#starkesUrheberrecht – Mein Beitrag zur Blogparade

Gerade beschloss der Bundesrat ein neues Urheberrechtsgesetz, das für die, die es eigentlich schützen soll, eine Katastrophe ist. Warum, erklärt der DJV Thüringen hier und startet unter #starkesUrheberrecht gleich eine Blogparade zum Thema muss – in der Hoffnung, vielleicht das Gesetz im Bundestag noch zu stoppen. Gefragt sind Beiträge, die sich mit der Frage beschäftigten, warum wir ein starkes Urheberrecht brauchen und wie das aussehen muss. Als Landesvorsitzende des DJV habe ich den Auftaktbeitrag geschrieben. Als freiberufliche Texterin schreibe ich jetzt diesen, ganz persönlichen Post.

Dumping-Honorare und Buy-out-Verträge

Vor ein paar Jahren verhandelte ich meinen Honorarvertrag mit einer der großen Thüringer Tageszeitungen neu. Meine Forderungen: Ich wollte für Beiträge, die auch in anderen Titeln der Mediengruppe veröffentlicht werden, auch zusätzliches Honorar. Was ich dagegen nicht mehr wollte, war meine Texte nur noch exklusiv dieser Zeitung zu verkaufen und alle meine Rechte abzugeben, ohne dass das entsprechend bezahlt würde. Ich konnte mich in diesen Punkten ein Stück durchsetzen, ein Stück nicht. Am Ende stand ein Kompromiss, mit dem ich aber leben konnte. Die meisten anderen Kollegen haben einen solch angepassten Vertrag nicht. Sie haben – wenn es überhaupt eine schriftliche Absprache gibt – Regelungen unterschrieben, die eine Frechheit sind. Für teilweise unter 100 Euro Tageshonorar haben sie sich verpflichtet, dem Unternehmen alle Nutzungsrechte an den Texten und Bildern einzuräumen – und zwar die, die die Zeitungen heute schon kennt und will, aber auch jene, die erst noch erfunden werden (das steht da so wirklich!). Und oft genug enthält ihr Vertrag einen Passus, der ihnen verbietet, ihre Werke gleichzeitig an andere Nutzer zu verkaufen und so vielleicht noch ein bisschen zusätzliches Honorar rauszuholen.

Und warum gibt es immer noch Verträge wie diese? Weil sich kein Freier hierzulande traut, dagegen vor zu gehen. Weil das Argument, wenn einer sich beschwert, immer dasselbe ist: Wenn Sie mit der Arbeit nicht mehr zufrieden sind, gibt es viele andere, die sie gern übernehmen würden. Weil viele Freie eine Familie zu ernähren haben und in Thüringen kaum andere Verdienstoptionen haben, wenn sie es sich mit einem der beiden großen Zeitungsverlage verscherzen

Urheberrecht soll Urheber schützen, nicht die Verwerter

Das Urheberrecht sollte dem eigentlich einen Riegel vorschieben. Zumindest sollte es den Urhebern, also in meinem Beispiel den Autoren, helfen, ihre Rechte durchzusetzen und sie vor Ausbeutung schützen. Zugegeben, dabei ist die aktuelle Fassung des Gesetzes nicht mehr wirklich zeitgemäß. Viele Fragen, etwa nach dem Urheberrecht und seiner Durchsetzung im Internet oder nach der Vereinbarkeit der unterschiedlichen Urheberrechtsgesetze in den verschiedenen EU-Staaten spielen bisher keine Rolle. Sie werden aber auch in der neuesten Fassung kaum berücksichtigt. Und darüber hinaus verschlimmert die neue Fassung die Situation für die Freien sogar. Im Vergleich zwischen dem ersten und dem aktuellen Neuentwurf des Gesetzes, also zwischen dem des Justizministers und dem der Regierung, liegen Welten – und offenbar zahlreiche intensive Gespräche mit Verlagsvertretern. Manche Passagen im Gesetz lesen sich, als wären sie direkt von den großen Verlegern diktiert. Von einem Recht für Urheber kann keine Rede sein.

Kann man machen. Und in Zeiten, in denen die Lokalzeitungen ohnehin an allen Enden Personal einsparen, macht es vielleicht auch tatsächlich keinen Unterschied mehr. Ist ja schließlich egal, ob künftig statt vielleicht einem Drittel aller Beiträge von vermeintlich freien Journalisten fast alle von Menschen geschrieben werden, die nie eine journalistische Ausbildung genossen haben. Vor einigen Jahren nannte man sie Bürgerreporter. In Zukunft – wenn durch das mangelhafte Urheberrecht auch die letzten „echten“ Freien ihre Existenzgrundlage eingebüßt und den Beruf aufgegeben haben – wird man sie nur noch Reporter nennen. Und genau darum brauchen wir ein #starkesUrheberrecht, denn das kann keiner wollen – Urheber nicht, Leser und Medienkäufer nicht und eigentlich auch Medienunternehmen nicht!

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