Neustart mit Komplextext

Von außen betrachtet, ändert sich mit dem heutigen Tag gar nicht so viel: Ich arbeite immer noch selbstständig als Journalistin, wenn auch mehr im Auftrag von Unternehmen denn im Auftrag von Zeitungen. Doch im Inneren ist heute ein aufregender Tag, denn es ist ein Neuanfang. Zwei Jahre habe ich mit Curcuma Medien eine Art der Zusammenarbeit ausprobiert, von der ich immer noch überzeugt bin. Journalisten müssen, wollen sie als Freie erfolgreich sein, kooperieren. Bei Curcuma Medien haben wir aus der Kooperation gleich eine gemeinsame Firma gemacht. Das ist nun vorbei. Das Unternehmen gibt es weiter, aber ich bin kein Hauptbestandteil mehr. Ich mache ab heute wieder etwas eigenes. Das fühlt sich toll an – auch und vor allem, weil wir uns nicht im Streit trennen, sondern auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten, wenn einzelne Projekte die Expertise des jeweils anderen verlangen.

Mit dem neuen Monat und der neuen Firma beginnt bei mir auch die Arbeit mit einem neuen Fokus. Ich glaube, dass die Sprache heute noch oft unterschätzt wird, wenn es darum geht, eine Corporate Identity aufzubauen. Firmen investieren in Logos, Farbcodes und Design Manuals. Und das ist wichtig, aber was nützt ein perfekter Rahmen, wenn das Bild darin überhaupt nicht dazu passt? Ich male das Bild für den Rahmen meiner Kunden – indem ich ihnen die richtige Sprache gebe. Ein komplexes Thema. Und deshalb ab sofort: Komplextext.

Ich konzentriere mich damit auf den Bereich Corporate Publishing, man kann es auch Corporate Communication nennen. Auf jeden Fall ist es das wohl komplexeste, was professionelle Kommunikation zu bieten hat: Ich sorge dafür, dass alle Veröffentlichungen eines Unternehmens, in denen Sprache eine Rolle spielt, aus einem Guss sind. Meine Idee ist es, Kunden und solche, die es werden wollen, vom ersten Flyer über den Besuch der Website bis zum großen Hochglanz-Kunden-Magazin in eine Sprache zu weben, die sie festhält. Das ist ohne Frage anspruchsvoll, denn jede Firma, jede Branche, jedes Produkt verlangt einen anderen Stil, um Kunden zu begeistern, an eine Marke zu binden und dafür zu sorgen, dass sie sich mit und in dieser Marke dauerhaft wohl zu fühlen. Aber ich mag diese Herausforderung. Ich feile gern an Sprache, am Stil, den Bildern und Wortspielen – so lange, bis der Text zum Ausdruck, der Persönlichkeit genau dieses einen Unternehmens wird.

Blog ohne Fotos, aber mit vielen Bildern

Wer mich und meine Arbeit schon ein paar Jahre begleitet, wird sich vielleicht wundern, weil die älteren Blogposts hier völlig unbearbeitet stehen. Das ist nicht meiner Faulheit geschuldet, sondern eine bewusste Entscheidung im Sinne von mehr Transparenz. Blogposts, die ich für Curcuma oder noch viel früher geschrieben habe, bleiben hier erhalten, weil sie einen wichtigen Teil von mir widerspiegeln. Und dazu ist der Blog ja da: Um mich besser kennen und verstehen zu lernen. Ich bereue keinen Abschnitt meiner beruflichen Vergangenheit. Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag hat mich zum Heute geführt und das Heute mag ich gern. Also darf man auch dem Blog ruhig anmerken, dass ich verschiedene Varianten der Freiberuflichkeit ausprobiert habe, dass ich mich voller Begeisterung und Leidenschaft durch die aufregende Medienwelt probiert habe, bis ich den Fokus fand, mit dem ich beruflich glücklich werden kann. Deshalb bleiben alte Posts also unverändert alte Posts. Und eine Menge neue werden hinzu kommen. Einmal pro Woche.

Nur eines hat sich geändert: Die Beiträge finden Sie hier fast komplett ohne Fotos. Auch das ist eine bewusste Entscheidung. Ich habe bei einer Tageszeitung volontiert. Im Lokalen. Natürlich habe ich auch Bilder gemacht. Und im Laufe meiner Karriere hatte ich das große Glück immer wieder von wirklich versierten, begabten, leidenschaftlichen Fotografen zu lernen. Ich kann Foto, aber mein Herz hängt nicht daran. Irgendjemand hat mal zu mir gesagt: Du musst nicht immer alles selber können. Damals fand ich das blöd, weil nur selbstgemacht die volle Kontrolle garantierte. Heute glaube ich, das er Recht hatte. Ich kenne fantastische freie Fotografen, auf die ich zurückgreifen kann, wenn ein Auftrag gute Fotos verlangt. Mein Herz aber schlägt für den Text und seine Gestaltung. Deshalb wird sich diese Website, dieser Blog, genau darauf beschränken. Keine Fotos – und trotzdem, so hoffe ich, ganz viele Bilder. Bilder, die in Ihrem und eurem Kopf entstehen, wenn ich die richtigen Worte gefunden habe. Und damit schenke ich mir jetzt ein kleines Glas Sekt ein und stoße mit mir selbst und virtuell mit Ihnen und euch an: Happy Birthday, Komplextext!

#darumfrei: Beitrag zur Blogparade

Als mein Volontariat sich dem Ende neigte, wurde plötzlich alles anders bei der Zeitung, bei der ich damals arbeitete. Der alte Chefredakteur war gegangen worden, der neue mit klaren Sparvorgaben angetreten, wie man sich erzählte. Ziemlich schnell stand jedenfalls fest: Aus der Sache mit der fest eingeplanten Übernahme wird nichts. Das Angebot: frei weiter arbeiten. Schon zu der Zeit wechselte ich die Abteilungen nicht mehr, sondern war fest in der Ratgeberredaktion. Auf eigenen Wunsch. Ratgeber und Seite 3, vor allem am Wochenende (Damals durfte, wer am Samstag die drei hatte, noch 300 Zeilen schreiben!) – meine Traumkombi. Am 31. Januar ging ich morgens zur Arbeit, fuhr abends ganz normal den Rechner runter. Am 1. Februar hatte nur die IT-Abteilung gemerkt, dass sich bei mir was geändert hatte. Die hatten meinen Account abgeschaltet, weil keiner ihnen gesagt hatte, dass ich weiter arbeiten würde – aus der Volontärin war über Nacht eine freie Mitarbeiterin geworden.

Bis der Rechner wieder lief, dauerte es eine Weile, sonst änderte sich nichts: Ich ging weiter jeden Tag in dieselbe Redaktion, an denselben Schreibtisch, baute dieselbe Seite und sprach mit denselben Ansprechpartner. Nur zahlte ich plötzlich viel mehr Steuern, musste mich selbst für horrendes Geld krankenversichern und strich den Urlaub auf unbestimmt Zeit, weil ich mir das Wegfahren nicht hätte leisten können.

Trotz kam nach etwas über einem Jahr der Moment, indem ich auf die Versicherung, die nächste freie Redakteursstelle gehöre mir, antwortete: “Ich will sie gar nicht!” Aus der Not war irgendwie mein Arbeitsmodell geworden. Eins, das ich mochte. Ich genoss die Freiheit, mein eigener Chef zu sein und mich neben dem Brotjob auf anderen Spielfeldern ausprobieren zu können. Ich begann, Seminare zu geben und PR zu machen, entstaubte meine Grafik-Kenntnisse und entdeckte, dass Facebook und Co. nicht nur zum Austausch mit alten, weit verstreuten Freunden taugt – sondern auch als Geschäftsmodell. Frei sein hieß plötzlich wirklich mehr “frei sein” als “vogelfrei sein”.

Das geht mir bis heute so. Meine Geschäftsfelder haben sich seit damals massiv verschoben. Für die Zeitung arbeite ich kaum noch, neue Bereiche wie das Corporate Publishing sind dafür entstanden. Aber das Gefühl, Herr über mein eigenes Schaffen zu sein, ist auch heute noch einer der wichtigsten Vorteile meiner Selbstständigkeit. Dass ich mich nicht festlegen muss, sondern es beinahe sogar eine Verpflichtung ist, neue Trends selbst auszuprobieren, begeistert mich. Dass allmählich (ganz, ganz allmählich) auch bei vielen Unternehmen die Einsicht greift, dass professionelle Kommunikation genauso wie professionelles Programmieren oder professionelles Maschinen bauen auch professionell bezahlt werden muss, erleichtert mich.

Außerdem bin ich eitel und finde es großartig, Chefin zu sein – und auch so wahrgenommen zu werden. Das ist nun sicher kein ausschlaggebender Grund, um sich selbstständig zu machen, aber es kann ein ziemlich gutes Gefühl sein.

Ja, ich bin gerne frei – aber ich bin nicht naiv. Die Freiberuflichkeit hat eine Menge Vorteile, die ich liebe. Aber sie hat eben auch dicke Fallstricke: Um mich sozial abzusichern, müsste ich deutlich mehr verdienen, als ich es tue. An eine lange Krankheit (oder das Alter!) denke ich lieber nicht. An eine Familiengründung eher auch nicht. Wer, wie ich selbst, zwar die Sache mit dem Marketing und der Kommunikation beherrscht, in der Akquise aber keine perfekte Figur macht, hat ein zusätzliches Problem (das ich mit der nächsten Weiterbildung aus der Welt zu schaffen gedenke). Und so schön es ist, den halben Tag im Pyjama arbeiten und sich die Zeit frei einteilen zu können: Genau das sorgt dafür, dass ich regelmäßig auch nachts und an den Wochenenden arbeite, dass mein Kopf keine Pause mehr kennt, selbst wenn mein Körper gerade eine macht.

Ob das in einer Festanstellung besser würde? Vielleicht. Aber nicht, weil die Festanstellung per se sicherer wäre (siehe oben: Ich bin nicht naiv!). Es würde vielleicht besser, weil die Verantwortung dafür nicht mehr allein auf meiner Willensstärke läge. Eine Festanstellung hat Strukturen, die nun mal sind, wie sie sind, an die man sich zu halten hat. Das kann man einengend und belastend empfinden. Aber eben auch erleichternd. Die Vorstellung, nur noch für die Inhalte seiner Arbeit verantwortlich zu sein und nicht auch noch für die Rahmenbedingungen, hat in schwachen Momenten ihren Reiz für mich. Die Vorstellung, dass jemand anders sich um die verflixten Zahlen kümmert, hat sogar in jedem Moment eine Menge Reiz für mich.

Doch reicht das, um eine Anstellung der Freiberuflichkeit vorzuziehen? Ja, vielleicht – wenn der richtige Job im richtigen Unternehmen lockte. Mein Herz müsste von Anfang an höher schlagen, damit Anwesenheitspflicht zu festen Zeiten, Weisungsgebundenheit, fehlende Flexibilität und weniger Vielfalt in den Arbeitsfeldern gegen die zeitliche, räumliche und inhaltliche Freiheit meines aktuellen Arbeitsalltags eine Chance haben. Die große Mehrzahl der offenen Jobs schafft das nicht und deshalb: #darumfrei.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade “Warum ich gern freier Journalist bin” der Kollegen Bettina Blaß und Timo Stoppacher. Unter dem Hashtag #darumfrei finden Sie erste Beiträge auch in den sozialen Netzwerken.

Kann eine PR-Frau eine gute Journalistin sein?

Vor kurzem habe ich mal wieder irgendwo eines dieser Interviews mit einem dieser Journalisten gelesen, die wir anderen Journalisten so gerne “Edelfeder” nennen. Oder “einen der ganz Großen der Branche”. Oder so. Ich weiß nicht mehr, wer es war. Ich weiß auch nicht mehr, was Anlass des Interviews war oder worum es eigentich ging, aber eine Sache ist mir seither nicht mehr aus dem Kopf gegangen: Die obligatorische Frage nach dem Warum. “Warum sind Sie Journalist geworden?” Genauso obligatorisch ist fast immer auch die Antwort: Weil man die Welt verbessern wolle, Skandale aufdecken, den Mächtigen genau auf die Finger schauen, die Demokratie schützen und einen mündigen Bürger bilden.

 

Lange Zeit habe ich ebenso geantwortet, wenn man mir die Frage stellte. Meistens war ich zumindest ehrlich genug, voran zu stellen, dass ich  Geschichten erzählen wollte. Denn um genau zu sein: Nichts der oben genannten, idealistischen Ziele hätte mich zum Journalismus bringen können. So beschämend es ist: Mit Politik beschäftige ich mich vielleicht seit acht Jahren. Vorher hat mich das nicht die Bohne interessiert. Und auch heute noch fasziniert es mich genug, um darüber schreiben zu wollen. Meine Motivation, Journalistin zu werden, war viel profaner: Ich wollte Geschichten erzählen, aber nicht unter der Brücke schlafen müssen. Und damals, mit 14, als ich mich für den Beruf entschied, war die Aussicht, als Journalist seine Miete UND das Essen bezahlen zu können, tatsächlich noch größer als es sie für Schriftsteller gewesen ist – mein heimlicher, echter Berufswunsch.

 

Ich liebte Sprache und was sie auslösen und bewirken kann. Ich mochte Geschichten, die mich aufsogen und deren Charaktere und Handlung, wenn sie mich wieder ausspuckte, noch lange in meinem Kopf weiter lebten. Damit wollte ich mein Geld verdienen. Und da meine erste Erfahrung mit dem Journalismus der Lokaljournalismus war, schien das irgendwie gar nicht so abwegig, denn dort ging es mehr ums Erzählen als ums Kontrollieren und Skandale aufdecken. Jedenfalls für mich als Praktikantin.

 

Klar, heute kenne ich die Aufgaben der Presse – und verteidige sie glühend, wenn es sein muss. Heute lese ich viel und gerne die Kollegen, von denen ich im ersten Absatz schrieb, weil ich über sie meine politische Bildung nachhole. Aber meine Motivation für mich ganz persönlich ist die gleiche geblieben: Ich möchte Texte schreiben, die die Menschen lange Zeit erinnern. Die Routine und Hetze im Tageszeitungsgeschäft hat mir das mal beinahe kaputt gemacht. Als ich vor zwei Jahren aus der Tretmühle ausscherte, war meine Lust am Schreiben nur noch eine kleine Amöbe – gerade entwickelt genug zum Überleben, aber von Denken und Fühlen keine Rede. Einer meiner Texte las sich wie der andere. Kein Wunder: Was am Fließband produziert ist, soll ja eben immer identisch sein. Doch was einer Autotür gut tut, tötet Kreativität und Leidenschaft.

 

Heute habe ich beides wieder gefunden. Dabei bin ich inzwischen größtenteils auf die “dunkle Seite der Macht” gewechselt. Heute schreibe ich vor allem im Auftrag. Es geht nicht mehr um Unabhängigkeit, Objektivität und Aufklärung. Es geht um Image und Absatz. Das kann man als Verrat an der großen, guten Sache empfinden. Ich empfinde es als perfekte Symbiose der guten Sache und meiner ureigenen Motivation. Ich arbeite nicht (nur) als PR-Beraterin, weil das besser bezahlt wird, sondern – da bin ich grenzenlos egoistisch – weil es mir mehr Spaß macht. Vor allem, wenn es nicht nur um eine simple Pressemitteilung geht, sondern zum Beispiel um Corporate Publishing-Projekte wie das Erlebnismagazin für die Welterberegion Wartburg Hainich.

 

Hier habe ich für meine Texte Platz und Zeit, um der Sprache, die meine Muttersprache ist, wieder ihre schönsten Bilder abzuringen. Um sie dazu zu überreden, mit mir zu spielen, statt sich gegen mich zu sperren. Um mit ihr starke, neue Formulierungen zu schmieden, statt auf die üblichen Phrasen zu setzen. Lange Texte (die ich am Ende auf die Hälfte kürze, damit sie neben lang nicht auch langweilig werden), große Bilder, Infokästen, gute O-Töne. Das Handwerk, das ich auf der guten Seite gelernt habe, benutze ich jetzt immer noch. Und ich glaube auch, dass ich damit immer noch nichts schlechtes tue. Denn PR – wenn das bitte endlich in alle Schädel ginge – ist nicht Werbung. Ich ziehe niemanden ab oder über den Tisch, ich verkaufe streng genommen nicht mal etwas.

 

Ich fühle mich wohl in der PR. Und etwas Besseres hätte dem Teil in mir, der immer noch Journalistin ist, nicht passieren können. Meine Begeisterung für das Erzählen ist wieder da – und damit auch die Begeisterung für Menschen. Beides Grundvoraussetzungen, um guten (Lokal-)Journalismus zu machen, wie ich finde.

 

Früher hieß es mal, es gebe keinen Weg zurück für Journalisten, die in die PR gewechselt seien. Ich halte das für Quatsch. Aber es interessierte mich auch nicht, wenn es so wäre. Denn ich will gar nicht zurück. Ich will beides. Und ich kann das auch. Als Journalistin schreibe ich nicht über Firmen, die ich als PR-Beraterin betreue. Damit müssen beide Seiten leben, auch wenn es beiden nicht immer passt, weil es für die einen mehr Aufwand bedeutet (muss ja ein anderer Kollege gefunden werden, der den Termin für die Redaktion übernimmt) und die anderen damit leben müssen, dass über sie jemand schreibt, den sie nicht kennen und nicht briefen können.

 

Aber auch da bin ich egoistisch: Meine eigene Glaubwürdigkeit ist mir  wichtiger als das Wohlbefinden von Redaktion oder Kunden. Ich bin gerne PR-Mensch. Ich bin gerne Journalistin. Und für mich schließt sich nichts davon gegenseitig aus.

Die Sache mit den Bildrechten

Dass es keine besonders intelligente Idee ist, Bilder für die Firmen-Homepage oder die nächste Broschüre wild bei google zusammen zu suchen, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Dass Fotos nur dann veröffentlicht werden dürfen, wenn der Urheber, also der, der die Bilder gemacht hat, dem zustimmt, ist auch nicht besonders neu (wenn diese Regel dafür auch immer noch bemerkenswert oft ignoriert wird). Aber was viele Unternehmen und Institutionen immer noch nicht richtig auf dem Schirm haben, ist die Sache mit dem Recht am eigenen Bild.

Egal, ob wir ein Seminar zum Schreiben oder zu sozialen Netzwerken geben, früher oder später geht es immer auch um Bilder. Weil heutzutage ohne ein illustrierendes Foto kaum noch professionelle Kommunikation möglich ist. Bilder sind wichtig. Und zwar auf allen Kanälen. Um Urheberrechtsstreitigkeiten zu umgehen, fotografieren viele Unternehmen bei ihren Veranstaltungen heute selbst. Doch was sie vergessen, sind die Menschen, die sie fotografieren. Die haben ein sogenanntes Recht am eigenen Bild. Soll heißen: Prinzipiell darf jeder selbst entscheiden, ob Bilder von ihm in einer Veröffentlichung auftauchen oder nicht. Dabei kann man im Allgemeinen nicht das Fotografieren selbst verbieten, wohl aber eben die Veröffentlichung. Konkret bedeutet das: Theoretisch müssten Sie also jede Person, die Sie auf dem Firmenfest oder sonstwo fotografieren, um (schriftliche) Genehmigung zur Veröffentlichung bitten.

Viele von Ihnen werden mir jetzt vermutlich reflexartig etwas von “Personen der Zeitgeschichte” oder „Gruppen” antworten wollen, die ja ungestraft fotografiert und veröffentlich werden dürften. Doch so einfach ist das nicht (mehr). Relative und absolute Personen der Zeitgeschichte gibt es im Medienrecht so nicht mehr. Früher bezeichnete man damit vor allem Prominente und vertrat den Standpunkt: Wer qua Status oder Beruf in der Öffentlichkeit steht, muss damit leben, immer und überall abgelichtet zu werden. Heute ist das nicht mehr so. Aber auch heute noch gibt es Ausnahmen von der Regel, also Situationen, die ihnen erlauben, ein Bild, das Menschen zeigt, zu veröffentlichen, auch ohne deren direkte Einwilligung:

Das Bild zeigt ein Ereignis der Zeitgeschichte
Wichtig für die Entscheidung, ob ein Bild veröffentlicht werden darf oder nicht, ist nicht mehr die Frage, ob die abgebildete Person prominent, also zeitgeschichtlich relevant ist, sondern ob das Ereignis in diese Kategorie fällt. Tut es das, müssen die Personen in aller Regel damit leben, dass Bilder von ihnen bei diesem Ereignis auch veröffentlicht werden. Ein Beispiel: Ein Popsternchen tritt bei einer Benefizgala auf. Das ist ein zeitgeschichtliches Ereignis (auch wenn man über die Relevanz vielleicht streiten könnte). Also muss es dulden, dass Bilder der Veranstaltung veröffentlicht werden. Wenn dasselbe Popsternchen zwei Wochen später privat Urlaub auf Mauritius macht, darf es Bilder davon aber verbieten. Das Sternchen bleibt zwar eine Prominente, bewegt sich aber im privaten Rahmen, ein zeitgeschichtliches Ereignis ist der Urlaub allenfalls für sie selbst, nicht aber für die breite Öffentlichkeit. Deshalb ist für die Veröffentlichung von Urlaubsbildern eine Genehmigung erforderlich. Das ist der wichtigste Unterschied zur früheren Rechtsprechung in dieser Frage.

Die Personen auf dem Bild sind nur Beiwerk
Versuchen Sie mal den Tower von London oder den Berliner Fernsehturm zu fotografieren, ohne Menschen aufs Bild zu bekommen. Das ist beinahe unmöglich. Theoretisch dürften Sie also ohne Einwilligung der Abgebildeten keines Ihrer Urlaubsbilder veröffentlichen. Praktisch dürfen sie es aber doch – eben wenn die Personen nur “Beiwerk” sind. Wenn der Charakter Ihres Bildes erhalten bliebe, auch wenn man die Personen heraus schneiden würde, dann können sie getrost davon ausgehen, dass sie das Kriterium “Beiwerk” erfüllen.

Das Bild zeigt Personen als Teil einer Versammlung oder Veranstaltung
Diese Ausnahme ist das, was Sie als “Gruppen darf man fotografieren und veröffentlichen” im Kopf haben. Das stimmt so aber nur, wenn die Gruppe zu einer Veranstaltung gehört. Eine Gruppe von Menschen, die irgendwo im Park entspannt, dürfen Sie nicht ohne Weiteres veröffentlichen. Eine Gruppe, die beim Karnevalsumzug oder einer Demo mitläuft aber schon, weil sie eben Teilnehmer einer Veranstaltung oder Versammlung sind. Wichtig dabei ist, dass Ihr Foto auch ganz klar macht, dass es sich um eine Veranstaltung handelt und dass es tatsächlich eine Gruppe zeigt. Leider gibt es aber keine Rechtsprechung, die definiert, wie viele Personen es braucht, um als Gruppe zu gelten. Fakt ist: Je mehr Menschen Sie auf dem Bild zeigen, desto sicherer sind Sie.

Aber Vorsicht: Auch Ausnahmen von der Regel haben Ausnahmen. Gerade beim Recht am eigenen Bild geht es im Zweifel immer um die Abwägung der Interessen. Ihrer und der der abgebildeten Personen. Selbst wenn die Personen nur Beiwerk bei einer Versammlung sind, die zudem als zeitgeschichtliches Ereignis gilt, kann es sein, dass ein Gericht Ihnen die Veröffentlichung untersagen würde. Nämlich dann, wenn berechtigte Interessen der Abgebildeten verletzt sind. Riskant wird es zum Beispiel immer dann, wenn der Intimbereich verletzt ist. Fotografieren sie also den Tower in London und haben auf dem Bild zufällig eine Frau, die sich barbusig sonnt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr Interesse, so nicht von Hinz und Kunz gesehen zu werden, höher bewertet wird als Ihr Interesse, ein spannendes Bild vom Tower zu veröffentlichen (und ja, das gilt auch, obwohl sie sich ja selbst barbusig in die Öffentlichkeit begeben hat).

Wenn Sie tiefer ins Medienrecht eintauchen wollen (und wenn Sie verantwortlich sind für die Kommunikation oder das Marketing in ihrem Unternemen, sollten Sie das tun), empfehle ich einen Blick in dieses Buch zweier geschätzter Kollegen aus Thüringen: “Journalistenrecht. Ein Leitfaden für Medienschaffende: Social Web, Online, Hörfunk, Fernsehen, Print” von Frank Fechner und Axel Wössner, die dritte, deutlich erweiterte Auflage ist gerade im Mohr Siebeck Verlag erschienen. Gegenüber vielen anderen Büchern zum Thema hat dieses hier einen Vorteil: Es hangelt sich nicht entlang der betreffenden Gesetze und Parafgrafen, sondern ist nach dem Arbeitsablauf einer Medienproduktion aufgebaut, klärt also erst, welche Regeln bei der Ideenfindung und Vorbereitung gelten, dann geht es um Veröffentlichung und Verwertung der Arbeit. Und so ist es auch für PR-Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen sehr nützlich.

Wie nützlich sind Instagram und Pinterest?

Instagram und ich – wir werden in diesem Leben wohl keine echten Freunde mehr. Dafür verbindet mich mit Pinterest inzwischen eine leidenschaftliche Liebe. Aber von Anfang an: Mit neuen Netzwerken geht es mir in der Regel wie dem im Klischee bemühten Bauern mit dem Essen. Ich habe immer erstmal Startschwierigkeiten. Als Facebook in meinem Bekanntenkreis studiVZ ablöste, fand ich den Neuen voll, unübersichtlich, hässlich. Nach und nach wurde aus voll vielseitig, aus unübersichtlich gewohnt und aus hässlich immer schöner (dabei war in diesem Fall kein Alkohol im Spiel). Als WhatsApp zum neuen, großen Hype wurde, fand ich es albern. Ich hatte doch eine SMS-Flat, also wozu WhatsApp? Heute whatsappe ich sogar mit meinen Eltern. Und dann kamen die Fotonetzwerke. Wobei, das stimmt so nicht. Mit der Fotocommunity gibt es schon seit ewigen Zeiten ein Fotonetzwerk, aber das ist eines, in dem nur Fotos zeigt, wer das mit dem Fotografieren auch wirklich kann. Selbst Flickr war eher ein Netzwerk für “relevante” Bilder, also für solche, die auch veröffentlicht werden könnten/sollten.

Mit Pinterest und Instagram durften aber nun endlich alle ihre Fotos zeigen. Und es war erstmal egal, ob die handwerklich gut oder künstlerisch relevant waren. Wichtig war nur, dass sich genug Freunden fanden, die das Bild mochten – und es dann auch allen zeigten. Natürlich war ich schnell angemeldet, und eben so schnell hatte ich meine Zugangsdaten wieder vergessen, weil ich einfach keinen Nutzen für mich erkennen konnte.

Curcuma Medien, das ist vor allem Text. Die Liebe zur Sprache, zum Wort und Wortspiel. Das lässt sich kaum visualisieren. Und Kunden, die nach einem Texter suchen, werden das kaum auf Fotonetzwerken tun. Also blieben und bleiben Instagram und Pinterest für unsere Arbeit außen vor. Aber wir haben Kunden, für die das anders aussieht. Tourismusunternehmen zum Beispiel, für die Fotoplattformen wie gemacht sind, um ohne große Worte, aber mit viel Effekt, Urlaubern Lust auf ihre Region zu machen. Wie das geht, kann aber nur erklären, wer sich selbst auf den Plattformen auskennt. Also habe ich meinen privaten Handarbeitsblog genommen und bin mit ihm spielen gegangen – auf Instagram und mit Pinterest.

Pinterest als Inspirationsquelle

Die Unterscheidung in den Präpositionen ist übrigens wichtig, denn tatsächlich nutze ich Pinterest kaum, um selbst auf meine Posts und Projekte aufmerksam zu machen, aber es ist zu meiner Nummer-eins-Inspirationsquelle für neue Handarbeitsideen geworden. Warum? Ich finde die Handhabung der Pinterest-App schwierig. Ewig fand ich nicht heraus, wie man selbst Content einstellt. Und Geduld ist nun mal keine meiner Stärken. Wenn etwas nicht schnell und vor allem ohne große Erklärungen funktioniert, lasse ich es. Erst als ich die Desktop-Version ausprobiert habe, ging das mit dem Veröffentlichen problemlos. Deshalb ist Pinterest für mich bald zum Schatzkästchen geworden, in das ich nur selten etwas hinein legen, in dem ich aber oft ganz vorsichtig wühle wie ein Kind in Mutters Schmuckschachtel. Und immer wieder funkeln mich dann kleine, glitzernde Fundstücke an, die ich unbedingt nacharbeiten muss. Das funktioniert übrigens nicht nur für Handarbeiten. Es funktioniert genauso fürs Fotografieren, für die Suche nach tollen Ferienorten, für die Rechereche der Stammbäume europäischer Königshäuser, für Haushaltstricks und Handwerkertipps. Dazu kommt: Pinterest ist so hübsch gemacht, dass das Kramen auch noch Spaß macht. Und durch die “Pin it”-Funktion, mit der man sich Fundstück an einer eigenen Pinnwand organisiert, findet man die Dinge, die einen begeistert haben, auch nach Monaten noch zuverlässig wieder.

Instgram als praktische Vermarktungsplattform

Instagram taugt dagegen für mich kaum als Inspiration. Es ist eher Kleiderschrank als Schmuckkästchen: zuverlässig, praktisch und vielseitig, aber eben nicht funkelnd-überraschend. Instagram nutze ich, um auf meine Blogposts aufmerksam zu machen. Einfach ein Bild hochladen, mit den Filtern, für die Instagram so berühmt ist, verschönern (oder verschlimmbessern), URL zum Blog und ein paar passende Hashtags (Text geht auch, ist aber eher unüblich) dazu, hochladen, fertig. Loggt man sich mit Facebook ein, zeigt einem Instagram auch gleich an, welche FB-Freunde sich hier tummeln. So baut sich relativ schnell eine stabile Community und damit eine ordentliche Reichweite auf, was bei einem Vermarktungsnetzwerk ja nicht schadet. Wirklich nervig finde ich allerdings, dass man Instagram nicht vom Rechner aus befüllen kann. Das geht nur über die App, also auf dem Smartphone oder Tablet. Deshalb, und weil ich das Layout ziemlich uninspirierend finde, wird das zwischen mir und Instagram nur eine Zweckehe.

Die heiße Affäre halte ich mit Pinterest am Kochen.

Und wie sieht das bei Ihnen aus? Welche sozialen Netzwerke jenseits von Facebook und Twitter nutzen Sie, um sich selbst und Ihre Arbeit zu vermarkten? Und warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese Plattformen? Ich bin wirklich gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Frankfurt brennt – und die Medien sind schuld

Vor fast genau einer Woche brannte Frankfurt am Main. Ja ja, ich weiß, diese Formulierung ist reichlich überzogen, denn natürlich brannte nicht die ganze Standt. Nur ein paar Mülltonnen, Polizeiautos, Bushaltestellen. Dazu ein paar eingeschlagene Scheiben, ein paar mit Säure und Gas verletzte Polizisten, ein paar verängstigte Passanten und 20.000 dummerweise in Mitleidenschaft gezogener, friedlicher Demonstranten. Und schließlich: Man hatte ja gar keine andere Wahl als Gewalt anzuwenden. Immerhin hat die Polizei provoziert, weil sie gleich im Vollschutz aufmarschierte. Und in die Medien wäre man mit seiner wichtigen Botschaft ja auch nicht gekommen, wenn man nur friedlich protestiert hätte. Sieht man ja: Die Berichterstattung rund um die Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes spiegelte doch fast nur die Ausschreitungen. Wer schrieb denn über die friedliche Demonstration?

Ich könnte kotzen, wenn ich all diese Rechtfertigungsmärchen lese!

Was in Frankfurt passiert ist, ist durch nichts, aber auch durch überhaupt nichts, zu rechtfertigen. Da sind Vollpfosten durch die Stadt gezogen und haben – offenbar gut geplant und vorbereitet – bewusst Angst und Schrecken verbreitet. Sie haben Polizeiwagen angezündet, in denen Menschen saßen. Keine Symbole irgendeines, von mir aus auch eines verkorksten, kapitalistischen, Systems, sondern Menschen! (Toller Beitrag dazu übrigens hier) Sie haben auf U-Bahnhöfen Passanten bedrängt, die nichts weiter wollten, als zur Arbeit zu gehen. Auch das: Menschen! Sie haben Mülltonnen und Buashaltestellen abgefackelt und Häuser “entglast”, wie es im Beamtendeutsch heißt. Total verständlich. So eine Mülltonne ist ja nun auch wirklich das totale Böse, das Symbol internationaler Finanzpolitik und Abzocke.

 

Mich regt das aber nicht nur als Mensch auf, der es verachtenswert findet, wenn Leben und Unversehrtheit anderer derart niedergetrampelt werden. Mich regt das auch als politisch, gewerkschaftliche Engagierte auf. 20.000 Menschen gingen vergangenen Mittwoch auf die Straße, um friedlich  gegen die Geldpolitik der EZB zu protestieren. Um auf- und einzustehen für die Forderung, dass internationale Finanzwächter gefälligst nicht nur den Großen und Größten wohlgefällig sein sollen, sondern dass sie auch den Mittelstand und vor allem die Armen und Ärmsten im Blick haben müssen. Dass Sparpolitik in Krisenzeiten heißen muss, dass alle sparen und nicht nur die unteren Schichten, die sich ja eh kaum richtig wehren können oder werden. 20.000, die friedlich marschierten, um klarzumachen, dass sie eine Stimme und Macht habe, auch wenn Sie nicht mit den Mächtigen der Welt Champagner trinken. 20.000, deren berechtigter Protest in der Gewalt der Bekloppten unterging.

 

Aber daran sind natürlich nicht die Gewalttäter schuld. Nein, die bösen Medien sind es, die nicht so ausführlich über die friedlichen Demonstranten berichteten wie über die Krawalle. Liebe “Lügenpresse”-Schreier, ich sag euch was: Genau diese Einordnung, die Gewichtung ist unser Job. Ja, die Medien haben mehr über die Gewlat berichtet als über die Demo. Aber längst nicht “ausschließlich”, wie ihr behauptet. Und vor allem: Sie taten das aus gutem Grund.

Kurzer Exkurs in die Journalismustheorie: Ob ein Ereignis oder eine Information eine Nachricht (also von den Medien aufgegriffen) wird, entscheiden unter anderem sogenannte Nachrichtenwertfaktoren (ausführlich hier). Stark verkürzt: Ist etwas zum Beispiel neu, aktuell, hat einen lokalen Bezug, Prominenz, Konflikt und/oder besondere Relevanz, steigen seine Chancen, es in die Blätter und Sendungen dieses Landes zu schaffen. Die Ausschreitungen in Frankfurt, und vor allem ihr Ausmaß, erfüllen nahezu jeden Nachrichtenwertfaktor und sind deshalb nicht nur berichtenswert, sondern unterliegen quasi einer Berichtspflicht.

 

Und nur der Vollständigkeit halber: Aus ebenso gutem Grund tauchten die Polizisten in Frankfurt in Vollschutz auf statt in Sommeruniform. Ausschreitungen waren zu erwarten. Und ebenso war zu erwarten, dass die Polizisten mittendrin sein würden, denn genau das ist eben ihr Job: Sie sind mittendrin, damit andere es nicht sein müssen. Dass sie sich bei dieser Lage durch Protektoren und Helme vor Messerstichen, Steinwurfverletzungen oder auch nur vor Prellungen durch das Gedränge schützen, halte ich nicht nur für legitim, sondern für vernünftig. Es nicht zu tun, wäre fahrlässig gewesen. Ihnen zu unterstellen, Sie hätten durch diesen Selbstschutz provoziert, ist, als würde man Vergewaltigungsopfern unterstellen, sie hätten die Tat durch ihren kurzen Rock ja herausgefordert. Es ist zynisch. Es ist menschenverachtend. Es ist abscheulich.

 

Hoffen wir, dass dieser Mittwoch nicht zum schwärzesten Mittwoch für alle wird, die den Mut haben, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Hoffen wir, dass dieser Mittwoch nicht dazu führt, dass Einsatzkräfte und Medien sich künftig zurückhalten, weil sie statt Unterstützung nur Kloppe kassieren – im wörtlichen wie übertragenen Sinn. Hoffen wir, dass dieser Mittwoch und die Art, wie wir damit umgehen, unser demokratisches System nicht nachhaltig in Schieflage bringt. Hoffen wir!

Hallo Welt!

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Erstes eigenes Blogging-Seminar: check!

Drei wichtige Erkenntnisse nehme auch ich als Seminarleiterin aus unserem ersten eigenen Blogging-Seminar gestern mit in den Alltag:

1. Die Antwort auf die Frage: “Nützt das auch MEINEM Unternehmen?” lautet in fast allen Fällen: “Ja!”

2. “Ich weiß nicht, ob ich genug Themen finde” ist kein Argument.

3. “Ich habe keine Zeit dafür!” übrigens auch nicht.

 

Das Blogging-Seminar war unser erstes selbst veranstaltetes. Fünf Teilnehmer hatten sich angemeldet (und keiner hat kurzfristig abgesagt!), die alle ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Erwartungen an das Bloggen mitbrachten. Da war ein Teilnehmer, der bereits für sein Unternehmen bloggt und vor allem wissen wollte, wie er das besser und suchmaschinengerechter machen kann. Da war die junge Journalistin, die sich unsicher war, ob ihr ein Blog nützt oder eher schadet, weil sie verbloggt, was sie sonst verkaufen könnte. Eine Touristik-Expertin, die für sich Sinn und Zweck des Bloggens klären wollte, und für die ein “Ja” zum eigenen Corporate Blog als Seminar-Ergebnis ebenso in Ordnung war wie ein “Nein”. Die Mitarbeiterin eines Lobbyverbandes, die überzeugt war, dass ihre Nutzer von einem Blog mehr hätten als von der statisch-langweiligen Verband-Homepage, und eine Teilnehmerin, die ihr Leben gerade noch mal umgekrempelt und beruflich ganz neu begonnen hat, und für die das Bloggen künftig zur Marketing-Strategie gehören soll.

Schnell war klar: Den größten Nutzen haben die Teilnehmer, wenn ich meine sorgfältige Planung zumindest zum Teil über Bord werfe. Und so haben wir, statt sklavisch das Programm abzuarbeiten, viel Raum für die individuellen Fragen und Wünsche gelassen. Manchmal wurde aus dem Seminar so ein Workshop, kurz eine Technik-Sprechstunde (dank der kompetenten Kollegen von Style your web) oder eine kreative Denksportrunde.

Mehr als sieben Stunden Programm werde ich nicht in einen Blogbeitrag fassen (wenn sich genug Interessierte finden, biete ich das Seminar oder die Zwei-Tages-Variante) aber gerne noch mal an. Doch die wichtigsten Fragen und Erkenntnisse aus dem Seminar müssen auch hier erwähnt werden:

 

1. Die Antwort auf die Frage: “Nützt das auch MEINEM Unternehmen?” lautet in fast allen Fällen: “Ja!”

Die wichtigste Frage. Die eine, die fast alle fünf Teilnehmer umtrieb: Habe ich von einem Blog wirklich einen konkreten Nutzen für mein Unternehmen? In der konkreten Konstellation gestern konnten wir das für alle Teilnehmer bestätigen. Aber es fiel auch auf: Um sich für oder gegen ein Blog als Marketinginstrument zu entscheiden, muss vorher klar sein, was und wen man eigentlich erreichen will. “Ziele und Zielgruppen sieht man bei anderen ganz schnell. Das für sich selbst zu machen, ist viel schwieriger”, kommentierte gestern eine Teilnehmerin.

Doch dieser Schritt ist wichtig: Für die Entscheidung dafür oder dagegen, aber auch, um später die richtigen Themen und den richtigen Ton zu finden. Im Seminar waren die wichtigsten Ziele: Bekanntheit der eigenen Marke steigern, Image verbessern, Kunden gewinnen. Um das zu erreichen, ist ein Blog keine Geheimwaffe. Es gibt keine goldene Regeln, wonach Blogs schneller, besser, effektiver dabei helfen, bekannt, beliebt und reich zu werden. Sie sind ein Instrument unter vielen. Ob es das richige ist, hängt vom Unternehmen, der Branche und dem eigenen Typ ab. Nützlich ist ein gut gemachter (!) Blog aber fast immer.

 

2. “Ich weiß nicht, ob ich genug Themen finde” ist kein Argument.

Eine Kollegin war sich gestern die ganze Zeit unsicher, ob sie genug Themen finden würde, um regelmäßig einen Blog zu füllen, ohne dabei Material zu verheizen, dass sie als Journalistin an anderer Stelle vielleicht hätte verkaufen können. Schnell stellte sich aber heraus, dass ihr Themenfeld viel breiter ist, als das, für das sie aktuell beauftragt und bezahlt wird. Das Beispiel lässt sich problemlos auch auf fast alle anderen Corporate Blogs übertragen. Themen finden sich fast immer, und je länger Sie bloggen, desto schneller fallen Sie Ihnen zu. Sie entwickeln ein Gespür dafür, was im Blog erzählt werden kann, und Sie werden sensibler für alle Arten von Inspiration. Irgendwann müssen Sie nicht mehr dafür sorgen, dass Sie Themen finden – sondern dafür, dass Sie sie nicht wieder vergessen. Listen im Handy oder ein schönes Notizbuch sind hervorragende Vergessensverhinderer.

 

3. “Ich habe keine Zeit dafür!” übrigens auch nicht.

Fakt ist: Wie jedes Instrument zum Marketing, zur PR, zur Werbung oder Kundenaquise will auch ein Blog gepflegt werden – und zwar regelmäßig, also mindestens einmal pro Woche. Und ja, will man Mehrwert und Leseanreiz bieten, kostet das Zeit. Am Anfang mehr, mit zunehmender Routine und Planung weniger. Aber die Frage ist nie, ob Sie als Blogverantwortlicher die Zeit dafür haben. Die Frage ist immer, ob Sie sie sich nehmen wollen. Wenn die Antwort darauf “Nein” lautet, weil andere Instrumente besser funktionieren, oder der Aufwand für Sie in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, ist das vollkommen in Ordnung. Nicht jeder muss auf jedem Zug mitfahren. Wenn Sie am Bahnhof warten, bis der Blogzug durch ist, werden Sie auf anderem Wege nach Hause kommen. Aber seien Sie dann doch bitte auch ehrlich. Es ist Ihr Job, Entscheidungen zu treffen. Ob Sie nun in einem großen Unternehmen oder als Einzelkämpfer arbeiten. Es ist ihr Job – und ihr gutes Recht. Also verstecken Sie sich nicht hinter der “Ich habe keine Zeit”-Floskel.

 

Für mich war das Seminar ein Riesengewinn, und wenn Sie jetzt auch mehr über das Corporate Blogging wissen wollen, genügt eine Mail (grasse@curcuma-medien.de) oder ein Anruf.

 

Noch drei freie Plätze für Blogging-Seminar

Als ich Journalistik studiert habe, musste ich auch ein Seminar über Web-“Programmierung” belegen. Konkret sah das so aus: Eine Stunde pro Woche bastelten Menschen, die noch nie zuvor etwas damit zu tun hatten, mit handgetippten HTML-Codes webseitenähnliche Gebilde mit schreiend roten Linien und neongelber Schrift. Gut, dass die Ergebnisse nicht erhalten geblieben sind. Und gut, dass sich die Internet-Sache so schnell weiter entwickelt hat. Heute muss keiner mehr HTML-Codes kennen (ich weiß übrigens nur noch den für Fettschrift), um sich eine Website wie unsere zu bauen.

Na gut, doch, für unsere braucht man schon ein bisschen Ahnung, deshalb haben wir sie ja auch nicht selbst umgesetzt, sondern das den Kollegen von Style your web überlassen, die wissen, was sie tun.

Und diese Kollegen geben ihr Wissen übrigens auch weiter: Exklusiv in unserem Blogging-Seminar am kommenden Montag in Gotha. Von 10 bis 17 Uhr geht es darum, wie man ein Blog aufbaut, ihn technisch pflegt, Themen findet, Texte für Suchmaschinen optimiert, was rechtlich zu beachten ist, und wie man einen Blog so vermarktet, dass er das eigene Geschäft ankurbelt. Drei freie Plätze haben wir noch. Wer also schnell ist und sich hier per Kommentar oder per Mail an info@curcuma-medien.de bis Donnerstag anmeldet, kann noch diesen Frühling mit einem eigenen Blog starten. Der dann auch – versprochen – keine schreienden Linien und Schriftfarben enthält.

Vorfreude auf Welterbe-Erlebnismagazin

Gerade steuern wir die Zielgerade an bei der Produktion des Erlebnismagazins für die Welterberegion Wartburg Hainich. Die meisten Texte sind geschrieben, und ich weiß wieder, warum ich mich nur hier zu Hause immer daheim gefühlt habe. Die Beiträge des neuen Hefts verrate ich natürlich noch nicht, aber zum Lust machen habe ich meine Wanderreportage zur Welterbefläche mitten im Nationalpark Hainich hervor gekramt, die in dem Magazin verganges Jahr erschienen ist:

 

Wo der Specht quäkt und die Bäume knarren

 

2014 ist das UNESCO-Welterbe-Jahr. Seit drei Jahren zählt auch ein großer Teil des Nationalparks Hainich zum weltweiten Naturerbe. Mit seinem alten Buchenbestand reiht er sich ein in das Ensemble “Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands”. Eine Spurensuche querfeldein zu 300 Jahre alten Buchen.

“Nicht bewegen, nichts sagen. Eine Minute ganz still sein.” Rüdiger Biehl wirft einen Blick auf die Uhr. Diese Übung macht er hier, mitten im Nationalpark Hainich, oft, um seinen Besuchern zu zeigen, wie sich die Welt auch anhören kann. Die Handys schweigen auf der Welterbefläche zwischen 30 Meter hohen Buchen. Kein Empfang. Der Lärm der Autos, selbst der der Flugzeuge wird gedämpft durch die dichten Laubkronen der alten Buchen. Kein Fernseher. Kein Radio. Kein Internet. So kann eine Minute verflixt lang sein.

Doch wer absolute Stille erwartet, sieht sich getäuscht. Nach ein paar Sekunden, in denen noch hier und dort ein Rucksackgurt knarrt, sich einer aus der Gruppe räuspert und ein anderer im Laub raschelt, ist da nur der leise Atem und der Wald. Und der ist lauter, als man denkt. Überall raschelt und klappert es leise. Plötzlich klopft es laut ein paar Meter weiter hoch oben im Baum. “Ein Specht?”, fragt ein Wanderer. “Nein”, lacht Rüdiger Biehl, “das war nur ein Baum, der im Wind knarrt.” Das tun sie hier häufig. Im Kerngebiet des Nationalparks hat seit 50 Jahren kein Mensch mehr in die Natur eingegriffen. Bäume sterben hier ab, wenn sie alt sind. Sie werden nicht vorher gefällt, um zu Nutzholz zu werden. Im Winter ist das Knarren noch heftiger, wenn der Sturm durch den Wald fegen kann, ohne dass die dichten Blätter ihn schwächen, und nasser Schnee und Raureif die Äste so schwer machen, dass sie wie Streichhölzer abknicken und auf den Waldboden krachen. Doch nur ein paar Augenblicke später quäkt es aus einer anderen Richtung. “Das ist jetzt ein Specht, ein Mittelspecht”, sagt Biehl, der den Hainich und die Welterbefläche als stellvertretender Nationalparkchef wie seine Westentasche kennt. Der Mittelspecht ist im April und Mai auf Brautschau. Dann quäkt und klopft er im Werben um das schönste Weibchen. Dass er im Hainich zu finden ist, ist eine kleine Sensation, denn er gilt als Eichenspecht. An der schorfigen Rinde alter Eichen klettert er auf und ab und pickt sich die Insekten aus den Fugen. Im Hainich, der überwiegend aus Buchen besteht, flankiert von Eschen und Bergahorn und ein paar absterbenden Ulmen, sollte der Mittelspecht also gar nicht vorkommen. “Wir haben hier aber Buchen, die bis zu 300 Jahre alt sind, und im Alter bekommen auch sie eine rissige Rinde, an der sich der Specht entlang klettern kann.”

Rüdiger Biehl führt seine Gruppen mitten durch den Wald. Wer hier nicht trittfest ist, hat es schwer. Weit und breit keine befestigten Wege. Wer sich einmal um die eigene Achse dreht, sieht, wohin er auch schaut, nur Wald. Ob er in den Himmel schaut oder auf den Boden. Mitten im Hainich ist der Nationalpark wirklich Urwald. Die 1500 Hektar große Fläche, die 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe wurde, ist seit Jahrzehnten unberührt. Auf dem Boden wachsen zarte junge Buchentriebe auf umgefallenen Bäumen. Einige sind an der Bruchkante noch hell. Sie sind erst im Winter dem Wind oder einem Schädling zum Opfer gefallen. Andere geben unter dem Tritt der Wanderer schon nach. Sie liegen seit Jahrzehnten hier und werden irgendwann zu nährstoffreichem Waldboden zerfallen. Insgesamt gut 70 Festmeter Totholz pro Hektar steht oder liegt in diesem Waldgebiet. Normal ist in deutschen Wäldern eine Quote von fünf bis zehn Festmetern.

Dass dieses Gebiet so unberührt ist, liegt in seiner Geschichte begründet. In der Zeit, bevor man mit Traktoren und Motorsägen Holz machte, war der Kern des Hainich schlicht zu schwer zu erreichen. Man beschränkte sich bei der Bewirtschaftung lieber auf die leichter befahrbaren Randgebiete, in denen auch die Transportwege für die gefällten Bäume kürzer und weniger beschwerlich waren. Später dann war die heutige Welterbefläche Sperrgebiet. Auf dem Kindel bei Eisenach waren zu DDR-Zeiten russische Truppen stationiert. Bei Schießübungen war der ganze Umkreis Sperrgebiet, das niemand betreten durfte. “Und es gab eben einfach oft Schießübungen, so dass man dieses Waldgebiet irgendwann aus der Bewirtschaftung nahm”, erklärt Rüdiger Biehl.

Um diesen gut geschützten Kern des Hainich heute zu erreichen, gibt es nur einen Weg: Eine der von den Rangern geführten Wanderungen zur Welterbefläche. Alternativ führen etliche zauberhafte Wanderwege wie der Sperbersgrundweg oder der Rundwanderweg Craulaer Kreuz in die Randgebiete der Welterbefläche. Wer es auf eigene Faust versucht, von den Wanderwegen abweicht und einfach drauflos läuft, riskiert sich gnadenlos zu verlaufen. Und er macht unter Umständen die Arbeit von Jahrzehnten zu Nichte. Denn nicht umsonst soll der Hainich zum Urwald werden. Der Mensch soll möglichst wenig Spuren hinterlassen. Tiere und Pflanzen sollen sich ihren Wald zurückerobern. Und tun das auch. Rüdiger Biehl zeigt auf eine kleine Höhle, die sich im Wurzelwerk eines großen, umgestürzten Baumes gebildet hat. “Vor Jahren habe ich bei einer Führung hier fünf Frischlinge entdeckt”, erinnert er sich. Ein paar Meter weiter zeugt die aufgewühlte Erde davon, dass die Gegend bei Wildschweinen noch immer sehr beliebt ist. Meist hätten die Tiere allerdings mehr Angst vor den Wanderern als umgekehrt. “Einem Frischling zu nahe zu kommen oder ihn gar hochzuheben, ist keine besonders gute Idee, aber sonst braucht man sich vor Wildschweinen eigentlich nicht zu fürchten”, erklärt er.

Ganz und gar Natur also, was den Besucher auf der Weltnaturerbefläche im Hainich erwartet. Jedenfalls, bis man sich unter einem tief hängenden Ast hindurch schlängelt und aufblickt. Wie aus dem Nichts steht mitten im Wald plötzlich ein 45 Meter hoher Stahlturm mit unzähligen schmalen Stufen. Daneben auf dem eingezäunten Areal eine kleine, verwitterte Hütte und Apparaturen, die wie eine Wetterstation aussehen. Lange Diskussionen gab es um das Areal. Konnte man sowas in einen Nationalpark stellen, ganz und gar in einen Urwald? Man durfte. Denn hier wird auf allen Ebenen des Waldes, aber auch im Boden und im Laub die Zusammensetzung der Luft gemessen. Das ist nur eines von vielen langfristigen Forschungsprojekten, bei denen die Nationalparkverwaltung mit verschiedenen Universitäten zusammen arbeitet. “Hier versuchen wir eine alte Frage zu klären: Helfen ungenutzte Wälder nun, den Treibhauseffekt zu mindern, oder verstärken sie ihn sogar noch?”, erklärt Rüdiger Biehl.

Auf dem Weg zum ältesten Teil des Nationalparks begegnen dem aufmerksamen Wanderer immer wieder Versuchsaufbauten, wenn auch die meisten viel unschein-, vielleicht sogar unsichtbarer, sind als diese. Da tragen Bäume metallene Plaketten oder rote Bänder. Eine umgestürzte, lange Buche hat einen Maschendrahtzaun eingerissen, hinter dem eine kleine Fläche voller junger Bäume ungestört vom Wild vor sich hin wachsen kann, das die Triebe und Knospen der saftigen Nachwuchsbuchen ungeheuer lecker findet.

Um das zu beobachten, müssten Besucher allerdings deutlich länger ganz still verharren als die eine Minute, die Rüdiger Biehl ihnen abverlangt. Doch wer genau hinsieht, kann ihnen trotzdem folgen. Kratz- und Knabberreste an den Bäumen, Kotspuren und abgeknickte Pflanzenstängel legen sichtbare Fährten. Doch um die zu finden, muss man sich einlassen auf den Wald. Und vielleicht lernt man dann auch als Stadtmensch schnell einen knarrenden Baum von einem quäkenden Specht zu unterscheiden.

 

Neugierig geworden? Dann freuen wir uns auf Besuch. Details kann man gut hier planen.