Was tun, wenn der Texter die falschen Texte schreibt?

Ich habe wirklich eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Post veröffentliche, weil ich sie schon alle schreien höre: „Du kannst doch nicht Kunden öffentlich kritisieren!“ (Tue ich gar nicht.) „Jetzt denken alle, sie könnten endlos unbezahlt an Texten rummäkeln!“ (Das kann tatsächlich zu einem Problem werden, aber die meisten meiner Kunden sind sehr fair und gehören nicht zu der Gruppe, die abzocken und ausnutzen, deshalb riskiere ich es.). Weil ich aber glaube, dass der Nutzen dieses Posts größer ist als das Risiko:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Urlaub gebucht. Und Sie haben einen Aufpreis bezahlt, weil Sie Wert darauf legen, in einer Suite mit eigener Küchenzeile zu übernachten. Damit Sie morgens im Schlafanzug auf dem Zimmer frühstücken oder sich spontan einen Mitternachtssnack zubereiten können, wenn Ihnen danach ist. Das Geld ist schon abgebucht.

Sie kommen im Hotel an, man begrüßt Sie freundlich, erklärt Ihnen, wann und wo es Frühstück gibt, wie Sie an den Pool kommen, was es in der Nähe so an Sehenswürdigkeiten gibt – und dann zeigt man Ihnen Ihr Zimmer. Ein Zimmer. Keine Suite. Keine Küchenzeile.

Würden Sie einfach zwei Wochen lang den Kopf in den Sand stecken und nichts sagen? Oder würden Sie sofort wieder zur Rezeption laufen und darauf bestehen zu bekommen, was Sie gebucht haben?

Unzufrieden mit Texten vom Texter? Reden Sie darüber!

In letzter Zeit kam es immer mal wieder vor, dass ich Kunden hatte, die mit den Erstentwürfen der Texte für Ihre Website nicht so recht zufrieden waren. Das ist weder ungewöhnlich noch dramatisch, sondern ganz normal.

Immerhin haben wir meist nur ein Gespräch – oft genug sogar nur telefonisch – um uns kennenzulernen. Meist reicht mir das, um nicht nur die Fakten für die Texte abzufragen, sondern auch, um ein Gefühl für den Stil und den Ton zu bekommen, den sich meine Kunden wünschen. Aber meistens ist eben nicht immer.

Manchmal fehlt den Texten nur eine Kleinigkeit, um den Kunden wirklich glücklich zu machen. Manchmal liege ich auch total daneben und muss noch mal anfangen. Manchmal wird einem Kunden auch erst beim Lesen der Erstentwürfe klar, was und wie er es sich eigentlich genau wünscht. Vor allem solche Kunden, die sich mit Ihrem Marketing bisher noch nie richtig beschäftigt haben, fällt es manchmal schwer, auszuformulieren, was sie sich wünschen.

Das macht die Arbeit an den Texten nicht leichter, aber es macht sie auch nicht unmöglich. Unmöglich wird sie aber, wenn ich von diesen Kunden einfach nichts mehr höre. Manche melden sich wochenlang nicht mehr und wenn wir dann doch noch mal zueinander finden, erfahre ich, dass es daran lag, dass Ihnen die Texte nicht gefielen, Sie sich aber a) nicht trauten, mir das zu sagen und sie b) nicht formulieren konnten, was sie genau stört.

Deshalb heute meine zwei wichtigsten Ratschläge:

Trauen Sie sich, mir zu sagen, dass Ihnen meine Texte nicht gefallen!

Dem Hotelier würden Sie ja auch sagen, dass Sie sich etwas Anderes gewünscht – und bezahlt – haben. Auch für die professionelle Texterstellung zahlen Sie Geld. Entweder direkt, wenn Sie selbst einen Texter beauftragen. Oder indirekt über den Paketpreis, den Ihnen die Agentur für alle Leistungen in Rechnung stellt. Wir sind Dienstleister und Profis und zum Handwerk gehört auch das Nachbessern.

Im Mittelpunkt stehen Sie mit Ihrem Auftrag. Aber nur, wenn Sie mit mir reden, kann ich am Ende Texte bauen, die Sie auch langfristig glücklich machen – und die zu Ihrem Marketingkonzept insgesamt passen. Und wenn wir dafür zwei oder drei Anläufe brauchen, dann ist das so.

Sie verletzen weder meine Gefühle, noch bin ich beleidigt, wenn Sie meine Texte kritisieren. Aber ich bin frustriert, wenn ich dieser Kritik immer hinterherlaufen muss, genau merke, dass etwas nicht stimmt (und den Auftrag auch nicht abschließe kann, weil von Ihnen keine Reaktion kommt), aber nicht handeln kann. Also: Lassen Sie uns reden! Gerne auch immer wieder.

Äußern Sie Kritik einfach, wie Sie sie fühlen – und vergessen Sie die „richtigen“ Worte!

Wenn Sprache nicht gerade ein persönliches Hobby oder eben der Beruf ist, kann es richtig schwer sein, in Worte zu fassen, was Sie an einem bestimmten Text stört. Hören Sie auf, nach diesen Worten zu suchen.

Es kann sein, dass es länger dauert, bis ich verstehe, was Sie wirklich stört, wenn Sie es nicht direkt in Worte fassen können. Aber ich werde es irgendwann verstehen, weil ich im Zweifel Wort für Wort der Entwürfe mit Ihnen durchgehe. Ich werde Ihnen Alternativen vorschlagen zu Formulierungen, die Ihnen besonders missfallen. Und ich werde Ihnen Fragen stellen, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Fragen wie diese, die Ihnen vielleicht auch im Vorfeld helfen, besser zu fassen, was Ihnen an den Texten nicht gefällt:

  • Haben Sie den Eindruck, der Text ist für die falschen Personen geschrieben? Ist er Ihnen zu männlich, zu weiblich, zu kindlich?
  • Ist Ihnen der Text zu schmalzig, zu kitschig? (Ich liebe Adjektive, kann schon mal sein, dass ich damit ein bisschen sehr großzügig war und damit dieses Gefühl auslöse.)
  • Empfinden Sie den Text als zu trocken, langweilig, leblos?
  • Stören Sie bestimmte Worte, weil Sie die selbst nie benutzen und deshalb das Gefühl haben, sich selbst in Ihren Texten gar nicht mehr wiederzufinden? (Versuchen Sie herauszustreichen, welche Worte das genau sind.)
  • Fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sind sie nicht genug betont? Welche?
  • Fehlt dem Text Ihrer Meinung nach der rote Faden? Wünschen Sie sich andere Information weiter vorn im Text?
  • Ist Ihnen der Text zu lang (Vorsicht: Ist der Text für das Internet gedacht, sollten Sie 200 Worte pro Seite nicht unterschreiten, weil Sie sonst unter Umständen in den Suchmaschinen nicht mehr so gut gelistet sind)?
  • An welche Begriffe denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihr Unternehmen beziehungsweise das Produkt denken, um das es im Text geht? Tauchen diese (oder Synonyme) oft genug im Text auf?

Die Antworten auf diese Fragen helfen mir, herauszufinden, wo stilistisch die Stellschraube anzuziehen ist, damit der Text zu Ihrem Text wird. Fühlt er sich für Sie zum Beispiel zu männlich an, kann es sein, dass ich mit mehr Adjektiven und einem emotionaleren Vokabular schon einen großen Schritt in die richtige Richtung mache. Haben Sie das Gefühl, wichtige Informationen kommen nicht richtig zur Geltung, arbeite ich eher am Aufbau des Textes und wenn sich die Worte, an die Sie zuerst denken, wenn es um Ihr Unternehmen geht, im Text nicht wiederfinden, ist es kein Wunder, dass Sie beim Lesen unzufrieden sind.

Also trauen Sie sich: Wenn Ihnen der Erstentwurf nicht gefällt, denken Sie immer an das Hotel im Urlaub. Kommen Sie an meine Rezeption und teilen Sie mir mit, dass Sie noch nicht bekommen haben, was Sie gebucht haben (vor Reiseantritt! Natürlich dürfen Sie sich auch gern nach dem Einchecken noch umentscheiden, aber dafür fallen dann eben Umbuchungsgebühren an – auch beim Texter). Wenn wir miteinander reden, finde ich in den allermeisten Fällen auch einen Weg, Sie mit meinen Texten glücklich zu machen – früher oder später!

Skyfall – Zumindest der Titel passt

Achtung, Spoilergefahr! Wer den neuen Bond-Film noch nicht gesehen hat und das noch tun will, sollte an dieser Stelle erst danach weiterlesen. Allen anderen: Viel Spaß – beim Lesen hoffentlich mehr als im Kino.

Liebe Kollegen von der Filmkritik: Ist das euer Ernst? „50 Jahre nach „Dr. No“ ist der 23. Bond wieder bondastisch!“ (bild.de) „‚Skyfall‘ hat sämtliche klassische Zutaten eines James-Bond-Films“ (stern.de) „‚Skyfall‘ ist schlichtweg grandios.“ (20min.ch) Ehrlich? Haben wir den selben Film gesehen? Oder auch nur den gleichen?

In dem Kino, in dem ich „Skyfall“ gesehen habe, liefen 145 Minuten (plus 40 Minuten Werbung) bohrende Langeweile voller unlogischer Zusammenhänge und unglaublich unbondiger Charaktere. Und das alles in einer Geschichte, die wirkt, als hätten die Drehbuchschreiber keine eigenen Ideen mehr gehabt und überall in der Filmgeschichte ein bisschen geklaut: Ein bisschen „Psycho“, eine Prise „Apocalypse Now“, eine Kleinigkeit „MacGyver“ und etwas „Kevin allein zu Haus“.

Alle Welt lobt den gebrochenen, alkoholkranken, schießunfähigen, mit sich selbst hadernden, alternden Bond dieses Films als besonders tiefgründig. Aber mal ehrlich: Warum schaue ich mir denn bitte einen Bond an? Doch nicht, um einen abgehalfterten Ex-Helden zu sehen, den Rückschläge niederstrecken und der im Kampf Mann gegen Mann aussieht, als hätte er gerade eine künstliche Hüfte eingesetzt bekommen. Wenn ich verletzliche, normale Männer sehen wollte, würde ich mir die 10,30 Euro (!) für die Kinokarte sparen. Wenn ich mir einen Bond ansehe, will ich einen Helden. Einen Mann, der sexy, unendlich cool, unverwundbar und verwegen ist. Einen Gentleman, der trotz seines Jobs integer und loyal ist. Ganz gewiss keinen, der zwei Mal untätig daneben steht, wenn ein Bösewicht einen / eine Unschuldige ermordet, und der erst danach anfängt, die Fieslinge aufzumischen. Und auch keinen, der an seiner eigenen Vergangenheit beinahe zugrunde geht. Keinen, der nicht mehr einsatzfähig ist, weil er altert, und keinen, der im ganzen Film vielleicht vier coole Sprüche über die Lippen bringt.

Es ist eine Schande. Daniel Craig kann Bond. Der Mann hat genug Kanten, um aufregend zu sein, und so schöne Augen, dass ihn auch romantischere (Frauen-)Gemüter anschmachten könnten. Er hat die Attitüde des alten Bond, wenn er sich – eine der wenigen guten Szenen im Film – mitten im Kampf die Manschetten gerade zieht. Um Himmels Willen, lasst den Mann doch einfach James Bond sein! Es gibt Dinge, die muss man nicht ständig neu erfinden; Dinge, die auch oder gerade gut sind, wenn sie nicht dem jeweiligen Zeitgeist hinterher hecheln. James Bond gehört zu diesen Dingen. Gut, ich finde es prima, dass die Bond-Girls tougher geworden sind, aber muss James Bond deshalb weniger männlich werden? Der Frauenheld Bond findet in „Skyfall“ quasi nicht mehr statt. Mir ist nicht mal klar, ob es ein Bond-Girl gibt. Eines ist eher ein Opfer als eine Verführerin – und stirbt gefühlte zehn Minuten, nachdem sie ihn kennen gelernt hat. Noch dazu wenig elegant oder extravagant, durch einen Kopfschuss (bei dem er tatenlos daneben steht). Die andere Frau im Film, die für mich durchaus Bond-Girl-Qualitäten hätte, ist die Agentin, die ihn ganz am Anfang versehentlich abknallt. Sie ist selbstbewusst, skrupellos, sexy, sieht im Abendkleid ebenso toll aus wie mit einem großen Gewehr im Arm – und erweist sich ganz am Ende als die neue Moneypenny.

Noch so ein unlogischer Charakter! Hallo, Moneypenny? Das Naivchen, das sich nach Bond verzehrt, keine Ahnung hat, wie man eine Pistole richtig hält, und zu schüchtern ist, um 007 bei der Begrüßung in die Augen zu sehen – diese Frau soll vor ihrer Tippsen-Zeit aktive Agentin im Außeneinsatz gewesen sein, die ihn nicht nur über den Haufen knallte, sondern sich in einem schicken Hotel auch holte, was sie wollte, nämlich James Bond? Im Leben nicht! Diese Auflösung hat mir allen Spaß an dieser Rolle versaut – und dabei ist sie eine der besten Figuren in „Skyfall“.

Und dann ist da noch Javier Bardem als erblondeter Fiesling Silva – von dem ich nicht weiß, wie er zu diesem Namen gekommen ist, irgendwann erklärt M. nämlich, es handle sich dabei um den Ex-Agenten Rodriguez. In der Kritik wird Bardem gefeiert für diese Rolle, und tatsächlich ist er der Einzige, mit dem ich mich länger beschäftigt habe, aber nur, weil ich nicht wusste, warum ich ihn als Fiesling so schlecht fand. Er wird eingeführt in einer seltsamen Szene, in der er den gefesselten Bond anmacht. Mit der blonden Matte und dem Chi-Chi-Outfit erinnerte mich das verdächtig an eine Boratverfilmung. Weitergeführt wird das nicht, er erweist sich nicht als homosexuell. Es spielt nach dieser Episode keine Rolle mehr, er hat nicht mal besonderes Interesse an Bond als Agenten. War die Szene vielleicht nur eine Hommage an die political correctness? Keine Ahnung, sie trägt jedenfalls nicht dazu bei, Figur oder Film besser zu machen. Dabei gewinnt die Rolle im Laufe des Films, aber ein echter Bond-Fiesling wird er nie, denn er ist nicht einfach nur böse. Er ist durchgeknallt, unzweifelhaft, aber aus nachvollziehbaren Gründen. Er will Rache an M. – und nimmt Kollateralschäden zwar hin, will aber eigentlich nur sie – was irgendwie verständlich wird, wenn man hört, dass sie ihn geopfert und brutalster Folter ausgesetzt hat. Ich will aber kein Mitleid mit einem James-Bond-Bösewicht haben. Ich will im Kino eine klares Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Bond und der Andere. Damit aber kann „Skyfall“ nicht dienen. Irgendwie sind alle ein bisschen böse – und ein bisschen gut. Normal eben. Furchtbar!

Dass der Film dann auch noch vor unlogischen Effekten strotzt, ist schon nur noch ein kleines zusätzliches Ärgernis. Beispiel gefällig? In einem Tunnel erlischt schlagartig ein enormes Feuer. Nun war ich in Physik nie ein Überflieger, aber soweit ich weiß, tut es das nur, wenn aller Sauerstoff verbraucht ist. Umso erstaunlicher, dass Bond in dieser Atmosphäre nicht nur normal atmen, sondern auch rennen und reden kann. Oder hier: M. – wir erinnern uns: seit Jahren als Frau an der Spitze des MI6 – flieht mit dem Wildhüter der Familie Bond während des Showdown über offenes Feld, nachts, hinter ihr explodiert ein Haus, der Böse ist noch nicht nachgewiesen tot, aber sie lässt sich den Weg munter mit einer Taschenlampe leuchten. Wäre sie wirklich so blöd, wäre sie erschossen worden, lange bevor sie auch nur in die Nähe des Chefsessels gekommen wäre.

Mein Fazit: „Skyfall“ ist ein Reinfall. Wenigsten der Titel stimmt. Skyfall bedeutet Wolkenbruch, und tatsächlich ließ er Bond-Fans und solche, die dachten, es mit diesem Film werden zu können, gnadenlos im Regen stehen. Schade um das Geld und die Zeit.