Was tun, wenn der Texter die falschen Texte schreibt?

Ich habe wirklich eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Post veröffentliche, weil ich sie schon alle schreien höre: „Du kannst doch nicht Kunden öffentlich kritisieren!“ (Tue ich gar nicht.) „Jetzt denken alle, sie könnten endlos unbezahlt an Texten rummäkeln!“ (Das kann tatsächlich zu einem Problem werden, aber die meisten meiner Kunden sind sehr fair und gehören nicht zu der Gruppe, die abzocken und ausnutzen, deshalb riskiere ich es.). Weil ich aber glaube, dass der Nutzen dieses Posts größer ist als das Risiko:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Urlaub gebucht. Und Sie haben einen Aufpreis bezahlt, weil Sie Wert darauf legen, in einer Suite mit eigener Küchenzeile zu übernachten. Damit Sie morgens im Schlafanzug auf dem Zimmer frühstücken oder sich spontan einen Mitternachtssnack zubereiten können, wenn Ihnen danach ist. Das Geld ist schon abgebucht.

Sie kommen im Hotel an, man begrüßt Sie freundlich, erklärt Ihnen, wann und wo es Frühstück gibt, wie Sie an den Pool kommen, was es in der Nähe so an Sehenswürdigkeiten gibt – und dann zeigt man Ihnen Ihr Zimmer. Ein Zimmer. Keine Suite. Keine Küchenzeile.

Würden Sie einfach zwei Wochen lang den Kopf in den Sand stecken und nichts sagen? Oder würden Sie sofort wieder zur Rezeption laufen und darauf bestehen zu bekommen, was Sie gebucht haben?

Unzufrieden mit Texten vom Texter? Reden Sie darüber!

In letzter Zeit kam es immer mal wieder vor, dass ich Kunden hatte, die mit den Erstentwürfen der Texte für Ihre Website nicht so recht zufrieden waren. Das ist weder ungewöhnlich noch dramatisch, sondern ganz normal.

Immerhin haben wir meist nur ein Gespräch – oft genug sogar nur telefonisch – um uns kennenzulernen. Meist reicht mir das, um nicht nur die Fakten für die Texte abzufragen, sondern auch, um ein Gefühl für den Stil und den Ton zu bekommen, den sich meine Kunden wünschen. Aber meistens ist eben nicht immer.

Manchmal fehlt den Texten nur eine Kleinigkeit, um den Kunden wirklich glücklich zu machen. Manchmal liege ich auch total daneben und muss noch mal anfangen. Manchmal wird einem Kunden auch erst beim Lesen der Erstentwürfe klar, was und wie er es sich eigentlich genau wünscht. Vor allem solche Kunden, die sich mit Ihrem Marketing bisher noch nie richtig beschäftigt haben, fällt es manchmal schwer, auszuformulieren, was sie sich wünschen.

Das macht die Arbeit an den Texten nicht leichter, aber es macht sie auch nicht unmöglich. Unmöglich wird sie aber, wenn ich von diesen Kunden einfach nichts mehr höre. Manche melden sich wochenlang nicht mehr und wenn wir dann doch noch mal zueinander finden, erfahre ich, dass es daran lag, dass Ihnen die Texte nicht gefielen, Sie sich aber a) nicht trauten, mir das zu sagen und sie b) nicht formulieren konnten, was sie genau stört.

Deshalb heute meine zwei wichtigsten Ratschläge:

Trauen Sie sich, mir zu sagen, dass Ihnen meine Texte nicht gefallen!

Dem Hotelier würden Sie ja auch sagen, dass Sie sich etwas Anderes gewünscht – und bezahlt – haben. Auch für die professionelle Texterstellung zahlen Sie Geld. Entweder direkt, wenn Sie selbst einen Texter beauftragen. Oder indirekt über den Paketpreis, den Ihnen die Agentur für alle Leistungen in Rechnung stellt. Wir sind Dienstleister und Profis und zum Handwerk gehört auch das Nachbessern.

Im Mittelpunkt stehen Sie mit Ihrem Auftrag. Aber nur, wenn Sie mit mir reden, kann ich am Ende Texte bauen, die Sie auch langfristig glücklich machen – und die zu Ihrem Marketingkonzept insgesamt passen. Und wenn wir dafür zwei oder drei Anläufe brauchen, dann ist das so.

Sie verletzen weder meine Gefühle, noch bin ich beleidigt, wenn Sie meine Texte kritisieren. Aber ich bin frustriert, wenn ich dieser Kritik immer hinterherlaufen muss, genau merke, dass etwas nicht stimmt (und den Auftrag auch nicht abschließe kann, weil von Ihnen keine Reaktion kommt), aber nicht handeln kann. Also: Lassen Sie uns reden! Gerne auch immer wieder.

Äußern Sie Kritik einfach, wie Sie sie fühlen – und vergessen Sie die „richtigen“ Worte!

Wenn Sprache nicht gerade ein persönliches Hobby oder eben der Beruf ist, kann es richtig schwer sein, in Worte zu fassen, was Sie an einem bestimmten Text stört. Hören Sie auf, nach diesen Worten zu suchen.

Es kann sein, dass es länger dauert, bis ich verstehe, was Sie wirklich stört, wenn Sie es nicht direkt in Worte fassen können. Aber ich werde es irgendwann verstehen, weil ich im Zweifel Wort für Wort der Entwürfe mit Ihnen durchgehe. Ich werde Ihnen Alternativen vorschlagen zu Formulierungen, die Ihnen besonders missfallen. Und ich werde Ihnen Fragen stellen, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Fragen wie diese, die Ihnen vielleicht auch im Vorfeld helfen, besser zu fassen, was Ihnen an den Texten nicht gefällt:

  • Haben Sie den Eindruck, der Text ist für die falschen Personen geschrieben? Ist er Ihnen zu männlich, zu weiblich, zu kindlich?
  • Ist Ihnen der Text zu schmalzig, zu kitschig? (Ich liebe Adjektive, kann schon mal sein, dass ich damit ein bisschen sehr großzügig war und damit dieses Gefühl auslöse.)
  • Empfinden Sie den Text als zu trocken, langweilig, leblos?
  • Stören Sie bestimmte Worte, weil Sie die selbst nie benutzen und deshalb das Gefühl haben, sich selbst in Ihren Texten gar nicht mehr wiederzufinden? (Versuchen Sie herauszustreichen, welche Worte das genau sind.)
  • Fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sind sie nicht genug betont? Welche?
  • Fehlt dem Text Ihrer Meinung nach der rote Faden? Wünschen Sie sich andere Information weiter vorn im Text?
  • Ist Ihnen der Text zu lang (Vorsicht: Ist der Text für das Internet gedacht, sollten Sie 200 Worte pro Seite nicht unterschreiten, weil Sie sonst unter Umständen in den Suchmaschinen nicht mehr so gut gelistet sind)?
  • An welche Begriffe denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihr Unternehmen beziehungsweise das Produkt denken, um das es im Text geht? Tauchen diese (oder Synonyme) oft genug im Text auf?

Die Antworten auf diese Fragen helfen mir, herauszufinden, wo stilistisch die Stellschraube anzuziehen ist, damit der Text zu Ihrem Text wird. Fühlt er sich für Sie zum Beispiel zu männlich an, kann es sein, dass ich mit mehr Adjektiven und einem emotionaleren Vokabular schon einen großen Schritt in die richtige Richtung mache. Haben Sie das Gefühl, wichtige Informationen kommen nicht richtig zur Geltung, arbeite ich eher am Aufbau des Textes und wenn sich die Worte, an die Sie zuerst denken, wenn es um Ihr Unternehmen geht, im Text nicht wiederfinden, ist es kein Wunder, dass Sie beim Lesen unzufrieden sind.

Also trauen Sie sich: Wenn Ihnen der Erstentwurf nicht gefällt, denken Sie immer an das Hotel im Urlaub. Kommen Sie an meine Rezeption und teilen Sie mir mit, dass Sie noch nicht bekommen haben, was Sie gebucht haben (vor Reiseantritt! Natürlich dürfen Sie sich auch gern nach dem Einchecken noch umentscheiden, aber dafür fallen dann eben Umbuchungsgebühren an – auch beim Texter). Wenn wir miteinander reden, finde ich in den allermeisten Fällen auch einen Weg, Sie mit meinen Texten glücklich zu machen – früher oder später!

Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

Agenturarbeit: Website-Texten für Unternehmen

Vor gut einem Jahr bekam ich völlig unerwartet eine E-Mail: Die Mitarbeiterin einer Online-Marketing-Agentur in Erfurt bat mich um Rückruf. Sie war auf der Suche nach guten Textern und wollte wissen, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Hatte ich. Natürlich. Ich war gerade dabei, mich aus dem Tageszeitungsgeschäft zu verabschieden und wollte wirklich gern stärker kommerziell texten. PR-Projekte unterstützte ich schon länger und wollte diese Schiene gern ausbauen. Ein Angebot, künftig an den Webauftritten unterschiedlicher Unternehmen mitzuarbeiten, kam mir da gerade Recht, zumal ich es liebe, Neues auszuprobieren. So bleibt der Job spannend und ich kann mich entwickeln und verändern, obwohl ich doch immer dasselbe tue, nämlich schreiben.

Neues Geschäftsfeld: Texter für Agenturen

Jetzt nach gut einem Jahr hat sich diese Mail von damals als ein echter Glücksgriff erwiesen. Ich liebe diese Aufträge: Projektarbeit mit klar umrissenen zeitlichen Grenzen und kontrollierbaren Zielen, der direkte Austausch mit dem „Leser“, nämlich dem Kunden, der mir im Tageszeitungsgeschäft immer fehlte, und die Herausforderung, mich binnen weniger Tage in mir völlig fremde Themen und Branchen einzuarbeiten.

Dabei haben sich inzwischen Routinen entwickelt, doch der erste Auftrag, meine Arbeitsprobe sozusagen, war aufregend. Übrigens für beide Seiten. Die Betreiber eines Sonnen- und Wellnessstudios waren genauso nervös wie ich, als wir am Telefon absprachen, wie die Texte ausfallen sollen. Doch dann lief alles wie am Schnürchen. Die Kunden waren überglücklich und ich hatte Blut geleckt.

SEO: schreiben für Suchmaschinen und die Menschen, die sie nutzen

Inzwischen habe ich für diese Agentur Texte für fast 20 Unternehmenswebsites geschrieben. Seit ein paar Monaten übernehme ich auch SEO-Texte für diese Agentur. Dabei hätte mich der erste beinahe in den Wahnsinn getrieben. Ich sollte den Footertext für die Startseite eines Immobilienbüros schreiben und dabei unter anderem die Keyword-Gruppe „Immobilien Verkauf Erfurt“ unterbringen. Mehrfach (wie oft und worauf es bei SEO-Texten sonst noch ankommt, haben die Experten aus einer Partneragentur mir sehr geduldig erklärt). Nur ist das schlicht unmöglich, wenn der Satz grammatisch korrekt und sprachlich sinnvoll sein soll. Ich diskutierte damals lange mit den SEO-Technik-Menschen, die die Keywords vorgegeben hatten. Doch die Lösung war dann ganz einfach: Die Worte mussten zwar wirklich in genau dieser Reihenfolge und als Substantive fallen (Ich hatte zunächst von „Immobilien verkaufen in Erfurt“ geschrieben, das ging aber nicht.), aber ich lernte, dass Google Bindestriche nicht weiter interessieren. Im Text wurde also „Immobilien-Verkauf Erfurt“ daraus und alle waren glücklich.

Seither beschäftige ich mich intensiver mit SEO und bin ganz fasziniert, was da alles geht. Deshalb will ich in diesem Jahr eine gute Weiterbildung zu dem Thema besuchen. Wer also Seminare oder Workshops dazu empfehlen kann, möge sich unbedingt melden – hier in den Kommentaren oder per Mail.

Größte Herausforderungen: Ego zügeln und Eintönigkeit verhindern

Viele Firmen, die diese Agentur beauftragen, um ihren Webauftritt zu über- oder ganz neu zu erarbeiten, sind kleine oder mittelständische Unternehmen. Die wenigsten haben vor meinem Anruf schon mal mit einem professionellen Texter zusammengearbeitet. Ich weiß nie, was mich erwartet: Es gibt ruppige Kunden, charmante. Solche, mit denen ich mich so verplaudere, dass aus dem geplanten halbstündigen Telefonat ein anderthalbstündiges Gespräch wird, aber auch solche, bei denen ich nur sehr schwer mehr als die harten Fakten erfahre und auf große Vorbehalte stoße, wenn ich anrege, die Texte ein bisschen persönlicher zu gestalten, um nicht so verwechselbar zu sein. Jeder Auftrag fordert mich doppelt: Als Texterin, aber auch in meiner Fähigkeit, Menschen ein gutes Gefühl zu geben, damit sie auftauen, mir vertrauen und offen mit mir reden. Das ist großartig!

Die größte Herausforderung aber ist, die Texte trotz aller Erfahrung und Routine nie gleich klingen zu lassen. Deshalb frage ich im Vorgespräch nicht nur die wichtigsten Informationen ab, sondern will vor allem wissen, WIE die Kunden ihre eigenen Kunden ansprechen wollen. Und so wird die Seite für den Zahnarzt eben eher sachlich, während die für die Physiotherapeutin stärker emotionalisiert. Beide bieten Heilbehandlungen an, aber ihr Ansatz, ihre Kommunikation und nicht zuletzt ihre Persönlichkeiten sind unterschiedlich und das soll sich widerspiegeln.

Die zweitgrößte Herausforderung ist schwieriger zu bewältigen: Sie liegt in meinem Ego. Das muss beim kommerziellen Texten den Kopf einziehen. Aber wenn ein Kunde meine sorgfältig gebauten und geschliffenen Texte so umstellt oder umschreibt, dass in meinen Augen schöne, flüssige Übergänge ruiniert sind und Sprachbilder, die ich wunderschön fand, gnadenlos gestrichen werden, weil der Kunde sie einfach nicht mag, dann ist es manchmal ganz schön schwer, das sensible Kreativen-Ego in die Ecke zu stellen. Umso größer aber ist die Genugtuung, wenn es gelingt, sich ein echter Austausch über die Texte entwickelt, wir gemeinsam noch mal feilen und schreiben und am Ende ein Text entsteht, mit dem sich mein Kunde identifiziert – und den ich ebenso mag.

Lieblingsaufträge: Ich will mehr davon!

Und dann gibt es noch die Highlights, die Aufträge, bei denen schon von Anfang an alles stimmt. Bei denen ich sofort ein Gefühl für Branche, Produkt und Kunde habe und es mir gelingt, das in Texte umzusetzen. Aufträge, bei denen die Zusammenarbeit Spaß macht und ich am Ende richtig stolz bin. Aufträge wie der für die Gartenbaufirma (die neue Seite ist noch nicht online), deren Chef sich sehr über mich und mein eher ambivalentes Verhältnis zu Pflanzen amüsierte (Ich töte unbeabsichtigt, durch übergroße Fürsorge sogar Kakteen.). Oder die ehemalige Bankerin, die sich mit einem Shop für ausgefallene Kissen eine Traum erfüllt (Seit unserem Gespräch bin ich überzeugt davon, dass ich ein Zirbenkissen BRAUCHE. Unbedingt.).

Ich genieße diese Art der Texterei und hätte gern (noch) mehr davon. Sind Sie Mitarbeiter einer Agentur, die gute Texter auf Honorarbasis (pauschal pro Text oder Stundensatz) sucht? Dann freue ich mich über eine Nachricht von Ihnen. Sind Sie kein Mitarbeiter einer solchen Agentur? Dann freue ich mich umso mehr, dass Sie diesen Blog gefunden und diesen Post bis zum Ende gelesen haben – und vielleicht mögen Sie ihn ja auch teilen und verbreiten? Vielen Dank!

10 Tipps für wirklich gute Reden

So romantisch ist meine Arbeit selten: Am Freitag werde ich zwei Menschen verheiratet, die sich seit über 20 Jahren lieben. Na schön, streng genommen sind sie schon ein paar Tage verheiratet – das hat eine Standesbeamtin übernommen. Aber was zählte, ist die Veranstaltung am Freitag: eine freie Zeremonie in einer kleinen Burgkapelle. Nur die Familie und die engsten Freunde. Und ich. Ich darf ihre Traurede halten – und ihnen dabei auch noch einmal die Treueschwüre abnehmen, ihnen zusehen, wie sie sich die Ringe anstecken, küssen und die ein oder andere Träne verdrücken.

Damit dieser Tag so perfekt wie möglich wird, habe ich eine Menge Zeit auf die Traurede verwendet. Es gab ein ausführliches Vorgespräch mit dem Paar, in dem ich nicht nur nach der Kennenlerngeschichte und den Marotten des Partners gefragt habe, sondern auch danach, wie sie ihre Trauung möchten. Die einen wünschen sich den großen Moment besonders festlich. Die anderen wollen es lustig. Und wieder andere haben besondere Rituale, Requisiten oder Sprüche, die sie einbauen wollen. Deshalb ist die Vorbereitung so wichtig. Und das gilt übrigens nicht nur für Traureden. Gute Reden für sich selbst zu schreiben, ist schwierig. Sie für andere zu schreiben, noch viel schwerer. Aber mit diesen Tipps wird jede Rede ein bisschen besser:

 

  1. Formulieren Sie Ihre Rede aus!

Ein Fehler, den ich vor allem bei Männern immer wieder sehe, die es eigentlich besser wissen müssten: Sie versuchen eine Rede zu halten – mit nicht mehr als ein paar Stichworten auf dem Zettel. Meistens handelt es sich dabei um Männer (wirklich, das habe ich bisher kaum bei Frauen gesehen), die sehr oft Reden halten – und deshalb vermutlich glauben, Sie bräuchten keine ausformulierten Manuskripte mehr. Aber ganz im Ernst: Es gibt nur sehr, sehr wenige Menschen, die wirklich derart begnadete Redner sind, dass sie ohne Manuskript mitreißend und strukturiert reden können. Die meisten kommen stattdessen vom Hundertsten ins Tausendste, beenden Sätze nicht korrekt, weil sie vergessen haben, wie sie sie angefangen haben oder kommen auf der Suche nach den richtigen Vokabeln ins Stammeln. Deshalb mein dringender Rat: Formulieren Sie Reden immer aus – auch, wenn Sie sie „nur“ für sich selbst schreiben. Wenn Sie Angst haben, dass Sie beim Ablesen zu steif klingen, dann lernen Sie die Rede weitestgehend auswendig – und nehmen dann, aber auch nur dann, wirklich nur noch Stichpunkte mit ans Rednerpult, die Ihnen die rote Linie in Erinnerung rufen.

  1. Sorgen Sie für einen starken Einstieg!

Mal ehrlich, wie oft haben Sie Ihre Reden schon mit „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste“ begonnen – und im schlimmsten Fall noch ein „schön, dass Sie da sind“ hinterhergeschoben? Und wie oft sind Sie selbst bei einer Rede, die so anfing, schon an dieser Stelle gelangweilt ausgestiegen? Eben! Starten Sie in Ihre Rede mit einem Kracher. Fassen Sie Ihre Botschaft in einem oder zwei Sätzen zusammen – präzise formuliert, so dass sie sachlich und emotional bei jedem im Publikum ankommt. Investieren Sie beim Schreiben Zeit in den Einstieg, feilen Sie so lange, bis er wirklich sitzt. Benutzen Sie eine aktive Sprache: Keine Satzungetüme, keine Substantivierungsmonster und keine wissenschaftliche Analyse (nicht mal, wenn Sie eine wissenschaftliche Fachtagung eröffnen)! Gern können Sie beim Einstieg auch provozieren – wenn es zu Ihnen und zu Ihrem Thema passt.

Ich weiß, am Anfang fühlt sich das ungewohnt an. Vielleicht fühlen Sie sich auch richtig unwohl, wenn Sie einfach so loslegen und ohne formelle Begrüßung direkt ins Thema tauchen sollen. Aber glauben Sie mir: Wenn Sie Ihre Gäste mitreißen wollen, gelingt das am einfachsten mit einem brillanten Einstieg. Fangen Sie dagegen langweilig an, müssen Sie anschließend verloren gegangene Aufmerksamkeit wiedergewinnen und das ist bedeutend schwieriger als sie gleich zu halten. Übrigens, nach dem Einstieg dürfen Sie Ihre Gäste natürlich auch kurz begrüßen.

  1. Bleiben Sie authentisch – auch in der Sprache!

Dieser Tipp ist der problematischste, wenn Sie Reden für andere Menschen schreiben. Ein Redner kann seinen Text nur dann glaubwürdig und souverän vortragen, wenn er sich in der Sprache, in der er verfasst ist, zu Hause fühlt. Texten Sie für einen sehr sachlichen, rationalen Menschen, wird er weder mit einer sehr emotionalen Rede authentisch wirken noch mit einer außergewöhnlich witzigen. Deshalb ist ein ausführliches Vorgespräch so wichtig, wenn Sie für einen fremden Redner schreiben. Lassen Sie ihn viel reden und achten Sie nicht nur darauf, was er sagt, sondern auch, wie er redet. Nehmen Sie diesen Stil als Grundlage für die Rede. Das gilt natürlich auch, wenn Sie für sich selbst eine Rede schreiben. Und keine Sorgen: Auch wenn Sie nicht der geborene Entertainer sind, können Sie ohne weiteres eine großartige Rede halten. Versuchen Sie nur nicht, sich als jemand zu präsentieren, der Sie einfach nicht sind. Das geht fast immer nach hinten los. Denn wenn man ihnen anmerkt, dass der Stil nicht der Ihre ist, ist es nur noch ein kurzer Weg, bis Ihre Zuhörer auch den Inhalt Ihrer Rede in Frage stellen.

  1. Binden Sie Ihr Publikum ein!

Mit dem richtigen Einstieg haben Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums gefesselt, jetzt müssen Sie sie halten. Das ist nicht so einfach, weil Ihre Zuhörer nur zuhören müssen – und das ist mitunter anstrengender als selbst mitzumachen. Deshalb ist mein ultimativer Tipp: Binden Sie sie ein, indem Sie in Ihrer Rede Bezug zum Leben und den Interessen Ihrer Zuhörer nehmen. Zeigen Sie Ihnen, warum es ganz persönlich für sie wichtig ist, Ihnen zuzuhören. Das gilt ganz besonders bei Fachthemen. Wenn Sie also eine Rede zum Energiewandel schreiben, dann fangen Sie nicht damit an, zu erklären, wie Windräder funktionieren, sondern erklären Sie zum Beispiel, wie viel jeder im Publikum in 20 Jahren für Strom bezahlen muss, wenn wir nicht jetzt in die Erforschung alternativer Energieformen investieren.

Nehmen Sie Ihre Zuhörer ruhig auch in die Pflicht. Appellieren Sie! Um im Bild zu bleiben: Fordern Sie Ihre Zuhörer auf, Ihren eigenen Energiekonsum zu überprüfen und zu reduzieren. Oder schicken Sie sie zum nächsten Windpark in ihrer Nähe, um sich eine fundierte, eigene Meinung zu bilden. Wie auch immer Sie es gestalten: Betrachten Sie die Zuhörer nicht als stummen Block auf der anderen Seite des Rednerpultes, sondern als Partner, mit denen Sie oder derjenige, für den Sie die Rede geschrieben haben, tatsächlich „reden“.

  1. Visualisieren Sie!

Wie gesagt: Nur zuzuhören, ist anstrengend. Binden Sie deshalb die anderen Sinne der Zuhörer ein! Als ich vor zwei Jahren eine Rede zur miserablen Einkommenssituation von Pressefotografen hielt, illustrierte ich das, indem ich erst einen Fünf-Euro-Schein in die Höhe hielt und am Ende einen 20-Euro-Schein – für das aktuelle Honorar, das Fotografen für ein Tageszeitungsfoto bekommen und das Honorar, das sie mindestens bekommen müssten. Dazu erklärte ich, was man für den jeweiligen Geldschein heute noch kaufen kann. Damit musste mein Publikum nicht nur zuhören, sondern bekam auch etwas zu sehen – und vor dem inneren Auge lief ein Film ab, weil jeder Zuhörer sich an seine eigenen „alles-wird-immer-teurer“-Erfahrungen erinnerte.

Visualisieren heißt übrigens NICHT, die Rede im Hintergrund mit einer Power-Point-Präsentation zu wiederholen. Damit machen Sie es sich (oder dem Redner) nur unnötig schwer, weil die Zuhörer von den wechselnden Folien abgelenkt werden und Ihnen nicht mehr richtig zuhören. Setzen Sie Visualisierungen ein, wenn sie passen, also die Botschaft Ihrer Rede unterstreichen, aber überfordern Sie Ihr Publikum nicht, indem Sie sie mit einer Requisite nach der anderen bombardieren.

  1. Bleiben Sie kurz und folgen Sie dem roten Faden!

Der wichtigste Tipp von allen! Wirklich! Den hier kann man nicht oft genug wiederholen. Eine Rede ist kein Vortrag, kein Seminar, kein Workshop. Es ist eine Rede. Sie kann wichtig sein und sie kann etwas bewirken, wenn sie gut ist. Aber sie ist auch nur eine Rede. In aller Regel wird sie eine Veranstaltung einleiten, jemanden ehren oder in ein Thema einführen. Vergessen Sie den Anspruch, alle wichtigen Aspekte in der Rede unterbringen zu müssen. Das gelingt nie – und es ist vor allem nicht dazu angetan, Ihr Publikum bei der Stange zu halten. Konzentrieren Sie sich auf die Kernbotschaft und haben Sie den Mut, auf Details zu verzichten. Das macht Ihre Rede nicht nur kürzer, sondern lässt auch noch Themen und Fragen offen, die anschließend zum Gesprächseinstieg dienen können – und so einen echten Dialog eröffnen.

Ich habe für mich selbst eine maximale Redelänge von 10 Minuten festgelegt. Länger ist keine meiner Reden. Das ist aber eine sehr persönliche Sache, die Ihnen Leitfaden sein kann, aber nicht muss. Trotzdem: Halten Sie Ihre Reden so kurz, dass Ihre Zuhörer Ihnen gern bis zum letzten Wort folgen.

Ob das klappt, hängt allerdings nicht nur an der Länge, sondern vor allem an der Struktur Ihrer Rede. Sie braucht einen roten Faden. Argumente und Absätze müssen logisch auf einander aufbauen. Erinnern Sie sich an den ersten Tipp aus dieser Liste: Formulieren Sie die Rede aus – auch und vor allem, um ihren roten Faden nicht zu verlieren. Ausformulierte Reden haben nämlich den Charme, dass man Absätze und Gedanken so lange hin und her schieben kann, bis sie wirklich klar und logisch angeordnet sind.

  1. Bedanken Sie sich nicht!

So wie viele Redner oft mit dem obligatorischen „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste“ beginnen, enden sie häufig mit „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“. Tun Sie es nicht! Bedanken müssen Sie sich nur, wenn Ihre Rede so schlecht war, dass es eine echte Leistung war, bis zum Schluss aufmerksam zu bleiben. Nach einer guten Rede dürfen (und werden!) sich die Zuhörer anschließend bei Ihnen bedanken. Außerdem schwächen Sie mit einem Dank am Ende Ihre Botschaft ab. Was Sie zuletzt sagen, merken sich die Gäste am leichtesten. Verschenken Sie dieses Potenzial also nicht, indem Sie eine alberne Phrase verwenden, die nichts aussagt. Schließen Sie stattdessen lieber mit einem starken Appell oder mit einer knappen, präzisen Zusammenfassung Ihres Themas, die den Einstieg der Rede wieder aufgreift.

  1. Mund und Körper müssen dasselbe sagen!

Dieser Tipp gilt für den Redner, nicht für den Redenschreiber – ist aber dennoch wichtig. Achten Sie auf Ihre Körpersprache. Ihre Zuhörer nehmen auf, was Sie sagen, aber ob sie es Ihnen abnehmen, wird auch davon abhängen, ob Ihre Körpersprache zu Ihrer Rede passt. Ein Beispiel: Sie reden über ein neues Entspannungsverfahren, klicken währenddessen aber ständig mit einem Kugelschreiber in ihrer Hand, wechseln von einem Bein aufs andere und streichen sich oft durchs Haar. Ob man Ihnen abnehmen wird, dass Sie ein Experte für Entspannungstechniken sind?

Wenn Sie (übrigens wie ich) dazu neigen, mit Gegenständen zu spielen, wenn Sie reden, sorgen Sie dafür, dass während Ihrer Rede keine Dinge in Reichweite liegen. Stehen Sie mit leicht gespreizten Beinen, Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verlagert. Treten Sie einen Schritt vom Pult zurück, damit Sie Platz für natürliche Gesten haben (was nur geht, wenn Sie Ihre Rede so groß ausgedruckt oder auf dem Tablet haben, dass Sie sie auch mit einem Schritt Entfernung noch gut lesen können). Atmen Sie vor Ihrer Rede einige Mal langsam und tief in den Bauch, das stabilisiert Ihre Stimme und verhindert, dass Sie vor lauter Aufregung kurzatmig wirken.

  1. Schaffen Sie einen passenden Rahmen!

Wie Ihre Rede ankommt, hängt vom Text, vom Thema und vom Redner ab, aber Sie müssen es sich ja nicht schwerer machen als nötig. Wenn Sie darauf Einfluss nehmen können, sorgen Sie für Rahmenbedingungen, in denen die Rede gut wirken kann. Testen Sie die Technik, bevor die ersten Gäste den Raum betreten. Stellen Sie Rednerpult und Mikrofon auf die richtige Größe ein. (Und besorgen Sie sich vorher einen Schemel oder eine leere Bierkiste, wenn Sie so klein sind wie ich und hinter normalen Rednerpulten sonst nicht mehr zu sehen sind.) Drucken Sie Ihre Rede aus – auch wenn Sie vorhaben, Sie zum Beispiel vom Tablet abzulesen. So kann Sie auch ein leerer Akku oder ein Hänger in der Software nicht stressen. Achten Sie darauf, dass Sie die Rede gut lesen können, dass also das Licht ausreicht. Lassen Sie sich ein Glas Wasser auf das Rednerpult stellen – das hilft nicht nur gegen einen trockenen Mund, sondern ist auch eine gute Methode, um zu kaschieren, wenn Sie kurz den Faden verloren haben und die richtige Stelle im Manuskript suchen müssen. Machen Sie es auch Ihrem Publikum so bequem wie möglich. Sitzplätze sind bequemer als Stehtische, Reihenbestuhlung verführt weniger zum Quatschen als kleine, intime Tische. Schaffen Sie einfach einen Rahmen, in dem Ihre großartige Rede glänzen kann

  1. Üben Sie die Rede!

Egal, ob Sie das Manuskript ausformuliert ablesen oder mit Stichpunkten arbeiten: Üben Sie die Rede vor dem großen Auftritt ein paar Mal. Sie bekommen damit Sicherheit und Ihr Vortrag wird natürlicher wirken. Außerdem hilft das laute Vorsprechen auch, Schwächen im Text aufzudecken. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, üben Sie vor ein paar Probezuhörern, die Ihnen wohlgesonnen sind, aber ehrliches Feedback geben.

 

Mit diesen Tipps werden Sie in Zukunft mit Sicherheit bessere, mitreißendere Reden schreiben – und halten. Und wenn das auch mit diesem Leitfaden nicht klappen will: Sie wissen ja, wo Sie mich finden!

Geburtstagsgewinnspiel: Sieger steht fest!

Neue Woche, neues Glück. Bei Komplextext sind die Stapel auf dem Schreibtisch übers Wochenende auf geheimnisvolle Weise gewachsen und müssen jetzt zügig abearbeitet werden, aber vorher nehme ich mir die Zeit für diesen kurzen Blogpost, denn… Trommelwirbel… der Sieger des Geburtstagsgewinnspiels steht fest!

Sie erinnern sich? Komplextext wurde ein Jahr alt. Das haben wir mit einer Verlosung gefeiert. Übrigens, vielen Dank für die vielen Geburtstagswünsche, die mich über Facebook oder privat erreicht haben. Die Verlosung selbst hat zwar nur wenige Teilnehmer gefunden, das macht aber nichts. Gefreut habe ich mich über jede Nachricht und Sie wissen ja: Wenn Sie einen guten Texter brauchen, der sich besonders gut in Zielgruppen einfühlen und Ihre Ideen in die richtigen Sätzen verwandeln kann, dürfen Sie sich bei mir natürlich auch außerhalb jedes Gewinnspiels immer melden.

Einen Gewinner haben wir aber trotzdem – oder besser eine Gewinnerin: Eve. Eve schrieb unter dem Post zum Gewinnspiel:

„Ich habe mich mit einer Nischenseite auch auf ein bestimmtes Thema spezialisiert. Es geht dabei um Gesundheit im Mund. Auf meinem Blog würde ein ausführlicher Text zum Thema ‚Wie sich gesunde Ernährung (Essen u. trinken) auf die Mundflora auswirkt.‘ meinen Lesern einen tollen Mehrwert bieten. Ich freue mich sehr an der Verlosung teilzunehmen und bin jetzt gespannt wie ein Flitzebogen:-).“

Herzlichen Glückwunsch, liebe Eve! Ich freue mich sehr darauf, diesen Text zu schreiben – und dabei sicherlich auch noch selbst was zu lernen. Und er passt gerade gut in die Zeit. Auf dem über Wochenende geheimnisvollerweise gewachsenen Stapel liegt nämlich auch ein Auftrag, der zu deinem Thema passt: Die Website eines Zahnarztes soll neu getextet werden – mit den Schwerpunkten auf Prophylaxe und Zahnersatz. Und jetzt packe ich wohl mal die Schokolade, die hier neben mir liegt, weg und hole mir lieber einen Apfel, nicht wahr? 😉

Liebe Eve, noch einmal: Herzlichen Glückwunsch. Bitte schick mir deine Kontaktdaten per Mail an grasse@komplextext.de, damit wir in Ruhe einen Telefontermin ausmachen können, um über die Details deines Gewinns zu reden!

Happy Birthday, Komplextext!

Nur noch wenige Tage: Am Freitag knallen hier die Sektkorken – jedenfalls im übertragenen Sinne –  denn dann wird Komplextext ein Jahr alt. Unheimlich viel hat sich seither geändert. Entgegen aller Unkenrufe hat sich die enge Fokussierung als richtig erwiesen. Wo ich vorher einen Bauchladen voller toller Angebote hatte und von Grafik über Fotografie bis zur PR-Konzeption alles gemacht habe, ist da heute nur noch ein kleines Schatzkästchen in meiner Auslage: Da funkelt und glänzt der Text.

Und erstaunlicherweise fühle ich mich damit überhaupt nicht eingeschränkt. Das mag daran liegen, dass Kunden, mit denen ich auch früher schon zusammenarbeitete, wissen, dass ich auch die anderen Dinge kann und immer mal wieder auch in diesen Feldern um Unterstützung bitten. Aber das passiert nur noch sehr selten, auch weil ich es nicht forciere, denn auch beim reinen Texten kam in den vergangenen Monaten nie Langeweile auf.

Abwechslungsreiche, herausfordernde Aufträge

So unterschiedlich sind die Kunden und Projekte, für die und an denen ich arbeiten durfte. Das Magazin der Welterberegion Wartburg Hainich ist ein Herzensprojekt. Das ist Heimat und deren Schönheit so zu beschreiben, dass auch Fremde sich verlieben, war mir eine große Freude. Ganz neu entwickelte sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen, die im Auftrag ihrer eigenen Kunden Websites betexten lassen. Das kann relativ einfach sein – wie die Texte für eine Physiotherapiepraxis oder ein Sonnenstudio. Das kann aber auch richtig, richtig anspruchsvoll sein wie die Energiepolitiktexte für einen großen Industrieverband, die mich nicht nur als Texterin, sondern in meinem Kern als Journalistin gefordert haben. Sie waren nämlich nicht nur aufwendig zu schreiben, sie waren auch rechercheintensiv. Ebenso neu – und eine große Leidenschaft – sind die Bastelseiten, die ich einmal in der Woche für diverse Tageszeitungen in Südthüringen und Nordbayern produziere. Projekte zu finden, die sich mit Kindern basteln lassen, die echten Nutzwert bieten, nicht in jedem x-beliebigen Bastelbuch stehen, kein Vermögen kosten und die Wohnung nicht in ein Schlachtfeld verwandeln – die Herausforderung ist nicht zu unterschätzen. Und ich liebe sie.

Aktuell darf ich helfen, die Website des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal neu zu gestalten (Übrigens ist ein Naturpark etwas ganz anderes als ein Nationalpark. Es lohnt sich, sich damit mal zu beschäftigen. Bei Bedarf erkläre ich das auch gern in den Kommentaren). Auch das ist für mich Heimat (jedenfalls der südliche Teil), aber wie das so ist: Von den Schönheiten, die direkt vor der eigenen Haustür liegen, weiß man meistens am wenigsten. Deshalb liegt, wenn ich die Texte schreibe, jetzt immer ein kleiner Notizzettel neben meinem Rechner, auf dem ich mir aufschreibe, was ich mir jetzt endlich und unbedingt ansehen, welche Wege ich wandern und welche Abenteuer (Wasserwandern!) ich erleben muss.

Neues „Lebensjahr“ bringt neue Ideen und Projekte

Es war ein aufregendes Jahr, ein arbeitsreiches, ein befriedigendes. Und ich habe vor, das nächste genauso zu gestalten. Neue Projekte sind schon in Arbeit. Da ist das Bastelbuch, das im November erscheinen soll. Da sind die Schreibcoachings, die ich anbiete – und die im Frühjahr durch ein ebook und eine kostenlose Online-Challenge flankiert werden sollen. Und auch meine eigene Weiterbildung wird ein Schwerpunkt werden. Im Moment zum Beispiel arbeite ich mich in alles ein, was mit SEO-Texten zu tun hat, also Beiträgen, die für Suchmaschinen optimiert sind.

Dieses Geburtstagsgeschenk können Sie gewinnen!

Aber erstmal feiere ich Geburtstag. Und zum Geburtstag gehören Geschenke. Und wenn ich mich auch immer über Geschenke freue (Danke für die leeren Kaffeekapseln zum Basteln, lieber Kollege, die sind diese Woche gut angekommen!) – heute bekommen Sie ein Geschenk. Zum 1. Geburtstag von Komplextext verlose ich einen Text. Wenn Sie also eh gerade Ihre Website neugestalten oder einen Flyer, ein Mailing, einen Liebesbrief, eine Rede oder irgendetwas anderes schreiben wollten, ist das hier Ihre Chance.  Unter allen Beiträgen, die als Kommentare hier im Blog oder auf der Komplextext-Facebookseite eingehen, verlose ich maximal zwei DIN A4-Seiten Text. Das sind etwa 1200 Wörter oder knapp 8000 Zeichen. Damit lässt sich eine ganze Menge sagen – vor allem in einem professionellen Beitrag. Vorher besprechen wir natürlich ausführlich Ziele, Zielgruppen, Inhalte und Ausspielwege, damit Sie Ihren Gewinn am Ende auch wirklich sinnvoll einsetzen können.

Ich glaube zwar nicht, dass dieser Hinweis nötig ist, aber dennoch: Der Gewinn kann nicht eingelöst werden für Texte, die gegen Gesetze oder die guten Sitten verstoßen. Ich behalte mir vor, das Texten abzulehnen, wenn ich es nicht mit meinen Überzeugungen oder meinem Berufsethos vereinbaren kann. Für die Richtigkeit der Informationen übernimmt der Gewinner die Gewährleistung, sofern sie von ihm zur Verfügung gestellt wurden.

Also los, ran an die Tasten: Feiern Sie mit mir den 1. Komplextext-Geburtstag, schreiben Sie mir in den Kommentaren, wofür Sie Ihren Gewinn einsetzen würden und ich lasse Ende nächster Woche das Los entscheiden, wenn es mehrere Interessenten gibt. Damit es spannender wird, dürfen Sie diesen Beitrag natürlich auch gern großzügig teilen und weiterverbreiten. Happy Birthday!

Blogparade: Der weibliche Weg zum Erfolg

Kürzlich bin ich in einer Facebook-Gruppe über eine Blogparade gestolpert, in der es um „weiblichen“ Erfolg geht. Mit solchen Gender-Zuschreibungen tue ich mich furchtbar schwer. Ich bin kein Verfechter der Frauenquote und halte auch nicht viel von Ratgebern, die sich auf die männliche oder eben weibliche Art etwas zu tun fokussieren. Als wäre das Geschlecht ein Malus, den es zu überwinden gälte – oder eine Geheimwaffe, die man nur zu nutzen lernen müsse. Beides halte ich für Unsinn. Trotzdem: Seit ich von dieser Blogparade unter dem Titel „Der weibliche Weg zum Erfolg“ gelesen habe, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf und ich habe mich also entschlossen, selbst teilzunehmen.

Männlichen Erfolg kann man zählen, weiblichen hören

Ich glaube, ob Erfolg männlich oder weiblich ist, hängt gar nicht so sehr mit den Dingen zusammen, die man tut oder sagt, um erfolgreich zu sein. Meiner Meinung nach ist der einzige Unterschied die Definition von Erfolg, denn darin unterscheiden sich Frauen (immer noch) häufig von vielen Männern, habe ich beobachtet.

Männlicher Erfolg lässt sich zählen. Ein Mann definiert sich als erfolgreich über das Gehalt oder den Umsatz, über die Zahl der Aufträge, die Position im Unternehmen, den Titel auf der Visitenkarte. Viele Frauen haben nach wie vor das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, wenn sie das Gleiche anstreben, weil es so „unweiblich“ ist. Sie definieren ihren Erfolg eher über das Lob der Anderen, die Zahl der Weiterempfehlungen und manchmal sogar über die Zahl der Überstunden (wobei auch Männer die zum Prahlen nutzen, überarbeitet zu sein, ist derzeit sehr in und unsinnigerweise ein Erfolgssymbol).

Nicht der weibliche Weg, aber MEIN Weg

Ich bin mit Komplextext noch lange nicht da, wo ich mal sein möchte. Aber ich empfinde mich dennoch auch heute schon als erfolgreich. Aber bin ich anders erfolgreich als meine männlichen Texterkollegen? Ja, ich bin stärker auf Harmonie bedacht als viele von ihnen. Auch wenn ein Kunde oder Geschäftspartner Forderungen stellt, die an Unverschämtheit grenzen, schimpfe ich lange nur im (leeren) Büro allein vor mich hin, bevor ich den Konflikt (und damit eine Lösung) suche. Macht mich das weniger erfolgreich? Ich glaube nicht, denn ausschlaggebend ist, DASS ich den Konflikt annehme – nicht, WANN ich das tue.

Ich glaube nicht, dass Erfolg davon abhängt, ob ich einen weiblichen oder einen männlichen Weg gehe. Er hängt davon ab, ob ich MEINEN Weg finde. Ich muss mich mit dem, was ich verkaufe und den Konditionen, zu denen ich es anbiete, wohl fühlen. Nur dann kann ich authentisch und selbstbewusst auftreten – und erfolgreich sein. MEIN Weg zum Erfolg war mit folgenden Lektionen gepflastert:

  1. Keine Dumpinghonorare!

Der schlimmste Fehler, den ich im Laufe meiner Selbstständigkeit je gemacht habe: Am Anfang habe ich mich auf Honorare eingelassen, die nicht mal die Spritkosten für die Fahrt zum Briefing und zurück deckten. Warum? Weil ich zum einen keine (brauchbare) Kalkulation für meine Stunden- und Tagessätze gemacht hatte. Und zum anderen, weil ich vor lauter Panik, nicht genug zu verdienen, um davon zu leben, einfach jeden Auftrag angenommen habe.

Klar, am Anfang braucht man Referenzen und marktangemessene Preise durchzusetzen ohne jede Erfahrung ist schwierig. Aber: Einmal zu niedrig angesetzte Honorare später auf ein ordentliches Niveau zu bringen, ist beinahe unmöglich. Deshalb: Keine Dumpinghonorare!

Das hat noch einen weiteren Vorteil: Wenn ich bei 90 Prozent aller Aufträge angemessene Preise erziele, kann ich mir ein- oder zweimal im Jahr auch ein schlecht- oder unbezahltes Herzensprojekt gönnen.

  1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken!

In meiner Branche haben viele Kollegen eine Heidenangst davor, sich zu vernetzen. Wenn sie einem anderen Texter einen Auftrag vermitteln oder ihn als Projektpartner ins Boot holen, befürchten sie, von ihm ausgebootet zu werden. Die Erfahrung (und der gesunde Menschenverstand) zeigt aber, dass das quasi nie passiert. Warum auch? Die Branche ist überschaubar, man kennt sich – und sei es nur über drei Ecken – und es spricht sich schlichtweg herum, wenn jemand ständig Kollegen verdrängt oder über den Tisch zieht. Derjenige steht sehr schnell selbst ohne Netzwerk und damit auch ohne Autragsnachschub da.

Die Ängste sind also zumindest übertrieben. Die Vorteile, die ein gutes Netzwerk mit sich bringt, werden dagegen immer noch oft unterschätzt. Wenn ich eine Flaute erlebt habe, fand ich den Weg heraus nie über Akquise (auch weil ich unfassbar unbegabt auf diesem Gebiet bin), sondern immer über mein Kollegen-Netzwerk, in dem ich dann gestreut habe, dass ich freie Kapazitäten und Lust auf neue Aufträge hätte. Das hat nicht immer sofort funktioniert, aber es hat funktioniert – und häufig sind daraus nicht nur einmalige, sondern auch langfristige Zusammenarbeiten entstanden.

Darüber hinaus habe ich mein Netzwerk auch auf Personen aus verwandten Branchen ausgeweitet, bin also gut vernetzt mit Fotografen, Webdesignern oder Grafikern, denn häufig kommt es vor, dass ein Kunde ein Projekt am liebsten als Ganzes vergeben will, um nur einen Ansprechpartner zu haben. Ich habe von Bereichen, die ans Texten grenzen, zwar Ahnung, aber ich bin darin kein Experte. Also sammle ich Experten um mich herum – und kann dem Kunden das Gesamtpaket zu optimaler Qualität anbieten.

  1. Ich muss nicht alles selber können!

„Du musst nicht alles selber können!“ Das hat mal ein Kommilitone zu mir gesagt. Damals ging es um eine Excel-Tabelle (Excel und ich – wir sind bis heute keine engen Freunde.), aber die Lektion hat sich festgesetzt. Man ist nicht erfolgreich, wenn man alles selbst macht. Erfolg ist, zu wissen, worin man so gut ist, dass es sich lohnt, seine Zeit genau in diese Aufgaben zu investieren – und andere zu delegieren. Dinge, die ich zum Beispiel abgegeben habe, weil ich darin nicht gut bin (und/oder sie mich wahnsinnig machen): Alles, was mit Steuern zu tun hat und alles, was nötig ist, damit ein Rechner oder eine sonstige Maschine mit einer Macke wieder richtig läuft. In der Zeit, in der mein Steuerbüro meine Buchhaltung macht oder der IT-Mann meinen Rechner wieder zum Laufen bringt, kann ich mich um mein Unternehmen, meine Aufträge und Auftraggeber – oder diesen Blog – kümmern. Davon haben wir alle was.

  1. Nische finden!

Gegen diese Lektion habe ich mich sehr lange gewehrt. Ich bin Journalistin geworden, um mich nicht festlegen zu müssen, fand es toll, dass ich jeden Tag etwas Neues sehen, erfahren, ausprobieren, lernen konnte. Entsprechend habe ich ein paar Jahre nach Beginn meiner Selbstständigkeit einen ganzen Bauchladen an Angeboten mit mir herumgetragen: Texten, Fotografieren, Layouten, Social-Media-Management, Lektorieren, Reden schreiben, Seminare geben – alles, was ich spannend fand, habe ich ausprobiert und schließlich auch meinen Kunden angeboten. Immer im Glauben: Je mehr ich anbiete, desto mehr verkaufe ich auch.

Das war ein kolossaler Trugschluss. Es ist vielmehr wie bei einem Handwerker: Wenn Sie Ihr Bad fliesen lassen wollen und der Fliesenleger Ihnen versichert, er könne genauso gut auch noch Ihr Dach decken und die elektrischen Leitungen neu verlegen, würden Sie ihm ja auch kein Wort glauben (egal, ob er für all diese Gewerke Zusatzqualifikationen nachweisen kann oder nicht). Wahrscheinlich würden Sie vielmehr anfangen, auch an seinen Fähigkeiten als Fliesenleger zu zweifeln. So ungefähr ging mir das auch. Bis ich mit Komplextext einen Neuanfang mit neuer – streng fokussierter – Ausrichtung wagte.

Meine Nische ist der Text – aber eben auch alles, was dazu gehört. Ich biete Fotografie- und Grafikdienstleistungen nicht mehr aktiv an (profitiere von der Qualifikation aber trotzdem und sei es nur, weil ich meine Geschäftsausstattung selbst produzieren kann), dafür aber alles rund um das professionelle Texten. Das sind Schreibwerkstätten und Seminare ebenso wie Texte für Website oder Social-Media-Kanäle. Text – das bin ich, ohne dass ich mich dabei allzu sehr einengen muss. Und das fühlt sich genau richtig an, was auch meine Auftraggeber merken.

Und noch einen Vorteil hat diese klare Fokussierung: Ich bin für potenzielle Auftraggeber viel leichter zu finden, denn die googeln im Zweifel nach „Texter“ und vielleicht noch der geografischen Nähe. Darunter hat man mich früher vergeblich gesucht. Heute ist das anders.

  1. An die Zukunft denken!

Dass man als Unternehmerin die Zahlen im Blick haben muss, ist nicht gerade das, was ich als die schönste Seite meines Jobs bezeichnen würde. Aber über die Jahre habe ich gelernt, dass es trotzdem wichtig ist. So bequem es ist, die Buchhaltung und den Steuerkram auszulagern: Ich habe trotzdem immer einen Überblick über meine Zahlen und bilde Rücklagen für alle relevanten Belange.

Das meint zum einen so kleine Dinge wie die Versicherung, die nur einmal im Jahr abbucht. Wenn ich jeden Monat einen kleinen Betrag dafür zurücklege, tut die große Abbuchung im Januar (einem der umsatzschwächsten Monate in der Regel) nicht so weh. Das meint aber auch große, weit in die Zukunft gedachte, Rücklagen wie für die Altersvorsorge oder auch für ein neues Auto, eine teure Weiterbildung oder neues Equipement. Wenn ich jeden Monat ein bisschen dafür abzweige, schlafe ich ruhiger – auch wenn ein Monat mal nicht so prickelnd läuft. Allerdings müssen diese Rücklagen dafür auch sicher sein. Wer also dazu neigt, Geld auszugeben, wenn es da ist, sollte für die Rücklagen ein eigenes, separates Konto anlegen.

  1. Auszeiten nicht nur planen, sondern auch nehmen!

Dieser Fehler hätte mich vor ein paar Jahren beinahe ins Verderben gestürzt. Auszeiten für den Sport, den Stadtbummel oder den Spaziergang habe ich mir immer eingeplant – die standen sogar fest im Kalender. Und waren das Erste, was daraus verschwand, sobald es stressig wurde. Ich habe nie weniger wichtige Termine mit anderen abgesagt, sondern immer die, die ich nur mit mir und für mich eingetragen hatte. Eine Zeit geht das gut, aber irgendwann fordern Körper und Seele ihren Tribut für diesen Raubbau. Ich muss mich noch immer ziemlich zusammenreißen, um diesen Fehler nicht zu wiederholen, aber mir half ein Umdenken: Ich bin es nicht nur mir schuldig, für Ausgleich und Erholung zu sorgen, sondern auch meinen Kunden. Die bezahlen schließlich ordentliches Geld und dürfen dafür auch eine sehr gute Leistung erwarten. Die kann ich aber nur bringen, wenn ich ausgeruht und voller Energie bin.

Toller Nachwuchs: Schreibtraining für Schüler in Mühlhausen

Regelmäßig bin ich im Moment am evangelischen Schulzentrum in Mühlhausen. Grund-, Regelschule und Gymnasium sind da auf einem Gelände vereint und vor ein paar Monaten gründeten einige Schüler aus den höheren Klassen eine gemeinsame Schülerzeitung. Das Besondere: Sie erscheint nicht auf Papier und auch nicht an einem bestimmten Tag oder in einem festen Rhythmus. Sie ist ein Blog. Und mein Herzensprojekt für dieses Jahr.

Herzensprojekt Schülerzeitungsblog

Jedes Jahr gönne ich mir ein Projekt, das nicht oder schlecht bezahlt wird, weil es mir am Herzen liegt. Sehr oft sind das Projekte mit Kindern oder Jugendlichen, denen das Schreiben so viel Spaß macht wie mir damals und die lernen wollen, wie man das kreativer und professioneller macht.

Einmal im Monat bin ich deshalb aktuell in Mühlhausen und helfe beim Aufbau – manchmal, indem ich zur Struktur des Blogs und zur Technik berate, manchmal indem ich helfe, Führungspotenzial auszugraben und durchzusetzen, aber meistens mit klassischem Handwerk. Und so stand kürzlich ein Schreibtraining auf dem Programm. Thema: Kommentar.

Kommentare sind eine Herausforderung für jeden Journalisten. Ihr Ziel ist es immer, den Leser von der eigenen Meinung zu überzeugen. Guter Stil ist, das mit Argumenten zu tun statt mit Polemik. Das setzt aber voraus, dass man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und Argumente kennt. Und dass man die Zeit und Lust hat, an einem Text zu feilen, statt ihn nur herunter zu schreiben. Denn selten ist ein Kommentar schon im ersten Guss wirklich gut.

Guter Journalismus trennt Meinung und Nachricht

In den klassischen Medien heute findet man gute Kommentare immer seltener, finde ich. Dafür werden Nachricht und Meinung immer öfter vermischt. In meinen Seminaren zu diesem Thema fällt mir dazu nur eine Sache ein: Kann man machen, es darf einem nur nicht passieren! Soll heißen: Bewusst als Stilmittel eingesetzt, kann eine Mischung verschiedener Textformen kreativ und damit überzeugend sein (ein Feature ist schließlich nichts anderes als eine Mischung aus Reportage und Bericht und eine der wie ich finde effizientesten Darstellungsformen). Aber wenn man Stile mischt, weil man nicht aufpasst oder zu faul ist, einen zweiten Text zu schreiben (also der Nachricht einen Kommentar zur Seite zu stellen), dann ist das weder kreativ  noch überzeugen, sondern unprofessionell.

Meinen Schülern erkläre ich deshalb seit Monaten, dass sie Meinung und Nachricht trennen sollen. Dass sie aber durchaus Meinung haben und veröffentlichen dürfen. Das ein meinungsstarkes Medium langfristig eines mit treuen Lesern wird – und eines mit höherer Relevanz, weil es zu Diskussionen anregt. Jetzt üben sie das Kommentare schreiben und probieren dabei aus, was sie einfacher und was überzeugender finden: einen Kommentar, der einfach nur ihre Argumente auflistet – in der Hoffnung, dass die überzeugend genug sind. Oder einen Kommentar, der zusätzlich die Argumente der Gegenseite aufgreift und entkräftet. Und ein Redaktionsmitglied versucht sich sogar an einer Glosse (wobei ich nicht helfen kann, weil mir dazu jegliches Talent fehlt). Toller Nachwuchs!

Mein erstes eigenes Buch ist für November 2016 geplant

Normalerweise arbeite ich ja für andere. Eigene Komplextext-Produkte gab es bisher nicht, jedenfalls, wenn man diesen Blog nicht mitzählt. Das soll sich aber noch in diesem Jahr ändern. Geplant ist ein Buch, genauer gesagt: ein ebook. Ein ebook, das die besten Bastelideen meines Kreativblogs „Eine Tüte Glück“ vereint.

Mit diesem Blog verdiene ich ja schon eine Weile Geld – indem ich die Beiträge dort auch auf der Familienseite im So!-Magazin, der Wochenendbeilage der Zeitungen aus dem Verlag Hof Coburg Suhl, veröffentliche. Dazu zählen hier in Thüringen zum Beispiel das Freie Wort, die Südthüringer Zeitung oder das Meininger Tageblatt. Einmal in der Woche stelle ich dort Ideen für Projekte vor, die man mit Kindern basteln kann. Mein besonderer Fokus dabei: Es geht nicht nur darum, Kinder irgendwie zu beschäftigen, sondern darum, Dinge herzustellen, die man auch wirklich nutzen kann.

Bastelbuch nur mit sinnvollen Bastelideen

Was mich an den üblichen Kinderbastelbüchern furchtbar nervt, sind diese ganzen Projekte, die allenfalls dazu da sind, dass Oma und Opa eine Sammelmappe anlegen können. Deckchen und Fensterbilder aus Papier sind so eine Sache. Bei Fensterbildern leuchtet mir der Nutzen noch ein, aber Papierdeckchen taugen nur, wenn man sie weiterverarbeitet und zum Beispiel als Gestaltungselement auf Karten benutzt. Und genau das wird das erste Tüte-Glück-Bastelbuch leisten: Es wird lauter Projekte vorstellen, die nach dem Basteln wirklich genutzt werden können. Ein Korb aus Zeitungspapier zum Beispiel oder selbstgemachte Kosmetik und Badekugeln. Oder eben jenes oben erwähnte Vogelhäuschen.

Für die vier Jahreszeiten wird es je drei Projekte geben: eins, das ganz schnell mal zwischendurch gebastelt ist, eines, das ein bisschen mehr Zeit braucht und ein Langzeitprojekt. Momentan fällt mir die Wahl wirklich schwer. Gerade für den Winter, in den ja nun zum Beispiel auch Weihnachten und Fasching fallen, ist es ein Riesenproblem, mich auf nur drei Projekte zu beschränken. Im Moment stehen für den Winter zum Beispiel zur Auswahl:

  • Weihnachtskarten gestalten
  • Schneekugeln selbst machen
  • Vogelhäuschen bauen
  • Adventskalender basteln
  • Faschingsmasken basteln
  • Sockenschneemänner basteln

Und die Liste wächst täglich weiter. Haben Sie Kinder oder Enkel, mit denen Sie basteln? Dann lassen Sie mir doch unter diesem Text einen Kommentar da und schreiben Sie mir, welche Projekte Sie gern in einem Bastelbuch sehen würden – und gern auch, worauf es bei den Bildern und Beschreibungen ankommt, damit Sie gut damit arbeiten können.

Veröffentlichung im November 2016 geplant

Geplant ist eine Veröffentlichung des ebooks im November, pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft, doch bis dahin ist noch viel zu tun. Als erstes muss ich mich mal für 12 Projekte entscheiden. Das soll noch diesen Monat passieren. Als nächstes muss ein Drehbuch für das Fotoshooting geschrieben werden, bei dem im Juli oder August alle Projekte professionell in Schritt-für-Schritt-Anleitungen fotografiert werden. Dann muss ich das Layout entwerfen und die Texte überarbeiten. Am Schluss kommt alles zusammen, wird kontrolliert, lektoriert und mit den notwendigen bibliografischen Angaben versehen. Dann werde ich auch entscheiden, ob ich vielleicht einen Schritt weitergehe, eine ISBN-Nummer beantrage und das Buch nicht nur als ebook, sondern auch als Book on demand verkaufe.

Das bedeutet dann, man könnte das Bastelbuch auch als echtes Papierbuch kaufen, aber ich muss kein großes Lager betreiben, weil die Exemplare erst gedruckt werden, wenn sie bestellt wurden. Dank sensationeller Technik geht das heute blitzschnell. Der Kunde merkt in der Regel nicht, ob das Buch auf Lager war oder on demand gedruckt wurde.

Aber bis zu dieser Entscheidung dauert es noch – und vorher liegt, wie gesagt, eine Menge Arbeit vor mir. Sie könnten sie mir ein bisschen erleichtern, indem Sie mir hier in den Kommentaren bei der Entscheidung für Projekte helfen. Schreiben Sie mir, was Sie gern mit Kindern umsetzen (würden), ob es wirklich Unterschiede gibt, wenn man mit Jungs oder eben mit Mädchen bastelt und gerne auch, wofür Sie persönlich gern mal einen Basteltipp hätten. Ich freue mich, von Ihnen zu lesen!

Stillos: Als Texter bin ich Handwerker, kein Künstler

Vor kurzem erklärte ich hier, dass der größte Vorteil für meine Kunden die Tatsache ist, dass ich von nichts so richtig Ahnung habe. Es gibt einen weiteren: Ich bin keine Edelfeder. Sie wissen schon: Autoren, die regelrecht Künstler sind, die mit Sprache malen und komponieren und deren Stil so unverkennbar ist, dass Sie den Autorennamen gar nicht lesen müssen, um zu wissen, von wem der Text ist. Sprache auszureizen, mit ihr zu spielen und sie zu zelebrieren, genieße auch ich. Aber ich habe keinen persönlichen Stil. Ich bin eher Handwerker als Künstler. Wie ein Drechsler lernt, wie er das Holz bearbeiten muss, damit es am Ende gleichmäßig und weich ist, habe ich gelernt, wie ich Worte bearbeiten und verbinden muss, um eine bestimmt Wirkung zu erzielen.

Jeder Text ist anders – weil jeder Kunde anders ist

Und darin liegt in Sachen PR ein großer Vorteil: Ich bin auf das Handwerk, die Basis festgelegt, aber nicht auf das Ergebnis. Mein Stil ist flexibel und ich kann ihn frei auf den Auftraggeber und seine Zielgruppen anpassen. Das macht mich – so ehrlich muss man sein – als Autorin austauschbar. Es würde im Zweifel nicht auffallen, wenn ich zum Beispiel in der Zeitung nicht mehr schreibe, weil es einfach ein anderer machen würde. Wollte ich mein Geld vor allem im Journalismus oder als Buchautorin verdienen, würde mir das das Leben ziemlich schwer machen. Will ich aber nicht. Ich genieße die Mischung, die ich beruflich leben darf und zu der eben auch gehört, dass ich einen großen Teil meiner Zeit in PR-Projekte stecke. Dort ist meine „Stillosigkeit“ ein Segen.

Für einen Wirtschaftsverband, für den ich kürzlich wirtschaftspolitische Dossiers und Einzeltexte schrieb, texte ich ganz anders als für ein Gästemagazin, das den Jahreslauf extra für Kinder aus Sicht einer Wildkatze schildert. Einen Text für die Website eines Sonnenstudios lasse ich anders klingen als den für einen Finanzdienstleister. Und selbst in eigener Sache passe ich meinen Rhythmus, meine Klangfarbe und meine Ansprache an: Hier auf dem Komplextext-Blog bin ich formeller unterwegs als auf tueteglueck.wordpress.com, meinem Kreativblog, der aber inzwischen auch Teil meiner professionellen Präsenz ist.

„Komische“ Fragen im Kundenbriefing ernst nehmen

Aus diesem Grund bitte ich bei einem Briefing durch den Kunden auch immer um mehr als eine Erklärung zu Inhalt und Länge des Textes. Ich frage einen Kunden zum Beispiel auch nach solchen Dingen:

  • Wer soll den Text lesen?
  • Wie soll sich der Leser fühlen, wenn er den Text gelesen hat?
  • Was soll der Leser tun, wenn er den Text gelesen hat?
  • Welche Eigenschaften soll man mit Ihrem Unternehmen/Produkt/Angebot verbinden?
  • Welche Eigenschaften verbinden Sie mit Ihrem Unternehmen/Produkt/Angebot?

Diese Fragen stelle ich so nicht immer im Wortlaut, es gibt diverse Abwandlungen je nach Typ Mensch, der mir gegenüber sitzt. Der eine mag solche Gespräche eher sachlich und faktenorientiert, der andere fühlt sich auf der emotionalen Ebene direkt wohl. Aber wie auch immer es mir gelingt: Um den Text wirklich auf den Kunden zuzuschneiden, brauche ich die Antworten auf diese weichen Fragen, denn sie geben mir – mehr als alle Fakten – einen Hinweis darauf, wie der Text aufgebaut sein muss und wie er klingen darf.

Wenn Sie also das nächste Mal einen Texter engagieren und er Ihnen solche vermeintlich seltsamen Fragen stellt: Blocken Sie nicht ab, sondern freuen Sie sich. Vermutlich haben Sie auch ein Exemplar erwischt, das kein Künstler ist, sondern ein solider Handwerker. Und wie jeder gute Handwerker baut er Ihnen ihr (textliches) Zuhause so, dass Sie und Ihre Mitbewohner sich wohl fühlen – und nicht so, wie er selbst es gerne hätte.