Hervorgehoben

Herzlich Willkommen bei Komplextext

Sie wünschen sich, dass Ihre Kunden und Partner Ihr Unternehmen in jeder Situation wieder erkennen? Dafür investierten Sie viel Geld und Sorgfalt in die Entwicklung von Leitlinien, Logos, Farben und Schriften? Dann nehmen Sie jetzt auch die letzte Hürde, um Ihren Auftritt wirklich aus einem Guss zu präsentieren: Investieren Sie nicht nur in den Rahmen, sondern auch in das Bild. Schaffen Sie für Ihre Kommunikationsmittel eine einheitliche Sprache. Egal, ob Flyer, Website, Coporate Blog oder Kundenmagazin – gemeinsam mit Ihnen entwickle ich Ihre Sprache, die Ausdrucksweise und Wirkung, die genau zu Ihrem Unternehmen passt. So erkennen Ihre Partner und Kunden Sie nicht nur optisch wieder, sondern auch sprachlich.

Überzeugen Sie sich davon, wie vielfältig und unterschiedlich Sprache eingesetzt werden kann: Stöbern Sie durch meinen Blog weiter unten auf dieser Seite oder sehen Sie sich in den Arbeitsproben Beispiele ganz verschiedener Corporate Publishing-Projekte an. Ein individuelles Angebot für Ihre Texte unterbreite ich Ihnen gern nach einem kostenlosen Erstgespräch. Melden Sie sich einfach bei mir, ich freue mich darauf!

Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

Agenturarbeit: Website-Texten für Unternehmen

Vor gut einem Jahr bekam ich völlig unerwartet eine E-Mail: Die Mitarbeiterin einer Online-Marketing-Agentur in Erfurt bat mich um Rückruf. Sie war auf der Suche nach guten Textern und wollte wissen, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Hatte ich. Natürlich. Ich war gerade dabei, mich aus dem Tageszeitungsgeschäft zu verabschieden und wollte wirklich gern stärker kommerziell texten. PR-Projekte unterstützte ich schon länger und wollte diese Schiene gern ausbauen. Ein Angebot, künftig an den Webauftritten unterschiedlicher Unternehmen mitzuarbeiten, kam mir da gerade Recht, zumal ich es liebe, Neues auszuprobieren. So bleibt der Job spannend und ich kann mich entwickeln und verändern, obwohl ich doch immer dasselbe tue, nämlich schreiben.

Neues Geschäftsfeld: Texter für Agenturen

Jetzt nach gut einem Jahr hat sich diese Mail von damals als ein echter Glücksgriff erwiesen. Ich liebe diese Aufträge: Projektarbeit mit klar umrissenen zeitlichen Grenzen und kontrollierbaren Zielen, der direkte Austausch mit dem „Leser“, nämlich dem Kunden, der mir im Tageszeitungsgeschäft immer fehlte, und die Herausforderung, mich binnen weniger Tage in mir völlig fremde Themen und Branchen einzuarbeiten.

Dabei haben sich inzwischen Routinen entwickelt, doch der erste Auftrag, meine Arbeitsprobe sozusagen, war aufregend. Übrigens für beide Seiten. Die Betreiber eines Sonnen- und Wellnessstudios waren genauso nervös wie ich, als wir am Telefon absprachen, wie die Texte ausfallen sollen. Doch dann lief alles wie am Schnürchen. Die Kunden waren überglücklich und ich hatte Blut geleckt.

SEO: schreiben für Suchmaschinen und die Menschen, die sie nutzen

Inzwischen habe ich für diese Agentur Texte für fast 20 Unternehmenswebsites geschrieben. Seit ein paar Monaten übernehme ich auch SEO-Texte für diese Agentur. Dabei hätte mich der erste beinahe in den Wahnsinn getrieben. Ich sollte den Footertext für die Startseite eines Immobilienbüros schreiben und dabei unter anderem die Keyword-Gruppe „Immobilien Verkauf Erfurt“ unterbringen. Mehrfach (wie oft und worauf es bei SEO-Texten sonst noch ankommt, haben die Experten aus einer Partneragentur mir sehr geduldig erklärt). Nur ist das schlicht unmöglich, wenn der Satz grammatisch korrekt und sprachlich sinnvoll sein soll. Ich diskutierte damals lange mit den SEO-Technik-Menschen, die die Keywords vorgegeben hatten. Doch die Lösung war dann ganz einfach: Die Worte mussten zwar wirklich in genau dieser Reihenfolge und als Substantive fallen (Ich hatte zunächst von „Immobilien verkaufen in Erfurt“ geschrieben, das ging aber nicht.), aber ich lernte, dass Google Bindestriche nicht weiter interessieren. Im Text wurde also „Immobilien-Verkauf Erfurt“ daraus und alle waren glücklich.

Seither beschäftige ich mich intensiver mit SEO und bin ganz fasziniert, was da alles geht. Deshalb will ich in diesem Jahr eine gute Weiterbildung zu dem Thema besuchen. Wer also Seminare oder Workshops dazu empfehlen kann, möge sich unbedingt melden – hier in den Kommentaren oder per Mail.

Größte Herausforderungen: Ego zügeln und Eintönigkeit verhindern

Viele Firmen, die diese Agentur beauftragen, um ihren Webauftritt zu über- oder ganz neu zu erarbeiten, sind kleine oder mittelständische Unternehmen. Die wenigsten haben vor meinem Anruf schon mal mit einem professionellen Texter zusammengearbeitet. Ich weiß nie, was mich erwartet: Es gibt ruppige Kunden, charmante. Solche, mit denen ich mich so verplaudere, dass aus dem geplanten halbstündigen Telefonat ein anderthalbstündiges Gespräch wird, aber auch solche, bei denen ich nur sehr schwer mehr als die harten Fakten erfahre und auf große Vorbehalte stoße, wenn ich anrege, die Texte ein bisschen persönlicher zu gestalten, um nicht so verwechselbar zu sein. Jeder Auftrag fordert mich doppelt: Als Texterin, aber auch in meiner Fähigkeit, Menschen ein gutes Gefühl zu geben, damit sie auftauen, mir vertrauen und offen mit mir reden. Das ist großartig!

Die größte Herausforderung aber ist, die Texte trotz aller Erfahrung und Routine nie gleich klingen zu lassen. Deshalb frage ich im Vorgespräch nicht nur die wichtigsten Informationen ab, sondern will vor allem wissen, WIE die Kunden ihre eigenen Kunden ansprechen wollen. Und so wird die Seite für den Zahnarzt eben eher sachlich, während die für die Physiotherapeutin stärker emotionalisiert. Beide bieten Heilbehandlungen an, aber ihr Ansatz, ihre Kommunikation und nicht zuletzt ihre Persönlichkeiten sind unterschiedlich und das soll sich widerspiegeln.

Die zweitgrößte Herausforderung ist schwieriger zu bewältigen: Sie liegt in meinem Ego. Das muss beim kommerziellen Texten den Kopf einziehen. Aber wenn ein Kunde meine sorgfältig gebauten und geschliffenen Texte so umstellt oder umschreibt, dass in meinen Augen schöne, flüssige Übergänge ruiniert sind und Sprachbilder, die ich wunderschön fand, gnadenlos gestrichen werden, weil der Kunde sie einfach nicht mag, dann ist es manchmal ganz schön schwer, das sensible Kreativen-Ego in die Ecke zu stellen. Umso größer aber ist die Genugtuung, wenn es gelingt, sich ein echter Austausch über die Texte entwickelt, wir gemeinsam noch mal feilen und schreiben und am Ende ein Text entsteht, mit dem sich mein Kunde identifiziert – und den ich ebenso mag.

Lieblingsaufträge: Ich will mehr davon!

Und dann gibt es noch die Highlights, die Aufträge, bei denen schon von Anfang an alles stimmt. Bei denen ich sofort ein Gefühl für Branche, Produkt und Kunde habe und es mir gelingt, das in Texte umzusetzen. Aufträge, bei denen die Zusammenarbeit Spaß macht und ich am Ende richtig stolz bin. Aufträge wie der für die Gartenbaufirma (die neue Seite ist noch nicht online), deren Chef sich sehr über mich und mein eher ambivalentes Verhältnis zu Pflanzen amüsierte (Ich töte unbeabsichtigt, durch übergroße Fürsorge sogar Kakteen.). Oder die ehemalige Bankerin, die sich mit einem Shop für ausgefallene Kissen eine Traum erfüllt (Seit unserem Gespräch bin ich überzeugt davon, dass ich ein Zirbenkissen BRAUCHE. Unbedingt.).

Ich genieße diese Art der Texterei und hätte gern (noch) mehr davon. Sind Sie Mitarbeiter einer Agentur, die gute Texter auf Honorarbasis (pauschal pro Text oder Stundensatz) sucht? Dann freue ich mich über eine Nachricht von Ihnen. Sind Sie kein Mitarbeiter einer solchen Agentur? Dann freue ich mich umso mehr, dass Sie diesen Blog gefunden und diesen Post bis zum Ende gelesen haben – und vielleicht mögen Sie ihn ja auch teilen und verbreiten? Vielen Dank!

Frohe Weihnachten!

Und schon ist sie wieder vorbei, die Adventskalender-Zeit. 24 Türchen haben Sie mit mir geöffnet und ich hoffe, Sie haben 24 Mal gelacht, gelernt, probiert, diskutiert, nachgedacht. Heute, am Tag des Heiligabend, gebe ich Ihnen meine persönlichen 24 Wünsche für die kommenden Festtage und das neue Jahr mit auf den Weg. Möge es für Sie und Ihre Liebsten eine Zeit sein voller

  1. Frieden
  2. Fröhlichkeit
  3. Gemeinsamzeit
  4. Ruhe
  5. Gelassenheit
  6. Leidenschaft
  7. Zufriedenheit
  8. Glück
  9. Gesundheit
  10. Erfolg
  11. Überraschungen
  12. Herausforderungen
  13. Verbundenheit
  14. Energie
  15. Ausgeglichenheit
  16. Pausen
  17. Lächeln
  18. Freundlichkeit
  19. Höflichkeit
  20. Nachdenklichkeit
  21. Staunen
  22. Freude
  23. Ausgelassenheit
  24. Barmherzigkeit

Frohe Weihnachten Ihnen und Ihren Liebsten und ein glückliches, neues Jahr wünscht

Anita Grasse
von Komplextext

Worauf Brautpaare bei einer freien Trauung achten sollten

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal ein Paar getraut. Nun bin ich keine Standesbeamtin und auch keine Pfarrerin, diese Trauungen sind also weder vor dem Staat noch der Kirche bindend, aber immer mehr Paare entscheiden sich – zusätzlich zum Verwaltungsakt – für eine solche freie Trauung.

Für mich ist das eine ganz besondere Aufgabe. Reden halte und schreibe ich viele. Als Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes gehört das dazu und macht mir Spaß. Ich finde es toll, wenn ich Stimme und Sprache – meine beiden großen Talente – gemeinsam einsetzen kann, um Menschen zu faszinieren, zu amüsieren und zu überzeugen.

Aber eine Traurede ist eben keine normale Rede. Genau genommen, ist sie ein permanenter Balanceakt: Sie soll persönlich sein, aber nicht zu intim, denn nicht nur das Brautpaar, auch die Gäste sollen sie ja verstehen und mitfühlen können. Sie soll amüsant sein, aber nicht lächerlich, berührend, aber nicht traurig oder melancholisch. Dass eine Traurede erfolgreich war, weiß ich, wenn mein Brautpaar ständig zwischen Lachen und Seufzen wechseln muss – und auch die eine oder andere Träne aus Rührung fließt.

Damit das passiert, investiere ich extrem viel Zeit in die Vorbereitung. Mindestens zwei Stunden dauert ein Vorgespräch mit dem Brautpaar üblicherweise. Dabei geht es einerseits darum, sich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, denn nur wem man vertraut, dem verrät man auch die Höhen und Tiefen der eigenen Beziehung.

In diesem Vorgespräch arbeite ich aber auch einen Fragenkatalog ab, der mir bei der Vorbereitung hilft. Lustigerweise tauchen dabei immer mal wieder Fragen auf, die mein Brautpaar noch gar nicht bedacht hat, die aber für die ganze Trauung, nicht nur die Zeremonie selbst, relevant sind.

So will ich zum Beispiel wissen:

  1. In welchem Still wird die Feier und damit auch die Zeremonie abgehalten (ganz traditionell, sehr feierlich, lustig, wie eine große Party, intim und persönlich, sachlich, …)?
  2. Möchten Sie die traditionelle Trauformel („…Dann sagen Sie jetzt ‚Ja!‘“) oder möchten Sie ein eigenes Ehegelübde schreiben (wenn ja, soll ich das in die Rede einbinden oder lesen Sie es selbst vor?)?
  3. Haben Sie ein Gedicht oder Zitat, das zu Ihrem Trauspruch werden soll?
  4. Sollen Familie oder Freunde eingebunden werden, indem sie etwa Segenssprüche oder Fürbitten vortragen?
  5. Sollen die Ringe vor dem Tausch durch die Reihen der Zuschauer gereicht werden, die ihnen dabei Segen und gute Wünsche mit auf den Weg geben können?
  6. Soll Musik gespielt werden? Wenn ja, welche, an welcher Stelle der Zeremonie und wer kümmert sich darum, dass ein Abspielgerät und die CD am Tag vor Ort sind?
  7. Wie möchten Sie die Zeremonie einläuten: Gäste und Brautpaar betreten den Trauraum gemeinsam; Gäste nehmen Platz, Bräutigam kommt, erst dann feierlicher Einzug der Braut; Braut und Bräutigam laufen gemeinsam ein;…) und wie soll der Ausmarsch gestaltet werden?

Aber der größte Teil des Vorgespräches dient mir dazu, die gemeinsame Geschichte des Paares zu erfragen. Und das aus gutem Grund: Bei fast allen Trauungen, die ich bisher auf Standesämtern erlebt habe, waren mir die Reden ein Gräuel. Manchmal waren die Standesbeamten zumindest rhetorisch geschult. Dann verzettelten sie sich wenigstens nicht zwischen Schachtelsätzen und Zitaten über die Liebe. Aber selbst diese guten Standesbeamten hielten meist austauschbare Reden. Das Paar, das gerade vor ihnen saß, kam darin persönlich kaum vor. Es waren allgemeine Reden über die Liebe, Beziehungen, die Ehe, Partnerschaft und was sie einen gibt und kostet.

Auch in meinen Reden kommen diese Themen vor. Sie sind einfach wichtig und gehören zu einer Trauung, aber ich finde, dass sie eben nur ein Teil der Hochzeitszeremonie sein sollten – und nicht der größte. Ich konzentriere mich in meinen Traureden ganz auf das Paar, das sich an diesem Tag ein Versprechen geben will. Deshalb benutzte ich auch keine Rede ein zweites Mal. Diese Rede ist – wie die Ringe, der Brautstrauß und das Kleid – ganz persönlich für dieses eine Paar. Um aber eine wirklich individuelle Rede schreiben zu können, muss sich das Brautpaar öffnen, mir vertrauen, denn nur dann beantworten sie auch Fragen wie diese ehrlich und ausführlich, die ich im Vorgespräch stelle:

  1. Wie haben Sie sich kennengelernt?
  2. Wie war Ihr allererstes, offizielles Rendezvous?
  3. Wann war Ihnen klar, dass es für immer ist?
  4. Worüber haben Sie sich zum ersten Mal gestritten?
  5. Wie war Ihr erster gemeinsamer Urlaub?
  6. Welche Eigenschaften mögen Sie an Ihrem Partner am liebsten?
  7. Welche Eigenschaften Ihres Partners gehen Ihnen richtig auf die Nerven?
  8. Worüber können Sie gemeinsam lachen?
  9. Worüber streiten Sie regelmäßig?
  10. Teilen Sie Hobbys? Welche?
  11. Wie halten Sie Ihre Liebe lebendig?
  12. Was ist für Sie das Wichtigste an einer Partnerschaft?
  13. Was wünschen Sie sich für Ihre Ehe?
  14. Wenn Sie in zehn Jahren auf Ihren Hochzeitstag zurückblicken: Wie möchten Sie dann fühlen, was möchten Sie denken?
  15. Gab es in Ihrer gemeinsamen Geschichte Situationen, die Ihre Beziehung auf die Probe gestellt haben? Welche und wie haben Sie sie gemeistert?
  16. Wenn Sie an sich als Paar denken: Welches Erlebnis, welche Anekdote kommt Ihnen als erstes in Erinnerung?

Aus all diesen Antworten filtere ich Informationen, die für mich den Unterschied zwischen einer passablen und einer tollen Traurede machen. Aber – und das ist mindestens ebenso wichtig – ich bekomme nicht nur Fakten, sondern vor allem ein Gefühl dafür, wie das Brautpaar tickt. Ich spüre, ob die beiden ironische Anspielungen in Ihrer Trauung sympathisch fänden oder furchtbar, ob es ein bisschen anzüglich sein soll oder lieber ganz seriös, ob Sie sehr sachlich sind oder üppige sprachliche Bilder als festlich und angemessen empfinden.

Dieses Vorgespräch ist für mich als Traurednerin also beinahe wichtiger als die Trauung selbst. Deshalb empfehle ich jedem Paar, ob es sich nun von mir trauen lassen will oder nicht: Planen Sie genug Zeit dafür ein! Ich weiß, wenn Sie in der Planung Ihrer Hochzeit an der Stelle sind, an der Sie sich um einen Trauredner kümmern, haben Sie Zeit am allerwenigsten, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie es nicht bereuen werden. Im Gegenteil: Haben Sie einmal zwei Stunden investiert (und hat am Ende die Chemie gestimmt), können Sie diesen Punkt beruhigt von Ihrer Liste streichen, müssen nicht mehr ständig nachhaken und haben den Kopf frei für all die anderen tausend Details, die noch auf Sie warten.

Welche Bilder darf ich veröffentlichen?

Den Facebook-Auftritt eines philharmonischen Orchesters zu betreuen, ist spannend. Ein Thema, das ich dabei immer wieder mit den Mitarbeitern der Intendanz diskutiere, sind die Bilder. Von fast allen Konzerten, aber auch von Gastspielen und Konzertreisen veröffentlichen wir Bilderstrecken. Die erzielen hervorragende Reichweiten – nur übertroffen von Videos. Aber hinter den Bildern steckt ein großer Aufwand und damit meine ich nicht nur den des Fotografen, sondern vor allem den der juristischen Prüfung. Bei jedem Bild müssen wir abwägen, ob wir es überhaupt veröffentlichen dürfen.

Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte prüfen

Um das zu entscheiden, muss ich mich in vier Rechtsgebieten bewegen: Urheberrecht, Persönlichkeitsreich, Hausrecht und unter Umständen das Markenrecht. Letzteres ist bei diesem Orchester in der Regel zu vernachlässigen, aber es wäre relevant, würden Musiker zum Beispiel auf einer Messe spielen und die Logos großer Marken wären dick im Bild. Auch das Urheberrecht ist in unserem Fall geklärt. In der Regel sind die Bilder von den Musikern oder Mitarbeitern des Orchesters und werden explizit für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Bei Werken von fremden Fotografen holen wir stets die Erlaubnis zur Veröffentlichung ein, bevor wir etwas posten (Achtung: Explizit die Erlaubnis zur Veröffentlichung in sozialen Netzwerken einholen, nicht einfach nur pauschal um Veröffentlichungsgenehmigung bitten. Viele Fotografen geben die Bilder für eine Website oder Prospekt frei, sehen sie aber nicht gern auf Facebook und Co.).

Bleiben noch das Hausrecht und die Persönlichkeitsrechte. Ersteres ist schnell erklärt: Der Hausherr darf entscheiden, ob Fotos gemacht und vor allem ob sie veröffentlicht werden dürfen. Verbietet er das, hat man sich daran zu halten. Fertig.

Das Recht am eigenen Bild

Die Persönlichkeitsrechte, hier konkret das Recht am eigenen Bild, sind dann aber schon wesentlich schwieriger zu prüfen. Geregelt sind sie im Kunsturhebergesetz und zunächst einmal gilt auch hier: Jeder darf selbst entscheiden, welches Bild von ihm der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dabei ist wichtig, dass in diesem Fall nicht das Fotografieren, sondern wirklich nur die Veröffentlichung der Bilder gemeint ist. Anfertigen dürfen Sie, ganz grob betrachtet, also fast jedes Bild. Zur Veröffentlichung brauchen Sie aber die Genehmigung der abgebildeten Person. Theoretisch.

Praktisch ist das kaum umzusetzen. Stellen Sie sich die Situation im Konzert vor: Einer der Musiker macht zum Beispiel ein Bild von der Bühne, das zufällig auch die erste Reihe der Zuschauer zeigt. Es ist unmöglich, jeden einzelnen davon zu fragen, ob wir das Bild auf Facebook posten dürfen. Für solche Fälle sieht das Gesetz Ausnahmen vor. Trifft eine davon zu, darf das Bild auch ohne Einwilligung veröffentlicht werden. Diese Ausnahmen sind:

  • Zeitgeschichtliches Ereignis
  • Beiwerk
  • Versammlung/Aufzug

Ein zeitgeschichtliches Ereignis ist dabei definiert als etwas, bei dem das sogenannte Informationsinteresse der Öffentlichkeit stärker wiegt das die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten. Legt man das streng aus, trifft das auf nur wenige Veranstaltungen zu. Der G7-Gipfel wäre unzweifelhaft ein solches Ereignis oder auch beispielsweise Gerichtsprozesse wie der zum NSU. Aber die Gerichte sind an dieser Stelle sehr großzügig und legen in der Rechtsprechung oft auch Feste, Bälle, Galen oder Tage der offenen Tür als „zeitgeschichtliches Ereignis“ aus. Das heißt also: Wer eine solche Veranstaltung besucht, muss damit leben, dass er fotografiert und das Bild veröffentlicht wird.

Allerdings gilt das nicht für Nah- oder Porträtaufnahmen. Das Bild ist nur dann gestattet, wenn es das Ereignis in den Mittelpunkt stellt, nicht die abgebildete Person. Bei einem Konzert ein Foto von den Besuchern zu machen, ist also vermutlich zulässig – wenn sie sichtbar im Konzert, also etwa vor der Bühne und den Musikern abgebildet sind. Ein Porträtfoto von einem von ihnen, das auch überall sonst entstanden sein könnte, ist dagegen nicht mehr erlaubt.

Die zweite Ausnahme ist das Beiwerk, soll heißen: Ist der Mensch auf dem Bild nur Nebensache, weil es sich eben nicht vermeiden ließ, ihn mit abzulichten, dann kann er gegen die Veröffentlichung des Fotos nichts tun. Diese Ausnahme greift zum Beispiel häufig, wenn Sehenswürdigkeiten oder Straßenzüge in Städten abgelichtet werden. Es ist schlicht unmöglich, das Brandenburger Tor ohne Menschen zu fotografieren. Wenn das Foto also ganz klar ein anderes Motiv als den Menschen in den Mittelpunkt stellt, gilt er als Beiwerk und muss mit der Veröffentlichung des Fotos leben. (Es sei denn, es greift die Ausnahme von der Ausnahme, aber dazu später mehr.)

Die letzte Ausnahme im Gesetzt betrifft Aufzüge und Versammlungen, also alle Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammenkommen, um einen einheitlichen Willen öffentlich zu bekunden. Klassischer Fall hierfür: Demonstrationen. Würden wir also ein Bild posten, auf dem viele Menschen gegen den Sparkurs der Landesregierung in der Kulturlandschaft protestieren, müssten wir sie nicht um Erlaubnis für die Veröffentlichung bitten. Aber: Auch hier gilt, wie beim zeitgeschichtlichen Ereignis, dass diese Ausnahme nur greift, wenn das Bild die Veranstaltung abbildet und nicht einzelne Menschen. Je mehr Menschen zu sehen sind, umso besser. Weniger als sechs sollten es jedenfalls nicht sein.

Übrigens, die sogenannten absoluten und relativen Personen der Zeitgeschichte, die die Rechtsprechung zum Recht am eigenen Bild früher kannte, gibt es so nicht mehr. Alle diese oben genannten Regeln gelten heute also auch für Prominente. Allein die Tatsache, dass sie berühmt und bekannt sind, rechtfertigt heute nicht mehr, dass man Bilder ohne ihre Einwilligung verbreitet.

Prüfschema zum Recht am eigenen Bild

Zurück zum Orchester: Nehmen wir mal an, wir haben Bilder von einem Picknick-Konzert, das in einem kleinen Schlosspark stattfand und wollen diese veröffentlichen. Um die Bildrechte zu klären, gehen wir jetzt streng nach Prüfschema vor:

  1. Liegt die Einwilligung der Abgebildeten vor?
  2. Trifft eine Ausnahme des Gesetzes zu?

Ersteres verneinen, letzteres bejahen wir und entscheiden auf zeitgeschichtliches Ereignis. Doch damit ist es noch nicht getan, denn jetzt kommt Stufe drei des Prüfschemas – die Ausnahme von der Ausnahme:

  1. Verletzt eine Veröffentlichung berechtigte Interessen der Abgebildeten?

Nehmen wir zum Beispiel an, auf einem der Bilder ist eine Zuschauerin zu sehen, die zu diesem Konzert nur ein luftiges Top trug. Als das Bild entstand, beugte sie sich gerade zu ihrem Picknickkorb herunter und die Perspektive des Fotografen war so ungünstig, dass man ihr bis zum Bauchnabel sehen – und gut erkennen kann, dass sie keinen BH trägt.

Abwägung zwischen Persönlichkeitsrechten und Informationsinteresse der Öffentlichkeit

Nach den Regeln oben – zeitgeschichtliches Ereignis ist bestätigt – könnte die Dame nichts gegen die Veröffentlichung des Bildes machen. Kann sie aber sehr wohl. Denn im letzten Schritt der Prüfung müssen wir abwägen: Wiegen die Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten schwerer oder das Informationsinteresse der Öffentlichkeit? Säße die Dame einfach nur auf ihrer Decke, könnte sie kaum eine Persönlichkeitsrechtsverletzung geltend machen. Aber durch die Abbildung ihrer nackten Brust ist sie in ihrem „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzt, das Bild ist so intim, dass sie es nicht hinnehmen muss, so aller Welt gezeigt zu werden. In diesem Fall würden wir das Foto also nicht in die Diaschau aufnehmen – auch wenn es immer noch ein zeitgeschichtliches Ereignis abbildet.

Kinder sind besonders geschützt – auch in Sachen Bildrechte

Besondere Vorsicht ist übrigens geboten, wenn Kinder fotografiert werden. Das Orchester gibt zum Beispiel häufig Konzerte für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen. Dabei kommt es schon mal vor, dass diese Kinder auch auf der Bühne mitmachen dürfen und natürlich möchten wir das auch gern auf Facebook zeigen, doch das ist riskant. Grundsätzlich gilt: Kinder sind vom Gesetzgeber besonders geschützt und das gilt auch für Abbildungen von ihnen. Deshalb reicht es nicht, wenn begleitende Lehrer oder ein Elternteil die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilen. Rein juristisch müssen alle erziehungsberechtigten Personen zustimmen, nur dann darf das Bild veröffentlicht werden.

Außerdem sollte diese Einwilligung – aber das gilt auch bei Erwachsenen – möglichst schriftlich und so konkret wie möglich erfolgen. Also nicht „Hiermit erlauben wir, dass Fotos unseres Kindes veröffentlicht werden“, sondern: „Hiermit gestatten wir, dass Fotos unseres Kindes auf der Website, in gedruckten und digitalen Werbemitteln sowie auf sozialen Netzwerken (des Orchesters/der Schule etc.) veröffentlicht werden dürfen.“

Die Ausnahmen, die das Gesetz vorsieht (zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk und Aufzug/Versammlung) gelten zwar auch, wenn Kinder abgebildet sind, aber erstens müssen Sie dann noch genauer darauf achten, auch wirklich das Ereignis oder Hauptmotiv in den Mittelpunkt zu stellen und zweitens sind Gerichte, wenn es zum Streit kommt, gerade im letzten Punkt des Prüfschemas außerordentlich kritisch und neigen viel früher dazu, eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung zu sehen als bei Erwachsenen.

Bei Kindern gilt deshalb also: Liegt keine Einwilligung zur Veröffentlichung vor, verzichten Sie lieber auf das Bild!

Zusammenfassung:

Ob Sie ein Bild anfertigen und veröffentlichen dürfen, hängt ab von: Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht, Persönlichkeitsrechten. Bei letzterem prüfen Sie: 1. Liegt die Einwilligung des Abgebildeten zur Veröffentlichung vor? 2. Wenn nein, trifft eine dieser Ausnahmen zu, bei denen keine Einwilligung nötig ist: zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk, Versammlung/Aufzug? 3. Wenn ja, werden bei einer Veröffentlichung berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt?

Wollen Sie es genauer wissen? Dann empfehle ich dieses Buch.

Philosophie und Sprache

Mit Philosophie habe ich es gewöhnlich nicht so. „Sophies Welt“ habe ich nach der Hälfte zur Seite gelegt, weil es mir derart auf die Nerven ging, dass da zwei Bücher in einem verarbeitet wurden. Wenn es spannend wurde, gab es ständig einen Bruch und es ging mit der anderen Geschichte weiter.

Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel und heute habe ich einen Gastbeitrag für Sie, der philosophisch ist und den ich trotzdem sehr gern gelesen habe (mehrfach) und über den nachzudenken sich übrigens auch lohnt. Er stammt von Doreen Huth, studierte Philosophin und Redakteurin beim Freien Wort:

Das Leben in der Seifenblase

Zunächst einmal möchte ich meiner lieben Freundin Anita danken, dass ich hinter ihrem Türchen einen Text beisteuern darf zu ihrem Adventskalender. Und zugleich muss ich mich entschuldigen, denn es wird jetzt philosophisch. Ich kann nicht anders.

In der Vorweihnachtszeit beschäftigen mich weniger Christbaumkugeln als Seifenblasen. Digitale Seifenblasen. Damit wird ein Phänomen beschrieben, dass jeden betrifft, der sich im Internet auf irgendeine Weise bewegt. Intelligente Algorithmen helfen uns nicht nur bei der Suche nach Informationen im Internet, sie schränken uns auch ein. Google, Facebook und Co. durchforsten unsere Eingaben und filtern aus ihnen Interessen, Überzeugungen und Abneigungen heraus, um uns persönlich zugeschnitten mit Informationen und Angeboten zu versorgen. Ich fühle manchmal wie die Menschen der Zukunft in dem Pixa-Film „Wall-E“, die fremdgesteuert auf Liegen gelagert von einer künstlichen Intelligenz durch ein Raumschiff gelenkt werden. Ihnen wird eine selbstbestimmte Welt durch manipulierende Knopfdrucke nur vorgegaukelt. Ihre Umgebung und ihre Mitmenschen nehmen sie nicht wahr.

So. Und nun wird es philosophisch. So wie die Menschen in dem Animationsfilm geht es den Menschen in Platons Höhlengleichnis. In Ketten gelegt leben sie in einer Höhle und kennen nur die Schatten an der Wand, die durch ein Feuer hinter ihnen entstehen. Sie halten sie für real, sie bauen darauf ihre Überzeugungen auf. Nun befreien sich die ersten, drehen sich um, erkennen das Feuer und sehen einen Höhlenausgang. Sie erklimmen ihn und kommen ans Tageslicht. Sie entdecken eine neue, DIE Wahrheit. Natürlich wollen sie ihren Freunden in der Höhle davon erzählen, sie  aus der vorgegaukelten Welt befreien. Doch viele wehren sich, glauben ihnen nicht, greifen die „Befreier“ an. Nur wenige folgen ihnen. (Wer jetzt an Pegida-Veranstaltungen oder die Inquisition denkt, ist auf der richtigen Spur.) Platon beschreibt so die Suche nach der Wahrheit.

Wir gehen ein paar Jahrhunderte weiter. Vom Mittelalter mal abgesehen, sind seitdem alle Philosophen auf der Suche nach der Wahrheit. Sie befreien sich aus den Ketten einer vorgegebenen Welt, hinterfragen, denken über angelernte Überzeugungen nach. René Descartes nimmt ihnen auch diese Illusion. Was, wenn diese schöne, neu errungene Welt auch nicht wahr ist? Was, wenn sie uns von einem bösen Dämon im Schlaf vorgegaukelt wird und wir nicht wissen, ob wir wach sind oder träumen? Worauf verlassen wir uns nun? Der Skepsis folgt die Analyse. Descartes erkennt, dass alles, was er erkennen kann, ist, dass er erkennt. „Ich denke, also bin ich.“ Alles andere ist anzweifelbar. Wer darüber genauer nachdenkt, gerät in tiefste Betrübnis, also schnell wieder zurück in die Höhle, in die Blase.

Will ich wissen, wer der Dämon meiner Träume ist? Will ich wissen, was außerhalb meiner Blase passiert? Will ich ungefiltert Informationen aufnehmen? All diese Fragen stellen sich dem Skeptiker nicht. Er wird immer auf seine eigene, fehlerhafte Wahrnehmung beschränkt sein. So etwas wie Wahrheit gibt es in seiner Welt nicht. Wahrscheinlich nicht mal andere Menschen oder die Welt selbst, die nur Phänomene seines Selbst sind. Und auch hier hilft Hollywood. Welche Pille würden sie schlucken? Die blaue oder die rote? Neo wählt die rote und blickt hinter die Matrix… Sein Ausgang aus der Höhle ist ein sehr düsteres Szenario.

Also finden wir uns damit ab, dass wir alles um uns rum gefiltert wahrnehmen. Haben auch die Philosophen irgendwann gemacht, wahrscheinlich ihrer geistigen Gesundheit wegen. Sie erwachten aus der Ohnmacht und suchten nach der einen Sache, mit der sich die allumfassende Blase am besten greifen lässt. Sprache. Sprache aber funktioniert logisch und Logik ist im weitesten Maß allgemeingültig (wir erinnern uns: es gibt keine Wahrheit). In der Philosophie sogar allgemeingültiger als Gott. Wie bilden wir unsere Welten durch Sprache ab? Michel Foucault nennt es „Diskurse“, in denen ein Verständnis von Wirklichkeit aufscheint. Ich erspare dem Leser hier mal die Kommunikationstheorien von Paul Watzlawick. Sich mit Sendern und Empfängern und der Botschaft dazwischen auseinanderzusetzen, ist ein Mysterium, das weitaus komplizierter ist als eine gestandene Fernbeziehung voller Eifer- und Sehnsucht.

Bleiben wir beim Individuum, das versucht, seine Welt sprachlich zu fassen. Diskurse sind voneinander abgegrenzt und unterliegen damit gewissen Regeln. Wer sich in ihnen bewegt, grenzt sich ab. Ingenieure nutzen andere Worte, um ihr Wissen auszudrücken, als Literaten. Ein Rapper ist kein Opernsänger und ein Politiker nicht (mehr) der kleine Mann des Volkes und schon gar nicht Satiriker. Sprache grenzt ab und schafft Diskurse, die es uns erlauben, Dinge zu erfassen. Wir unterwerfen uns dann aber auch ihren Regeln. Damit haben Diskurse immer Macht. Ihre Teilnehmer entscheiden, wer sie betritt und wer nicht.

Und was ist Facebook anderes als ein streng definierter Diskurs? Foucault hätte an diesem „sozialen“ Netzwerk seine wahre Freude gehabt, nicht nur, weil er Geld abwirft für seinen Erschaffer. Zumal sich die Mehrheit seiner Nutzer frei in ihm fühlt. Der altmodische Begriff des Diskurses ist durch die „digitale Seifenblase“ abgelöst worden. Sie gaukelt einen Zugang zur ganzen Welt vor und filtert doch nach ganz eigenen, willkürlichen Regeln. Regeln, die uns der Schaffer auferlegt, die wir aber auch selbst setzen. Wir legen uns wieder freiwillig die Ketten an, nicht nur in den AGBs.

Dass ich in einer selbst erschaffenen Seifenblase lebe, merke ich aus dem Privileg meines Berufs heraus, der es mir erlaubt, kurze Blick in andere Seifenblasen zu werfen. Ich rede mit Menschen, die nicht zu meiner digitalen Welt gehören. Sie denken anders als ich, reden anders, handeln anders. Sie haben andere Sorgen, lachen über andere Dinge und definieren sich über andere Überzeugungen. Sollte ich sie in meine Blase lassen? Muss ich nicht, auch wenn wir es gern als Horizonterweiterung verstehen. Die „Anderen“ drängen sich schon so in meine Blase, über Kommentarfunktionen und vernetzte Bekanntschaften. Die Macht über die von mir geschaffene Blase liegt nicht allein in meiner Hand, aber ich möchte in ihr nicht in Ketten leben. Ich will mich frei in ihr bewegen, sie auch mal verlassen können. Auch in Platons Höhle erstiegen die Befreiten den Ausgang, schauten ins Sonnenlicht, merkten, wie die Augen schmerzten und kehrten um. Sie wollten nicht wissen, was hinter der Sonne ist. Aus Angst, aus Sehnsucht nach der guten alten Höhle.

Auch ich fürchte gewisse Erkenntnisse außerhalb meiner Seifenblase. Sie drehen sich in der Hauptsache um die Dummheit der Menschheit und die Endlichkeit unseres Lebens auf diesem Planeten, den wir gerade sehenden Auges zerstören. Ich weiß um diese Dinge, weil ich gewisse Dinge in meiner Blase zulasse. Glaubwürdige Medien etwa. (Obwohl ich das grundsätzliche Problem, die Anzweifelung der Welt an sich, nie ausblenden kann. Es ist sogar ein kleiner Trost geworden.) In meiner Seifenblase bewegen sich Meinungen, die ich teile, die sich von meinen unterscheiden, die sich aber dennoch immer in meinem – zugegebenermaßen sehr weiten – Toleranzbereich bewegen. Sie vertreten ziemlich jede Bildungsschicht und Gesinnung, außer die ganz rechte. Sie ecken an und bestärken mich. Sie machen mich nachdenklich und führen dazu, dass ich meine Seifenblase immer dann hinterfrage, wenn ich es mir in ihr allzu bequem mache. Aber das wichtigste ist: Sie geben mir das Gefühl, in vielem nicht allein dazustehen. Der Vorteil einer jeden Blase.

In diesem Sinne, frohe Weihnachten in meiner Höhle. Und Platon muss draußen bleiben – vorerst.

Buchtipps für Kreative und solche, die es werden wollen

Heute habe ich einen weiteren Buchtipp für Sie:

Handbuch Kreativität
Bernd Weidenmann
Beltz Verlag
ISBN: 978-3-407-36490-6
39,95 €

Ich benutze Übungen aus diesem Buch häufig, wenn es in meinen Seminaren darum geht, Schreibblockaden zu lösen, Themen zu finden (die häufigste Frage in Blogging-Seminare: Wie finde ich denn bloß genug Themen?) oder neue, kreative Texteinstiege zu finden.

Aber das Buch kann auch mehr. Es bietet einen Überblick über die klassischen Kreativitätstechniken, die in Unternehmen zum Beispiel auch angewandt werden können, um Probleme zu lösen, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln oder Arbeitsabläufe zu verbessern.

Und darüber hinaus macht es ganz nebenbei auch noch eine Menge Spaß, die Ideen aus diesem Buch auszuprobieren.

Schreiben Sie Tagebuch – mit der Hand!

Wann haben Sie zum letzten Mal mit der Hand geschrieben? Ich meine, so richtig: einen Brief, eine Karte oder Tagebuch, nicht einfach nur den Einkaufszettel. Ich weiß schon, was viele von Ihnen jetzt antworten werden: „Dafür habe ich keine Zeit!“ Aber wenn Sie ehrlich sind, ist das eine Ausrede. Und es lohnt sich wirklich, sich die Zeit zu nehmen.

Ich habe vor einigen Jahren angefangen, Tagebuch zu schreiben. Mit der Hand. Auf edlem Papier in sauteuren, aber umwerfend schönen Notizbüchern, die auch im Regal gut aussehen. Und ich kann Ihnen nur raten, das auch mal zu versuchen. Zünden Sie die Kerzen im Adventsgesteck an, kochen Sie sich eine Kanne guten (!) Tee, kaufen Sie sich Heft und Stift, die Ihnen ein gutes Schreibgefühl geben – und dann legen Sie los.

Erfinden Sie Ihre eigene Version eines Tagebuchs!

Und keine Sorge: Das heißt nicht, dass sie jetzt jeden Abend akribisch aufschreiben sollen, was am Tag passiert ist. Ihr Tagebuch muss nicht unbedingt eine Chronik sein. Wie Sie ein Tagebuch gestalten, ist ganz Ihnen überlassen. Sie können täglich schreiben oder auch nur alle paar Wochen. In Stichworten, als Erörterung oder Essay oder indem Sie eine fiktive Geschichte erfinden. Sie können über Ihren Tag, Ihre Gedanken und Gefühle schreiben, aber auch über das aktuelle Geschehen um Sie herum, über Ihr Hobby oder Sie erschaffen Ihr eigenes Utopia. Sie können einfach nur schreiben oder Ihre Einträge mit Fotos, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten oder ähnlichem ergänzen. Wichtig ist nur eins: Schreiben Sie mit der Hand!

Das Schreiben mit der Hand rettet nicht nur eine Kulturtechnik, die durch Computer und Smartphones langsam verdrängt wird, sie unterstützt auch die Entwicklung und Verbesserung von Feinmotorik, kognitiven Fähigkeiten und Kreativität. Das haben verschiedene Studien bestätigt. Und: Sie schult Ihr Sprachgefühl. Unsere Sprache ist so vielfältig und voller Möglichkeiten. Doch wir benutzen im Alltag nur einen Bruchteil dessen, was sie für uns sein kann und was wir mit ihr ausdrücken könnten.

Zur Ruhe kommen und Probleme lösen

Ich für meinen Teil bringe mit dem Tagebuch schreiben mein Hirn zur Ruhe. Das kennen Sie sicher auch: Selbst, wenn das Tagespensum geschafft ist und Sie eigentlich nur noch auf der Couch entspannen wollen, drehen sich die Gedanken im Kreis und Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Ich fange dann an zu schreiben.

Wenn ich notiert habe, was mich beschäftigt, kann ich danach abschalten. Das hat zwei Gründe: Zum einen können die Dinge nicht mehr in Vergessenheit geraten. Sie sind ja notiert und ich kann am nächsten Arbeitstag problemlos nachlesen, was ich nicht vergessen wollte. Zum anderen verlieren viele Dinge an Bedeutung und/oder Schrecken, wenn sie aufgeschrieben sind, denn um sie zu notieren, muss ich sie sortieren und in konkrete Worte und Zusammenhänge fassen, während sie in meinem Kopf vorher eher als vage Gefühle und Gedanken chaotisch im Kreis waberten. Während ich sie aufschreibe, also konkretisiere, verlieren Sie an Übermächtigkeit und zugleich liefert das Schreiben die Lösung für die Probleme und Schwierigkeiten oft gleich mit.

Lesetipp:

Wenn Sie mehr über das Schreiben mit der Hand nachlesen wollen, kann ich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Ma vie“ empfehlen, die das gerade zum Titelthema erkoren hat.

Sprache im Rezept: Mamas Plätzchen

Dass ich nicht backen kann, dürfte nun hinlänglich bekannt sein. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch gern Süßes esse. Plätzchen gehören zwar normalerweise nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber diese hier habe ich schon als Kind geliebt:

Mamas Marmeladenplätzchen

Zutaten:

  • 1 Ei
  • 75 g Zucker
  • 1 Pck. Vanille-Zucker
  • 125 g Margarine
  • 250 g Mehl
  • Marmelade nach Geschmack

Zubereitung:

  1. alle Zutaten mischen und zu einem dünnen Teig ausrollen
  2. Formen ausstechen – und zwar immer zwei pro Motiv
  3. aus je einer Version jedes Motivs mittig einen kleinen Kreis ausstechen, so dass ein Loch entsteht
  4. Marmelade dünn auf der Motivversion ohne Loch verteilen
  5. Motivversion mit Loch passgenau auf das Pendant ohne Loch legen
  6. einen Klecks Marmelade in das Loch geben
  7. bei 180 Grad backen, bis die Plätzchen goldbraun sind
  8. noch warm mit Puderzucker bestäuben

Ich mag diese Plätzchen am liebsten mit Erdbeermarmelade, aber sie schmecken sicher auch mit allen anderen Versionen. Lassen Sie es sich schmecken!

Wortspiele

Die Adventszeit bis hierher war stressig genug – Zeit für ein kleines Wortspiel. Erinnern Sie sich noch an „Glücksrad“? Genau das spielen wir heute. Gesucht wird folgender Satz:

_ _ _ _ _ _ _ _ _, _ _ _ _ _ _ _ _   _ _ _ _ _ _, _ _ _ _ _ _   _ _   _ _ _ _ _ _.

Jetzt sind Sie dran: Wählen Sie einen Buchstaben aus, den ich dann einsetze, wenn er denn in diesem Satz vorkommt. Mal sehen, ob wir heute Abend die Lösung gefunden haben.