Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

111 Gründe

Dieser Tage ist mir schon wieder eines dieser „111 Gründe…“-Bücher untergekommen. Diesmal eins, das mir 111 Mal erzählt, warum sich ein Besuch in Frankfurt lohnt (mal ehrlich fielen Ihnen zu dieser Stadt 111 Pluspunkte ein? Mehr als für Essen, ja gewiss, aber 111?) Seither grüble ich darüber nach, ob mir – allein, ohne Hilfe – 111 Gründe für irgendetwas einfallen würden.

 

Ich habe darüber nachgedacht, das für die Kreativität auszuprobieren, aber so beschämend es ist: Nach Punkt Nummer sechs fiel mir absolut nichts mehr ein, nicht mal mehr Plattitüden. Mit Städten finde ich das einfacher. Für Erfurt, die Stadt in der ich von Herzen gerne lebe, kann ich sicher ein paar Dutzend aufregender, faszinierender, interessanter Orte und Informationen auftreiben. Auf 111 komme ich trotzdem nicht. Auch nicht für Oslo, Hammamet, Hannover oder London, die ich alle für ihre ganz spezielle Art lieben gelernt habe.

 

Ich glaube deshalb, dass Autoren dieser Bücher entweder viele Helfer haben, sich die Intelligenz der Crowd zu Nutze machen. Oder die kreativsten Menschen aller Zeiten sind.

 

Trifft letzteres zu, identifiziert das ein weiteres Merkmal von Kreativität, das in diesem Zusammenhang eigentlich kaum auftaucht: Vielleicht sind besonders kreative Menschen einfacher nur jene, die besonders gut beobachten können. Und die diese Beobachtungen im Detail speichern, wieder abrufen und mit völlig anderen Zusammenhängen in Verbindung bringen können. Dabei ist Letzteres noch der einfachste Teil der Übung. Es gibt Techniken, um neue Zusammenhänge herzustellen und wechselnde Perspektiven einzunehmen. Techniken, über die ich hier schon geschrieben habe.

 

Theoretisch kann man auch das Beobachten üben. Praktisch aber kostet es unendlich viel Energie und Konzentration. Mehr als die meisten Menschen im Alltag aufbringen können. Erst Recht, wenn ihnen in der Situation selbst noch gar nicht klar ist, WAS genau sie gut beobachten müssen, weil es irgendwann mal wichtig werden könnte. Unendlich viele Sinnesreize spülen täglich über uns hinweg. Nur einen Bruchteil nehmen wir über die Augen auf. Beim Beobachten spielen auch unsere anderen Sinne eine wichtige Rolle, obwohl die meisten Menschen hinterher fast nur beschreiben, was sie sehen.  Aber überlegen Sie mal, wen Sie wohl attraktiver in Erinnerung haben: Jemanden, der gut riecht oder jemanden, der stinkt? Eben! Attraktivität ist im Wesentlichen eine optische Kategorie, ihre Bewertung aber setzt sich aus vielen Sinnen zusammen.

 

Legen Sie doch mal eine kleine Pause für diese Übung ein, dann spüren Sie, was ich meine, wenn ich sage, dass detailliertes Beobachten kaum alltagstauglich, weil anstrengend, ist: Schauen Sie sich den Menschen an, der Ihnen gegenüber steht. Versuchen Sie sich in 10, 20 oder 30 Sekunden so viele Details an ihm oder ihr zu merken, wie Sie können. Wie sieht ihr Gegenüber aus, welche Kleidung trägt er, welche Farbe haben seine Haare und Augen, welche Accessoires trägt er, wonach riecht er, wie spricht er, wie bewegt er sich? Diese Liste lässt sich ewig fortsetzen. Nach Ablauf der Zeit schreiben Sie so detailliert wie möglich auf, woran Sie sich noch erinnern. Aber nicht schummeln! Noch mal hinsehen, ist verboten. Dabei dürfte Ihnen dennoch relativ viel einfallen.

 

Achtung, den Rest des Textes sollten Sie erst weiterlesen, wenn Sie mit der Übung an dieser Stelle angekommen sind.

 

Denn der harte Teil kommt erst noch: Versuchen Sie jetzt aufzuschreiben, was Sie von der Umgebung noch erinnern. Welche Farbe hatte die Wand hinter der Person, wie war das Licht, welche Geräuschte waren zu hören, wonach roch es, wie sahen die anderen Personen in der Umgebung aus, usw.? Vermutlich werden Sie feststellen, dass Sie dazu kaum eine sichere Aussagen machen können. Wie auch? Sie mussten ja all Ihre Sinne auf die Hauptperson konzentrieren.

 

Menschen, die beides können, sind Zauberer für mich. Ich bin Journalistin und mache diese Beobachtungsübung öfter, weil ich weiß, dass ich ein miserables Auge für Details habe. Und trotzdem gelingt es mir nur in Ausnahmefällen, wirklich zuverlässige Beobachtungen zu machen. Ich bewundere jeden unendlich, dem das leichtfällt. Aber vermutlich muss ich mich damit abfinden, dass nicht jeder alles können kann.

 

Doch das Ziel verliere ich dennoch nicht aus den Augen: Ich will unbedingt 111 Gründe für mehr Kreativität finden. Und da ich allein es nur auf ein halbes Dutzend schaffe, versuche ich es eben auf die altmodische Tour: Ich frage andere, in diesem Fall Sie! Also schießen Sie los, ich bin gespannt auf Ihre Gründe – und vielleicht ist ja einer darunter, der mich für den neuen Blognamen inspiriert.

Kreativität kann man lernen

Im Sommer wird es 13 Jahre her sein, dass ich meine letzte – die mündliche – Abiturprüfung abgelegt habe. Das führt mir zweierlei vor Augen. 1. Junge, bin ich alt! und 2. Die Erinnerung, das Kreativität ist, was du draus machst. Ich wurde damals in Sozialkunde geprüft. In der Kommission meine (großartige!) Sozialkundelehrerin, ein ehemaliger Mathelehrer, der ungeheuer beliebt war, weil bei ihm galt: Hausaufgaben, die er nach dem Pausenklingeln aufgab, mussten nicht erledigt werden, und der Prüfungsvorsitzende, der der Direktor eines ganz anderen Gymnasiums in einer ganz anderen Stadt war. Der sah mich an, sah auf meine Unterlagen, und noch bevor ich ein Wort gesagt hatte, strahlte er und bat mich, meinen Eltern schöne Grüße auszurichten. Es stellte sich heraus, dass er das Gymnasium in der Stadt leitete, in der meine Eltern ein paar Jahre vorher gearbeitet hatten. In unserer Gaststätte hatte dieser Direktor seine Silberhochzeit gefeiert.

 

Alles in allem saß da also eine Prüfungskommission, vor der ich möglichst gut da stehen wollte. Einziges Problem: Ich hatte gelernt wie immer: Auf den letzten Drücker und auswendig. Diese Methode war zwar ausnehmend zeitsparend, ließ aber nur begrenzt Platz für Stoff. Also habe ich mich in jedem Lern-Prüfungsfach auf ein Gebiet beschränkt. In Bio war das noch einfach, da blieb mir gar nichts anderes übrig, als Ökologie zu schreiben, weil ich Genetik und Immunbiologie und diesen ganzen Kram niemals zu einer brauchbaren Abinote gebracht hätte. In Sozialkunde war das schon schwieriger, zumal das Glück und nicht mein Wille über mein Prüfungsgebiet entscheiden sollte. Machen wir es kurz: Ich hatte Glück. Von den 12 großen, braunen Umschlägen zog ich genau den, der von mir verlangte, die Entwicklung der Familie anhand der gesellschaftlichen Entwicklung nachzuvollziehen. Kurz gesagt: Warum und wie entwickelten wir uns von der Horde zur Ein-Kind-Kleinstfamilie? Das war nun just dieses eine Thema, das ich wirklich ausführlich gelernt hatte.

 

Ich wusste aber auch, nach meinem Vortrag werden noch Fragen zu anderen Themen gestellt. Ziel der Übung war also, möglichst lange zu reden (nicht dass mir das je schwer gefallen wäre). Und ab diesem Moment wurde es kreativ. Ich bat um eine Folie und einen Folienstift und begann Kringel zu malen. Erst ganz viele auf einem Haufen, dann immer weniger und geordneter, zum Schluss nur noch drei – zwei große und einen kleinen. Darüber standen die Epochen. An dieser Folie arbeitete ich mich sicher 15 oder 20 Minuten ab – und sollte dann Parteienpluralismus erklären. Noch 10 Minuten bis zum Ende der Prüfung, und eine Frage, die in einer halben beantwortet wäre. Risiko! Also begann ich, Pluralismus zu erklären – lange und ausführlich, bis ich unterbrochen wurde. Ich solle doch PARTEIENpluralismus erklären. Aber ja, antwortete ich, aber dafür müsse ich doch erstmal das Wort herleiten. Kurz und gut: Als ich fertig war mit dem Parteienpluralismus, war die Prüfung vorbei. Am Ende standen 15 Punkte und eine Jobempfehlung der Prüfungskommission: Ich möge doch Moderatorin werden oder in die Wissenschaft gehen, riet man mir.

 

Stattdessen gehe ich jetzt noch mal zur Schule, jedenfalls virtuell. Lernen hat mir immer Spaß gemacht, und es gibt eine Millionen Dinge, die ich gerne mal ausprobieren würde (unter anderem deshalb bin ich Journalistin geworden). Ich würde gerne Cello oder Geige spielen lernen, singen oder richtig tanzen können. Ich würde gerne mal richtig klettern statt nur in den Bergen zu wandern. Ich möchte arabisch und japanisch sprechen können, richtig nähen und malen (letzteres wird in diesem Leben wohl nichts mehr, über den Stand der vierten Klasse bin ich nie hinaus gekommen). Die meisten dieser Dinge werde ich erst angehen können, wenn ich irgendwann in den Ruhestand gehe. Bis dahin fehlen mir nicht nur die Zeit, sondern meist auch das Geld. Aber manchmal, wenn es das Leben wirklich gut mit einem meint, verbinden sich Müssen und Wollen. Ich muss mich beruflich weiter qualifizieren, um mich abzusetzen, mein Profil zu schärfen und Dinge anbieten zu können, die andere freie Journalisten nicht anbieten. Und ich will so gerne mehr wissen über Grafik, Layout, Farblehre, Typografie, Druckvorstufe und Gestaltung. Deshalb also gehe ich jetzt noch mal zur Schule und lasse mein Wissen auf diesem Gebiet aufpimpen. Die erste Lektion war eher eine Wiederholung von im Studium und der Ausbildung Gelerntem. Aber eine nützliche, weil sie den Spieltrieb wieder geweckt hat:

Bunt

 

Und genau das ist doch im Prinzip Kreativität: spielen, experimentieren, versuchen. Hier habe ich das mit Farben gemacht, jetzt versuche ich das Ganze einfach noch mal mit Worten. Und vielleicht hat dieser Blog dann auf absehbare Zeit auch endlich mal wieder einen anderen Namen als „BlogOhneNamen“.

 

 

Auszeiten für die Kreativität

Heute gönne ich euch und Ihnen eine Auszeit. Von der Namenssuche für diesen Blog. Wie sagte Livia Schilling vorhin so nett: „Prince musste auch lange damit leben, ‚the artist formely known as…‘ zu sein.“ Heißt das Schätzchen eben noch eine Weile „BlogOhneNamen“.

 

Auszeiten sind im übrigen auch ein Kreativthema. Seit Weihnachten habe ich mir eine Fernsehauszeit verordnet (für eine lange Facebook-Auszeit, wie sie Livia vor kurzem ausprobierte, fehlte mir Mut und Motivation). Der Fernseher war für mich zum Automatismus geworden. Ich arbeite häufig 12 Stunden oder länger. Kam ich dann nach Hause, ging die Glotze an. Nichts tun. Vor allem nicht, sich mit dem Tag oder sich selbst beschäftigen. Einfach nur ablenken lassen. Bis es Zeit war, ins Bett zu gehen – und oft genug auch darüber hinaus. Ein bisschen wie ein Zombie, denn ob etwas lief, was mich interessierte oder nicht, war egal. Wurde eben so lange gezappt, bis etwas lief. Die Taktik half beim Abschalten, aber ich musste lernen, dass Abschalten und Erholen zwei völlig verschiedene Dinge sind, auch wenn wir die Begriffe oft synonym benutzen. Mit der Glotze habe nicht ich abgeschaltet, vielmehr habe ich mich abgeschaltet. Und zwar komplett. Ich war nicht die einzige, die sich dann nicht mehr mit sich beschäftigen brauchte, andere konnten das auch nicht mehr. Mein Mann konnte also abends zwar noch rein optisch vergleichen, ob die Frau, in die er sich mal verliebt hat noch die gleiche ist, die neben ihm auf dem Sofa hängt. Ein Gespräch oder gar ein gemeinsames Brettspiel (was wir lieben) oder ein Spaziergang (was er liebt) lagen aber fern der Wirklichkeit.

 

Seit Weihnachten nun ist die Glotze aus. Insgesamt habe ich in diesen vier Wochen vielleicht zwei Stunden fern gesehen. Und erstaunlicherweise fühlt es sich gut an. Von Anfang an. Serien, die ich unbedingt sehen will, schaue ich in der Mediathek – mit viel weniger Werbung, zeitunabhängig, kostenlos und vor allem gezielt, also ohne vorher und nachher noch drei Stunden anderen Blödsinn zu sehen.

 

Das ändert zwar allein noch nichts an meinen Kraftreserven, die abends fast immer aufgebraucht sind, aber zumindest ist wieder Zeit da, sie aufzuladen. Ich habe mir endlich ein Zeitungsabo gegönnt, dass zu meiner umblätteruntauglichen Armspanne passt – ein digitales. Eines, das ich mit meinem Mann teilen kann. Wir hängen immer noch gemeinsam auf dem Sofa rum, aber jetzt lesen wir zumindest ab und an zusammen Zeitung – und reden hinterher darüber (Diskussionen, die wir früher, als wir uns kennenlernten, geliebt haben). Und ich habe nun doch angefangen, mich mit mir zu beschäftigen. Habe mich selbst beobachtet und versuche nun herauszufinden, was mich wirklich entspannt statt mich nur abzuschalten.

 

Und da landen wir zwangsläufig wieder bei der Kreativität. Gerade habe ich mir Nietstifte, Verschlüsse, Quetschkalotten und Perlen bestellt, um endlich wieder neuen Schmuck machen zu können. Ich habe meine Nähmaschine geschrottet bei dem Versuch, mal wieder eine Tasche (fürs iPad) zu nähen und ich habe zwei süße kleine Schals für meine Lieblingsfreundeskinder gestrickt, für die ich jetzt noch bunte Schmetterlinge häkle. Ich bin wieder kreativ statt nur produktiv zu sein – und das fühlt sich sehr gut. Und wer weiß, vielleicht schlägt diese Kreativität ja auch bald in Sachen Namenssuche durch, damit Baby endlich wieder einen richtigen Namen hat.

Bis dahin: Gönnen Sie sich, gönnt euch doch auch mal eine Auszeit!

Noch immer namenlos

Ich melde bei chantalismus eine neue Rubrik an: Blognamen. Seit ich vergangene Woche an dieser Stelle nach einem neuen Namen für diesen Blog gesucht habe, überboten sich Kollegen, Partner und Freunde vor allem auf Facebook darin, dem Baby zu neuem Ruhm zu verhelfen. Das erste Fazit: Zumindest um die Kreativität muss ich mir keine Sorgen mehr machen. Damit seid ihr/sind Sie alle reichlich gesegnet. Hier kommt die Liste aller Namensvorschläge (von denen uns aber noch keiner überzeugt hat, dazu unten mehr):

  • Funkenhorst
  • Funkenstube
  • Wortwürze
  • Würzig bis heiter

     

  • Das Salz im Text
  • Nachgewürzt

     

  • Denkwürze

     

  • Phrasenpfeffer

     

  • Text-Generation

     

  • Blogschrift

     

  • Blogade – wir sind die Textrevolution

     

  • NewKidsOnTheBlog

     

  • Verschärft

     

  • Ideenstube

     

  • Salonbrief

     

  • Schreibschaukel

     

  • Wortblitz

     

  • KreatiF

     

  • Geniale Idee

     

  • Gothaer Allerlei

     

  • Grassologien

     

  • Grasse Funken

     

  • Grassovka

     

  • Bloghasen
  • Hasenblog

 

Ein paar Vorschläge haben mich inspiriert – allerdings zu anderen Projekten. Beim Salonbrief zum Beispiel fingen bei mir die Funken an zu tanzen. Seither spiele ich mit der Idee, einen Blog im Stile alter Briefe zu schreiben. Also dem Blog keinen inhaltlichen, sondern einen stilistischen Schwerpunkt, ein stilistisches Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. Die Salonbriefe würden sich dann im besten Fall so ähnlich lesen wie Briefe von Herzogin Anna Amalia an Goethe, sich aber mit Themen unserer Gegenwart beschäftigen. Als Journalistin mit Spaß an Spielereien reizt mich diese Idee sehr. Allein, ich zweifle, dass ich jede Woche einen Salonbrief auf die Reihe bekäme, denn eines ist gewiss: Sie kosten viel mehr Zeit als ein sprachgebräuchlich simpler Blogeintrag wie dieser. Deshalb schlummern die Salonbriefe vorerst in einem kreativen Hirn- und Herzstübchen und harren ihrer Zeit.

 

Auch Grassovka weckt in mir die ein oder andere Assoziation, aber ersten ist es keine, bei der ich noch schreibfähig gewesen wäre, und zweitens hat dieser Name einen eklatanten Nachteil: Er versinnbildlicht nicht, worum es in diesem Blog gehen soll. Und das ist übrigens leider das Problem der meisten Vorschläge. Sicher, es mag Menschen geben, die behaupten, erst volltrunken könne man richtig kreativ sein (um im Thema zu bleiben: Goethe hätte das vielleicht sogar unterschrieben). Aber wenn das mein Fazit wäre, wäre dieser Kreativblog nach einem Post am Ende seiner Existenzberechtigung. Ich würde dann schreiben: Trinkt mehr! Und dann: Flasche leer – im doppelten Sinne.

 

Hier soll es aber um die vielen verschiedenen Aspekte von Kreativität gehen: Von der Diskussion um ihre Definition über ihre Spielarten, ihre Blockaden und deren Lösung, konkrete Projekte und Ideen bis zur Alltagskreativität. Das spiegelt sich in den bisherigen Namensvorschlägen aber nicht wieder. Die ernsthaft in Frage kommenden (von den anderen hoffe ich im Sinne ihrer Erfinder, dass sie nicht doch ernst gemeint waren), stellen fast alle aufs Schreiben ab. Sicher, das ist die Spielwiese, auf der ich am häufigsten versuche, Kreativität zu wecken – schlichtweg, weil Kunden für kreative, also ungewöhnliche oder zumindest gute, Texte besser zahlen (und mir meine Arbeit damit mehr Spaß macht, was wiederum eine Voraussetzung dafür ist, dass Kunden zufrieden sind und also gut zahlen). Aber ich mag diesen Blog nicht nur auf kreatives Schreiben eingrenzen.

 

Die Aufgabe steht also nach wie vor: Findet einen Namen für das BlogOhneNamen, der all die oben genannten Aspekte abbildet oder zumindest andeutet (für Andeutungen bin ich sehr zu haben)! Und damit der Anreiz ein bisschen größer ist, mache ich spontan ein Gewinnspiel daraus: Wer den Namen aller Namen liefert, darf an einem Curcuma-Quartalsevent kostenlos teilnehmen (den Unkostenbeitrag übernehme ich). Welche wir planen, ist übrigens eine dieser vielen Seiten von Kreativität – wir hirnstürmen nämlich noch.

Funkenflug (7): Was ist eigentlich Kunst?

Wir verlangen ganz schön viel von der Kunst, oder vielmehr von denen, die sie erschaffen. Das ist mir aufgegangen, als ich einen – ziemlich guten – Text in der iPad-Ausgabe der Welt gelesen habe, den ich auf der Website leider nicht finden und deshalb hier auch nicht verlinken kann. Darin geht es um weiße Leinwände, mit denen sich Künstler wie Agenten und Galeristen eine goldene Nase verdienen, und es geht auch darum, was Kunst eigentlich ist.

 

Wir – und damit meine ich so ziemlich alle, die nicht gerade das eine Kunstwerk geschaffen haben, um das sich die jeweilige Diskussion gerade dreht – verlangen, dass sich Kunst ständig neu erfindet. Aber gleichzeitig empfinden wir nur die alten Meister als echte Kunst. Weiße Leinwände? Schrottinstallationen? Abstrakte Kunst wie schwarze Striche auf gelben Grund? „Kann alles auch ein Zehnjähriger“, heißt es oft abfällig angesichts solcher Exponate. Doch wer sich dem nicht aussetzen mag und als Künstler in der Tradition alter Meister arbeitet (und damit meine ich nicht nur die Malerei), muss sich der Kritik stellen, uninspiriert und nicht innovativ – gemeinhein nicht kreativ – zu sein.

 

Da ist sie wieder, die Unsäglichkeit der Kreativitätsdefinition. Kreativ ist nur, wer produktiv ist und dabei ständig die Welt neu erfindet. Dass ich das für eine schwachsinnige Einstellung halte, habe ich ja hier schon mal beschrieben. Zum Glück gibt es nach wie vor Künstler, die sich dem Klassischen verpflichtet fühlen und sich nicht scheuen, Traditionelles auch traditionell zu interpretieren.

 

Für mich wird nicht Weihnachten, wenn ich nicht die Vorstellung des russischen Nationalballetts in einem ihrer drei klassischen Weihnachtsballette gesehen habe. Dieses Jahr gönnte ich mir mal wieder den Nussknacker. Und es hat einen Grund, dass ich mir den, Schwanensee oder Dornröschen immer vom selben Ensemble ansehe: Ich kann mir absolut sicher sein, dass es hier keine modernen Experimente gibt. Die Choreografien werden so getanzt, wie sie vor ewigen Zeiten mal entwickelt wurden, die Kostüme sind echte Ballett-Kostüme mit Tutu und Spitzenschuhen, die kleinen Schwäne haben silberne Federbögen im Haar und der Nussknacker sieht wie ein Zinnsoldat aus. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich zwei Stunden lang in die Vergangenheit reisen darf, in die Zeit, als Ballett noch in ganz Europa beliebtes Kunstvergnügen und Prima Ballerinen ganz große Stars waren.

 

Zugegeben, ich mag da nicht der Maßstab sein, denn wenn ich ins Theater gehe, bin ich altmodisch. In der Regel mag ich keinen „neumodischen“ Kram. Egal, ob Ballett, Oper oder Schauspiel: Ich möchte schwelgen – mit den Augen, mit den Ohren und mit dem Herzen – und ich bin dazu nicht in der Lage, wenn das Bühnenbild nur aus grauen Wänden und Stahlrohren besteht und die Tänzer sich wie kaputte Gliederpuppen bewegen oder die Sänger in Jeans und Basecap von Figaros Hochzeit singen. Ich mag es traditionell, doch ist das dann noch Kunst? Ist es nach unserer Definition noch Kunst, wenn die Tänzer, Darsteller, Sänger zwar jeden Abend neu interpretieren, aber die Regisseure, Choreografen und Dirigenten wenig neu erfinden? Wenn sie sich streng ans Protokoll halten, das möglicherweise schon hundert Jahre und älter ist?

 

Für mich ist das die höchste Form der Kunst (und damit auch der Kreativität). Etwas ganz Neues und zudem Modernes als Kunst zu verkaufen, ist meiner Meinung nach einfach. Erstens hat niemand einen Vergleich, um einzuordnen, ob das neue Werk nun gut oder schlecht ist. Und zweitens kann man sich Kritik ganz einfach entziehen, indem man dem Kritiker fehlenden Kunstverstand vorwirft (ziemlich beliebte Methode!). Doch wer ein klassisches Ballett tanzt – und zudem ein so bekanntes und oft gespieltes wie den Nussknacker, Dornröschen oder Schwanensee – muss ich mit unzähligen Aufführungen vergleichen lassen. Mit den eigenen und denen der anderen. Wer ein klassischer Ballett tanzt und in der Nachmittagsvorstellung Kräfte schont, weil er zwei Stunden nach dem letzten Vorhang schon wieder für die Abendvorstellung auf der Bühne steht, muss damit rechnen, dass der Zuschauer das merkt, weil er weiß, wie akkurat und synchron der Tanz des Corps de Ballet üblicherweise ist. Er muss sich dem Vergleich stellen und er muss es schaffen, exakt das Selbe zu tanzen wie in den tausenden Aufführungen zuvor und den Zuschauer trotzdem zu unterhalten, ihm Neues zu bieten. Das nenne ich echte Kreativität. Echte Kunst.

 

Also vergessen wir den Zwang, ständig alles anders machen zu müssen, um als kreativ zu gelten. Kümmern wir uns lieber darum, Gutes strahlen zu lassen. Drücken wir Brillantem unseren eigenen Stempel auf, ohne ihm seinen Charakter und damit seine Brillanz zu nehmen. Manche Dinge muss man einfach nicht neu erfinden – und muss sich auch nicht schämen, sie zu übernehmen. Das hat nichts damit zu tun, dass man selbst nicht innovativ oder kreativ genug ist für die Welt. Im Gegenteil, es zeigt nur, dass man klug und sensibel genug ist, um Leistung anzuerkennen. In diesem Sinne: Lassen Sie die Funken fliegen!

Funkenflug (6): Back to the roots

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, was Kreativität eigentlich für mich bedeutet. Ich finde es seltsam, dass sie bei uns immer gleichgesetzt wird mit mehr Produktivität. Egal, welches Buch über Kreativitätstechniken man in die Hand nimmt: Ein großer Teil darin widmet sich stets Methoden, die helfen sollen, Probleme zu lösen oder zu vermeiden, Prozesse zu optimieren oder einfach immer mehr Ideen zu produzieren. Dabei ist Kreativität für mich eher so etwas wie eine Tankstelle. Eine Krafttankstelle.

 

Mir helfen Kreativitätstechniken den Kopf frei zu bekommen und mich – gerade beim Schreiben – wieder daran zu erinnern, dass, was heute Arbeit ist, mal als Spaß anfing. Diesen Spaß wieder zu finden, gelingt mir mit Methoden wie der Reizworttechnik oder dem kreativen Schreiben. Gleichzeitig schult es den eigenen Stil – als Journalistin nicht ganz unwichtig. Klar mache ich mir die Standardmethoden auch zunutze, wenn ich vor Blockaden stehe oder schnell einen neue Perspektive brauche. Das habe ich mit den Funkenflügen der vergangenen Wochen ja hinlänglich belegt.

 

Aber jetzt ist bald Weihnachten und schreien nicht immer alle danach, sich während dieser Zeit auf alle möglichen Ursprünge zu besinnen? Ich werde das mit diesem Funkenflug machen und besinne mich auf den Ursprung der Kreativität, also die Art von Kreativität, die Kindern eigen ist. Für mich bedeutet das vor allem, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen: In jedem Regentropfen, in dem sich das Licht in einem Regenbogen bricht, ein kleines Wunder zu sehen. Über das Knirschen von Eis auf den Pfützen zu staunen. Sich beim Silvesterfeuerwerk die Ohren zu zu halten, weil mir der Lärm Angst macht, aber trotzdem nicht auf den Anblick der Raketen und Fontänen verzichten zu können. Die Brettspiele wieder auszupacken und sich über alle Maßen zu freuen, wenn man die anderen auf die Plätze verweist. Das Geschenkeauspacken zu zelebrieren und erst mal zu schütteln, tasten, riechen und horchen, bevor man das Papier ohne Rücksicht auf Verluste auseinander rupft. Einen Spaziergang zu machen und einen Stock, einen Stein, ein übrig gebliebenes Blatt oder sonst einen Schatz mit nach Hause zu bringen. Aufzuschreiben, was einem Freude macht, ohne im Kopf einen Veröffentlichungskanal, eine Zielgruppe oder einen Auftraggeber parat zu haben, sondern einfach nur, weil es Freude macht. Das alles ist für mich der Ursprung von Kreativität, denn es schärft den Blick für Andersartiges, Abwechslunsgreiches, Ungewöhnliches. Und nichts anderes wollen alle Kreativitätstechniken.

 

Kommen Sie mit auf die Reise und lassen Sie bei der Suche der Ihrer Kreativität die Funken fliegen. Wir lesen uns nach den Feiertagen!

 

 

Funkenflug (5): Kreativ vergleichen

Foto: Peter Smola  / pixelio.de

Wer sein Geld mit Texten verdient, kennt das Fußballfeld. Es ist der wohl meist bemühte Vergleich im deutschen Journalismus. Alles, was länger ist als eine Schrittlänge, ist so groß wie ein halbes, ein ganzes oder auch drei aneinander gelegte Fußballfelder. Erst, wenn etwas so lang ist wie die Strecke ein- oder mehrfach um die Erde, hat das Fußballfeld als Vergleich ausgedient. Nun ist nicht zu widerlegen, dass ein großer Teil der Deutschen sich am Fußball lang und ausgiebig erregen kann. Doch das ist nicht der Grund für die steile Karriere des grünen Rasens in deutschen Medien.

 

Denn das kam so: Eine der ersten Lektionen, die man als Journalist lernt, ist die, den Leser / Zuschauer / Zuhörer / User dort abzuholen, wo er gerade steht. Eine dämliche Floskel, aber davon haben wir, die wir mit präziser Sprache unser Geld verdienen, eine Menge. Gemeint ist: Große Zusammenhänge müssen so erklärt werden, dass sie für jeden nachvollziehbar sind, denn nur, wer etwas versteht, kann sich dazu eine Meinung bilden. Und diese Meinungsbildung ist eine der Grundaufgaben der Medien. Weil man sich besonders große Dinge, weite Entfernungen oder lange Zeitabstände aber nur schlecht vorstellen kann, bemühen Journalisten Vergleiche – und zwar mit Dingen, die ihre Leser / Zuschauer / Zuhörer / User aus ihrem direkten Lebensumfeld kennen. Da ist ein Haus so hoch wie der Berliner Fernsehturm, die Arbeitsgeschwindigkeit eines Computers schneller als ein Wimpernschlag oder die Entfernung von irgendwo nach irgendwo so weit wie ein Flug von Hamburg nach Paris oder weiß der Geier wohin. Und weil nun mal jeder in seinem Leben irgendwann einmal auf oder an einem Fußballplatz gestanden hat – und die in Deutschland so wunderbar genormt sind – hat er einen Ehrenplatz im Schrank der viel genutzten Vergleiche ergattert.

 

Vergleiche sind eine tolle Sache. Sie machen Dinge begreifbar. Aber sie machen sie auch erinnerbar – jedenfalls, wenn der Vergleich sitzt. Das ist nur leider nicht besonders oft der Fall. Von einem kleinen sprachlichen Schock spricht Constantin Seibt, Journalist und Blogger aus der Schweiz in einem langen, aber brillanten Blogbeitrag zum Thema Vergleiche. Das Fußballfeld schockt nur leider keinen mehr. Deshalb lohnt es sich, ein paar Minuten zu investieren, um den richtigen Vergleich zu finden.

 

Wie das geht, auch wenn einem die zündende Idee nicht auf dem Silbertablet serviert wird, erklärt Constantin Seibt hier besser, als ich es je könnte. Deshalb bleibt mir heute nur der Hinweis: Lesen Sie, versuchen Sie es und – lassen Sie die Funken fliegen!

Funkenflug (4): Blockaden lösen

Gerade habe ich anderthalb Stunden lang Solitaire gespielt und mich währenddessen durch die Trash-TV-Mediatheken gezappt. Warum? Weil mich die Weiße-Blatt-Phobie in ihren Krallen hält. Dieser Blogeintrag, eine Rede, ein PR-Text – sie alle warteten darauf, geschrieben zu werden. Und für keinen fiel mir der goldene erste Satz ein. Neidisch blicke ich bei solchen Gelegenheiten auf Kollegen, die einen Text einfach mittendrin beginnen und den letzten Satz später anfügen können. Ich kann das nicht. Ohne den ersten Satz – der treffend, mitreißend, zielführend sein muss – bringe ich nichts zu Papier. Gar nichts. Nicht mal Notizen. Bei drängenden Abgabeterminen ist das keine gute Voraussetzung. Dummerweise helfen in diesem Fall alle Kreativtechniken nichts, weil sie sich zu sehr auf den Kern des Problems konzentrieren. Dadurch wird der Knoten in Hirn und Herz nur immer fester statt zu platzen.

 

Das einzige, was gegen die Weiße-Blatt-Phobie hilft, ist Ablenkung. Allerdings eine, die nicht oder kaum Denkleistung erfordert. Ich muss meinen Körper ablenken, damit mein Hirn seine Kontrollorgane überlisten und in geheimen Winkeln kreativ sein und den perfekten ersten Satz erdenken kann. Duschen eignet sich perfekt, Autofahren auch. Das Problem: Beides ist wenig geeignet, um Geistesblitze festzuhalten. Unter der Dusche zu Block und Stift zu greifen, ist ähnlich zerstörerisch wie das beim Autofahren zu tun – das eine zerstört den Block, das andere im schlimmsten Fall Leben.

 

Doch es gibt eine weitere Beschäftigung, die Knoten löst und die gerade in dieser Jahreszeit Hochkonjunktur hat: Basteln. Vor ein paar Tagen habe ich auf diese Art gelernt, wie man einen Bascetta Stern herstellt. In den vergangenen Jahren habe ich darum einen Bogen gemacht in der Vorweihnachtsbastelei. Ein einziger Stern, für den man 30 Bögen Papier auf komplizierteste Art und Weise falten muss? War mir viel zu anstrengend. Doch vergangene Woche war die Verzweiflung groß  – und das Bedürfnis nach Ablenkung auch. Also habe ich mir mit diesem grandiosen Video-Tutorial beigebracht, wie man diese Sterne bastelt. Das Gute daran: Es bedarf keiner großen Vorbereitungen. Das einzige, was man braucht, sind 30 quadratische Blätter – ich habe einfach meinen Zettelblock geplündert – und ein bisschen Geduld. Nachdem der erste Stern am Ende auf der einen Seite mehr Zacken hatte als auf der anderen, funktionierte das beim zweiten Versuch schon ganz gut. Inzwischen bevölkert eine Sternengalerie meinen Schreibtisch.

 

Einige habe ich mit Gold- und Silberlack besprüht, einige habe ich mit Aufhängern versehen. Dafür einfach einen (glitzernden oder sonstwie festlichen) Faden an ein abgebrochenes Streichholz knoten und in die Lücken zwischen den Zacken stecken. Und einen Stern habe ich, bevor ich die letzte Ecke geschlossen habe, mit einer Mini-LED-Lichterkette gefüllt. Die Lichter werden nicht heiß, was verhindert, dass sich das Papier entzündet. Schiebt man die 10 Lichter in die Sternspitzen, gibt das ein wundervoll stimmiges Weihnachtslicht für die Fensterbank. Verziert und gepimpt sind die Sterne übrigens auch ganz nette Weihnachtsgeschenke. Selbstgemachtes, das nicht wie eine Kinderbastelei aussieht, ist immerhin auch eher selten. Vor allem aber half das Basteln gegen die Blockade, denn während die Finger beschäftigt sind, kann das Hirn frei assoziieren, Worte drechseln, Zusammenhänge bauen und verwerfen, Zitate suchen, eben den perfekten ersten Satz entwickeln. Und wenn das nicht hilft, bleibt ja immer noch der Cocktail auch Trash-TV und Solitaire.

 

In diesem Sinne: Lassen Sie die Funken fliegen!

Funkenflug (3): Die Warum-Kaskade

Foto: Tony Hegewald  / pixelio.de

 

Haben Sie schon mal versucht, eine Diskussion mit einem kleinen Kind in der Warum-Phase zu gewinnen? Unmöglich! Sie geben eine Antwort, doch statt sich zufrieden zu geben, hören Sie vom Knirps nur immer die nächste „Warum“-Frage. Was einem im Umgang mit Kindern den letzten Nerv rauben kann, ist in Sachen Kreativität eine tolle Methode: Die Warum-Kaskade.

 

Eingesetzt wird sie vor allem, wenn es darum geht, Problemen auf den Grund zu gehen. Aber ich finde sie auch prima als Entscheidungshilfe, wenn man zwischen zwei Optionen steht. Im Prinzip geht es dabei nur darum, sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden zu geben, sondern zu graben bis auf den Grund – und zwar immer mit einem einzigen Fragewort: „Warum“.

 

Ein Beispiel: Wir bieten seit einiger Zeit mehrmals im Jahr kleine Veranstaltungen an, die Menschen zusammenbringen sollen. Unsere Quartalsevents sind nicht so groß und ausgefeilt wie unsere Seminare, aber sie bieten einen besonderen Aufhänger, um ins Gespräch zu kommen. So hat Pauline Werner einmal aus ihrem Buch gelesen. Einmal haben wir Schmuck gebastelt. Wir planen die Themen so, dass sich jedes Mal andere Zielgruppen angesprochen fühlen. Die Idee dahinter: Curcuma Medien auch Menschen nahe bringen, die auf den ersten Blick nichts mit Medien und journalistischen Dienstleistungen zu tun haben. Wir wollen damit unsere Bekanntheit steigern und unser Netzwerk ausbauen – und zwar in alle Richtungen, denn nichts in sinnloser als ein Netzwerk, das nur in den eigenen Gefilden fischt.

Die Idee war gut, die Angebote auch – fanden wir. Doch die Resonanz wird immer geringer. Woran könnte das liegen? Das ist ein Fall für die Warum-Kaskade, die sich in diesem Fall wie eine Pyramide entwickelt, weil es auf die eine Frage oft mehrere Antworten gibt, denen ich jeweils einzeln wieder ein „Warum“ widme. Beispielhaft kann das so aussehen:

Warumkaskade

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dem Beispiel ist die Warum-Kaskade noch lange nicht am Ende. Man könnte weiterfragen: „Warum benutzen wir nur digitale Werbeträger?“, „Warum folgen uns die Leute nicht auf den sozialen Netzwerken?“ oder „Warum bieten wir keine Mini-Seminare als Quartalsevents an?“ Erst, wenn wirklich niemandem mehr eine Warum-Frage einfällt, ist die Kaskade am Ende. Dabei lohnt es sich auch, Ideenflauten auszusitzen und die Übung nicht gleich für beendet zu erklären, wenn die Antworten auf die Warum-Fragen kurz ausbleiben. Zum Kern des Problems kommt man oft erst im zweiten oder dritten Anlauf.

 

Doch schon dieses kurze Beispiel bringt zwei Ansätze, um das Problem zu lösen: Zum einen könnte man die Werbung für die Quartalsevents ändern beziehungsweise intensivieren. Zum anderen könnte man über die angebotenen Inhalte nachdenken.

 

Am einfachsten und effektivsten funktioniert die Warum-Kaskade im Team, weil man sich gegenseitig inspiriert und zu Antworten anstupst, die einem allein nicht mehr einfallen würden – schon gar nicht, wenn man sich seit Ewigkeiten mit dem ursprünglichen Problem herum schlägt. Um einen ersten Ansatz zur Problemlösung zu finden – oder wenn man sich zwischen zwei Optionen entscheiden will – kann man diese Übung aber auch gut zwischendurch ganz allein ausprobieren.

 

Und wer das Gefühl hat, dass ihn das nicht weiterbringt, gerade aber auch nicht auf helfende Kollegen zurück greifen kann, kann ja dem nächsten Kindergarten einen Besuch abstatten. Dort finden Sie gewiss mehr Warum-Kaskaden-Helfer, als Ihnen am Ende lieb sein dürfte. In diesem Sinne: Lassen Sie wie Kinder die Funken fliegen!