10 Tipps für verständlichere Texte

Beim Texten gibt es eine goldene Regel: Verständlichkeit vor Schönheit! Klingt banal, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Diese Regel zu befolgen, kann richtig wehtun. Dann nämlich, wenn man sich in einen Satz, eine Formulierung verliebt hat, die aber nicht zum Text passt oder für Verwirrung sorgen würde. Sich dann für mehr Verständlichkeit von der Lieblingsformulierung zu trennen, kostet auch professionelle Texter manchmal ein Tränchen – zumindest ein gefühltes.

Und trotzdem: Ein Text kann noch so schön sein – wenn er nicht gerade Kunst sein soll, nützt ihm alle Schönheit nichts, wenn die Menschen, für die er gedacht ist, nicht verstehen. Um das zu vermeiden, ist der erste Schritt wie immer die Frage nach den Zielen und Zielgruppen. Nur wenn Sie wissen, wen und was Sie erreichen wollen, können Sie Ihren Stil darauf einstellen.

Darüber hinaus gibt es aber auch ganz allgemeine Tipps, die helfen, einen Text leichter verständlich zu machen:

1. Einfache Sätze, nicht schachteln!

Wenn ich Ihnen rate, einfache Sätze zu benutzen, meine ich damit nicht, dass Sie nur noch Hauptsätze aneinander reihen sollen. Ihre Sprache – und damit auch Ihr Satzbau – sollen abwechslungreich bleiben. Aber man soll sie auch gleich beim ersten Lesen verstehen. Deshalb gilt: Vermeiden Sie Schachtelsätze! Wenn Sie am Ende eines Satzes den Anfang noch mal lesen müssen, um ihn zu verstehen, ist er eindeutig zu lang. Um auf Nummer sicher zu gehen, hilft es, sich diese Sätze laut vorzulesen. Dabei werden Sie automatisch merken, wenn Ihr Satz zu lang oder kompliziert ist. Machen Sie in diesem Fall besser zwei oder drei Sätze daraus.

Beispiel:
Nicht so: Wenn Sie verständlich, also so schreiben wollen, dass Ihre Leser Sie gleich beim ersten Lesen verstehen, statt Ihren Satz zweimal lesen zu müssen, sollten Sie vermeiden, Sätze zu schreiben, die aus mehreren, ineinander verschachtelten, Satzteilen bestehen und stattdessen lieber mehrere, einfache Sätze formulieren, die zum Beispiel aus einem Haupt- und einem Nebensatz bestehen, weil diese Kombinationen normalerweise deutlich einfacher beim ersten Lesen zu erfassen sind und damit die Verständlichkeit Ihres Textes verbessern.

Sondern so: Um verständlicher zu schreiben, sollten Sie komplizierte Schachtelsätze vermeiden und stattdessen lieber einfache Haupt- und Nebensätze kombinieren. So kann Ihr Leser den Sinn des Satzes schnell erfassen und das erhöht die Verständlichkeit Ihres Textes.

2. Verben statt Substantive – keine Substantivierungen!

Schauen Sie sich mal das letzte Schreiben an, dass Sie von einer Behörde, einem Anwalt oder einem Gericht bekommen haben. Und dann zählen Sie einfach mal die Substantive in einem Satz und vergleichen Sie sie mit der Zahl der Verben. In den meisten Fällen finden Sie außergewöhnlich viele Nomen – darunter auch solche, die bequem Verben hätten werden können. Doch Substantive und Substantivierungen klingen so schön bedeutend und wichtig. Leider klingen sie auch wunderbar steif und verkomplizieren auch den einfachsten Satz. Deshalb: Prüfen Sie stets, ob die Substantive, die Sie benutzen, wirklich notwendig und angemessen sind und streichen Sie Substantivierungen.

Beispiel
Nicht so: Bezugnehmend auf Ihren Antrag zur Gewährung einer Übersicht über Regelungen zur Verständlichkeit von Texten, erfolgt hiermit der Hinweis auf das Vorhandensein bereits erstellter Leitfäden im Internet, da in unserem Haus die Auffindbarkeit derartige Übersichten nicht zu gewährleisten ist.

Sondern so: Sie baten um Regeln zum verständlichen schreiben. Leider können wir keine eigene Übersicht zu diesem Thema anbieten, Sie finden allerdings diverse Leifäden dazu im Internet.

3. Bleiben Sie konkret – keine Phrasen, Floskeln und Füllwörter!

Das Deutsche strotzt nur so vor Füllwörtern und Floskeln – häufig sind Sie inhaltlich völlig unnütz, aber Sie haben eine atmosphärische Aufgabe: Sie sollen beschwichtigen, Freundlichkeit vermitteln, abschwächen. Deshalb schreiben wir auch so oft im Konjunktiv: „…würden wir Sie bitten, uns bis Dienstag zu antworten.“ Das ist aber völlig unnötig und vor allem unnötig kompliziert. „Bitte antworten Sie uns bis Dienstag“ ist nicht weniger höflich, spart sich aber Verklausulierungen und ist zudem klarer in der Botschaft.

Ähnlich verhält es sich mit Worten wie „eigentlich“ oder „sozusagen“. Und auch Phrasen ohne echte Botschaft wie „auf Augenhöhe begegnen“ oder „mit größtem Bedauern (müssen wir Ihnen absagen)“ sind in den meisten Fällen überflüssig. Deshalb prüfen Sie Ihre Texte bitte immer noch einmal auf leere – und damit überflüssige – Worthülsen, die ihn nur aufblähen, zu seiner Verständlichkeit aber nichts (positives) beitragen. Finden Sie sie, versuchen Sie sie dort konkrete Aufforderungen oder Beispiele zu ersetzen – höflich dürfen Sie dabei ja trotzdem sein.

Beispiel
Nicht so: Um die Verständlichkeit Ihrer Texte wirklich gut beurteilen zu können, möchten wir Sie eigentlich gern bitten, uns einige Arbeitsproben zukommen zu lassen. Gern können Sie die Zahl der Texte selbst wählen, sie sollte aber fünf nicht überschreiten.

Sondern so: Damit wir die Verständlichkeit Ihrer Texte gut beurteilen können, schicken Sie uns bitte maximal fünf Arbeitsproben.

4. Aktiv statt Passiv verwenden!

Diese Regel sorgt dafür, dass Ihre Texte lebendiger werden. Das macht es Ihrem Leser leichter, ihnen auch dann zu folgen, wenn Sie trockene oder komplizierte Themen behandeln. Benutzen Sie dafür Aktiv-Formulierungen statt die Passiv-Form. Schreiben Sie also, wer was tut, statt nur zu sagen, was womit getan wird. Diese Regeln ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Verzichten Sie auf die Aktiv-Schreibung, wenn es absolut unwichtig ist, wer etwas tut und es den Leser vielleicht nur verwirren würde, wenn Sie plötzlich handelne Personen erwähnen.

Beispiel
Nicht so: Der Text wird im Aktiv geschrieben.

Sondern so: Der Autor schreibt den Text im Aktiv.

5. Fach- und Fremdwörter übersetzen oder erklären!

Nicht immer können Sie auf Fremd- und vor allem auf Fachwörter verzichten. Aber in diesem Fall ist es umso wichtiger, dass Sie vor dem Schreiben Ihre Zielgruppe klären. Schreiben Sie einen Fachartikel für ein Magazin, dass nur Experten lesen? Dann können Sie davon ausgehen, dass jeder Leser die Fachtermini kennt – folglich spricht auch nichts dagegen, sie zu nutzen. Aber sollen Sie danach vielleicht zum selben Thema einen Flyer schreiben, der sich eher Betroffene statt Experten richtet? (Das kann vor allem bei medizinischen Themen, aber auch bei allem rund um Finanzen, Bauen oder Versicherungen oft der Fall sein.) Dann sieht die Sache ganz anders aus.

Im besten Fall verzichten Sie hier völlig auf Fach- und Fremdwörter. Suchen Sie nach Formulierungen, die den Sachverhalt stattdessen erklären. Sie brauchen dafür vielleicht ein paar Wörter mehr, aber Sie können sicher sein, verstanden zu werden.

Lässt es sich nicht umgehen, dass Sie auch in Texten für Laien Fach- oder Fremdwörter benutzen, dann erklären oder übersetzen Sie sich bitte mindestens einmal, nämlich, wenn Sie sie das erste Mal verwenden.

Beispiel:
Nicht so: Gute Dialoge brauchen passende Inquitformeln.

Sondern so: Für gute Dialoge ist nicht nur wichtig, was gesagt wird, sondern auch, wie die Wortmeldungen ein- oder ausgeleitet werden. Diese Formulierungen wie „[…], sagte er.“ oder „Er schaute sie lange stumm an, bevor er antwortete: […]“ nennt man Inquitformeln.

6. Zahlen separat sammeln – nicht in den Fließtext!

Viele Zahlen ruinieren jeden Text. Es wird immer schwieriger, einen Text flüssig zu lesen – und damit leicht zu verstehen – je mehr Zahlen auf einem Haufen im Fließtext auftauchen. Bestes Beispiel dafür sind die monatlichen Arbeitsmarktberichte in den Zeitungen. Umgehen können Sie das, wenn Sie die Zahlen separat sammeln und damit den Text ergänzen. So könnte der Text erklären, welche Auswirkungen die neuesten Arbeitsmarktzahlen haben – und eine angehängte Tabelle oder Auflistung bietet im Überblick die konkreten Zahlen. So bleiben alle Informationen erhalten, aber der Text bleibt zugleich verständlich und lesbar.

7. Logische inhaltliche Einheiten bilden – und in Absätzen bündeln!

Noch so ein Tipp, der auf den ersten Blick völlig lapidar klingt. Schon irgendwie logisch, dass sie alles, was inhaltlich zusammengehört auch in einem Absatz bündeln, oder? Aber offenbar ist es nicht so leicht umzusetzen, wie es klingt. Andernfalls würde es kaum so viele Texte geben, die ganz ohne Absätze (und ohne inhaltlichen roten Faden) auskommen.

Absätze, oder viel mehr, der Weißraum, der durch die leeren Zwischenzeilen entsteht, wirken wie Anker für die Augen. Es ist viel leichter, einen Text zu lesen, wenn sich der Blick von einer klar abgegrenzten Einheit zur nächsten hangeln kann. Zugleich bieten Ihnen Absätze die Chance, zu sortieren, was Sie sagen wollen – eine der wichtigsten Voraussetzungen für verständliche Texte.

Deshalb: Bevor Sie den ersten Satz schreiben, notieren Sie sich in Stichpunkten die wichtigste Inhalte, die Sie kommunizieren wollen. Fassen Sie nun all die Stichpunkte zu einem Block zusammen, die zusammen gehören. Diese Blöcke sind im fertigen Text je ein Absatz. Jetzt können Sie sie hin und her schieben, um die richtige Reihenfolge festzulegen (das Wichtigste zuerst!) und müssen anschließend nur noch gute Sätze aus den Stichpunkten machen.

8. Komplexes durch konkrete Beispiele erlebbar machen!

Gerade, wenn Sie Ihren Lesern etwas beschreiben, was diese noch nicht kennen, was neu für sie ist, ist es wichtig, nicht nur zu erklären, sondern vor allem zu beschreiben. Werden Sie konkret, damit der Leser wirklich verstehen und nachvollziehen kann, was Sie ihm sagen wollen. Das können Sie umsetzen, indem Sie zum Beispiel einen Vorgang beschreiben, als wäre der Leser dabei.

Beispiel:
Nicht so: Zum Glasblasen benutzt man stark erhitztes Glas in Form eines Stabes, das durch druckvolles Blasen und beständiges Drehen zu einer Kugel geformt wird.

Sondern so: Der Glasbläser hält ein Ende des transparenten Glasstabes ins Feuer. Langsam dreht er es erst in die eine, dann in die andere Richtung. Das Glas glüht orange vom Feuer und trotztdem setzt der Glasbläser das andere Ende des Rohrs unerschrocken an den Mund und bläst sanft in die hohle Röhre, bis sich an deren Ende eine Kugel bildet. Einige Sekunden noch hält er die Lippen angespannt, er bläst nicht mehr, hält aber den Luftdruck aufrecht, bis die Glaskugel erkaltet ist. Nur so behält sie ihre Form.

Aber Sie können auch einfach Beispiele einfügen, die der Leser aus seinem Alltag kennt, um etwas Neues, Unbekanntes für ihn nachvollziehbarer zu machen.

Beispiel
Nicht so: Um das geschmolzene Glas zu einer gleichmäßigen Kugel zu formen, muss die Luft mit einem bestimmten, gleichmäßigen Druck in die Röhre geblasen werden.

Sondern so: Damit aus der geschmolzenen Glasröhre eine Kugel wird, muss der Glasbläser mit gleichmäßigem Druck Luft hineinblasen. Dabei braucht es mehr Fingerspitzengefühl als Kraft. Wer pustet, als wolle er einen Luftballon aufblasen, benutzt zu viel Druck.

9. Positiv schreiben – Verneinungen vermeiden!

Verneinungen wie „nicht böse“ oder „nicht optimal“ sind an sich nicht unverständlich. Aber sie bergen ein Risiko, weil wir das kleine Wörtchen „nicht“ gern überlesen. Es besteht also die Gefahr, dass ihr Leser aus Ihrem Text genau das Gegenteil dessen herausliest, was Sie eigentlich sagen wollten. Hinzu kommt, dass die Verneinungen unnötige Kapriolen in den Text einbauen, denn das Gehirn muss das Adjektiv, das auf das „nicht“ folgt ja erst in sein Gegenteil übersetzen, um den richtigen Sinn zu erfassen. Dann können wir doch aber auch gleich das gegenteilige Adjektiv schreiben.

Beispiele
Nicht so: Ein Text wird nicht verständlich, wenn sie nicht mögliche viele dieser hier versammelten Regeln beachten.

Sondern so: Wenn Sie möglichst viele der hier versammelten Regeln beachten, wird ihr Text verständlicher.

10. Küchenzuruf und Oma-Test nutzen!

Ihr Text ist geschrieben, Sie haben sich bemüht, die Verständlichkeitsregeln zu beachten, wollen aber auf Nummer sicher gehen? Dann helfen diese beiden Regeln, den fertigen Text noch einmal zu überprüfen:

Der Küchenzuruf geht auf Henri Nannen zurück, der das Magazin „Stern“ gründete. Er soll seinen Autoren aufgetragen haben, ihre Texte – auch die langen Titelgeschichten so zu schreiben, dass „Hans“, wenn er den Stern in der Stube lese, während seine Frau in der Küche die Teller spülte, ihr mit einem Satz zurufen könne, worum es in dem Text geht.

Versuchen Sie also nach dem Schreiben, die wichtigste Botschaft Ihres Textes in einem Satz zusammenzufassen. Das geht nicht? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie sich verzettelt und keinen roten Faden haben. Überarbeiten Sie Ihren Text noch einmal, streichen Sie Szenen und Absätze, die nicht zur Hauptbotschaft passen, und sortieren Sie die Reihenfolge Ihrer Informationen neu.

Der Oma-Test ist nicht unbedingt wörtlich zu nehmen. Gemeint ist aber, dass Sie Ihren fertigen Text jemanden lesen lassen, der von Ihrem Thema keine Ahnung hat – das kann auch Ihre Oma sein. Das ist vor allem bei Fachtexten ein gutes Mittel, um sicher zu gehen, dass sie keine Informationen vergessen haben, die wichtig für das Verständnis wären. Und das passiert schneller, als Sie denken, vor allem, wenn Sie über Themen schreiben, in denen Sie sich sehr gut auskennen. Dann haben Sie die Informationen, die für das Verständnis nötig sind, ja im Kopf – Ihr Gehirn ergänzt sie beim Lesen des Textes automatisch. Diesen Vorteil haben Ihre Leser aber nicht. Fehlt also eine Information – und das kann auch nur ein Detail sein – kann es sein, dass sie den ganzen Text nicht verstehen. Dieses Risiko schalten Sie aus, wenn Sie vor Veröffentlichung den Oma-Test starten.

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