Informationen, vor allem aber Kritik zu den Texten, die sie nach dem Seminar im Alltag produzieren. So kann direkt an der eigenen Arbeit geübt und verfestigt werden, was im Seminar noch weitestgehend Theorie war.

Schreibcoaching und Schreibwerkstatt auch für Hobby-Autoren

Gleichzeitig bietet sich mit der Methode der Schreibcoachings auch ein Instrument für alle die Autoren, die das Schreiben nicht unbedingt zum (Haupt-)Beruf machen, aber trotzdem an ihrem Stil oder bestimmten Schreibproblemen arbeiten wollen. Es ist die individuellste Weiterbildungsmethode in meinem Angebot: Dauer, Rhythmus, inhaltlicher Schwerpunkt, Feedback – alles wird persönlich auf den jeweiligen Coaching-Kunden abgestimmt, so dass in möglichst kurzer Zeit ein maximaler Erfolg zu verzeichnen ist.

Aber auch wer lieber in Gesellschaft arbeitet, kommt bei den neuen Komplextext-Angeboten auf seine Kosten: In den Schreibwerkstätten zum Beispiel bearbeiten wir fern des Alltags an einem Wochenende gemeinsam einzelne Themen, die Autoren oft Probleme bereiten. Hier geht es um das ungezwungene Schreiben ohne Leistungsdruck, aber mit viel Raum für Kreativität und gegenseitige Inspiration.

Neue Seminare für Unternehmen und Organisationen

Und natürlich bleiben auch die klassischen Seminare weiter im Programm. Interessant gerade für Unternehmen und Organisationen, denn die Seminare können ohne weiteres direkt bei Ihnen vor Ort stattfinden. Das bedeutet kurze Wege, minimale Zeitverluste und beste Effekte, weil gleich mehrere Kollegen geschult werden können. Natürlich können die Seminare auch gern im Paket mit einem anschließenden Schreibcoaching (etwa einmal monatlich über drei Monate) gebucht werden. Neugierig geworden? Dann geht es hier zu den Angeboten und hier können Sie mich gern direkt kontaktieren, wenn Sie Interesse an einem Schreibcoaching, der Teilnahme an einer Schreibwerkstatt oder einem Seminar haben.