Hervorgehoben

Herzlich Willkommen bei Komplextext

Sie wünschen sich, dass Ihre Kunden und Partner Ihr Unternehmen in jeder Situation wieder erkennen? Dafür investierten Sie viel Geld und Sorgfalt in die Entwicklung von Leitlinien, Logos, Farben und Schriften? Dann nehmen Sie jetzt auch die letzte Hürde, um Ihren Auftritt wirklich aus einem Guss zu präsentieren: Investieren Sie nicht nur in den Rahmen, sondern auch in das Bild. Schaffen Sie für Ihre Kommunikationsmittel eine einheitliche Sprache. Egal, ob Flyer, Website, Coporate Blog oder Kundenmagazin – gemeinsam mit Ihnen entwickle ich Ihre Sprache, die Ausdrucksweise und Wirkung, die genau zu Ihrem Unternehmen passt. So erkennen Ihre Partner und Kunden Sie nicht nur optisch wieder, sondern auch sprachlich.

Überzeugen Sie sich davon, wie vielfältig und unterschiedlich Sprache eingesetzt werden kann: Stöbern Sie durch meinen Blog weiter unten auf dieser Seite oder sehen Sie sich in den Arbeitsproben Beispiele ganz verschiedener Corporate Publishing-Projekte an. Ein individuelles Angebot für Ihre Texte unterbreite ich Ihnen gern nach einem kostenlosen Erstgespräch. Melden Sie sich einfach bei mir, ich freue mich darauf!

Aus dem Adventskalender zum 24.12.2016

Frohe Weihnachten!

Und schon ist sie wieder vorbei, die Adventskalender-Zeit. 24 Türchen haben Sie mit mir geöffnet und ich hoffe, Sie haben 24 Mal gelacht, gelernt, probiert, diskutiert, nachgedacht. Heute, am Tag des Heiligabend, gebe ich Ihnen meine persönlichen 24 Wünsche für die kommenden Festtage und das neue Jahr mit auf den Weg. Möge es für Sie und Ihre Liebsten eine Zeit sein voller

  1. Frieden
  2. Fröhlichkeit
  3. Gemeinsamzeit
  4. Ruhe
  5. Gelassenheit
  6. Leidenschaft
  7. Zufriedenheit
  8. Glück
  9. Gesundheit
  10. Erfolg
  11. Überraschungen
  12. Herausforderungen
  13. Verbundenheit
  14. Energie
  15. Ausgeglichenheit
  16. Pausen
  17. Lächeln
  18. Freundlichkeit
  19. Höflichkeit
  20. Nachdenklichkeit
  21. Staunen
  22. Freude
  23. Ausgelassenheit
  24. Barmherzigkeit

Frohe Weihnachten Ihnen und Ihren Liebsten und ein glückliches, neues Jahr wünscht

Anita Grasse
von Komplextext

Aus dem Adventskalender zum 23.12.2016

Worauf Brautpaare bei einer freien Trauung achten sollten

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal ein Paar getraut. Nun bin ich keine Standesbeamtin und auch keine Pfarrerin, diese Trauungen sind also weder vor dem Staat noch der Kirche bindend, aber immer mehr Paare entscheiden sich – zusätzlich zum Verwaltungsakt – für eine solche freie Trauung.

Für mich ist das eine ganz besondere Aufgabe. Reden halte und schreibe ich viele. Als Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes gehört das dazu und macht mir Spaß. Ich finde es toll, wenn ich Stimme und Sprache – meine beiden großen Talente – gemeinsam einsetzen kann, um Menschen zu faszinieren, zu amüsieren und zu überzeugen.

Aber eine Traurede ist eben keine normale Rede. Genau genommen, ist sie ein permanenter Balanceakt: Sie soll persönlich sein, aber nicht zu intim, denn nicht nur das Brautpaar, auch die Gäste sollen sie ja verstehen und mitfühlen können. Sie soll amüsant sein, aber nicht lächerlich, berührend, aber nicht traurig oder melancholisch. Dass eine Traurede erfolgreich war, weiß ich, wenn mein Brautpaar ständig zwischen Lachen und Seufzen wechseln muss – und auch die eine oder andere Träne aus Rührung fließt.

Damit das passiert, investiere ich extrem viel Zeit in die Vorbereitung. Mindestens zwei Stunden dauert ein Vorgespräch mit dem Brautpaar üblicherweise. Dabei geht es einerseits darum, sich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, denn nur wem man vertraut, dem verrät man auch die Höhen und Tiefen der eigenen Beziehung.

In diesem Vorgespräch arbeite ich aber auch einen Fragenkatalog ab, der mir bei der Vorbereitung hilft. Lustigerweise tauchen dabei immer mal wieder Fragen auf, die mein Brautpaar noch gar nicht bedacht hat, die aber für die ganze Trauung, nicht nur die Zeremonie selbst, relevant sind.

So will ich zum Beispiel wissen:

  1. In welchem Still wird die Feier und damit auch die Zeremonie abgehalten (ganz traditionell, sehr feierlich, lustig, wie eine große Party, intim und persönlich, sachlich, …)?
  2. Möchten Sie die traditionelle Trauformel („…Dann sagen Sie jetzt ‚Ja!‘“) oder möchten Sie ein eigenes Ehegelübde schreiben (wenn ja, soll ich das in die Rede einbinden oder lesen Sie es selbst vor?)?
  3. Haben Sie ein Gedicht oder Zitat, das zu Ihrem Trauspruch werden soll?
  4. Sollen Familie oder Freunde eingebunden werden, indem sie etwa Segenssprüche oder Fürbitten vortragen?
  5. Sollen die Ringe vor dem Tausch durch die Reihen der Zuschauer gereicht werden, die ihnen dabei Segen und gute Wünsche mit auf den Weg geben können?
  6. Soll Musik gespielt werden? Wenn ja, welche, an welcher Stelle der Zeremonie und wer kümmert sich darum, dass ein Abspielgerät und die CD am Tag vor Ort sind?
  7. Wie möchten Sie die Zeremonie einläuten: Gäste und Brautpaar betreten den Trauraum gemeinsam; Gäste nehmen Platz, Bräutigam kommt, erst dann feierlicher Einzug der Braut; Braut und Bräutigam laufen gemeinsam ein;…) und wie soll der Ausmarsch gestaltet werden?

Aber der größte Teil des Vorgespräches dient mir dazu, die gemeinsame Geschichte des Paares zu erfragen. Und das aus gutem Grund: Bei fast allen Trauungen, die ich bisher auf Standesämtern erlebt habe, waren mir die Reden ein Gräuel. Manchmal waren die Standesbeamten zumindest rhetorisch geschult. Dann verzettelten sie sich wenigstens nicht zwischen Schachtelsätzen und Zitaten über die Liebe. Aber selbst diese guten Standesbeamten hielten meist austauschbare Reden. Das Paar, das gerade vor ihnen saß, kam darin persönlich kaum vor. Es waren allgemeine Reden über die Liebe, Beziehungen, die Ehe, Partnerschaft und was sie einen gibt und kostet.

Auch in meinen Reden kommen diese Themen vor. Sie sind einfach wichtig und gehören zu einer Trauung, aber ich finde, dass sie eben nur ein Teil der Hochzeitszeremonie sein sollten – und nicht der größte. Ich konzentriere mich in meinen Traureden ganz auf das Paar, das sich an diesem Tag ein Versprechen geben will. Deshalb benutzte ich auch keine Rede ein zweites Mal. Diese Rede ist – wie die Ringe, der Brautstrauß und das Kleid – ganz persönlich für dieses eine Paar. Um aber eine wirklich individuelle Rede schreiben zu können, muss sich das Brautpaar öffnen, mir vertrauen, denn nur dann beantworten sie auch Fragen wie diese ehrlich und ausführlich, die ich im Vorgespräch stelle:

  1. Wie haben Sie sich kennengelernt?
  2. Wie war Ihr allererstes, offizielles Rendezvous?
  3. Wann war Ihnen klar, dass es für immer ist?
  4. Worüber haben Sie sich zum ersten Mal gestritten?
  5. Wie war Ihr erster gemeinsamer Urlaub?
  6. Welche Eigenschaften mögen Sie an Ihrem Partner am liebsten?
  7. Welche Eigenschaften Ihres Partners gehen Ihnen richtig auf die Nerven?
  8. Worüber können Sie gemeinsam lachen?
  9. Worüber streiten Sie regelmäßig?
  10. Teilen Sie Hobbys? Welche?
  11. Wie halten Sie Ihre Liebe lebendig?
  12. Was ist für Sie das Wichtigste an einer Partnerschaft?
  13. Was wünschen Sie sich für Ihre Ehe?
  14. Wenn Sie in zehn Jahren auf Ihren Hochzeitstag zurückblicken: Wie möchten Sie dann fühlen, was möchten Sie denken?
  15. Gab es in Ihrer gemeinsamen Geschichte Situationen, die Ihre Beziehung auf die Probe gestellt haben? Welche und wie haben Sie sie gemeistert?
  16. Wenn Sie an sich als Paar denken: Welches Erlebnis, welche Anekdote kommt Ihnen als erstes in Erinnerung?

Aus all diesen Antworten filtere ich Informationen, die für mich den Unterschied zwischen einer passablen und einer tollen Traurede machen. Aber – und das ist mindestens ebenso wichtig – ich bekomme nicht nur Fakten, sondern vor allem ein Gefühl dafür, wie das Brautpaar tickt. Ich spüre, ob die beiden ironische Anspielungen in Ihrer Trauung sympathisch fänden oder furchtbar, ob es ein bisschen anzüglich sein soll oder lieber ganz seriös, ob Sie sehr sachlich sind oder üppige sprachliche Bilder als festlich und angemessen empfinden.

Dieses Vorgespräch ist für mich als Traurednerin also beinahe wichtiger als die Trauung selbst. Deshalb empfehle ich jedem Paar, ob es sich nun von mir trauen lassen will oder nicht: Planen Sie genug Zeit dafür ein! Ich weiß, wenn Sie in der Planung Ihrer Hochzeit an der Stelle sind, an der Sie sich um einen Trauredner kümmern, haben Sie Zeit am allerwenigsten, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie es nicht bereuen werden. Im Gegenteil: Haben Sie einmal zwei Stunden investiert (und hat am Ende die Chemie gestimmt), können Sie diesen Punkt beruhigt von Ihrer Liste streichen, müssen nicht mehr ständig nachhaken und haben den Kopf frei für all die anderen tausend Details, die noch auf Sie warten.

Aus dem Adventskalender zum 22.12.2016

Welche Bilder darf ich veröffentlichen?

Den Facebook-Auftritt eines philharmonischen Orchesters zu betreuen, ist spannend. Ein Thema, das ich dabei immer wieder mit den Mitarbeitern der Intendanz diskutiere, sind die Bilder. Von fast allen Konzerten, aber auch von Gastspielen und Konzertreisen veröffentlichen wir Bilderstrecken. Die erzielen hervorragende Reichweiten – nur übertroffen von Videos. Aber hinter den Bildern steckt ein großer Aufwand und damit meine ich nicht nur den des Fotografen, sondern vor allem den der juristischen Prüfung. Bei jedem Bild müssen wir abwägen, ob wir es überhaupt veröffentlichen dürfen.

Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte prüfen

Um das zu entscheiden, muss ich mich in vier Rechtsgebieten bewegen: Urheberrecht, Persönlichkeitsreich, Hausrecht und unter Umständen das Markenrecht. Letzteres ist bei diesem Orchester in der Regel zu vernachlässigen, aber es wäre relevant, würden Musiker zum Beispiel auf einer Messe spielen und die Logos großer Marken wären dick im Bild. Auch das Urheberrecht ist in unserem Fall geklärt. In der Regel sind die Bilder von den Musikern oder Mitarbeitern des Orchesters und werden explizit für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Bei Werken von fremden Fotografen holen wir stets die Erlaubnis zur Veröffentlichung ein, bevor wir etwas posten (Achtung: Explizit die Erlaubnis zur Veröffentlichung in sozialen Netzwerken einholen, nicht einfach nur pauschal um Veröffentlichungsgenehmigung bitten. Viele Fotografen geben die Bilder für eine Website oder Prospekt frei, sehen sie aber nicht gern auf Facebook und Co.).

Bleiben noch das Hausrecht und die Persönlichkeitsrechte. Ersteres ist schnell erklärt: Der Hausherr darf entscheiden, ob Fotos gemacht und vor allem ob sie veröffentlicht werden dürfen. Verbietet er das, hat man sich daran zu halten. Fertig.

Das Recht am eigenen Bild

Die Persönlichkeitsrechte, hier konkret das Recht am eigenen Bild, sind dann aber schon wesentlich schwieriger zu prüfen. Geregelt sind sie im Kunsturhebergesetz und zunächst einmal gilt auch hier: Jeder darf selbst entscheiden, welches Bild von ihm der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dabei ist wichtig, dass in diesem Fall nicht das Fotografieren, sondern wirklich nur die Veröffentlichung der Bilder gemeint ist. Anfertigen dürfen Sie, ganz grob betrachtet, also fast jedes Bild. Zur Veröffentlichung brauchen Sie aber die Genehmigung der abgebildeten Person. Theoretisch.

Praktisch ist das kaum umzusetzen. Stellen Sie sich die Situation im Konzert vor: Einer der Musiker macht zum Beispiel ein Bild von der Bühne, das zufällig auch die erste Reihe der Zuschauer zeigt. Es ist unmöglich, jeden einzelnen davon zu fragen, ob wir das Bild auf Facebook posten dürfen. Für solche Fälle sieht das Gesetz Ausnahmen vor. Trifft eine davon zu, darf das Bild auch ohne Einwilligung veröffentlicht werden. Diese Ausnahmen sind:

  • Zeitgeschichtliches Ereignis
  • Beiwerk
  • Versammlung/Aufzug

Ein zeitgeschichtliches Ereignis ist dabei definiert als etwas, bei dem das sogenannte Informationsinteresse der Öffentlichkeit stärker wiegt das die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten. Legt man das streng aus, trifft das auf nur wenige Veranstaltungen zu. Der G7-Gipfel wäre unzweifelhaft ein solches Ereignis oder auch beispielsweise Gerichtsprozesse wie der zum NSU. Aber die Gerichte sind an dieser Stelle sehr großzügig und legen in der Rechtsprechung oft auch Feste, Bälle, Galen oder Tage der offenen Tür als „zeitgeschichtliches Ereignis“ aus. Das heißt also: Wer eine solche Veranstaltung besucht, muss damit leben, dass er fotografiert und das Bild veröffentlicht wird.

Allerdings gilt das nicht für Nah- oder Porträtaufnahmen. Das Bild ist nur dann gestattet, wenn es das Ereignis in den Mittelpunkt stellt, nicht die abgebildete Person. Bei einem Konzert ein Foto von den Besuchern zu machen, ist also vermutlich zulässig – wenn sie sichtbar im Konzert, also etwa vor der Bühne und den Musikern abgebildet sind. Ein Porträtfoto von einem von ihnen, das auch überall sonst entstanden sein könnte, ist dagegen nicht mehr erlaubt.

Die zweite Ausnahme ist das Beiwerk, soll heißen: Ist der Mensch auf dem Bild nur Nebensache, weil es sich eben nicht vermeiden ließ, ihn mit abzulichten, dann kann er gegen die Veröffentlichung des Fotos nichts tun. Diese Ausnahme greift zum Beispiel häufig, wenn Sehenswürdigkeiten oder Straßenzüge in Städten abgelichtet werden. Es ist schlicht unmöglich, das Brandenburger Tor ohne Menschen zu fotografieren. Wenn das Foto also ganz klar ein anderes Motiv als den Menschen in den Mittelpunkt stellt, gilt er als Beiwerk und muss mit der Veröffentlichung des Fotos leben. (Es sei denn, es greift die Ausnahme von der Ausnahme, aber dazu später mehr.)

Die letzte Ausnahme im Gesetzt betrifft Aufzüge und Versammlungen, also alle Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammenkommen, um einen einheitlichen Willen öffentlich zu bekunden. Klassischer Fall hierfür: Demonstrationen. Würden wir also ein Bild posten, auf dem viele Menschen gegen den Sparkurs der Landesregierung in der Kulturlandschaft protestieren, müssten wir sie nicht um Erlaubnis für die Veröffentlichung bitten. Aber: Auch hier gilt, wie beim zeitgeschichtlichen Ereignis, dass diese Ausnahme nur greift, wenn das Bild die Veranstaltung abbildet und nicht einzelne Menschen. Je mehr Menschen zu sehen sind, umso besser. Weniger als sechs sollten es jedenfalls nicht sein.

Übrigens, die sogenannten absoluten und relativen Personen der Zeitgeschichte, die die Rechtsprechung zum Recht am eigenen Bild früher kannte, gibt es so nicht mehr. Alle diese oben genannten Regeln gelten heute also auch für Prominente. Allein die Tatsache, dass sie berühmt und bekannt sind, rechtfertigt heute nicht mehr, dass man Bilder ohne ihre Einwilligung verbreitet.

Prüfschema zum Recht am eigenen Bild

Zurück zum Orchester: Nehmen wir mal an, wir haben Bilder von einem Picknick-Konzert, das in einem kleinen Schlosspark stattfand und wollen diese veröffentlichen. Um die Bildrechte zu klären, gehen wir jetzt streng nach Prüfschema vor:

  1. Liegt die Einwilligung der Abgebildeten vor?
  2. Trifft eine Ausnahme des Gesetzes zu?

Ersteres verneinen, letzteres bejahen wir und entscheiden auf zeitgeschichtliches Ereignis. Doch damit ist es noch nicht getan, denn jetzt kommt Stufe drei des Prüfschemas – die Ausnahme von der Ausnahme:

  1. Verletzt eine Veröffentlichung berechtigte Interessen der Abgebildeten?

Nehmen wir zum Beispiel an, auf einem der Bilder ist eine Zuschauerin zu sehen, die zu diesem Konzert nur ein luftiges Top trug. Als das Bild entstand, beugte sie sich gerade zu ihrem Picknickkorb herunter und die Perspektive des Fotografen war so ungünstig, dass man ihr bis zum Bauchnabel sehen – und gut erkennen kann, dass sie keinen BH trägt.

Abwägung zwischen Persönlichkeitsrechten und Informationsinteresse der Öffentlichkeit

Nach den Regeln oben – zeitgeschichtliches Ereignis ist bestätigt – könnte die Dame nichts gegen die Veröffentlichung des Bildes machen. Kann sie aber sehr wohl. Denn im letzten Schritt der Prüfung müssen wir abwägen: Wiegen die Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten schwerer oder das Informationsinteresse der Öffentlichkeit? Säße die Dame einfach nur auf ihrer Decke, könnte sie kaum eine Persönlichkeitsrechtsverletzung geltend machen. Aber durch die Abbildung ihrer nackten Brust ist sie in ihrem „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzt, das Bild ist so intim, dass sie es nicht hinnehmen muss, so aller Welt gezeigt zu werden. In diesem Fall würden wir das Foto also nicht in die Diaschau aufnehmen – auch wenn es immer noch ein zeitgeschichtliches Ereignis abbildet.

Kinder sind besonders geschützt – auch in Sachen Bildrechte

Besondere Vorsicht ist übrigens geboten, wenn Kinder fotografiert werden. Das Orchester gibt zum Beispiel häufig Konzerte für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen. Dabei kommt es schon mal vor, dass diese Kinder auch auf der Bühne mitmachen dürfen und natürlich möchten wir das auch gern auf Facebook zeigen, doch das ist riskant. Grundsätzlich gilt: Kinder sind vom Gesetzgeber besonders geschützt und das gilt auch für Abbildungen von ihnen. Deshalb reicht es nicht, wenn begleitende Lehrer oder ein Elternteil die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilen. Rein juristisch müssen alle erziehungsberechtigten Personen zustimmen, nur dann darf das Bild veröffentlicht werden.

Außerdem sollte diese Einwilligung – aber das gilt auch bei Erwachsenen – möglichst schriftlich und so konkret wie möglich erfolgen. Also nicht „Hiermit erlauben wir, dass Fotos unseres Kindes veröffentlicht werden“, sondern: „Hiermit gestatten wir, dass Fotos unseres Kindes auf der Website, in gedruckten und digitalen Werbemitteln sowie auf sozialen Netzwerken (des Orchesters/der Schule etc.) veröffentlicht werden dürfen.“

Die Ausnahmen, die das Gesetz vorsieht (zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk und Aufzug/Versammlung) gelten zwar auch, wenn Kinder abgebildet sind, aber erstens müssen Sie dann noch genauer darauf achten, auch wirklich das Ereignis oder Hauptmotiv in den Mittelpunkt zu stellen und zweitens sind Gerichte, wenn es zum Streit kommt, gerade im letzten Punkt des Prüfschemas außerordentlich kritisch und neigen viel früher dazu, eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung zu sehen als bei Erwachsenen.

Bei Kindern gilt deshalb also: Liegt keine Einwilligung zur Veröffentlichung vor, verzichten Sie lieber auf das Bild!

Zusammenfassung:

Ob Sie ein Bild anfertigen und veröffentlichen dürfen, hängt ab von: Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht, Persönlichkeitsrechten. Bei letzterem prüfen Sie: 1. Liegt die Einwilligung des Abgebildeten zur Veröffentlichung vor? 2. Wenn nein, trifft eine dieser Ausnahmen zu, bei denen keine Einwilligung nötig ist: zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk, Versammlung/Aufzug? 3. Wenn ja, werden bei einer Veröffentlichung berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt?

Wollen Sie es genauer wissen? Dann empfehle ich dieses Buch.

Aus dem Adventskalender zum 21.12.2016

Mit Philosophie habe ich es gewöhnlich nicht so. „Sophies Welt“ habe ich nach der Hälfte zur Seite gelegt, weil es mir derart auf die Nerven ging, dass da zwei Bücher in einem verarbeitet wurden. Wenn es spannend wurde, gab es ständig einen Bruch und es ging mit der anderen Geschichte weiter.

Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel und heute habe ich einen Gastbeitrag für Sie, der philosophisch ist und den ich trotzdem sehr gern gelesen habe (mehrfach) und über den nachzudenken sich übrigens auch lohnt. Er stammt von Doreen Huth, studierte Philosophin und Redakteurin beim Freien Wort:

Das Leben in der Seifenblase

Zunächst einmal möchte ich meiner lieben Freundin Anita danken, dass ich hinter ihrem Türchen einen Text beisteuern darf zu ihrem Adventskalender. Und zugleich muss ich mich entschuldigen, denn es wird jetzt philosophisch. Ich kann nicht anders.

In der Vorweihnachtszeit beschäftigen mich weniger Christbaumkugeln als Seifenblasen. Digitale Seifenblasen. Damit wird ein Phänomen beschrieben, dass jeden betrifft, der sich im Internet auf irgendeine Weise bewegt. Intelligente Algorithmen helfen uns nicht nur bei der Suche nach Informationen im Internet, sie schränken uns auch ein. Google, Facebook und Co. durchforsten unsere Eingaben und filtern aus ihnen Interessen, Überzeugungen und Abneigungen heraus, um uns persönlich zugeschnitten mit Informationen und Angeboten zu versorgen. Ich fühle manchmal wie die Menschen der Zukunft in dem Pixa-Film „Wall-E“, die fremdgesteuert auf Liegen gelagert von einer künstlichen Intelligenz durch ein Raumschiff gelenkt werden. Ihnen wird eine selbstbestimmte Welt durch manipulierende Knopfdrucke nur vorgegaukelt. Ihre Umgebung und ihre Mitmenschen nehmen sie nicht wahr.

So. Und nun wird es philosophisch. So wie die Menschen in dem Animationsfilm geht es den Menschen in Platons Höhlengleichnis. In Ketten gelegt leben sie in einer Höhle und kennen nur die Schatten an der Wand, die durch ein Feuer hinter ihnen entstehen. Sie halten sie für real, sie bauen darauf ihre Überzeugungen auf. Nun befreien sich die ersten, drehen sich um, erkennen das Feuer und sehen einen Höhlenausgang. Sie erklimmen ihn und kommen ans Tageslicht. Sie entdecken eine neue, DIE Wahrheit. Natürlich wollen sie ihren Freunden in der Höhle davon erzählen, sie  aus der vorgegaukelten Welt befreien. Doch viele wehren sich, glauben ihnen nicht, greifen die „Befreier“ an. Nur wenige folgen ihnen. (Wer jetzt an Pegida-Veranstaltungen oder die Inquisition denkt, ist auf der richtigen Spur.) Platon beschreibt so die Suche nach der Wahrheit.

Wir gehen ein paar Jahrhunderte weiter. Vom Mittelalter mal abgesehen, sind seitdem alle Philosophen auf der Suche nach der Wahrheit. Sie befreien sich aus den Ketten einer vorgegebenen Welt, hinterfragen, denken über angelernte Überzeugungen nach. René Descartes nimmt ihnen auch diese Illusion. Was, wenn diese schöne, neu errungene Welt auch nicht wahr ist? Was, wenn sie uns von einem bösen Dämon im Schlaf vorgegaukelt wird und wir nicht wissen, ob wir wach sind oder träumen? Worauf verlassen wir uns nun? Der Skepsis folgt die Analyse. Descartes erkennt, dass alles, was er erkennen kann, ist, dass er erkennt. „Ich denke, also bin ich.“ Alles andere ist anzweifelbar. Wer darüber genauer nachdenkt, gerät in tiefste Betrübnis, also schnell wieder zurück in die Höhle, in die Blase.

Will ich wissen, wer der Dämon meiner Träume ist? Will ich wissen, was außerhalb meiner Blase passiert? Will ich ungefiltert Informationen aufnehmen? All diese Fragen stellen sich dem Skeptiker nicht. Er wird immer auf seine eigene, fehlerhafte Wahrnehmung beschränkt sein. So etwas wie Wahrheit gibt es in seiner Welt nicht. Wahrscheinlich nicht mal andere Menschen oder die Welt selbst, die nur Phänomene seines Selbst sind. Und auch hier hilft Hollywood. Welche Pille würden sie schlucken? Die blaue oder die rote? Neo wählt die rote und blickt hinter die Matrix… Sein Ausgang aus der Höhle ist ein sehr düsteres Szenario.

Also finden wir uns damit ab, dass wir alles um uns rum gefiltert wahrnehmen. Haben auch die Philosophen irgendwann gemacht, wahrscheinlich ihrer geistigen Gesundheit wegen. Sie erwachten aus der Ohnmacht und suchten nach der einen Sache, mit der sich die allumfassende Blase am besten greifen lässt. Sprache. Sprache aber funktioniert logisch und Logik ist im weitesten Maß allgemeingültig (wir erinnern uns: es gibt keine Wahrheit). In der Philosophie sogar allgemeingültiger als Gott. Wie bilden wir unsere Welten durch Sprache ab? Michel Foucault nennt es „Diskurse“, in denen ein Verständnis von Wirklichkeit aufscheint. Ich erspare dem Leser hier mal die Kommunikationstheorien von Paul Watzlawick. Sich mit Sendern und Empfängern und der Botschaft dazwischen auseinanderzusetzen, ist ein Mysterium, das weitaus komplizierter ist als eine gestandene Fernbeziehung voller Eifer- und Sehnsucht.

Bleiben wir beim Individuum, das versucht, seine Welt sprachlich zu fassen. Diskurse sind voneinander abgegrenzt und unterliegen damit gewissen Regeln. Wer sich in ihnen bewegt, grenzt sich ab. Ingenieure nutzen andere Worte, um ihr Wissen auszudrücken, als Literaten. Ein Rapper ist kein Opernsänger und ein Politiker nicht (mehr) der kleine Mann des Volkes und schon gar nicht Satiriker. Sprache grenzt ab und schafft Diskurse, die es uns erlauben, Dinge zu erfassen. Wir unterwerfen uns dann aber auch ihren Regeln. Damit haben Diskurse immer Macht. Ihre Teilnehmer entscheiden, wer sie betritt und wer nicht.

Und was ist Facebook anderes als ein streng definierter Diskurs? Foucault hätte an diesem „sozialen“ Netzwerk seine wahre Freude gehabt, nicht nur, weil er Geld abwirft für seinen Erschaffer. Zumal sich die Mehrheit seiner Nutzer frei in ihm fühlt. Der altmodische Begriff des Diskurses ist durch die „digitale Seifenblase“ abgelöst worden. Sie gaukelt einen Zugang zur ganzen Welt vor und filtert doch nach ganz eigenen, willkürlichen Regeln. Regeln, die uns der Schaffer auferlegt, die wir aber auch selbst setzen. Wir legen uns wieder freiwillig die Ketten an, nicht nur in den AGBs.

Dass ich in einer selbst erschaffenen Seifenblase lebe, merke ich aus dem Privileg meines Berufs heraus, der es mir erlaubt, kurze Blick in andere Seifenblasen zu werfen. Ich rede mit Menschen, die nicht zu meiner digitalen Welt gehören. Sie denken anders als ich, reden anders, handeln anders. Sie haben andere Sorgen, lachen über andere Dinge und definieren sich über andere Überzeugungen. Sollte ich sie in meine Blase lassen? Muss ich nicht, auch wenn wir es gern als Horizonterweiterung verstehen. Die „Anderen“ drängen sich schon so in meine Blase, über Kommentarfunktionen und vernetzte Bekanntschaften. Die Macht über die von mir geschaffene Blase liegt nicht allein in meiner Hand, aber ich möchte in ihr nicht in Ketten leben. Ich will mich frei in ihr bewegen, sie auch mal verlassen können. Auch in Platons Höhle erstiegen die Befreiten den Ausgang, schauten ins Sonnenlicht, merkten, wie die Augen schmerzten und kehrten um. Sie wollten nicht wissen, was hinter der Sonne ist. Aus Angst, aus Sehnsucht nach der guten alten Höhle.

Auch ich fürchte gewisse Erkenntnisse außerhalb meiner Seifenblase. Sie drehen sich in der Hauptsache um die Dummheit der Menschheit und die Endlichkeit unseres Lebens auf diesem Planeten, den wir gerade sehenden Auges zerstören. Ich weiß um diese Dinge, weil ich gewisse Dinge in meiner Blase zulasse. Glaubwürdige Medien etwa. (Obwohl ich das grundsätzliche Problem, die Anzweifelung der Welt an sich, nie ausblenden kann. Es ist sogar ein kleiner Trost geworden.) In meiner Seifenblase bewegen sich Meinungen, die ich teile, die sich von meinen unterscheiden, die sich aber dennoch immer in meinem – zugegebenermaßen sehr weiten – Toleranzbereich bewegen. Sie vertreten ziemlich jede Bildungsschicht und Gesinnung, außer die ganz rechte. Sie ecken an und bestärken mich. Sie machen mich nachdenklich und führen dazu, dass ich meine Seifenblase immer dann hinterfrage, wenn ich es mir in ihr allzu bequem mache. Aber das wichtigste ist: Sie geben mir das Gefühl, in vielem nicht allein dazustehen. Der Vorteil einer jeden Blase.

In diesem Sinne, frohe Weihnachten in meiner Höhle. Und Platon muss draußen bleiben – vorerst.

Aus dem Adventskalender zum 20.12.2016

Buchtipps für Kreative und solche, die es werden wollen

Heute habe ich einen weiteren Buchtipp für Sie:

Handbuch Kreativität
Bernd Weidenmann
Beltz Verlag
ISBN: 978-3-407-36490-6
39,95 €

Ich benutze Übungen aus diesem Buch häufig, wenn es in meinen Seminaren darum geht, Schreibblockaden zu lösen, Themen zu finden (die häufigste Frage in Blogging-Seminare: Wie finde ich denn bloß genug Themen?) oder neue, kreative Texteinstiege zu finden.

Aber das Buch kann auch mehr. Es bietet einen Überblick über die klassischen Kreativitätstechniken, die in Unternehmen zum Beispiel auch angewandt werden können, um Probleme zu lösen, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln oder Arbeitsabläufe zu verbessern.

Und darüber hinaus macht es ganz nebenbei auch noch eine Menge Spaß, die Ideen aus diesem Buch auszuprobieren.

Aus dem Adventskalender zum 19.12.2016

Schreiben Sie Tagebuch – mit der Hand!

Wann haben Sie zum letzten Mal mit der Hand geschrieben? Ich meine, so richtig: einen Brief, eine Karte oder Tagebuch, nicht einfach nur den Einkaufszettel. Ich weiß schon, was viele von Ihnen jetzt antworten werden: „Dafür habe ich keine Zeit!“ Aber wenn Sie ehrlich sind, ist das eine Ausrede. Und es lohnt sich wirklich, sich die Zeit zu nehmen.

Ich habe vor einigen Jahren angefangen, Tagebuch zu schreiben. Mit der Hand. Auf edlem Papier in sauteuren, aber umwerfend schönen Notizbüchern, die auch im Regal gut aussehen. Und ich kann Ihnen nur raten, das auch mal zu versuchen. Zünden Sie die Kerzen im Adventsgesteck an, kochen Sie sich eine Kanne guten (!) Tee, kaufen Sie sich Heft und Stift, die Ihnen ein gutes Schreibgefühl geben – und dann legen Sie los.

Erfinden Sie Ihre eigene Version eines Tagebuchs!

Und keine Sorge: Das heißt nicht, dass sie jetzt jeden Abend akribisch aufschreiben sollen, was am Tag passiert ist. Ihr Tagebuch muss nicht unbedingt eine Chronik sein. Wie Sie ein Tagebuch gestalten, ist ganz Ihnen überlassen. Sie können täglich schreiben oder auch nur alle paar Wochen. In Stichworten, als Erörterung oder Essay oder indem Sie eine fiktive Geschichte erfinden. Sie können über Ihren Tag, Ihre Gedanken und Gefühle schreiben, aber auch über das aktuelle Geschehen um Sie herum, über Ihr Hobby oder Sie erschaffen Ihr eigenes Utopia. Sie können einfach nur schreiben oder Ihre Einträge mit Fotos, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten oder ähnlichem ergänzen. Wichtig ist nur eins: Schreiben Sie mit der Hand!

Das Schreiben mit der Hand rettet nicht nur eine Kulturtechnik, die durch Computer und Smartphones langsam verdrängt wird, sie unterstützt auch die Entwicklung und Verbesserung von Feinmotorik, kognitiven Fähigkeiten und Kreativität. Das haben verschiedene Studien bestätigt. Und: Sie schult Ihr Sprachgefühl. Unsere Sprache ist so vielfältig und voller Möglichkeiten. Doch wir benutzen im Alltag nur einen Bruchteil dessen, was sie für uns sein kann und was wir mit ihr ausdrücken könnten.

Zur Ruhe kommen und Probleme lösen

Ich für meinen Teil bringe mit dem Tagebuch schreiben mein Hirn zur Ruhe. Das kennen Sie sicher auch: Selbst, wenn das Tagespensum geschafft ist und Sie eigentlich nur noch auf der Couch entspannen wollen, drehen sich die Gedanken im Kreis und Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Ich fange dann an zu schreiben.

Wenn ich notiert habe, was mich beschäftigt, kann ich danach abschalten. Das hat zwei Gründe: Zum einen können die Dinge nicht mehr in Vergessenheit geraten. Sie sind ja notiert und ich kann am nächsten Arbeitstag problemlos nachlesen, was ich nicht vergessen wollte. Zum anderen verlieren viele Dinge an Bedeutung und/oder Schrecken, wenn sie aufgeschrieben sind, denn um sie zu notieren, muss ich sie sortieren und in konkrete Worte und Zusammenhänge fassen, während sie in meinem Kopf vorher eher als vage Gefühle und Gedanken chaotisch im Kreis waberten. Während ich sie aufschreibe, also konkretisiere, verlieren Sie an Übermächtigkeit und zugleich liefert das Schreiben die Lösung für die Probleme und Schwierigkeiten oft gleich mit.

Lesetipp:

Wenn Sie mehr über das Schreiben mit der Hand nachlesen wollen, kann ich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Ma vie“ empfehlen, die das gerade zum Titelthema erkoren hat.

Aus dem Adventskalender zum 18.12.2016

Dass ich nicht backen kann, dürfte nun hinlänglich bekannt sein. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch gern Süßes esse. Plätzchen gehören zwar normalerweise nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber diese hier habe ich schon als Kind geliebt:

Mamas Marmeladenplätzchen

Zutaten:

  • 1 Ei
  • 75 g Zucker
  • 1 Pck. Vanille-Zucker
  • 125 g Margarine
  • 250 g Mehl
  • Marmelade nach Geschmack

Zubereitung:

  1. alle Zutaten mischen und zu einem dünnen Teig ausrollen
  2. Formen ausstechen – und zwar immer zwei pro Motiv
  3. aus je einer Version jedes Motivs mittig einen kleinen Kreis ausstechen, so dass ein Loch entsteht
  4. Marmelade dünn auf der Motivversion ohne Loch verteilen
  5. Motivversion mit Loch passgenau auf das Pendant ohne Loch legen
  6. einen Klecks Marmelade in das Loch geben
  7. bei 180 Grad backen, bis die Plätzchen goldbraun sind
  8. noch warm mit Puderzucker bestäuben

Ich mag diese Plätzchen am liebsten mit Erdbeermarmelade, aber sie schmecken sicher auch mit allen anderen Versionen. Lassen Sie es sich schmecken!

Aus dem Adventskalender zum 17.12.2016

Lassen Sie uns spielen!

Die Adventszeit bis hierher war stressig genug – Zeit für ein kleines Wortspiel. Erinnern Sie sich noch an „Glücksrad“? Genau das spielen wir heute. Gesucht wird folgender Satz:

_ _ _ _ _ _ _ _ _, _ _ _ _ _ _ _ _   _ _ _ _ _ _, _ _ _ _ _ _   _ _   _ _ _ _ _ _.

Jetzt sind Sie dran: Wählen Sie einen Buchstaben aus, den ich dann einsetze, wenn er denn in diesem Satz vorkommt. Mal sehen, ob wir heute Abend die Lösung gefunden haben.

Aus dem Adventskalender zum 16.12.2016

Es gibt Genre, die ihre ganz eigene Sprache haben. Der Sport ist so ein Fall, vor allem der Fußball. Da kann es erstaunlich blumig werden für eine derart langweilige Angelegenheit. Aber auch die Kulturbranche hat ein völlig eigenes Vokabular und einen Stil und Schrift und Sprache, die sich deutlich von anderen Bereichen unterscheidet. Besonders genau kennt sich damit Susann Winkel aus. Sie ist freie Journalistin und Texterin, die hauptsächlich in der Kultur tätig ist. Sie schreibt für das Feuilleton der Zeitungen, aber auch für Kulturinstitutionen – und hat für den Komplextext-Adventskalender mal einen besonderen Bereich der Kulturtexterei unter die Lupe genommen: die Rezension. Ein Plädoyer fürs Selberlesen:

Die Irrfahrten der jungen Loribeth

Ein merkwürdiger Titel und eine vernichtende Kritik von Elke Heidenreich. Das bleibt vorerst in Erinnerung vom Debüt der Schweizer Autorin Michelle Steinbeck. Und da ist unglaublich schade.
Selbstverständlich geht es um Vermarktung, wenn alle Jahre wieder vor den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt die Longlists mit dem großen Kandidatenkreis für die Buchpreise veröffentlicht wird. Die Jurys könnten ihre erste Vorauswahl auch gern für sich behalten, so aber können die Leser schon mal eifrig kaufen. Und dabei vielleicht an manche Rarität gelangen, die es garantiert auf keine Shortlist schaffen wird und die bald wieder in den Weiten des Buchmarkts verschollen ist. Nachdem sie zumindest einmal ganz mutig auf die Longlist gesetzt wurde.

Solch eine Rarität ist das 153-seitige Debüt der Schweizer Autorin Michelle Steinbeck, nominiert von der diesjährigen Frankfurter Jury. In Erinnerung bleibt der knappe Roman wegen seines merkwürdigen Titels: „Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch“. Außerdem wegen der recht energischen Kritik von Elke Heidenreich: „Es ist grauenhaft, dieses Buch. Es ist entsetzlich, es ist ein Albtraum, es zu lesen. Es ist unehrlich, verlogen, konstruiert. Und wenn das ernst gemeint ist, dann hat die Autorin eine ernsthafte Störung.“

Diesem Verriss möchte ich die sehr ernst gemeinte Empfehlung entgegensetzen: Lesen Sie bitte selbst! So verstehen Sie, warum sich Elke Heidenreich so schwer mit diesem ganz und gar nicht bequemen Erstling getan hat und vielleicht stimmen Sie ihrem Urteil nach der Lektüre absolut zu. Zumindest aber ist Ihnen dann nicht eines der aufregendsten und eigenwilligsten Bücher des Jahres entgangen, erschienen im kleinen Schweizer Lenos Verlag.

Es ist die Geschichte der Ich-Erzählerin Loribeth, die sich auf die fantastische Reise nach ihrem verlorenen Vater begibt. Einem Vater, der Kinder in die Welt setzt, von denen er dann nichts mehr wissen möchte. Das ist die tieftraurige Grundmelodie dieses Romans, über die sich die schrillen Töne einer magischen Traumebene mit einer kräftig-poetischen Sprache und grausamen Bildern legen.

Loribeth folgt wie die Getriebenen in den Tragödien des Altertums dem Auftrag einer Prophezeiung. Sie hat ein Kind erschlagen – mit einem Bügeleisen. Es ist eines der Kinder, die ihr Vater in die Welt gesetzt hat. Und nun bringt sie dieses tote Kind wie ein Opfer in einem Koffer zu ihrem Vater zurück. Um ihn so in seine Verantwortung zu zwingen.

Das mag man erschütternd finden oder geschmacklos. Nur ein Abbrechen der Lektüre, das gelingt garantiert nicht. Nicht einmal ein Unterbrechen, so sehr bannen die Irrfahrten der jungen Loribeth auf dem Weg zu ihrem Vater, der allein auf einer Insel mit drei riesigen sprechenden Doggen lebt. Wie der Held Odysseus muss sie Abenteuer überstehen und Versuchungen standhalten, um das Ziel ihrer Reise zu erreichen.

Doch ihr Vater ist es nicht, der ihr endlich Erlösung gibt, sondern eine alte Schreibmaschine. Und Loribeth schreibt und schreibt, als ginge es um ihr Leben. Um das geht es ja auch.

Michelle Steinbeck: „Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch“, Lenos Verlag 2016, 153 Seiten, für 19.90 Euro.

Aus dem Adventskalender zum 15.12.2016

Die Phrase ist tot, es lebe die Phrase!

Egal, ob ich ein Seminar für angehende PR-Leute gebe oder über Geschäftskorrespondenz spreche, kreatives Schreiben mit meinen Teilnehmern trainiere oder Textkritik mache – eines wird früher oder später immer Thema: die Floskeln, Füllwörter und Phrasen, die wir im Deutschen so unheimlich gern verwenden.

Ich versuche sie in meinen Texten zu vermeiden, was natürlich nicht immer gelingt (zumal „eigentlich“, DAS Füllwort überhaupt, eines meiner Lieblingswörter ist). Aber die paar, die mir durchrutschen, sind nichts gegen diese (echten!) Beispiele, die ich Ihnen hier zeige (und über die man nur so herzhaft lachen kann, wenn man damit nicht im echten Leben arbeiten mus).
Haben Sie auch Lieblingsphrasen, die Sie in Ihren Texten – freiwillig oder nicht – sehr oft verwenden? Erzählen Sie mir doch in den Kommentaren davon!