#stolzTexte: Schreibtisch auf Zeit

In der Kategorie #stolzTexte zeige ich Ihnen in unregelmäßigen Abständen Texte von mir, die ich für besonders gelungen oder besonders relevant halte. Texte, die meine Vielfalt als Texterin zeigen, aber auch solche, die einfach Themen behandeln, die diskutiert werden müssen – meiner Meinung nach.

Heute geht es dabei um die „schöne, neue Arbeitswelt“. So nennen wir intern eine Serie, die in loser Folge im So!-Magazin erscheint, der Wochenendbeilage in allen Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl. Darin dreht es sich um die neuen Entwicklungen, die die Digitalisierung für die Arbeit mit sich bringt. Industrie 4.0., Firma ohne Hierarchien. Oder eben Coworking. Was das ist und wie es funktionieren kann, habe ich im Krämerloft in Erfurt ausprobiert:

Schreibtisch auf Zeit im Krämerloft

Wer einen Coworking Space nutzt, mietet sich einen Schreibtisch auf Zeit. Das ist praktisch für Selbstständige, aber auch Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter mittlerweile öfter ins Gemeinschaftsbüro mit Fremden. Zum Beispiel im Krämerloft in Erfurt.

Von Anita Grasse

Auf dem Tisch, der aussieht, als wäre er früher einmal Teil einer Tischtennisplatte gewesen, steht ein Laptop. Daneben liegen ein Smartphone, zwei Schreibblöcke, ein Kugelschreiber. Mehr braucht Jesssika Fichtel nicht zum Arbeiten. Die 27-Jährige Bloggerin und Autorin sitzt an diesem Tag im „Open Space“, dem großen Gemeinschaftsbüro im Krämerloft in Erfurt, in dem sich jeder spontan einen Schreibtisch mieten kann.

Der neueste Coworking Space der Stadt hat vor etwas mehr als einem Monat eröffnet. Er ist in einem Hinterhof untergebracht, nur fünf Gehminuten vom Erfurter Hauptbahnhof entfernt. Beim ersten Besuch läuft man schon einmal am Eingang vorbei, so unscheinbar wirkt er.

Wo man sich den Schreibtisch mit Fremden teilt

Innen setzen die Betreiberinnen Nicole Sennewald und Bianca Schön-Ott bewusst auf das Unperfekte. Die Wände sind absichtlich nicht glatt verputzt, als Beleuchtung im Gemeinschaftsarbeitsraum hängen Glühlampen in simplen, schwarzen Fassungen von der Decke. Für jeden Arbeitsplatz gibt es eine Verteilersteckdose. An den grünen Tischen blättert die Farbe ab und die Stühle sehen aus, als wären sie zu einer Zeit Büromöbel gewesen, als man Briefe noch mit der Schreibmaschine schrieb.

Dieser Raum, in dem Jessika Fichtel gerade arbeitet, wirkt kleiner – und gemütlicher! – als erwartet. 18 Arbeitsplätze gibt es hier, immerhin. Arbeitsplätze, die täglich und manchmal auch mehrmals am Tag neu besetzt werden. Jeder, der in Erfurt einen Ort zum Arbeiten sucht, aber die Ausgaben für ein eigenes Büro scheut, kann sich hier im Krämerloft einen Platz mieten. Das Angebot richtet sich ebenso an Menschen, die nur kurz in der Stadt sind wie an solche, die das Arbeiten in einem Coworking Space als Ergänzung zum normalen Büro betrachten.

Das ist Coworking

Coworking bedeutet „zusammenarbeiten“. Es bezeichnet eine Arbeitsform, bei der Unternehmen und Selbstständige einzelne Arbeitsplätze oder ganze Büros in einem Coworking Space mieten können. Oft werden dabei sehr kurze Mietzeiten vereinbart. So kann man Schreibtische für einen Tag buchen, aber auch monats- oder jahresweise abrechnen. Die Betreiber der Coworking Spaces bieten die notwendige Büro-Infrastruktur wie ein Internet-Netzwerk, Drucker und Kopierer an. Auch Meeting-Räume sind oft vorhanden.

Weil die Mieten in einem Coworking Space in aller Regel deutlich günstiger sind als die Kosten für eigene Büroräume, ist diese Arbeitsform vor allem bei Freiberuflern und Solo-Selbstständigen beliebt. Aber auch immer mehr Unternehmen schätzen den Austausch mit Vertretern verschiedener Branchen.

Nicole Sennewald und Bianca Schön-Ott, die Betreiberinnen des neuen Erfurter Coworking Space, stellen ihren Kunden die Infrastruktur, die man so zum Arbeiten im Büro braucht. Etwa einen Drucker oder Kopierer, aber auch ein Netzwerk für schnellen Internetzugang, eine gemütliche Lounge zum Austauschen und eine hochmoderne Küche mit einem unbegrenzten Vorrat an ausgezeichnetem Kaffee.

Coworking: Arbeiten nach dem Pippilotta-Prinzip

„Coworking ist für uns mehr als einfach nur Schreibtische oder Büros zu vermieten“, sagen die beiden Frauen. Sie haben das Krämerloft gemeinsam gegründet, im Februar war Eröffnung. „Coworking ist für uns eine Möglichkeit, Menschen wirklich zusammenzubringen. Sie sollen hier nicht nur im selben Raum arbeiten, sondern eine Umgebung vorfinden, die sie inspiriert, ins Gespräch zu kommen, zu netzwerken, Kooperationen aufzubauen, zu experimentieren und Neues zu wagen.“ Bianca Schön-Ott ergänzt nach kurzem Nachdenken: „Wir arbeiten hier sozusagen alle nach dem Pippilotta-Prinzip und machen uns zumindest die Arbeitswelt, wie sie uns gefällt.“

Das funktioniere super, bestätigt Jessika Fichtel. Seit der Eröffnung arbeitet sie im Schnitt einmal pro Woche hier. Die selbstständige Bloggerin und Autorin genießt die Abwechslung zum Büro in der eigenen Wohnung. „Ich arbeite gern von zu Hause aus, aber manchmal fehlten mir einfach Kollegen. Jetzt habe ich das Beste aus beiden Welten“, sagt sie. „Ich fühle mich hier sehr wohl und genieße die gemeinsame Mittagspause oder den Kaffee mit Menschen aus ganz anderen Branchen und Bereichen.“ Menschen wie Konstanze Wutschig. Die Fotografin nickt zustimmend, als die junge Bloggerin ins Schwärmen kommt.

Coworking geht auch mit festem Büro

Konstanze Wutschig ist einer der Coworker, die im Krämerloft nicht nur einen Schreibtisch mieten, wenn sie ihn brauchen, sondern einen festen Arbeitsplatz in einem der sechs Büros gebucht haben. Nicht jeden Tag ist sie hier, ein großer Teil ihrer Arbeit findet im Freien oder bei ihren Kunden statt. Aber die Büroarbeit und das Nachbearbeiten der Bilder erledigt sie heute eben nicht mehr im Homeoffice, sondern im Coworking Space.

Das Büro teilt sie sich mit mehreren anderen Coworkern, alle aus unterschiedlichen Branchen und längst nicht alle Selbstständige. Zwar fing die Coworking-Bewegung tatsächlich als Unterstützung für Solo-Selbstständige, kleine Start-ups und Freiberufler der Kreativbranche an. Doch allmählich entwickelt sich diese Form des Arbeitens weiter.

Für wen eignet sich Coworking?

Aber auch wenn inzwischen auch eine Lehrerin und ein reisender Versicherungsmakler zu den Coworkern im Krämerloft gehörten: Der Großteil der Coworker, nicht nur in Erfurt, kommt aus eher kreativen Berufen und ist selbstständig. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn so attraktiv Coworking wegen seiner großen Flexibilität sein kann, es ist nicht für jede Branche und jeden Menschen geeignet.

Wer sich zum Beispiel nicht gut konzentrieren kann, wenn es um ihn herum mal unruhig wird, bekommt in vielen Coworking Spaces Probleme. Auch wer mit viel Ausrüstung, zahlreichen Ordnern und Materialien arbeitet, ist mit einem festen Büro besser dran, denn Coworking im klassischen Sinne, also mit befristet gemietetem Arbeitsplatz, bedeutet auch, dass man alle Arbeitssachen jedes Mal neu mitbringen muss. Wer da die viel schleppen muss oder gerade die eine, wichtige Akte vergisst, hat Pech.

Checkliste: Ist Coworking etwas für mich?

Nicht für jede Branche und jede Stelle eignet sich Coworking. Ob diese neue Arbeitsform etwas für Sie sein könnte, klären diese Fragen. Je mehr Sie mit „Ja“ antworten können, desto wahrscheinlicher ist Coworking eine Option für Sie:

  1. Arbeiten Sie gern in Gesellschaft?

  2. Können Sie sich gut konzentrieren, auch wenn es um Sie herum mal unruhig wird?

  3. Brauchen Sie zum Arbeiten nur wenig Material, das sich leicht transportieren lässt?

  4. Können Sie sich gut selbst organisieren und haben auch ohne festen Rahmen ein gutes Zeitmanagement?

  5. Können Sie auf eine Festnetz-Büro-Telefonnummer verzichten?

  6. Können Sie auf ein festes Büro verzichten, das nur Sie benutzen?

  7. Brauchen oder wollen Sie den Austausch mit Menschen aus anderen Branchen?

  8. Wollen Sie beim Arbeiten ein Netzwerk aufbauen?

  9. Haben Sie wenig Kundenkontakt bzw. können Sie Kundengespräche in jeder Umgebung führen?

  10. Sind Sie oder Ihr Arbeitgeber bereit, zwischen 150 und 250 Euro monatlich für die Miete im Coworking Space zu investieren (Durchschnittswert, in jedem Coworking Space unterschiedlich)?

Auch Berufe mit viel Kundenkontakt finden sich in den meisten Coworking Spaces eher selten, es sei denn, die Coworker können Ihre Kunden überall bedienen. Dann stellen fast alle Coworking Spaces Konferenzräume zu Verfügung, die man mieten kann, um in Ruhe Geschäftstermine abzuwickeln. Für Fotografin Konstanze Wutschig klappt das super. „Meine Kundinnen reagierten durchweg begeistert von der neuen Option, auch im Krämerloft Porträtfotos von sich machen zu lassen“, sagt sie.

Familie und Beruf unter einen Hut bringen

Doch für die Kollegen von Timmy Hack zum Beispiel, mit dem sich die Fotografin ein Büro im Krämerloft teilt, wäre das schon weniger einfach. Timmy Hack ist als Marketing Manager bei „Hörgeräte Möckel“, einem Unternehmen mit Sitz im südthüringischen Meiningen, festangestellt. „Für mich klappt das mit dem Coworking Space super, für unsere Mitarbeiter, die vor Ort beim Kunden arbeiten und etwa Hörgeräte anpassen, wäre das aber kaum umsetzbar“, sagt er. Er selbst hätte Schreibtisch und Arbeitsplatz ebenfalls in Meiningen haben könnte. Genau das wollte der 31-Jährige aber nicht, der vor Kurzem zum zweiten Mal Vater geworden ist.

„Ich stelle die Familie im Moment über den Beruf, will meine Söhne aufwachsen sehen und meine Frau unterstützen können, wenn es nötig ist. Deshalb habe ich beim Vorstellungsgespräch um eine Lösung gebeten, die mir erlaubt, an meinem Wohnort in Erfurt zu arbeiten“, erklärt er.

Damit trifft er in diesem Coworking Space einen Nerv. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war vor anderthalb Jahren nämlich der Grund, warum Nicole Sennewald überhaupt einen (weiteren) Coworking Space in Erfurt gründen wollte. Und deshalb gibt es hier neben den Büros, den 18 Tischen im „Open Space“, der großen Küche mit Lounge, den Meetingräume und dem Telefonierzimmer auch ein buntes, üppig mit Spielzeug ausgestattetes Familienzimmer für all die Coworker, die ihre Kinder zur Arbeit mitbringen.

Jeder Coworking Space ist anders – probearbeiten lohnt sich

Auf dieses Weise hat jeder Coworking Space sein eigenes Profil. Das System ist zwar überall gleich, die Ausrichtung aber immer ein bisschen anders. Es lohnt sich also, sich verschiedene Coworking Spaces anzusehen, wenn man mit dieser Form der Arbeit liebäugelt. Vor allem in größeren Städten gibt es inzwischen meist mehrere Anbieter und langsam ziehen auch kleinere Orte nach. Eine vollständige Übersicht über alle deutschen Coworking Spaces gibt es nicht – dafür sind zu viele zu unterschiedliche Anbieter auf dem Markt. Es gibt große Ketten, die gleich mehrere Coworking Spaces in verschiedenen Städten betreiben und kleine, private Initiativen wie die in Erfurt.

Global Coworking Survey – Prognose 2017

Jedes Jahr erscheint die „Global Coworking Survey“, eine Umfrage zu Entwicklungen und Erwartungen der Coworking Spaces weltweit. An der aktuellen Fassung vom 9. November bis 23. Dezember 2016 beteiligten sich insgesamt 1876 Befragte. Das Ergebnis:

  • Bis Ende 2017 wird es weltweit etwa 14000 Coworking Spaces geben.
  • Bis Ende 2017 werden weltweit fast 1,2 Millionen Menschen in Coworking Spaces arbeiten.
  • Jeder fünfte Coworker arbeitet zu sehr unregelmäßigen Zeiten.
  • Etwa 40 Prozent der Coworker kommen mindestens jeden Werktag in den Coworking Space, etwa 30 Prozent drei- bis viermal pro Woche.

Nachzulesen sind Details der „Global Coworking Survey“ bei deskmag, einem Onlinemagazin über neue Arbeitsformen.

Timmy Hack hat sich für letztere entschieden und für seinen Arbeitgeber sei dieser Wunsch nach wohnortnahmen Arbeiten kein Problem gewesen. „Unser Geschäftsführer ist selbst Vater und beobachtet zudem die Trends, die vor allem die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt bedeuten, genau. Er war sehr offen, was meinen Vorschlag anging, es mit dem Coworking Space zu versuchen.“

Coworking trotz Festanstellung? Das sagen Arbeitgeber

Das ist nicht selbstverständlich, denn auch für Timmy Hacks Arbeitgeber bedeutete diese Lösung zunächst Mehraufwand. Es mussten Server und Datenverbindungen eingerichtet werden, mit denen Timmy Hack auch von Erfurt aus sicher auf Kundendaten zugreifen konnte. Und wer sich nur einmal pro Woche persönlich sieht, muss auch sein Kommunikationsverhalten anpassen, effektiver gestalten. Doch „Hörgeräte Möckel“ ist nicht das einzige Unternehmen, das diese zusätzlichen Anstrengungen auf sich nimmt, um gute Mitarbeiter zu finden – und zu halten.

Auch Sven Lindig, Geschäftsführer der Lindig Fördertechnik GmbH in Krauthausen bei Eisenach, hat einen Arbeitsplatz im Krämerloft für einen seiner Mitarbeiter gemietet. Der Fachkräftemangel setze seinem Unternehmen zu. Längst ließen sich nicht mehr alle offenen Stellen mit Personal aus der Region besetzen und es gebe einige Mitarbeiter, die in Erfurt wohnten statt in der Wartburgregion.

„Wir öffnen uns im Zuge von New Work auch für neue Arbeitsformen und wollen so als Alternative zum Homeoffice auch den Coworking Space anbieten“, erklärt er. Er sieht darin vor allem drei Vorteile: Mitarbeiter, die nicht ständig pendelten, sparten erstens Zeit und zweitens Kraftstoff, schonten somit auch die Umwelt. Und der „potenzielle Vernetzungseffekt“ sei ebenfalls nicht zu unterschätzen. „Vielleicht ergibt ein Gespräch mit jungen Gründern eine Innovation?“, hofft er.

Diesen Vorteil sieht man auch bei „Hörgeräte Möckel“ in Meiningen. „Der Austausch führt zu neuen Ideen und Arbeitsansätzen und damit letztlich auch zu besseren Arbeitsergebnissen. Viel wichtiger aber ist, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, wohnortnah und zeitlich flexibel zu arbeiten, motiviertere, leistungsfähigere und bessere Mitarbeiter bekommen“, sagt Timmy Hack. „Meine Generation will mehr vom Leben als nur viel Geld. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar dafür, dass ich meine Familie über alles stellen, aber auch auf meine Selbstverwirklichung nicht verzichten muss. Und das gebe ich mit Leistung zurück.“

Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

#darumfrei: Beitrag zur Blogparade

Als mein Volontariat sich dem Ende neigte, wurde plötzlich alles anders bei der Zeitung, bei der ich damals arbeitete. Der alte Chefredakteur war gegangen worden, der neue mit klaren Sparvorgaben angetreten, wie man sich erzählte. Ziemlich schnell stand jedenfalls fest: Aus der Sache mit der fest eingeplanten Übernahme wird nichts. Das Angebot: frei weiter arbeiten. Schon zu der Zeit wechselte ich die Abteilungen nicht mehr, sondern war fest in der Ratgeberredaktion. Auf eigenen Wunsch. Ratgeber und Seite 3, vor allem am Wochenende (Damals durfte, wer am Samstag die drei hatte, noch 300 Zeilen schreiben!) – meine Traumkombi. Am 31. Januar ging ich morgens zur Arbeit, fuhr abends ganz normal den Rechner runter. Am 1. Februar hatte nur die IT-Abteilung gemerkt, dass sich bei mir was geändert hatte. Die hatten meinen Account abgeschaltet, weil keiner ihnen gesagt hatte, dass ich weiter arbeiten würde – aus der Volontärin war über Nacht eine freie Mitarbeiterin geworden.

Bis der Rechner wieder lief, dauerte es eine Weile, sonst änderte sich nichts: Ich ging weiter jeden Tag in dieselbe Redaktion, an denselben Schreibtisch, baute dieselbe Seite und sprach mit denselben Ansprechpartner. Nur zahlte ich plötzlich viel mehr Steuern, musste mich selbst für horrendes Geld krankenversichern und strich den Urlaub auf unbestimmt Zeit, weil ich mir das Wegfahren nicht hätte leisten können.

Trotz kam nach etwas über einem Jahr der Moment, indem ich auf die Versicherung, die nächste freie Redakteursstelle gehöre mir, antwortete: „Ich will sie gar nicht!“ Aus der Not war irgendwie mein Arbeitsmodell geworden. Eins, das ich mochte. Ich genoss die Freiheit, mein eigener Chef zu sein und mich neben dem Brotjob auf anderen Spielfeldern ausprobieren zu können. Ich begann, Seminare zu geben und PR zu machen, entstaubte meine Grafik-Kenntnisse und entdeckte, dass Facebook und Co. nicht nur zum Austausch mit alten, weit verstreuten Freunden taugt – sondern auch als Geschäftsmodell. Frei sein hieß plötzlich wirklich mehr „frei sein“ als „vogelfrei sein“.

Das geht mir bis heute so. Meine Geschäftsfelder haben sich seit damals massiv verschoben. Für die Zeitung arbeite ich kaum noch, neue Bereiche wie das Corporate Publishing sind dafür entstanden. Aber das Gefühl, Herr über mein eigenes Schaffen zu sein, ist auch heute noch einer der wichtigsten Vorteile meiner Selbstständigkeit. Dass ich mich nicht festlegen muss, sondern es beinahe sogar eine Verpflichtung ist, neue Trends selbst auszuprobieren, begeistert mich. Dass allmählich (ganz, ganz allmählich) auch bei vielen Unternehmen die Einsicht greift, dass professionelle Kommunikation genauso wie professionelles Programmieren oder professionelles Maschinen bauen auch professionell bezahlt werden muss, erleichtert mich.

Außerdem bin ich eitel und finde es großartig, Chefin zu sein – und auch so wahrgenommen zu werden. Das ist nun sicher kein ausschlaggebender Grund, um sich selbstständig zu machen, aber es kann ein ziemlich gutes Gefühl sein.

Ja, ich bin gerne frei – aber ich bin nicht naiv. Die Freiberuflichkeit hat eine Menge Vorteile, die ich liebe. Aber sie hat eben auch dicke Fallstricke: Um mich sozial abzusichern, müsste ich deutlich mehr verdienen, als ich es tue. An eine lange Krankheit (oder das Alter!) denke ich lieber nicht. An eine Familiengründung eher auch nicht. Wer, wie ich selbst, zwar die Sache mit dem Marketing und der Kommunikation beherrscht, in der Akquise aber keine perfekte Figur macht, hat ein zusätzliches Problem (das ich mit der nächsten Weiterbildung aus der Welt zu schaffen gedenke). Und so schön es ist, den halben Tag im Pyjama arbeiten und sich die Zeit frei einteilen zu können: Genau das sorgt dafür, dass ich regelmäßig auch nachts und an den Wochenenden arbeite, dass mein Kopf keine Pause mehr kennt, selbst wenn mein Körper gerade eine macht.

Ob das in einer Festanstellung besser würde? Vielleicht. Aber nicht, weil die Festanstellung per se sicherer wäre (siehe oben: Ich bin nicht naiv!). Es würde vielleicht besser, weil die Verantwortung dafür nicht mehr allein auf meiner Willensstärke läge. Eine Festanstellung hat Strukturen, die nun mal sind, wie sie sind, an die man sich zu halten hat. Das kann man einengend und belastend empfinden. Aber eben auch erleichternd. Die Vorstellung, nur noch für die Inhalte seiner Arbeit verantwortlich zu sein und nicht auch noch für die Rahmenbedingungen, hat in schwachen Momenten ihren Reiz für mich. Die Vorstellung, dass jemand anders sich um die verflixten Zahlen kümmert, hat sogar in jedem Moment eine Menge Reiz für mich.

Doch reicht das, um eine Anstellung der Freiberuflichkeit vorzuziehen? Ja, vielleicht – wenn der richtige Job im richtigen Unternehmen lockte. Mein Herz müsste von Anfang an höher schlagen, damit Anwesenheitspflicht zu festen Zeiten, Weisungsgebundenheit, fehlende Flexibilität und weniger Vielfalt in den Arbeitsfeldern gegen die zeitliche, räumliche und inhaltliche Freiheit meines aktuellen Arbeitsalltags eine Chance haben. Die große Mehrzahl der offenen Jobs schafft das nicht und deshalb: #darumfrei.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Warum ich gern freier Journalist bin“ der Kollegen Bettina Blaß und Timo Stoppacher. Unter dem Hashtag #darumfrei finden Sie erste Beiträge auch in den sozialen Netzwerken.

Kann eine PR-Frau eine gute Journalistin sein?

Vor kurzem habe ich mal wieder irgendwo eines dieser Interviews mit einem dieser Journalisten gelesen, die wir anderen Journalisten so gerne „Edelfeder“ nennen. Oder „einen der ganz Großen der Branche“. Oder so. Ich weiß nicht mehr, wer es war. Ich weiß auch nicht mehr, was Anlass des Interviews war oder worum es eigentich ging, aber eine Sache ist mir seither nicht mehr aus dem Kopf gegangen: Die obligatorische Frage nach dem Warum. „Warum sind Sie Journalist geworden?“ Genauso obligatorisch ist fast immer auch die Antwort: Weil man die Welt verbessern wolle, Skandale aufdecken, den Mächtigen genau auf die Finger schauen, die Demokratie schützen und einen mündigen Bürger bilden.

 

Lange Zeit habe ich ebenso geantwortet, wenn man mir die Frage stellte. Meistens war ich zumindest ehrlich genug, voran zu stellen, dass ich  Geschichten erzählen wollte. Denn um genau zu sein: Nichts der oben genannten, idealistischen Ziele hätte mich zum Journalismus bringen können. So beschämend es ist: Mit Politik beschäftige ich mich vielleicht seit acht Jahren. Vorher hat mich das nicht die Bohne interessiert. Und auch heute noch fasziniert es mich genug, um darüber schreiben zu wollen. Meine Motivation, Journalistin zu werden, war viel profaner: Ich wollte Geschichten erzählen, aber nicht unter der Brücke schlafen müssen. Und damals, mit 14, als ich mich für den Beruf entschied, war die Aussicht, als Journalist seine Miete UND das Essen bezahlen zu können, tatsächlich noch größer als es sie für Schriftsteller gewesen ist – mein heimlicher, echter Berufswunsch.

 

Ich liebte Sprache und was sie auslösen und bewirken kann. Ich mochte Geschichten, die mich aufsogen und deren Charaktere und Handlung, wenn sie mich wieder ausspuckte, noch lange in meinem Kopf weiter lebten. Damit wollte ich mein Geld verdienen. Und da meine erste Erfahrung mit dem Journalismus der Lokaljournalismus war, schien das irgendwie gar nicht so abwegig, denn dort ging es mehr ums Erzählen als ums Kontrollieren und Skandale aufdecken. Jedenfalls für mich als Praktikantin.

 

Klar, heute kenne ich die Aufgaben der Presse – und verteidige sie glühend, wenn es sein muss. Heute lese ich viel und gerne die Kollegen, von denen ich im ersten Absatz schrieb, weil ich über sie meine politische Bildung nachhole. Aber meine Motivation für mich ganz persönlich ist die gleiche geblieben: Ich möchte Texte schreiben, die die Menschen lange Zeit erinnern. Die Routine und Hetze im Tageszeitungsgeschäft hat mir das mal beinahe kaputt gemacht. Als ich vor zwei Jahren aus der Tretmühle ausscherte, war meine Lust am Schreiben nur noch eine kleine Amöbe – gerade entwickelt genug zum Überleben, aber von Denken und Fühlen keine Rede. Einer meiner Texte las sich wie der andere. Kein Wunder: Was am Fließband produziert ist, soll ja eben immer identisch sein. Doch was einer Autotür gut tut, tötet Kreativität und Leidenschaft.

 

Heute habe ich beides wieder gefunden. Dabei bin ich inzwischen größtenteils auf die „dunkle Seite der Macht“ gewechselt. Heute schreibe ich vor allem im Auftrag. Es geht nicht mehr um Unabhängigkeit, Objektivität und Aufklärung. Es geht um Image und Absatz. Das kann man als Verrat an der großen, guten Sache empfinden. Ich empfinde es als perfekte Symbiose der guten Sache und meiner ureigenen Motivation. Ich arbeite nicht (nur) als PR-Beraterin, weil das besser bezahlt wird, sondern – da bin ich grenzenlos egoistisch – weil es mir mehr Spaß macht. Vor allem, wenn es nicht nur um eine simple Pressemitteilung geht, sondern zum Beispiel um Corporate Publishing-Projekte wie das Erlebnismagazin für die Welterberegion Wartburg Hainich.

 

Hier habe ich für meine Texte Platz und Zeit, um der Sprache, die meine Muttersprache ist, wieder ihre schönsten Bilder abzuringen. Um sie dazu zu überreden, mit mir zu spielen, statt sich gegen mich zu sperren. Um mit ihr starke, neue Formulierungen zu schmieden, statt auf die üblichen Phrasen zu setzen. Lange Texte (die ich am Ende auf die Hälfte kürze, damit sie neben lang nicht auch langweilig werden), große Bilder, Infokästen, gute O-Töne. Das Handwerk, das ich auf der guten Seite gelernt habe, benutze ich jetzt immer noch. Und ich glaube auch, dass ich damit immer noch nichts schlechtes tue. Denn PR – wenn das bitte endlich in alle Schädel ginge – ist nicht Werbung. Ich ziehe niemanden ab oder über den Tisch, ich verkaufe streng genommen nicht mal etwas.

 

Ich fühle mich wohl in der PR. Und etwas Besseres hätte dem Teil in mir, der immer noch Journalistin ist, nicht passieren können. Meine Begeisterung für das Erzählen ist wieder da – und damit auch die Begeisterung für Menschen. Beides Grundvoraussetzungen, um guten (Lokal-)Journalismus zu machen, wie ich finde.

 

Früher hieß es mal, es gebe keinen Weg zurück für Journalisten, die in die PR gewechselt seien. Ich halte das für Quatsch. Aber es interessierte mich auch nicht, wenn es so wäre. Denn ich will gar nicht zurück. Ich will beides. Und ich kann das auch. Als Journalistin schreibe ich nicht über Firmen, die ich als PR-Beraterin betreue. Damit müssen beide Seiten leben, auch wenn es beiden nicht immer passt, weil es für die einen mehr Aufwand bedeutet (muss ja ein anderer Kollege gefunden werden, der den Termin für die Redaktion übernimmt) und die anderen damit leben müssen, dass über sie jemand schreibt, den sie nicht kennen und nicht briefen können.

 

Aber auch da bin ich egoistisch: Meine eigene Glaubwürdigkeit ist mir  wichtiger als das Wohlbefinden von Redaktion oder Kunden. Ich bin gerne PR-Mensch. Ich bin gerne Journalistin. Und für mich schließt sich nichts davon gegenseitig aus.

Unterschätzt: Rechtschreibung und Grammatik

Als ich meinen Aufsatz für die Abiprüfung im Deutsch-Leistungskurs schrieb, durfte ich wählen: Ich konnte nach der Rechtschreibung schreiben, die mir 12 Jahre lang eingetrichtert wurde – oder nach der, die erst wenige Monate galt (und wenige Jahre später schon wieder obsolet sein sollte). Seither geht es nur noch bergab mit unseren Sprachregeln: Gefühlt ein halbes Dutzend Reformen später und der Umwidmung des Duden zum reinen Empfehlungswerk halten es Grundschüler heute wieder wie Luther und schreiben, wie sie reden. „Freies Schreiben“ heißt die Methode, in der Kinder nur mit einer Anlauttabelle „schreiben lernen“. Darauf sind Bilder neben den entsprechenden Buchstaben, also etwa eine Uhr neben dem U. Kinder schreiben nun die Laute, wie sie sie hören. Ein Bär kann so auch so geschrieben werden: „Br“. Und aus dem korrekten „Hund“ könnte „Hont“ werden – je nach Gegend, in der das Kind zur Schule geht, werden die Worte mehr oder weniger verständlich sein. Vermutlich hätte ich das als Kind trotzdem geliebt, weil man so so schön schnell ganze Texte schreiben kann (nur lesen kann sie keiner außer dem Urheber). Wir haben stattdessen mühsam Buchstaben für Buchstaben gelernt, danach Silben, erst dann Wörter und erst danach reichte es für Geschichten. Heute finde ich das gut so. Auch wenn mir die jahrelange Büffelei absolut nichts gebracht hat.

 

Mein Abitur schrieb ich – sicher war sicher – nach der alten Rechtschreibung. In der Berufsschule gab es zwar Englisch-, aber keinen Deutschunterricht mehr, und selbst im Journalistik-Studium spielten Rechtschreibung und Grammatik keine Rolle. Dabei hätte ich es für einen extrem wichtigen Kurs gehalten und dafür gern auf das ein oder andere Seminar zu den Mediensystemen oder Kommunikationstheorien verzichtet. Doch unser Studienplan war auch eine Blaupause für die Redaktionen: Auch dort gab es nur selten Kurse, um die neue Rechtschreibung zu erlernen. Von der Reform und der Reform der Reform ganz zu schweigen. Ich weiß von Redaktionen, in denen die Redakteure stattdessen große Poster mit den Rechtschreibregeln erhielten. Total effizient, wie man sich vorstellen kann.

 

Dabei kann gut gemachter Rechtschreib- und Grammatikunterricht grandios viel Spaß machen. Wenn man die Regeln nicht nur instinktiv richtig anwenden kann, weil man eben seine Muttersprache beherrscht, sondern sie auch zu erklären weiß – erst dann kann man Sprache richtig nutzen, kann damit spielen, damit klugscheißen. Wann man welchen Fall benutzt, wann welche Zeitform, welche Wortarten und Satzbestandteile es gibt, und welche Satzformen man unterscheidet. Wissen wie dieses hat mir schon in der Schule Spaß gemacht. Und ganz nebenbei hat es auch enorm geholfen, fremde Sprachen zu lernen. Doch so viel Spaß mir Grammatik macht, so enervierend finde ich heute die Rechtschreibung.

 

Irgendwann zwischen den Reformen bin ich auf der Strecke geblieben. Wann man „ss“ und wann „ß“ schreibt, habe ich gerade noch mitbekommen, die neuen Kommaregeln leuchteten mir auch ein, aber schon bei der Groß- und Kleinschreibung verlassen mich Instinkt wie Wissen gleichermaßen. Mit der Getrennt- und Zusammenschreibung stehe ich inzwischen regelrecht auf Kriegsfuß. Manchmal würde ich es auch gern machen wie Grundschüler (oder Luther) und schreiben, wie ich spreche. Als Journalistin kratzt das aber an der Ehre. Jeder Rechtschreibfehler, den ein Leser findet, tut das. Aber die Regeln wollen einfach nicht in meinem Kopf. Die alten, die ich 12 Jahre und länger gelernt habe, wollen dort einfach keinen Platz machen (zumal ich sie noch immer viel logischer finde). Also gehe ich regelmäßig bei Kollegen in die Schule, die darin fitter sind als ich – denn Rechtschreibkurse für Erwachsene gibt es nur im Rahmen eines Alphabetisierungsprogramms. Vielleicht sollte ich mich doch wieder in einen Schüler verwandeln. „Zeitung in der Schule“ hieß bei uns, Artikel auszuschneiden und sie auf Fehler zu kontrollieren. War damals eher nicht im Sinne des Erfinders, könnte heute aber helfen, mein Rechtschreibwissen zu schulen. Genug Beispiel fänden sich in den Regionalzeitungen auf jeden Fall.

Adventskalendereien

Ich liebe Adventskalender. Die aus Schokolade, vor allem aber die, bei denen ich vorher nicht weiß, was sich hinter dem Türchen versteckt. Früher gab es die Adventskalender immer von Oma. Als ich 21 war, versuchte sie, das einzustellen. Hinweis auf das Alter und so. Ich habe mich so vehement gewehrt, dass ich selbst mit Ende 20 noch immer einen Adventskalender von Oma bekam. Inzwischen kommt jedes Jahr einer vom Steuerbüro dazu, einer, mit dem man gute Taten tun kann (dieses Jahr vom Lions Club Gotha) und ein bis zwei Dutzend virtuelle.

Auf Adventskalender-Suche

Wirklich, kurz vor dem 1. Dezember setze ich mich seit einigen Jahren einen Abend lang vor den Rechner und suche mir virtuelle Adventskalender zusammen, bei denen man interessante Dinge gewinnen kann. Die klappere ich dann täglich ab. Nicht jeden Tag spiele ich mit, schließlich will ich ja auch nur gewinnen, was ich wirklich gebrauchen kann. Aber ich bin ein Mädchen-Mädchen: Wenn es glitzert, Kosmetik ist, Schuhe oder Taschen oder Bücher eine Rolle spielen, bin ich dabei. Und ja, dabei verliere ich dann schon auch mal meine Distanz dazu, eigene Kontaktdaten preiszugeben. Nur Kalender, bei denen man sich dauerhaft registrieren oder seine Facebook- oder Twitterfreunde mit Hinweisen nerven muss, fliegen aus dem Raster.

 

In diesem Jahr sind in dieser Sammlung zum ersten Mal auch Adventskalender, bei denen man nichts gewinnen, aber viel lernen kann. Dank der sammelwütigen Epxerten von t3n habe ich Kalender gefunden, hinter dessen Türchen sich jede Menge Tipps und Fachtexte für Kommunikations- und Webmenschen verstecken. Das hat mich auf eine Idee gebracht, und ich habe angefangen, zu suchen: Ich wollte wissen, ob es Journalisten gibt, die Adventkalender nutzen, um ihre Leser auf sich aufmerksam zu machen und an die eigene Website, den eigenen Blog zu binden. Immerhin ist es die perfekte Lösung, um Nutzer innerhalb kurzer Zeit sehr oft auf die eigene Seite zu ziehen. Uns geht man von der Theorie aus, dass man Dinge 21 (oder 30, je nach Theoretiker) Tage wiederholen muss, um sie zur Gewohnheit werden zulassen, wäre das DIE Lösung, um dauerhaft mehr Leser zu gewinnen. Aber der Aufwand ist enorm. 24 Tage lang jeden Tag einen neuen Text, eine neue Arbeit. Und zwar eine, die so gut, so relevant ist, dass der Adventkalenderianer auch am nächsten Tag gespannt ist, was sich diesmal hinter dem journalistischen Türchen versteckt. Vielleicht ist das der Hauptgrund, dass ich nur wenige Journalisten finden konnte, die einen Adventskalender anboten und keinen, der dieses Jahr einen anbietet.

Adventskalender zum Journalisten-Selbstmarketing

Da sind Kollegen, wie Udo Stiehl, dessen Adentskalender 2013 vor allem für Kollegen taugte. Hinter jedem Türchen bot er neue Basics unseres Handwerks an. Für manche „Neuland“, für viele Erinnerungen an das, was man mal gelernt hat, was im Alltag aber immer öfter untergeht. Sehr empfehlenswert. Einziges Hinkebein: Man erkennt den Adventskalender nicht (mehr) als solchen, denn die Türchen kommen einfach als Blogbeiträge daher (einfach unter diesem Beitrag immer „nächster“ klicken, EDIT: Danke an Udo Stiehl, der mich darauf hinwies, dass es die alten Beiträge doch auch noch in einer Übersicht gibt, und zwar hier). Dann spendiert Google mir ein paar weitere Ergebnisse aus den vergangenen Jahren, doch aktuell scheint sonst kaum ein Journalist selbst einen Adventskalender zu bestücken. Es gibt Kollegen, die andere Adventskalender empfehlen. Wie Henning Bulka, der auf einen Kalender für die Ohren fliegt, der übrigens wirklich nett ist. Und es gibt jede Menge Medien von der Sueddeutschen bis zum kleinen Lokalblatt, die ihre Leser mit Adventskalendern ködern. Hinter deren Türchen stecken aber in der Regel Sachpreise statt Journalismus. Hilft sicher auch, die Leute auf die Seite zu locken. So ein iPad oder Smartphone zu gewinnen, ist verlockend. An die Marke bindet das aber niemanden, denn vom Markenkern merkt bei diesem Adventskalender ja keiner was (mal abgesehen vom Logo oben rechts in der Ecke).

 

Auch wir bei Curcuma Medien haben die Chance dieses Jahr verschlafen, aber mal sehen, vielleicht fangen wir am 25.12.2014 an, tolle Texte, unsere besten Bilder und besten Kreativtipps zu sammeln, um einen Adventskalender 2015 für euch zu bestücken. Und vielleicht machen wir das ja auch nicht allein, sondern bieten einen grandiosen Adventskalender mit Kollegen und Partnern an, die können, was wir nicht können, und damit und – oder gemeinsam mit uns unsere Kunden – oft sehr glücklich machen. Wie wäre es, Livia Schilling, Rainer Aschenbrenner, Pauline Werner, Susann Winkel, Michael Plote, Jürgen Creutzburg, liebe Kollegen von Style your web, Ann Red oder Dr. Bernd Seydel, starten wir einen Kooperations-Adventskalender?

Was ist guter Journalismus?

Kann Journalismus über Geflügelzüchter guter Journalismus sein? Foto: Anita Grasse

 

Kann man eigentlich ein guter Journalist sein, wenn man Konflikte hasst? Diese Frage scheint in letzter Zeit ein bestimmendes Thema meines Berufslebens zu sein. Ich mag keine Konflikte. Ich kriege Bauchschmerzen, wenn ich jemandem widersprechen und damit seine Position angreifen muss – vor allem, wenn es um Menschen geht, die ich eigentlich mag oder sogar bewundere. Aber ist nicht genau das Aufgabe eines Journalisten – die Positionen von Menschen auch dann auseinander zu nehmen, wenn man sie als Persönlichkeiten vielleicht für ihren Mut oder ihr Engagement, ihre Empathie oder ihre Redegewandheit, ihre Erfolge oder ihren Ehrgeiz bewundert? Nur um das klarzustellen: Ich rede hier nicht von Politikern und Promis. Die haben mit „Amtsantritt“ gewusst, dass sie öffentlich beobachtet und kritisiert werden. Aber Politikjournalismus mache ich nicht (warum steht hier) und Promis haben wir in Thüringen quasi nicht. Ich rede also von den mehr oder weniger normalen Menschen, die einem im Lokaljournalismus so unterkommen.

 Nur investigativer Journalismus ist guter Journalismus?

Im Studium und auch danach wurde mir immer wieder die „Ein guter Journalist macht sich mit nichts gemein“-Regel um die Ohren gehauen. Ich habe das nicht weiter hinterfragt – und erst Recht nicht widersprochen. Stattdessen habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich dieser Regel noch nie entsprechen konnte. Wenn ich im Sonntagsdienst der Lokalzeitung bei einer Geflügelausstellung war, dann habe ich aus dem Text keine Abrechnung darüber gemacht, was das Eingesperrtsein in Käfigen über, unter und neben hunderten anderer Viecher, der Lärm und die Aufregung wohl mit den Tieren anstellt. Stattdessen wurden es fast immer Texte über Menschen, die sich dem Trend entgegenstellen und auf beinahe verlorenem Posten dafür kämpfen, ein altes, vom Aussterben bedrohtes Hobby, das ihr Familienleben oft seit Generationen bestimmt, lebendig zu erhalten. Das habe ich nicht nur geschrieben, um keinen Konflikt zu riskieren, sondern vor allem, weil ich wirklich bewundere, wie man Jahrzehnte gegen Windmühlen kämpfen und trotzdem nie aufgeben kann, auch wenn man nur noch belächelt und verspottet wird. Und nur, um das klarzustellen: Ich habe dabei die Geschichten hinter den Ausstellungen erzählt, keine Chronologien der Ausstellungen aufgezählt. DAS wäre meiner Meinung nach nämlich wirklich schlechter Journalismus. Aber ist meine Art, an solche Themen heranzugehen, guter Journalismus?

Wenn man die öffentliche und die brancheninterne Diskussion zum Qualitätsjournalismus betrachtet, kann man schnell das Gefühl bekommen, nur investiver ist guter Journalismus. Aber denken wir das zu Ende: Unterstellen wir mal, Verleger und Chefredakteure würden unter genau dieser Maßgabe aus ihren Sonntagsreden Taten werden lassen. Alle Medien würden auf „guten“ Journalismus umstellen. Und dann? Wir hätten nur noch aufgedeckte Skandale, aber keiner würde mehr die Geschichten aus dem Alltag erzählen. Die romantischen, die niedlichen, die kleinen Aufreger, die ratgebenden, die aufklärenden, die rührenden, die traurig machenden – all die Geschichten eben, die nicht ins Raster einer vierten Gewalt passen.

 Guter Journalismus muss handwerklich sauber gemacht und nachgefragt sein

Ich habe für mich deshalb eine andere Definition von gutem Journalismus gefunden. Meiner Meinung nach muss er zwei Kriterien erfüllen:

1. Er muss handwerklich sauber gemacht sein. Soll zum Beispiel heißen: Die relevanten W-Fragen sind beantwortet, eine Zwei-Quellen-Recherche ging voraus, die Zitate sind korrekt, der Text ist inhaltlich, grammatisch und orthografisch Korrektur gelesen, er hat einen Nachrichtenwert und erinnert stilistisch weder an einen Schulaufsatz noch an ein Vereinsprotokoll.

2. Und zum anderen muss Journalismus, um guter Journalismus zu sein, ein Bedürfnis erfüllen, nämlich das der Nutzer. Journalismus ist nur dann gut, wenn er nachgefragt wird, wenn er dem Leser etwas gibt, ihn bereichert. Das heißt nicht, dass nur noch geschrieben werden soll, was in der Woche davor die meisten Klicks gebracht hat. Die Stücke, die mir am meisten in Erinnerung sind, sind solche, die mich thematisch eigentlich gar nicht interessierten, deren Aufmachung und Stil mich dann aber packten. Ein guter Journalist muss seine Leser erreichen und in ihnen etwas auslösen wollen. Würden wir alle nach diesem Credo arbeiten, gäbe es keine Geflügel-Chronologien mehr. Es gäbe überhaupt keine Artikel mehr, die nur geschrieben worden sind, weil sonst eben unten auf der Seite 80 Zeilen „Platz für Ihre Notizen“ gewesen wären. Es gäbe nur noch Texte, hinter denen wir mit unserer ganzen Leidenschaft und all unserer Professionalität stünden. Und das, finde ich, wäre ein ziemlich guter Anfang für echten Qualitätsjournalismus.

Und wie sehen Sie, wie seht ihr das? Was unterscheidet für euch guten von mittelmäßigem oder gar schlechtem Journalismus? Ich bin sehr gespannt auf eure, Ihre Kommentare.

Von allem ein bisschen oder Spezialgebiet?

Der erste Satz in der Auftaktveranstaltung meines Journalistik-Studiums: „Wenn Sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen, exmatrikulieren Sie sich wieder!“ Der zweite: „Wollen Sie im Journalismus erfolgreich sein, müssen Sie sich spezialisieren und Ihre Nische finden.“ Gut, vielleicht hatte man damals ein bisschen weniger deutliche Worte, aber die Botschaft lautete genauso. Heute frage ich mich, wieso ich danach nicht sofort das Studienfach und den Beruf gleich mit gewechselt habe. Damals war ich jung und ein bisschen größenwahnsinnig und dachte: „Redet ihr nur. Bei mir wird eh alles anders.“

Journalistin wollte ich auch werden, um mich nicht auf ein Thema und eine Arbeit festlegen zu müssen, die ich von da an die nächsten 45 Jahre hätte machen sollen. Ich wollte Abwechslung, in viele Berufe mal reinschnuppern, ein bisschen lokalen Ruhm, möglichst wenig Routinen, möglichst viel Neugier und Begeisterung wecken. Und ja, ich wollte auch Familie. Vielleicht. Irgendwann. Und wenn nicht, wäre auch nicht schlimm. Nur eins wollte ich auf gar keinen Fall: Mich spezialisieren.

Medien sterben wie die Fliegen

Heute bin ich nicht mehr ganz so jung, und die Realität hat eine Menge meines Größenwahnsinns abgeschliffen. Doch die Frage, warum ich nicht Studienfach und Beruf gewechselt habe, wird immer drängender. Gerade hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung angekündigt, 200 Stellen streichen zu wollen. Die Frankfurter Rundschau, die Münchner Abendzeitung, die Financial Times Deutschland – mehr oder weniger vernichtet. In NRW verkauft die Funke Mediengruppe Abos für eine Zeitung, die völlig ohne eigene Redakteure bestückt wird. Anderswo werden Pressemitteilungen und bezahlte PR-Texte als redaktioneller Inhalt verkauft.

Wir verarschen die Leser und verkaufen das mit den Zwängen, geboren aus Sparrunden, Personalkürzungen und Arbeitsmehrbelastung. Das ist nicht mehr der Beruf, den ich gegen die Sorgen meiner Eltern und gegen das „Ach so, das bisschen Schreiben muss man lernen?“-Gesabbel erträumt und ergriffen habe.

Nischen oder viele Standbeine finden

Schon heute arbeite ich mehr im PR-Bereich als im Journalismus. Warum? Weil ich ihn oft genug ehrlicher finde. Über meinen Aussendungen steht immer groß „PRESSEMITTEILUNG“, in meinen Mails gehe ich offen damit um, dass ich im Auftrag eines Kunden Kontakt aufnehme. Ich bin in meiner Arbeit transparent und gebe meinem Gegenüber damit die Chance, selbst zu entscheiden, ob glaubwürdig ist, was ich tue oder nicht. Spaß habe ich dabei genauso viel wie früher im Journalismus, denn ich gehe auf die gleiche Weise an die Themen ran. Ich hole O-Töne, ich schreibe szenisch, um Neugier zu wecken, ich prüfe Fakten vor der Veröffentlichung und ich versuche Überschriften zu bauen, die gleichzeitig sachlich und lesemotivierend sind.

PR-Arbeit macht mir Spaß, ebenso wie mir die Seminare und die Social-Media-Dienstleistungen Riesenspaß machen. Da ist sie wieder, die Abwechslung, die ich schon immer wollte. Trotzdem glaube ich heute, der Tipp mit der Nische, mit der Spezialisierung, war ein guter. Wenn es darum geht, sich allein vom Journalismus zu ernähren, ist es vielleicht sogar der einzige, der wirklich sinnvoll ist.

Als Freie Journalistin habe ich zwei Möglichkeiten, über die Runden zu kommen: Ich suche mir andere Standbeine wie PR und Seminare, um die mickrigen Journalismus-Honorare quer zu finanzieren. Oder ich schreibe für die Nischen, die ordentliche Zeilen-, Seiten-, Stunden- oder Minutenhonorare bringen. Und das sind nicht die Tageszeitungen! Im Magazinbereich lässt sich, wenn man einmal reinkommt, ganz gut Geld verdienen – vorausgesetzt, man kann eine thematische Nische besetzen, die zum Profil des Heftes passt, die kein anderer besetzt und in der man Expertenstatus nachweisen kann.

Expertenstatus: Neugierkönigin

Dummerweise ist mein einziger Expertenstatus inhaltlicher Art, dass ich von einer Menge Dinge etwas verstehe: Ich war vielleicht fünf oder sechs, als ich das erste Mal ein Getränk an einen Kneipentisch gebracht habe. Inzwischen kann ich das gut. Ich war Reiseleiterin und kenne mich gut aus, wenn es um die Frankfurter Tabelle und den richtigen Ablauf von Beschwerdegesprächen geht. Ich war als Fotografin und Journalistin in Oslo und habe immerhin gelernt, wie man Fårikål kocht – jedenfalls theoretisch. Seit Tunesien kann ich ein Kopftuch richtig binden und weiß, dass man Kulturgüter wie die Ruinen von Karthago nicht hinter Absperrgittern verstecken muss und sie trotzdem schützen kann. Aus Gran Canaria stammt meine Abneigung gegen Bettenburgen – und eine der partytauglichsten Reiseanekdoten aus meinem Repertoire. Dank einer freien Mitarbeit in Hannover kenne ich inzwischen das komplette Weihnachtsrepertoire des Russischen Staatsballetts und bilde mir ein, gute von mittelmäßigen Aufführungen unterscheiden zu können.

Ich habe eine Menge toller Dinge ausprobiert und für jedes einzelne bin ich dankbar. Ich hüte die Erinnerungen in einer großen Kiste und werde sie hoffentlich irgendwann an Enkel weitergeben können. Nur eines habe ich verpasst: Ich bin kein Experte in irgendwas geworden. Erst in den vergangenen paar Jahren, seit auch mir langsam klar wurde, dass es ohne Expertenstatus als Journalistin und Trainerin schwer wird, erarbeite ich mir langsam, was mir früher vielleicht zugeflogen wäre: Ich habe Medien und Social Media als Kernkompetenzen für mich entdeckt.

Spinnen wäre sicher einfacher gewesen (in mehrerer Hinsicht, aber ich meine das Spinner-Handwerk als Nischenthema). Wissen, das man einmal hat, ändert sich quasi nie, hat sich ja seit Jahrhunderten nicht nennenswert verändert. In Sachen Medien und Social Media reichen zwei Wochen Urlaub, um völlig den Anschluss an die Entwicklungen zu verlieren. Außerdem sind beides eher Themen für die Seminare. Doch weil ich auch weiter, wenigstens hin und wieder aus Liebhaberei schreiben will, habe ich mir einen weiteren, einen inhaltlichen, Schwerpunkt gegönnt und fange an, mir auch in Sachen Tourismus einen Expertenstatus aufzubauen. Das wäre leichter gewesen, wenn ich damals nach der ersten Journalistik-Vorlesung gleich das Fach gewechselt und Touristik studiert hätte. Aber gut. Habe ich nicht. Und vermutlich hätte ich das Thema damals auch sterbenslangweilig gefunden.

Der Mensch entwickelt sich eben und mit ihm seine Interessen, seine Fähigkeiten und Leidenschaften. Seine Nische zu finden, ist ein guter Rat. Aber meiner ist trotzdem ein anderer: Wenn du deine Nische gefunden hast, überprüfe dann und wann, ob du dich darin noch umdrehen kannst oder ob sie dir nicht so ungemütlich geworden ist, dass es sich lohnen könnte, eine weitere Nische anzubauen – oder gleich umzuziehen.

Blogparade: Wie träumt ihr euch die Medien der Zukunft

Ich stehe morgens beim Zähneputzen vor dem Spiegel und per Knopfdruck laufen auf der einen Spiegelseite meine ersten Nachrichten ein. Von den Nachrichtendienstleistern, die ich abonniert habe. Mittags am Schreibtisch lade ich meine individualisierte Zeitung aufs Tablet. Welche Inhalte ich von wem lesen will, habe ich beim Abschluss des Abos angegeben. Zusätzlich scannt mein Anbieter die deutsche Medienszene und packt mir Analysen und Meinungen dazu, die zu meinen Interessen passen und von den bereits abonnierten abweichen, also eine andere Perspektive bieten. So würde ich in Zukunft gerne Medien nutzen.

Ich will auch in zehn Jahren noch Zeitung lesen, aber damit meine ich nicht zwingend bedrucktes Papier. Papierzeitungen finde ich anstrengend. Sie sind so groß, unhandlich, dass ich sie nur ausgebreitet auf dem Fußboden lesen kann. Schon jetzt lese ich Zeitung auf dem Tablet, aber so richtig zufriedenstellend sind sie bisher nicht.

Ich träume von einer Zeitung, die drei Dinge kann: Mich gemäß meiner individuellen Interessen informieren und unterhalten,
mir zu wichtigen Themen eine breite Palette an Meinungen, Perspektiven und Einschätzungen bieten und alle Möglichkeiten ihres Trägermediums ausnutzen.

Den Versuch, eine individuelle Zeitung anzubieten, gab es schon mal. Man konnte sich die Teile einzelner Medien zusammenstellen, dazu Meldungen aus sozialen Medien. Das Ganze gab es als gedrucktes Produkt – und scheiterte schließlich an den exorbitanten Druckkosten für individualisierte Zeitungen. Die entfielen aber, wenn es als Online-Produkt angeboten wird. Meine persönlliche Zeitung hätte zum Beispiel keinen einzigen Fußballartikel und nur einen dünnen Feuilleton-Teil. Dafür hätte ich sehr viel Medienberichterstattung, Außenpolitik, das Wichtigste der Innenpolitik, auf jeden Fall Klatsch und Tratsch, ausführlich Soziales und einen ordentlichen Ratgeberteil. Wirtschaft wäre reduziert auf das Allerwesentlichste. Lokale Terminberichterstattung bräuchte ich in dieser Zeitung gar nicht. Die Informationen würde ich über Blogs und soziale Netzwerke ziehen. Lokales würde nur eine Rolle spielen, wenn politische Entscheidungen erklärt werden, indem ihre Auswirkungen aufs Lokale aufgegriffen werden.

Meine Zeitung würde weniger in die Breite informieren, dafür aber weit in die Tiefe. Sie würde mir Themenpakete anbieten, die die Berichterstattung aus verschiedenen Medien bündelt. Dabei bietet sie mir aber nicht fünf Mal die gleiche Meinung, sondern stellt extreme Standpunkte gegenüber und ordnet sie durch sachliche und hintergründige Analysen ordentlich ein. Sie ist eine Zeitung, deren wichtigstes Ziel es ist, mir eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen. Dabei gibt es keine guten und schlechten Medien, auf die sie zurückgreift. Wenn es thematisch nötig ist, stehen sich Artikel der FAZ und der Bild gegenüber. Ich entscheide mich, wenn ich ein Abo abschließe, nicht mehr für ein Blatt, einen Verlag und damit eine Tendenz in der Berichterstattung, sondern für Themen. Je nachdem, wie viele Themen ich abonniere, umso teurer wird das Abo.

Dabei kann ich allerdings wählen, in welchem Rhythmus ich beliefert werden will. Jeden Tag eine Zeitung zu lesen, schaffe ich nicht. Nur am Wochenende wäre mir aber zu wenig. Also buche ich mein Abo für das Wochenende und zusätzlich für Dienstag und Donnerstag, könnte aber auch jeden anderen Tag oder eine Lieferung zweimal am Tag wählen.

So viel zum Inhalt. Genauso wichtig ist mir aber auch die Form der Präsentation. Ich habe ein Tablet und möchte es nutzen. Dabei kann ich mir als Nicht-Techniker vermutlich nicht mal bruchstückhaft vorstellen, was alles geht. Aber ich will, dass Stücke, die auf vielen Daten basieren, auch visualisiert werden in animierten Grafiken. Ich erwarte, dass nicht nur die Texte angeboten werden, sondern sie verknüpft sind mit sozialen Medien und die (sachlichen) Anmerkungen und Ergänzungen der Crowd ebenfalls in meiner Zeitung einlaufen. Über Diaschauen und Videos müssen wir glaube ich nicht mehr reden, die sind längst Standard. Aber man könnte sie vertaggen, so dass hinter einem Porträtbild die Biografie der Person hinterlegt ist oder ein Klick auf Modefotos zum Shop führt, wo man die Kleidung kaufen kann.

Ich will mich beim Zeitung lesen ein bisschen wie ein Kind fühlen: Ich liebe Überraschungen und will in jeder Ausgabe Neues entdecken – besondere Texte, besondere Gestaltung, besondere Gimmicks, besondere Effekte… Ich will eine Zeitung, ein dauerhaftes Informationsmedium, dass sich auf seine traditionellsten Aufgaben besinnt und gleichzeitig mit großen Sprünge die Zukunft ausprobiert. Ich will Journalismus, der nach den Geschichten sucht, die erzählt werden müssen, statt die zu schreiben, von denen die Marketingleute behaupten, „die Leser“ wollten sie lesen. Ich will Medien, die unabhängig, vielseitig, meinungsstark, kreativ und leidenschaftlich sind und mir als Nutzer maximale Flexibilität und Individualität bieten. Und dafür bezahle ich sehr, sehr gerne ordentliches Geld.

Und jetzt bin ich gespannt auf eure Meinung: Wie träumt ihr euch die Medien der Zukunft? Wie wollt ihr in zehn Jahren informiert werden? Wann, wo und wie wollt ihr Medien nutzen? Bitte postet den Link zu euren Beiträgen hier in den Kommentaren oder schickt mir eine Facebook-Nachricht. In vier Wochen findet ihr an dieser Stelle eine Zusammenfassung aller Beiträge zur allerersten Curcuma-Blogparade.

Wie viele Journalisten braucht man, um eine Lokalausgabe zu füllen?

Kennen Sie den Witz, in dem es darum geht, wie viele Blondinen (oder auch Beamte, Männer, Frauen oder Ostfriesländer) man braucht, um eine Glühbirne einzudrehen? Nun werden Glühbirnen, oder besser Glühlampen, ab sofort nicht mehr produziert, aber es wäre schön, wenn die Pointe dieses Witzes Realität in den Redaktionen diverser Lokalzeitungen würde. Allerdings scheinen Verlagsmanager und zunehmend auch Chefredakteure unbedingt beweisen zu müssen, dass sie den Witz verstanden haben, und wissen, wie es richtig geht.

Auf diesen Gedanken könnte man zumindest kommen, wenn man sich die personelle Ausstattung der eine oder anderen (oder auch der meisten) Lokalredaktion regionaler Tageszeitungen ansieht.

So viel habe ich in den vergangenen Wochen gelernt: Zu zweit kann man definitiv keine Redaktion führen. In einigen Redaktionen, in denen ich gearbeitet habe, war das in diesen Wochen die Ausnahme: Weil Kollegen krank waren oder nach Monaten endlich mal wieder Urlaub machten. Das ist schon bedenklich genug. Noch schlimmer, wenn es in der Region, in denen diese Redaktionen arbeiten, kaum mehr als einen oder zwei freien Kollegen gibt, die solche Engpässe abfangen können, indem sie spontan mehr Termine und Geschichten übernehmen. Verwunderlich ist es indess nicht, wenn die Bezahlung für Freie sich unter dem bewegt, was man bei einem passablen Studentenjob verdienen kann.

So richtig gruselig aber wird es, wenn dieser Ausnahmezustand die Regel wird. Wenn zwei Personen plus Fotograf die Maximalbesetzung einer Redaktion sind. Wenn dann einer krank wird, Urlaub hat oder auch nur freie Tage von den ständigen Wochenenddiensten nimmt, sorgt jede spontane Terminänderung, jedes aktuelle Geschehen für Katastrophenstimmung, weil das Klonen und Beamen nun mal einfach noch nicht erfunden ist.

Könnte man beliebig viele Ichs von sich selbst in kürzester Zeit zu zig verschiedenen Terminen beamen, wäre der Energiespar-Redakteur geboren. Würde dann die Produktion einfacher Redakteure, die es für eine Tugend halten, sich nur auf eine Sache zur gleichen Zeit zu konzentrieren, und das eine richtig fertig zu machen, bevor man das andere beginnt … würde die Produktion dieser Redakteure dann eingestellt wie die Produktion der Glühlampe?

Bis es soweit ist, sind wir Freuberufler die Energiespar-Redakteure. Nur dürfen wir uns nicht so nennen, weil „Redakteur“ ja ein geschützter Titel ist. Deshalb dürfen wir auch keine Kommentare oder Kolumnen schreiben. Aber Seiten füllen dürfen wir, Dienste schrubben und Termine besetzen – und machen das meist auch gerne, denn, um eine Lanze für die Kollegen vor Ort zu brechen: Die Arbeit mit ihnen macht Spaß. Trotzdem: Es wäre schön, wenn Zeit bliebe, Geschichten aufzuspüren statt nur die offensichtlichen mitzunehmen. Wenn Zeit bliebe, mit Lesern und Informanten richtig ins Gespräch zu kommen, statt nur die wichtigsten Fakten abzufragen. Es wäre schön, wenn man, um eine Lokalredaktion zu führen, sechs, acht oder zehn Menschen hätte – so wie man je nach Version des Witzes sechs, acht oder zehn Blondinen braucht, um die Glühlampe einzudrehen.