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#StolzTexte: „Zuhause nebenan – Muslime in Deutschland“

Ich gebe mir bei jedem Text Mühe. Natürlich. Sonst hätte ich nicht so viel Spaß an meinem Job. Aber manchmal gibt es da diese Beiträge, an denen das Herz ein Stückchen mehr hängt als an anderen: Texte, in denen besonders viel und intensive Arbeit steckt – in der Recherche, in der Dramaturgie oder einfach in der Formulierung – und deren Botschaft wichtig ist. So ein Text von mir ist Ende September als Titelgeschichte im So! erschienen, dem Wochenendmagazin der Zeitungen aus der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl. Unter dem Titel „Zuhause nebenan – Muslime in Deutschland“ habe ich versucht so unvoreingenommen und neutral wie möglich zu berichten, wie die Lage ist, wo Probleme liegen und wie die, über die alle Welt redet, statt mit ihnen zu reden, die Situation betrachten:

Zuhause nebenan – Muslime in Deutschland

Mehr als vier Millionen Muslime leben in Deutschland, Tendenz steigend, denn auch viele Flüchtlinge gehören dem Islam an. Und trotzdem: Kontakt haben Muslime und Nichtmuslime hierzulande kaum. Doch was fremd bleibt, macht Angst und Furcht führt zu Abwehr und Aggressivität. Grund genug hinter die Kulissen zu schauen und zu fragen: Wie leben, denken und fühlen die Muslime hier in Deutschland heute? Ein Besuch in einer fremden Welt.

Von Anita Grasse

Sabrin Semmo ist Anfang 30. Sie trägt enge helle Hosen, einen figurbetonten Blazer über dem langen Spitzentop und ein farblich abgestimmtes Kopftuch. Ihre Augen sind sorgfältig geschminkt und in ihre Riesenhandtasche passt alles, was man im Alltag mit zwei Kindern so braucht. Mit ihren Söhnen Mustafa und Noah steht sie vor der Majid al’Itidal-Moschee in Hannover. Ein unauffälliger heller Bau, von außen lässt nichts erahnen, dass es sich hier um ein Gotteshaus handelt. Der Moscheebesuch am Sonntag gehört zur Routine der gläubigen Muslima.

Von 11 bis 14 Uhr haben die Jungs hier Unterricht: Sie lernen die arabische Sprache und Schrift, lesen den Koran – und lernen, ihn teilweise auswendig zu rezitieren – und in der dritten Stunde geht es um die Auslegung ihrer Religion. Für mich war das fremd – und befremdlich. Ein Sechs- und ein Neunjähriger, die sonntags freiwillig in die Schule gehen und dann für eine religiöse Unterweisung? Nichts ist meiner eigenen Kindheit ferner. Aber für Sabrin Semmo ist die Religion ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags und sie sagt: „Ich habe mir sehr bewusst eine muslimische Gemeinde ausgesucht, die den Islam lebt, wie ich ihn verstehe: Als eine Religion, die Frieden und Gewaltfreiheit zur obersten Maxime erhebt. Und ich will, dass meine Kinder von klein auf mit dieser Interpretation aufwachsen. Damit sie, wenn sie in die Pubertät kommen und eine dieser kranken Phasen haben, stark bleiben. Wenn ihnen dann ein sogenannter Salafist entgegentritt und ihnen erzählen will, sie würden den falschen Islam leben und sie zu einem Islam aus Gewalt und Terrorismus zu ‚bekehren‘ versucht, dann sollen sie selbstbewusst und gut informiert zu ihrer Religion stehen können.“

Gewalt ist Sünde – ohne Ausnahme

In der Moschee in Hannover hat man dazu eine ziemlich eindeutige Meinung und die teilt auch Krim Seghiri, Vorsitzender der muslimischen Gemeinde in Weimar: Wer einen anderen Menschen verletzt, ihm Gewalt antut oder dabei hilft, begeht eine schwere Sünde. Und davon gebe es keine Ausnahmen. „Das Schlimme ist, dass die Menschen sich heute selbst aussuchen wollen, wie der Koran zu interpretieren ist“, sagt eine freundliche Frau mit dunklem, langem Kleid und Kopftuch in der Majid al’Itidal-Moschee in Hannover. So würden Terroristen sich aus der Religion ihr Weltbild zimmern. „Aber das geht so nicht. Wie der Islam zu interpretieren ist, kann nicht jeder für sich entscheiden. Das haben Gelehrte in Jahrhunderten weitergegeben. Als gläubige Muslime müssen wir uns an alle Regeln unserer Religion halten, nicht nur an die, die uns passen“, sagt sie aufgebracht.

Auch Krim Seghiri formuliert das so oder so ähnlich immer wieder. Das Problem, sagt er, sei, dass Religion und Tradition immer häufiger vermischt werden. Da würden Regeln im Namen des Islam aufgestellt, die damit gar nichts zu tun hätten, sondern schlicht auf Sitten und Bräuchen einzelner Ländern beruhten. „Das ist aber ein Unterschied. Und einer, den vor allem diejenigen begreifen müssen, die neu hier nach Deutschland kommen. An meinem Glauben kann und soll ich mich festhalten – immer und überall. Aber Sitten und Gebräuchen muss ich mich anpassen können, wenn ich in ein neues Land komme. Ich muss neugierig sein und lernen wollen, wie das Leben hier funktioniert.“ Deutschland, das sage er den Flüchtlingen oft, sei nicht ein Brot, auf dem nur Butter liege. Es sei hier süß und da scharf, aber man müsse eben das ganze Brot essen, wenn man sich für Deutschland entschieden habe.

Muslimische Flüchtlinge brauchen Orientierung

Krim Seghiri ist Vorsitzender der muslimischen Gemeinde in Weimar und sieht in diesen Tagen erschöpft aus. Jeden Sonntag fährt er nach Augsburg, wo er die Woche über arbeitet. Am Wochenende leitet er nicht nur regelmäßig das Freitagsgebet in dem etwas traurigen Kellerraum, der in Weimar die Moschee ist. Er besucht auch die Flüchtlinge in den Einrichtungen in und um Weimar, ist Ansprechpartner für Behörden und die christlichen Kirchen, die sich hier um eine Ökumene bemühen. Zum Ausruhen kommt er kaum. Doch er winkt ab. Es sei wichtig, dass die Muslime hier einen Ansprechpartner hätten – das gelte vor allem auch für die Flüchtlinge.

„Der übergroße Teil von ihnen sind arme Bauern. Man muss ihnen die grundlegendsten Regeln des Zusammenlebens hier in Deutschland erklären, um Konflikte zu verhindern“, sagt er. Dass man den Müll trennt, ab 22 Uhr auch in der Wohnung Ruhe herrscht, Abfall nicht einfach in die Gegend geworfen wird – all diese Dinge seien für sie unbekannt und in den Erstaufnahmeeinrichtungen würden sie nicht darauf vorbereitet. Die Konflikte entstünden dann, wenn sie in eigene Wohnungen ziehen. Doch die Flüchtlinge seien nur eine Seite einer potenziell problematischen Nachbarschaft. Auch andersrum begegneten Muslime ständig Ressentiments. „Ich kenne eine Familie, die haben beim Einzug extra für jede der anderen Mietparteien Blumen gekauft und sind von Tür zu Tür, um sich vorzustellen. Man hat die Blumen entgegengenommen, aber seither gab es keinen weiteren Kontakt. Die Nachbarn grüßen die Familie nicht einmal.“ Doch auf der anderen Seite seien dann wieder Geschichten wie die von der jungen Muslima, die dringend ein neues Kleid samt Kopftuch brauchte. Das, was man ihr über die Gemeinde besorgt hatte, passte nicht, war viel zu groß. „Da hat eine deutsche Nachbarin sie einfach eingeladen, sich online zwei Kleider samt Kopftuch auszusuchen. Einfach so!“, sagt Krim Seghiri immer noch überrascht und lächelt.

Mit Alkohol und Drogen gegen Verzweiflung und Angst

Geschichten wie diese geben ihm Kraft. Zwar hätte er bisher noch keine körperlichen Angriffe auf Muslime erlebt, aber das Misstrauen und die Alltagskonflikte setzen ihm zu. Zumal er es nicht gutheißt, wenn Flüchtlinge aggressiv auftreten, er aber verstehen kann, wie diese Aggressivität entsteht. „Ich besuche regelmäßig die Flüchtlingsunterkünfte. Eines Tages war ich gerade im Gespräch mit einem jungen Mann, als sein Handy klingelte. Ich war dabei und habe mitanhören müssen, wie seine alte Mutter in ihrer Panik mit ihm sprach, während ihre Straße unter Beschuss genommen und zerbombt wurde. Die Mutter ist allein mit der vielleicht zwei Jahre alten Tochter des Mannes zurückgeblieben. Und jetzt muss er hören, wie sie in Todesgefahr sind und kann ihnen nicht helfen“, sagt er und muss das Gespräch dann unterbrechen. Zu nahe geht ihm die Erinnerung.

„Aggressivität ist keine Lösung und niemals wird sie vom Islam legitimiert. Aber ich kann verstehen, dass die Männer so reagieren. Einige von ihnen schlafen nicht mehr, aus Angst, in der Zeit könnte ihren Familien etwas passieren. Andere flüchten in den Alkohol, um zu vergessen. Und beides macht irgendwann aggressiv.“ Wie dem Herr zu werden ist, weiß er nicht. Und vermutlich wird es darauf auch keine Antwort geben, solange im fernen Osten der Krieg tobt und täglich auf furchtbare Weise Leben auslöscht.

Flüchtlinge und Einheimische in Kontakt zu bringen, ist schwer

Auch Sabrin Semmo hat Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht, wenn auch viel weniger dramatische. Einige von ihnen waren in der Turnhalle neben der Schule ihres Sohnes einquartiert. „Ich habe ihm zuerst verboten, zu zeigen, dass er arabisch versteht, weil ich nicht wollte, dass er mit ihnen in Kontakt kommt“, gibt sie zu und wirkt verlegen. Sie, die doch immer gegen jede Art von Ungerechtigkeit kämpft, ist für einen Moment Opfer ihrer eigenen Ängste geworden. Zum Glück teilte Mustafa sie nicht. „Er ist neugierig und hat natürlich doch schnell Kontakte geschlossen“, sagt sie und lacht. Heute organisiert sie Grillfeste mit, die helfen sollen, Flüchtlinge und Anwohner in Kontakt zu bringen. Genutzt hat es wenig. „Die, die sich am lautesten über die Flüchtlinge und ihre Unterbringung in unserer Gegend aufregen, sind die, die zu solchen Veranstaltungen niemals auftauchen“, sagt sie.

Sie versucht zu vermitteln, ist dafür gut geeignet: In Deutschland geboren und aufgewachsen, Tochter eingewanderter Libanesen. Ihr eigener Freundeskreis besteht aus Menschen ganz unterschiedlicher Nationalität und Religion. Sabrin Semmo spricht deutsch – mit ihren Kindern und auch sonst meistens. Arabisch, die Sprache ihrer Eltern, spricht sie aber ebenso fließend. Sie klinge dabei nur „seltsam“, sagt sie und lacht dann. Sie könne einen bestimmten Laut, ein „K“, das tief in der Kehle gebildet wird, einfach nicht richtig sprechen. „Das kommt aber in jedem zweiten Satz vor“, sagt sie und man hört ihr den Frust an. Auch deshalb sollen die Jungs früh die Sprache ihrer Großeltern lernen. Die stammen aus dem Libanon und leben ein eher traditionelles Rollenbild. Auch in Sabrins Jugend gab es diese Situationen, die wir heute mit Islam verbinden – und die uns dieses unbehagliche Gefühl im Bauch verursachen: Allein abends das Haus verlassen? Kurze Röcke und enge Kleidung tragen? Alles schwierig. Tat sie nicht. Und ärgerte sich doch über die Einschränkungen. Damals. „Heute weiß ich, dass sich viel davon nur in meinem Kopf abspielte. Es gab nie ein Ausgehverbot durch meine Familie, ebenso wenig wie Bekleidungsvorschriften, aber in meinem Kopf gab es dieses Bild davon, was ein anständiges Mädchen tut und was nicht“, sagt sie heute. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, ihre persönliche Freiheit zu erhalten und trotzdem eine „gute Muslima“ zu sein.

Zwischen Kopftuch, Burka und Burkini

Sie weiß, dass ihre körperbetonte Kleidung und ihr Make up bei einigen Muslimen nicht gut ankommen. Als wir darüber reden und die Sprache auch auf die Vollverschleierung kommt, reckt sie angriffslustig das Kinn. „Es gibt im Islam keine Regel, die einen Gesichtsschleier vorschreibt und es ist keine Sünde, ihn nicht zu tragen. Also warum tun diese Frauen das hier in Deutschland? Soll das eine Provokation sein? Dann verstehe ich den Grund dafür nicht!“, sagt sie und ihre Stimme wird immer lauter.

Ihr Kopftuch, findet sie, falle in eine andere Kategorie. „Ich zeige mein Gesicht, man hört mich nicht nur, wenn ich rede, sondern man sieht mich auch. Das finde ich wichtig.“ Außerdem beantworte sie gerne jederzeit jede Frage, die andere Menschen zu ihrer Religion und auch zu ihrer Kleidung hätten, sagt sie. Vollverschleierte Frauen täten das ihrer Erfahrung nicht. Sie schotteten sich bewusst ab. Deshalb finde sie es auch schwer auszuhalten, wenn die Burka – also der Ganzkörper- und Gesichtsschleier und der Burkini, der Badeanzug mit integriertem Kopftuch und langen Armen und Beinen, in einen Topf geworfen würden. Burka würde sie nie tragen, den Burkini finde sie super. „So können meine Jungs mit ihrer Mutter Spaß im Bad haben und das ist für mich das Wichtigste!“ Dafür nehme sie auch seltsame Blicke und Getuschel in Kauf – und freue sich, wenn Kinder auf sie zukämen und neugierig nach ihrer „komischen“ Kleidung fragten. „Ich beantworte dann jede einzelne Frage – auch wenn ich sie schon hundertmal gehört habe und vielleicht seltsam finde. Aber so lernen meine Söhne, dass wir zwar anders leben als viele andere Menschen in Deutschland, uns aber nicht abgrenzen, nicht isolieren und uns auch nicht für etwas Besseres halten.“

Ein guter Mensch sein – nicht „gut angezogen“ sein

Letzteres, sagt sie, sei ein ganz wichtiger Punkt. Im Islam gehe es vereinfacht darum, ein guter Mensch zu sein. „Wenn ich also Kopftuch trage und meine Nachbarin kurze Shorts und ein Trägertop sagt das doch nichts darüber aus, ob ich ein besserer Mensch bin. Vielleicht hat sie heute schon anderen Menschen geholfen – oder ihnen ein Lächeln geschenkt. Dann ist sie vielleicht viel weiter als ich“, sagt sie.

Als ich diese Episode später Krim Seghiri erzähle, lächelt er und nickt. Menschen gut zu behandeln, sei ein Kern seiner Religion, sagt er. „Gastfreundschaft zum Beispiel ist etwas, was uns nicht nur empfohlen wird, sondern uns als Pflicht auferlegt ist. Ein Gast muss verwöhnt und wie ein König behandelt werden.“ Vielleicht sollten deutsche und muslimische Nachbarn einander also einfach ab und an zu Gästen machen.

Warum eine Pressereise sehr wohl Arbeit ist – und die Berichterstattung darüber auch objektiv sein kann.

Vergangene Woche war ich an der Nordsee. Auf Pressereise. Sagt man das in bestimmter Runde, erntet man stets gleichen zwei Vorwürfe:

  1. Da kannst du doch nicht mehr objektiv berichten.
  2. Das ist doch keine Arbeit.

An beidem ist was dran. Richtig ist trotzdem keiner dieser Vorwürfe. Eine Pressereise ist eine Reise, die von Touristikunternehmen, Regionalmarketingverbünden oder Reiseveranstaltern angeboten werden – für Journalisten und Blogger. Die Teilnehmer bekommen ein volles Programm, sehen und erfahren viel, können Interviews und Fotos machen und müssen sich um nichts kümmern – auch nicht um die Bezahlung dieser Reise. An- und Abfahrt, Unterkunft, Verpflegung, Eintritte, Transfers – alles wird bezahlt vom Veranstalter. Und weil die natürlich ein Interesse daran haben, dass die Teilnehmer möglichst positiv über ihre Region berichten, werden die Journalisten nicht gerade in den billigsten Absteigen untergebracht und zu McDonalds gekarrt. Daraus resultiert der erste Vorwurf.

Und klar, so viel Luxus und Zuvorkommenheit kann korrumpieren. Aber das ist ein Thema, für das die Medienbranche seit einigen Jahren extrem sensibilisiert ist. Auch bei der Pressereise an die Nordsee waren die Teilnehmer sich der Gefahr bewusst – und jeder betonte, dass er sehr bewusst auch schreiben würde, wenn ihm etwas nicht gefällt (In diesem und meinem Fall übrigens das Museum „Leben am Meer“ in Esens – hübsch in einer Windmühle und mit einigen interessanten Ansätzen, aber leider ziemlich in die Jahre gekommen und chaotisch im Konzept).

Vorwurf Nummer zwei hängt mit dem ersten zusammen: Man könne doch eine solche Reise nicht als Arbeit bezeichnen, höre ich oft. Ich verstehe das sogar – vor allem, wenn der Vorwurf von Menschen kommt, die selbst nicht journalistisch arbeiten. Die sehen vor allem das Programm: Diese Rundreise von Norddeich über Norderney und Juist zum Beispiel bis nach Esen, Bensersiel und Langeoog. Wenn man liest, dass auf dem Programm Radtouren, Wattwanderungen, Teezeremonien, Museumsbesuche und gute Abendessen stehen, dann klingt das wie ein schönes Ferienprogramm. Und ja, natürlich auch mir macht das Spaß. Ich genieße das und habe mir auch den Kopf frei pusten lassen und dabei neue Energie getankt.

Aber im Gegensatz zu einem Urlaub sind das Effekte, die bei einer Pressereise nur nebenbei mit Glück abfallen. Sie stehen weder im Mittelpunkt, noch sind sie vorrangiges Ziel. Ein weiterer Unterschied: Ich entscheide nicht selbst, wann ich was tue, wie viel Zeit ich damit verbringe und wann ich damit loslege. Das entscheidet der Veranstalter und weil die Zeit auf Pressereisen gewöhnlich knapp ist, ist das Programm voll. Von 8 bis 22 Uhr kann so ein Tag schon mal dauern. Und die meiste Zeit davon verbringt man hochkonzentriert, hört zu, fragt nach, schreibt mit, sucht nach den besten Bildern, sortiert und strukturiert Notizen, plant Zusatzrecherchen und die Veröffentlichung. Das schlaucht. Und ist ganz entschieden Arbeit. Aber eben eine, die besonders viel Spaß macht.

Natürlich, man könnte auch einfach Urlaub machen – und später darüber schreiben. Aber das halte ich persönlich aus zwei Gründen für keine gute Idee (und bei mir kommt noch ein dritter hinzu: Mein Mann würde mir was husten!):

  1. Wie eine Kollegin kürzlich sagte: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!“ Beides zu vermischen, führt nur dazu, dass man sich im Urlaub eben nicht erholt, weil man gedanklich bei jedem Ausflug und in jedem Hotel oder Restaurant Notizen macht, um später nichts zu vergessen, wenn es um den Text geht.
  2. Wollte man ein Programm, wie es auf einer Pressereise vorbereitet ist, selbst organisieren, wäre das mit extrem viel Aufwand im Vorfeld verbunden, denn es gilt, viele unterschiedliche Ansprechpartner unter einen Hut zu bringen und zur Zusammenarbeit zu motivieren (was vermutlich auch nur bedingt gelänge). Es würde also Zeit – und auch viel Geld – kosten, auf eigene Faust eine solche Reise zu stemmen. Oder man müsste eben auf einige, vielleicht ganz besondere, Programmpunkte verzichten, weil man dazu allein keinen Zugang bekäme.

Deshalb habe ich an dieser Pressereise an die Nordsee teilgenommen – und werde das auch für andere Destinationen nutzen, wenn es sich anbietet. Auf diese Weise sammle ich in einer Woche so viel Input und Inspiration wie sonst nur in vielen Monaten. Von der Nordsee zum Beispiel bringe ich eine Reportage über das Wattenmeer mit (persönlicher Tipp: Unbedingt Wattwanderung mit Heino auf Juist buchen!), aber auch eine Themenidee für eine große Geschichte über Tee (Nicht nur die Japaner haben eine Teezeremonie, die Ostfriesen auch – kann man in Bensersiel in der Saison einmal pro Woche mitmachen, kostet weniger als ein Fast-Food-Menü und ist wesentlich entspannender und zugleich unterhaltsamer). Und sogar für die Bastelseiten, die ich jede Woche für diverse Tageszeitungen in Bayern und Thüringen schreibe, könnte diese Reise interessant gewesen sein – weil sich auf Langeoog inzwischen ein regelrechter Kreativtourismus etabliert (und hier auch jeder Urlauber mit einer passenden Idee selbst Kreativkurse anbieten und damit was zur Urlaubskasse dazu verdienen kann, wenn die Gemeinde zustimmt).

Wie finde ich den richtigen Ton für jede Zielgruppe?

„Wie gelingt es mir, mich sprachlich auf mein Zielgruppe einzustellen?“ Diese Frage stellte mir vor einiger Zeit jemand in einer der vielen Facebook-Gruppen, in denen ich Mitglied bin. Ehrlich gesagt, ich fand nicht sofort eine Antwort darauf. Das ist insofern seltsam, als es einer meiner wichtigsten USPs ist: Ich verkaufe meine Dienstleistung vor allem über meine Fähigkeit, aus demselben Stoff ganz unterschiedliche Texte zu machen. Darüber hatte ich hier schon mal geschrieben.

Aber wie das so ist, mit Dingen, die man selbst gut kann – und schon lange macht: Wenn man erklären soll, wie man sie genau macht, kommt man in Erklärungsnot. Ich mache das eben, dachte ich. Aber weil diese Antwort weder für mich noch für die Dame, die danach gefragt hatte, besonders befriedigend war, habe ich ein bisschen gegrübelt und analysiert.

Schreiben ist Handwerk. Jedenfalls das Schreiben, mit dem ich mein Geld verdiene. Dazu gehört ein bisschen Intuition, ein bisschen Talent, aber vor allem Fachwissen, Übung und Erfahrung. Aber was man lernen und üben kann, muss sich auch beschreiben lassen. Also muss es eine sinnvolle Antwort auf die Frage geben, wie man sein Schreiben an die Zielgruppe anpasst.

Und ich habe meine gefunden, aber eine Warnung sei an dieser Stelle erlaubt: Meine Art, das zu tun, ist weder schnell, noch einfach. Weiterlesen sollte jetzt also nur, wer sich wirklich mit seinem Stil auseinandersetzen und diesen anpassen will.

Beobachten und analysieren Sie, wie Ihre Zielgruppe spricht

Um Ihren Stil anzupassen, müssen Sie zunächst einmal genau wissen, wer Ihre Zielgruppe ist. Definieren Sie die so konkret wie möglich – und dann schauen Sie ihr auf den Mund. Hören Sie genau zu und analysieren Sie, wie Ihre Zielgruppe spricht. Wollen Sie einen Ton treffen, der Menschen anspricht, müssen Sie sich an deren Sprache orientieren, nicht daran, wie diese Menschen schreiben. Denn das Schreiben lernen wir in der Schule. Unsere Schriftsprache ist fast immer förmlicher, konstruierter als das gesprochene Wort. Aber über die Sprache schaffen wir Identifikation, sie zeigt unsere Zugehörigkeit zu einer Gruppe an – altersmäßig, regional, beruflich oder sozial. Und wenn wir nicht gerade Schauspieler oder Wissenschaftler sind, „lernen“ wir das sprechen auch nicht (neu) auf verschulte Weise, sondern reden, wie wir es von Klein auf gehört haben.

Texten, denen es gelingt, das aufzugreifen, schaffen ein verbindendes Gefühl zwischen Autor und Leser. Aber Vorsicht: es geht um den Ton, den Stil. Es geht nicht darum, statt Hochdeutsch plötzlich alle Worte in den Dialekt Ihrer Zielgruppe zu transkribieren. Das kann ein Stilmittel sein, das funktioniert, aber nur, wenn a) Sie selbst diesen Dialekt sprechen und b) Ihr Thema dazu passt. Andernfalls könnten sich Ihre Leser schnell veralbert fühlen.

Wenn Sie eine Weile zugehört und Beobachtungen gesammelt haben, wie Ihre Zielgruppe spricht, versuchen Sie zu analysieren, welche Eigenheiten deren Sprache hat, die sich als Stilmittel umsetzen lassen. Benutzt die Zielgruppe zum Beispiel überdurchschnittlich viele Substantive oder Adjektive? Formuliert sie häufig ausschließlich einfach Hauptsätze oder mag sie Verschachtelungen? Gehören Fremd- und Fachwörter zu ihrem aktiven Vokabular? Setzt sie auf eine betont förmliche Sprache oder eben das Gegenteil?

Wie passen „authentisch bleiben“ und „zielgruppengerecht schreiben“ zusammen?

Aus dieser Analyse können Sie nun Ihren neuen Stil aufbauen, der ganz gezielt auf diese Gruppe zugeschnitten ist. Allerdings: Wenn Ihr eigener Stil stark davon abweicht, haben Sie nun zwei Probleme: 1. Die Gefahr, dass Sie gestelzt, gekünstelt, unauthentisch klingen, ist sehr groß – und fast immer schädlich für den Erfolg Ihres Textes. 2. Das Schreiben wird frustrierender und deutlich länger dauern als Sie es bisher gewohnt sind, weil Sie automatisch immer wieder in Ihren eigenen Stil zurückfallen und große Passagen des Textes überarbeiten oder neu schreiben müssen.

Mit viel Zeit und Übung kann es gelingen, sich so einen neuen Stil anzutrainieren. Ich halte aber Nutzen und Aufwand für vollkommen unverhältnismäßig. Und die Erfahrung zeigt auch, dass es gar nicht nötig ist, seinen eigenen Stil völlig neu zu erfinden. Oft helfen schon ganz kleine Änderungen, um einen Text für eine neue Zielgruppe attraktiv zu machen.

Die folgende Auflistung kann dafür Anregungen geben, ist aber weder vollständig, noch eine Erfolgsgarantie. Dafür sind die Empfehlungen viel zu pauschal und Menschen – auch wenn Sie zu ein- und derselben Gruppe zusammengefasst werden können – neigen nun mal dazu, unterschiedliche Dinge gut zu finden. Aber in meiner Texterfahrung haben diese kleinen Kniffe oft funktioniert:

Zielgruppe Kinder:

  • Einfache Sätze, keine Verschachtelungen
  • Fremd- und Fachwörter vermeiden oder kindgerecht erklären
  • Kindern fehlt die Erfahrung erwachsener Leser, aber sie sind keine Idioten, also sollten wir auch nicht so schreiben, als wären sie es
  • Beispiele, Vergleiche aus der kindlichen Erfahrungswelt nutzen, um Dinge aus der Erwachsenenwelt zu erklären
  • Interaktionen einbauen: Kinder direkt ansprechen, auf Entdeckunsgreise in der Wirklichkeit schicken, um dort Dinge aus dem Text wieder zu entdecken, o.ä.

Zielgruppe Fachpublikum:

  • Fachtermini benutzen, neue und ungewöhnliche Begriffe kurz und sachliche erklären
  • Statistiken, Studien etc. benutzen, dabei Quellen nennen oder verlinken, damit sich die Leser selbst einlesen können
  • Kurze Sätze
  • Deutliche optische und inhaltliche Gliederung
  • Textaufbau wie Nachrichtenpyramide

Zielgruppe Enthusiasten für ein bestimmtes Hobby:

  • Duzen
  • Kurze Sätze
  • Viele Adjektive
  • Persönliches einfließen lassen (eigene Erfahrungen, eigene Meinung, Anekdoten)
  • Emotional schreiben

Egal, wie Ihre Zielgruppe aussieht und was Sie ihr mitteilen wollen: Bleiben Sie vor allem Sie selbst!Was nützt es Ihnen, wenn Sie Ihren Schreibstil mit viel Mühe so verbiegen, dass er perfekt zu dem Ihrer Zielgruppe passt, wenn Sie im persönlichen Kontakt nicht halten können, was Ihre Texte versprechen, weil Sie eben doch nicht auf einer (Stil)Wellenlänge liegen? Fragen Sie sich also nicht, wie Sie Ihren Stil verändern können, damit er zu dem Ihrer Zielgruppe passt, sondern fragen Sie sich lieber: Wie muss ich schreiben, damit meine Zielgruppe mich versteht und meine Inhalte aufnimmt?

Goldene Schreibregeln für verständliche, schöne Texte

Um dieses Ziel zu erreichen, helfen vor allem diese goldenen Schreibregeln:

  1. Verständlichkeit vor Schönheit: Ein Satz kann noch so elegant und poetisch sein, wenn der Leser ihn nicht sofort versteht, gehört er in die Tonne!
  2. Zahlen und Fachbegriffe nicht in den Text, sondern lieber als Glossar in einen Faktkasten oder unter den Blogpost auslagern. So liefern sie trotzdem ihren Mehrwert, behindern aber den Lesefluss im Text nicht.
  3. Klar strukturierte, verständliche Sätze. Das bedeutet nicht, dass Sie nur noch Hauptsätze aneinander reihen sollen, aber wenn Sie selbst den Satzanfang zweimal lesen müssen, um am Satzende den Zusammenhang wieder herzustellen, stimmt etwas mit Ihrem Satz nicht.
  4. Lieber Aktiv statt passiv, also lieber „Er malte das Haus an“ statt „Das Haus wurde angemalt.“ Aktiv aktiviert die Leser, zieht sie in den Text und motiviert zum Weiterlesen.
  5. Anfang, Höhepunkt, Ende: Machen Sie sich die Mühe, Ihrem Text eine klare, inhaltliche Gliederung zu geben. Handeln Sie einen Gedankengang ab, bevor Sie zum nächsten kommen und schaffen Sie durch Absätze, Aufzählungen oder Zwischenüberschriften Ordnung. Ein gutes Ende – das zum Beispiel den Einstieg aufgreifen kann – entlässt Ihre Leser mit einem positiven Gefühl. Und bringt Sie im besten Fall zu Ihnen zurück.
  6. Arbeiten Sie mit Beispielen: Fakten sind gut. Einprägsamer sind sie aber, wenn Sie sie Ihren Lesern verpackt in ein gutes Beispiel oder einen Vergleich präsentieren.

Nicht unter- und nicht überschätzen: Unterfordern Sie Ihre Leser, indem Sie ewig wiederholen, was sie schon wissen, springen sie ab und lesen Ihren Text im Zweifel nicht zu Ende. Überfordern Sie sie, indem Sie neue Fakten nicht ausreichend erklären oder nicht in einen verständlichen Zusammenhang stellen, passiert dasselbe. Vermeiden Sie beides – und genießen Sie die Herausforderung, die dieser Balanceakt jedes Mal bedeutet.

Beachten Sie das und prüfen jeden neuen Text vor der Veröffentlichung darauf, ob er Ihrer Zielgruppe Mehrwert, Unterhaltung, Information oder Austausch bietet, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Der Rest ist Übung und Erfahrung. Viel Spaß dabei, beides zu sammeln!

Wie man Podiumsdiskussionen durch etwas viel Interessanteres ersetzen kann

Ich bin seit fast sechs Jahren Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes hier in Thüringen. Ehrenamtlich. Passiert halt, wenn man es doof findet, zu meckern, ohne selbst was zu tun. Ist auch an sich gar nicht schlimm. Ich mache gern ab und zu (Medien)Politik und vor allem bin ich wirklich, wirklich gern Chefin – auch im Ehrenamt. Man kann damit zwar die Welt nicht ändern, aber ich kann zumindest hier und da Impulse setzen, die vielleicht irgendwann zu etwas Größerem werden. Nur eine Sache gibt es an diesem Amt, die mich wahnsinnig macht: Ich bin relativ häufig auf Konferenzen, Fachtagen oder sonstigen Veranstaltungen und alle, also wirklich alle, eröffnen oder schließen sie mit einer Podiumsdiskussion. Und ich verstehe nicht, warum!

Es gibt wirklich wenig Diskussionsformate, die ineffektiver, langweiliger und damit sinnloser sind als eine Podiumsdiskussion. Warum? Darum:

  1. Auf den Podien, die ich kenne, sitzen immer viel zu viele Diskutanten. Üblicherweise hat der Moderator eine Stunde, um mit den Teilnehmern zu sprechen, dann kommt die Fragerunde mit dem Publikum. Wenn da oben aber sechs, sieben oder acht Diskutanten sitzen, dann kommen die in einer Stunde vielleicht zweimal dran. Und weil jeder mal drankommen soll, kann keiner wirklich in die Tiefe gehen. Erkenntnisgewinn für Diskutanten und Publikum ist damit am Ende gleich Null.
  2. Podiumsdiskussionen sind selten kontrovers. Das hängt mit Punkt eins zusammen. Um sich ordentlich zu streiten – und zwar inhaltlich – brauchen zwei Menschen Zeit. Das kann sehr interessant sein – aber die restlichen vier Teilnehmer auf dem Podium sitzen in dieser Zeit blöd rum. Also wird der Moderator einen Streit früher oder später abbrechen.
  3. Podiumsdiskussionen bringen selten Neues. Auch das liegt an den Teilnehmern. Jetzt mal im Ernst: Wer ein paar Podien zum selben Thema besucht hat, sieht dort auch immer dieselben Diskutanten. Man kennt sich. Damit kennt man aber auch die Positionen und Argumente der anderen. Und das gilt eben nicht nur für die Podiumsteilnehmer, sondern auch für das Publikum. Und weil die Form dieser Diskussion zu bekannt und eingeschliffen ist, kommen auch in der zehnten Podiumsdiskussion nicht plötzlich neue Erkenntnisse und Argumente, sondern der ewig gleiche Senf.

Dabei gibt es Alternativen. Natürlich ist nicht jeder meiner folgenden Vorschläge für alle Tagungsarten, alle Zielgruppen und alle Themen geeignet. Und manchmal mag eine Podiumsdiskussion wirklich das richtige Mittel sein. Aber IMMER lohnt es, vorher darüber nachzudenken, ob das so ist – oder ob es nicht unterhaltsamerer und zugleich effektivere Methoden gibt, sich über ein Thema auszutauschen. Diese hier zum Beispiel:

Fish Bowl

Die Fish-Bowl-Methode ist wahrscheinlich aktuell eine der beliebtesten Alternativen. Das Problem dabei: Es gibt keinen Moderator und funktioniert nur, wenn das Publikum sich wirklich selbst reguliert, also Viel- und Blödsinn-Redner konsequent „ersetzt“.

Die Fish Bowl hat ihren Namen von der Anordnung der Teilnehmer: Es gibt einen inneren und einen äußeren Stuhlkreis. Innen sitzen – mit dem Gesicht zueinander – die Ursprungsdiskutanten, außen das Publikum. Wie in einem Fischglas, der Fish Bowl, eben.

Zum Vorgehen: Der innere Kreis beginnt zu diskutieren. Aber jeder aus dem Publikum kann jederzeit in die Diskussion einsteigen, indem er sich auf einen freien Stuhl oder hinter den eines Diskutanten stellt. Der darf dann seinen Satz noch beenden und muss dann den inneren Kreis verlassen. Der Publikumsteilnehmer nimmt seinen Platz ein und bringt seinen Beitrag. Er bleibt im Kreis, bis er abgelöst wird oder von selbst geht, weil er nichts mehr beitragen kann. Um mehr Dynamik in die Diskussion zu bringen, kann im Innenkreis am Anfang ein Stuhl mehr stehen, als Diskutanten da sind. So muss der erste Teilnehmer aus dem Publikum nicht warten, bis ein Stuhl frei wird und er muss auch niemanden „rauswerfen“, um teilnehmen zu können.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch diese Methode ist das Publikum maximal eingebunden, wenn es das will. Und durch das Unerwartete bekommt die Diskussion im besten Falle Spannung und neue Perspektiven. Allerdings besteht eben immer auch die Gefahr, dass sich niemand traut, sich zu beteiligen oder die Diskussion, weil sie unmoderiert ist, mäandert und sich in unwichtigen Details verliert.

Worldcafé

Das Worldcafé, oder auf deutsch: Weltcafé, heißt so, weil es wie eine Reise konzipiert ist. Im Mittelpunkt stehen Tische und zwar so viele, wie es Themen oder Fragen zu diskutieren gibt. An jedem Tisch gibt es einen Gastgeber – das könnten die Experten sein, die sonst sich und das Publikum in einer simplen Podiumsdiskussion langweilen würden. Das Publikum wird in Kleingruppen von maximal sechs Personen aufgeteilt und auf die Tische verteilt. Dort wird jeweils ein Thema – an jedem Tisch ein anderes – etwa 20 Minuten diskutiert, dann gibt es das Signal zum Wechsel. Die Gastgeber bleiben an ihren Tischen und fassen für die nächste Gruppe kurz den Diskussionsstand der Vorgänger zusammen. Die Teilnehmer berichten, was aus den vorherigen Stationen hier für das Thema interessant sein könnte. So wird weiter diskutiert, wobei die Ergebnisse der Vorgänger eingebunden und entwickelt werden können. Am Ende präsentieren die Gastgeber der Tische die Ergebnisse im Plenum, wenn das gewünscht ist.

Ein bisschen schwieriger wird diese Methoden, wenn es sehr viele Teilnehmer gibt. In diesem Fall lässt sich das auf zwei Arten lösen: Entweder werden Tische und damit Themen gedoppelt – zu einer Fragestellung gibt es also zwei oder drei Tische. So können alle Teilnehmer gleichzeitig diskutieren, man braucht aber genug Gastgeber, um die Tische qualifiziert zu besetzen. Alternativ kann ein Teil der Gäste am Worldcafé teilnehmen, während der Rest in anderen Foren und Formen wie Arbeitsgruppen oder der stummen Diskussion arbeitet.

Stumme Diskussion

Ich bin ja ein bekennender Fan der Brain-Writing-Methode. Die stumme Diskussion ist im Prinzip genau das Gleiche, nur eben in großer Runde und öffentlich. Dafür wird das Oberthema der Veranstaltung in einzelne Fragestellungen unterteilt. Die werden jeweils auf große Plakate/Flipchartbögen geschrieben und im Raum verteilt. Die Teilnehmer laufen nun diese Stationen ab, schreiben zu jeder Frage ihre Gedanken auf die Blätter und kommentieren beziehungsweise ergänzen die Statements der anderen. Dabei können Symbole wie Frage- und Ausrufezeichen oder der Blitz anzeigen, zu welchem Thema die anderen Teilnehmer Fragen haben, zustimmen oder Widerspruch anmelden wollen. Nur eines ist in dieser Phase nicht erlaubt: das Reden. Die Teilnehmer dürfen sich beim Schreiben nicht austauschen. So soll verhindert werden, dass Thesen schon verworfen werden, bevor sie überhaupt zu Ende gedacht werden konnten.

Sind alle Stationen von allen bearbeitet, können die Ergebnisse die Grundlage für die weitere Arbeit sein. Zum Beispiel könnten die Experten, die sonst in der Podiumsdiskussion gesessen hätten, Arbeitsgruppen zu einzelnen dieser Untergruppen leiten, in denen es in die Tiefe geht und Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Blitzthesen

Vier Diskutanten, ein halbes Dutzend Thesen und eine Stoppuhr – das ist eine sehr schnelle Methode, Themen zu beleuchten. Die vier Teilnehmer werden in zwei Gruppen eingeteilt: Zwei Teilnehmer vertreten immer die Pro-, zwei die Contra-Seite. Der Moderator liest dann die erste These vor (optimalerweise wird die irgendwo projiziert zum Nachlesen) und fordert den ersten Teilnehmer auf, dafür oder dagegen zu argumentieren – je nachdem, ob er in der Pro- oder Contragruppe ist. Dabei hat er aber für seine Antwort nur 30 Sekunden Zeit. Je nach Anzahl der Thesen und geplanter Dauer kann pro These immer nur ein Diskutant aus jeder Gruppe zu Wort kommen – oder beide.

Das habe ich dieses Jahr beim Branchentag der Thüringer Kreativwirtschaft zum ersten Mal erlebt – als Teilnehmerin. Das ist anstrengend, aber auch sehr unterhaltsam und kann ganz neue Perspektiven eröffnen, weil die Teilnehmer keine Zeit haben, ihre Antworten lange zu filtern.

Planspiel

Bei einem Planspiel schlüpfen die Teilnehmer in verschiedene Rollen und versuchen in diesen Problemstellungen zu lösen. Das soll helfen, Dinge aus einer neuen Perspektive zu sehen und kann zum Beispiel Verständnis für die Entscheidungen und Handlungen anderer wecken. Sie kennen das System sicher: Wer schon mal ein Assessment Center durchlaufen musste, um einen neuen Job zu bekommen, dürfte damit vertraut sein. Sehr häufig bekommen kleine Bewerbergruppen dann eine Situation, die sie gemeinsam lösen müssen. Auch in der Politik gibt es Planspiele. So können Schüler in die Rollen internationaler Politiker schlüpfen und die Probleme der Weltpolitik diskutieren.

Als Alternative zur Podiumsdiskussion sehe ich zwei Möglichkeiten: Entweder, indem wirklich das komplette Publikum in kleine Gruppen aufgeteilt und mit unterschiedlichen Problemstellungen aus dem Oberthema versorgt wird. In der Gruupe werden die Rollen verteilt und die Teilnehmer achten selbst darauf, dass jeder wirklich in seiner Rolle bleibt und nur daraus argumentiert. Wenn es um die Zukunft der Medien und des Journalismus geht – ein beliebtes Thema der Podien, die ich besuche – könnt einer zum Beispiel Verlagsmanager sein, einer Redakteur, einer Freier Journalist, einer Volontär oder Student, einer Medienpolitiker, einer Drucker, einer Bankmanager…

Alternativ kann man auch aus einer klassischen Podiumsdiskussion ein Planspiel machen – wenn sich die Teilnehmer darauf einlassen. Um im Beispiel zu bleiben, sitzen auf diesen Medienpodien immer ein Medienmanager, mindestens zwei Journalisten und Verbandsvertreter. Der Moderator könnte nun daraus ein Planspiel machen, indem er die Teilnehmer auffordert, jeweils die Rolle eines anderen Teilnehmers zu übernehmen.

Open Space-Konferenz

Eine extrem aufwendige Form, die zudem steht und fällt mit dem Engagement des Publikums. Aber wenn alle mitziehen, kann damit jeder maximale Ergebnisse mit nach Hause nehmen. Bei einer Open-Space-Konferenz gibt es keine Tagesordnung. Die entsteht erst mit den Teilnehmern. In einem ersten Plenum werden die Themen und Fragestellungen der Teilnehmer zum entsprechenden Oberthema gesammelt und zu Arbeitsaufträgen gebündelt. Daraus entstehen dann Arbeitsgruppen, die sich in einem festgelegten Zeitfenster mit je einem dieser Unterthemen beschäftigt. Jeder kann frei wählen, welche Arbeitsgruppen er besucht. Denkbar ist auch, dass jeder jederzeit die Gruppe wechseln kann. So kommt innerhalb der Arbeitszeit ständig neuer Input dazu, allerdings kann es auch die Arbeitsgruppe sprengen, weil man nie zu einer Struktur und einem Ergebnis kommt. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Plenum präsentiert und diskutiert.

Und wenn es dann doch unbedingt eine Podiumsdiskussion sein muss, hier noch ein Tipp an die Moderatoren (die übrigens den härtesten Job überhaupt haben): Einfach mal Fragen wie ein Kind und die Warum- oder Wie-Kaskade ausprobieren. Natürlich nicht eine ganze Stunde lang, aber ab und an ist das eine wirklich einfache und effektive Methode, inhaltlich ein bisschen mehr in die Tiefe zu kommen.

Warum ich Überschriften hasse – und wie sie trotzdem gut werden

Ich hasse Überschriften und Überschriften hassen mich. Das ist keine Übertreibung. Tatsächlich bereitet mir ein kompletter Text mit 3000 Wörtern insgesamt weit weniger Probleme als die Überschrift dazu. Ich suche nämlich immer nach einem Titel, der sowohl den wichtigsten Inhalt des Textes spiegelt, als auch spannend genug ist, damit Sie weiterlesen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Die einen behaupten, die sachliche Information sei in der Überschrift wichtiger als die Kreativität. Der Rest sagt genau das Gegenteil. Aber keiner hat je behauptet, beides ginge auf einmal. Wenn Sie für eine Zeitung oder ein Magazin schreiben, kommt noch ein dritter Punkt hinzu: Sie haben nicht viel Platz. Auf jeden Fall haben Sie immer zu wenig Platz, um kreativ UND sachlich zu sein. Deshalb ist es meistens eine Frage der Abwägung:

Sachlich-informierende Überschriften

Diese Art der Überschrift finden Sie in den allermeisten Zeitungen. Sie bietet einen kurzen Überblick über das Thema des folgenden Textes. Der Leser kann also sofort entscheiden, ob ihn der Beitrag interessiert oder nicht. Er muss dafür keine Zeile Text gelesen haben und kommt so schneller zum Ziel.

Ein Beispiel:
Geschrieben ist ein Beitrag über die Erweiterung einer Schweinemastanlage.
Eine nachrichtliche Überschrift könnte lauten:
„13 Millionen in Ausbau der Schweinemastanlage in XY investiert“

Der Leser weiß sofort, worum es geht. Aber: Sachlich ist eben meist auch nüchtern und nüchtern kann ganz schnell langweilig sein, vor allem wenn das Thema keinen unmittelbaren Bezug zum Leben des Lesers hat. Wenn es dumm läuft, verpasst er so einen brillanten Text, der ihm neue Perspektiven eröffnet hätte, weil er sich von einer wenig inspirierenden Überschrift hat abschrecken lassen.

Trotzdem gilt: Für alle Texte, die Sie rein zur Information verschicken, sollten Sie sich für eine informierende Überschrift entscheiden. Das betrifft also Berichte an Vorgesetzte, Vorstand, sonstige Kontrollgremien oder Behörden. Das betrifft aber zum Beispiel auch – jedenfalls in den meisten Fällen – Pressemitteilungen.

Journalisten stehen zwar auf Kreativität, aber nicht, wenn das ihre Arbeit behindert. Verschicken Sie nun eine Pressemitteilung, die vielleicht eine DIN A4-Seite lang ist, liegt Ihre Mail zwischen vielleicht 100 anderen im Postkasten des Journalisten. Er hat aber keine Zeit, 100 Mails in Ruhe zu lesen, also scannt den Eingang und sortiert zunächst vermutlich in wichtig, dringend, interessant, Papierkorb. Bieten Sie jetzt eine Pressemitteilung mit einer zwar kreativen, aber auch kryptischen, Überschrift, landen Sie im besten Fall auf dem „interessant“-Stapel, der auch Wiedervorlage heißen könnte. Wann das wieder vorgelegt wird, steht aber in den Sternen. Und im schlimmsten Fall landet die Meldung direkt im Papierkorb.

Wenn Ihnen Ihr Thema für eine schnöde Nachrichtenüberschrift zu schade ist, greifen Sie zu einem Trick: Führen Sie zusätzlich zur Überschrift die Unterzeile oder Rubrikenzeile ein. Beide haben den gleichen Zweck, sie unterscheiden sich nur in der Platzierung: Die Rubrikenzeile steht über der Überschrift, die Unterzeile darunter. Üblicherweise sind Unterzeilen außerdem länger. Mit der Kombination aus Überschrift und Unterzeile/Rubrikenzeile können Sie nun spielen: Eine davon fasst nachrichtlich den Text zusammen, die andere ist kreativ.

Überschriften als Leseanreiz

Der zweite Ansatz Überschriften zu texten, geht davon aus, dass Leser motiviert werden müssen, einen Text zu lesen. Sie finden das häufig in Magazinen und das lässt sich gut erklären: Während viele Menschen die Tageszeitung quasi als Pflichtlektüre empfinden (noch) und sie lesen, um informiert zu seinen, lesen wir Zeitschriften und Magazin in der Freizeit, aus Spaß. Und die rare freie Zeit vergeuden wir nicht mit Texten, die uns uninteressant erscheinen. Also müssen hier schon die Überschriften Lesevergnügen, Nutzwert, Unterhaltung signalisieren.

Wie das geht, kann ich an dieser Stelle nicht erschöpfend beantworten, denn theoretisch sind kreativen Überschriften nur an zwei Stellen Grenzen gesetzt: Das sind zum einen die Gesetze und die Regeln des guten Geschmacks und zum anderen unter Umständen eine vorgegebene Länge. Darüber hinaus können Sie aber aus den Vollen schöpfen und eine Überschrift kreativ gestalten, indem Sie zum Beispiel:

  • Fakten ungewöhnlich kombinieren oder überzeichnen:
    Wenn wir das Schweinemastbeispiel wieder aufgreifen, könnte die Überschrift lauten:
    „13 Millionen für Schnitzel“
  • Mit Sprichwörtern oder dem Volksmund spielen:
    „Viel Schwein gehabt!“
  • Fragen stellen:
    „Wie viel Schwein braucht der Mensch?“
  • Zitate nutzen, wenn Sie pointiert und passend sind:
    „Der neue Stall ist wie Wellness für Schweine“

Probieren Sie sich da ruhig ein bisschen aus. Das kann übrigens auch im Team viel Spaß machen – vor allem, wenn rumspinnen erlaubt ist. Es gibt allerdings nur wenig Verwendungsbeispiele, die mit einer kreativen Überschrift ohne sachliche Unterzeile funktionieren. Gut geht das wie gesagt in Magazinen – auch weil dort die begleitenden Bilder bereits einen zusätzlichen Hinweis auf den Inhalt des Textes geben. Rein kreative Überschriften können auch in Newslettern funktionieren, wenn der nachfolgende Teasertext den Inhalt vernünftig zusammenfasst, auf den er dann verlinkt. Für Blogposts kann das ebenfalls klappen, es kann aber auch ziemlich nach hinten losgehen.

Doch für Online-Texte sind die Überschriftenregeln aus der analogen Welt ohnehin nur bedingt anwendbar. Es schadet auch bei Onlinetexten nicht, darüber nachzudenken, wer die Zielgruppe und was das Ziel des Beitrages ist – davon hängt ab, ob man kreativ oder nachrichtlich textet. Aber dann geht es bei Onlinetexten ja vor allem darum, im Wust der vielen Blogposts, die täglich veröffentlicht werden, aufzufallen und Leser, also Klicks, zu gewinnen. Wie das geht, hat Marc Roth auf seinem Blog DoktorConversion gerade erst so schön erklärt, dass ich mir das an dieser Stelle spare und Ihnen einfach einen Besuch bei ihm ans Herz lege.

Gute Redaktionsplanung hilft gegen Montage

Montage sind so ganz grundsätzlich nichts für mich. Montage bedeuten immer, dass Sonntage vorbei und Samstage noch weit weg sind. Wer eine Wochenend-Beziehung führt, weiß, dass das doof ist – auch wenn man wirklich gern arbeitet. So wie ich. Hinzu kommt, dass montags immer alles ätzender ist. Der verschüttete Kaffee? Nervt mich montags mehr als mittwochs. Der Termin zu einer Uhrzeit, die eigentlich noch vor dem Aufstehen liegt? Donnerstags brauche ich dafür nur einen Bruchteil der Koffeindosis, die montags draufgeht, um zu funktionieren.

Heute ist wieder so ein Montag und das Problem ist dieser Blog: In meinem Trello-Board liegen auf der Liste „Ideen für Komplextext-Blog“ jede Menge Artikel-Vorschläge. Aber keiner springt mich an. Und weil eben Montag ist, ist meine Reaktion nicht: „Egal, nicht jeder Post muss ein Brüller werden. Gut reicht manchmal auch.“ Nein, das wäre die Mittwoch-bis-Freitag-Reaktion (Dienstag erhole ich mich noch vom Montag). Montags besteht die Reaktion aus jammern, nörgeln, Selbstmitleid und Prokrastination. Dabei wäre alles so einfach, würde ich mich endlich auch bei diesem Blog an meinen eigenen Tipp halten. Schließlich erzähle ich immer wieder, wie wichtig eine vorausschauende Redaktionsplanung für Social-Media-Kanäle ist.

Aber wie das so ist mit dem Schuster und den Leisten: Für meinen eigenen Blog fahre ich auf Sicht oder nach dem Motto: Bist doch eine professionelle Texterin, wirst ja wohl in der Lage sein, so einen läppischen Blogpost aus dem Boden zu stampfen. Bin ich natürlich. Aber ich mag eben nicht immer.

Gute Redaktionsplanung braucht nur einen Kalender – und Antworten

Mit einem Redaktionsplan wäre das gar kein Problem. Klappt bei meinem DiY-Blog ja auch. Und auch bei den Facebookseiten, die ich für Kunden betreue, ist ein Redaktionsplan ganz selbstverständlich im Einsatz. Was übrigens viel unkomplizierter (und übrigens auch viel weniger seelenlos) ist, als viele Leser immer glauben. Für eine gute Planung braucht es keine Tools, auch wenn die die Sache hübscher, angenehmer, bequemer oder übersichtlicher machen können, wenn man der Typ dafür ist. Was es braucht, sind ein Kalender (am besten in der Monatsübersicht und mit reichlich Platz für Notizen pro Tag) und Antworten auf diese Fragen:

  1. Wie oft will ich etwas veröffentlichen und auf welchen Plattformen?
  2. Wenn es sich um Blogposts handelt: Auf welchen Kanälen soll darauf aufmerksam gemacht werden und wie oft?
  3. Wie viel Zeit kann und will ich nach dem Veröffentlichen in den Post investieren?
  4. Brauche ich Partner für einzelne Geschichten oder Vorlauf für die Produktion?

Warum ausgerechnet diese Fragen für eine Redaktionsplanung wichtig sind? Ganz einfach: Weil sie alle mit Ressourcen zusammenhängen. Und die sinnvoll einzusetzen, ist das vorrangige Ziel eines Redaktionsplans.

Wie oft will ich etwas veröffentlichen und auf welchen Plattformen?

Sagen wir, der Plan lautet, einmal pro Woche einen Post auf dem Blog zu veröffentlichen und diesen auf der eigenen Facebook-Seite und bei Twitter zu teilen. Dafür sieht meine persönliche Redaktionsplanung (und das ist die Minimal-Anwendung) so aus:

Im Kalender mit Monatsübersicht trage ich zuerst die Veröffentlichung ein und gehe dann rückwärts, um zu notieren, wann ich den Post schreibe. Denn was sich vorbereiten lässt, bereite ich vor. So habe ich Zeit und Luft, um ggf. auf Aktuelles zu reagieren und spontan einen Text zu schreiben, wenn das Weltgeschehen oder ein persönliches Erlebnis es notwendig macht. Aber ich habe eben auch fertiges Material, wenn mir mal wieder ein blöder Montag in die Quere kommt. Wenn die Veröffentlichung auf Facebook und Twitter nicht automatisiert sind – WordPress-Blogs können z.B. mit beiden Plattformen verbunden werden und spielen neue Posts dort automatisch direkt nach Veröffentlichung aus – trage ich im Kalender auch ein, wann ich die entsprechenden Verlinkungen auf den sozialen Netzwerken vornehme. Fertig ist die rudimentärste aller Planungen. Jetzt muss ich mich nur auch noch an sie halten.

Wenn es sich um Blogposts handelt: Auf welchen Kanälen soll darauf aufmerksam gemacht werden und wie oft?

Nehmen wir also an, der Post ist veröffentlicht und auf den eigenen Präsenzen auf wichtigen sozialen Netzwerke wurde darauf auch automatisch aufmerksam gemacht. Wer wenig Zeit investieren kann – oder schlicht keinen Nerv auf mehr hat – kann es dabei bewenden lassen. Bei vielen Blogposts mache ich das zum Beispiel auch. Aber manchmal sind da Herzenstexte. Die entweder so gut sind, dass man sie unbedingt mit möglichst vielen Menschen teilen will. Oder so relevant. Dann bietet es sich an, den Blogbeitrag

  1. nach einer gewissen Zeit auf den sozialen Netzwerken noch mal zu posten und zu teilen.
  2. nicht nur auf den eigenen Präsenzen zu teilen, sondern zum Beispiel auch in relevanten Gruppen (auf Facebook oder bestimmten Forenseiten im Netz z.B.). Gerade bei Blogs mit Expertenstatus ist das eine nicht zu unterschätzende Quelle für mehr (genau genommen: viel mehr) Reichweite. Wer zum Beispiel mit Nutzwert über eine chronische Krankheit bloggt, findet in Foren von Selbsthilfegruppen gewiss dankbare Leser. Ähnlich sieht es mit (ehrlichen!) Produkttests, Küchen-, Kreativ- oder IT-Themen aus. Aber: In solchen Gruppen aktiv zu sein, heißt, viel Zeit zu investieren, denn wer da nur auftaucht, um Werbung für seinen Blog loszuwerden, fliegt ganz schnell wieder. Hier geht es um echten Austausch. Und das heißt: Auch geben, nicht nur nehmen.
  3. auch per Newsletter in die Welt schicken.

Wie viel Zeit kann und will ich nach dem Veröffentlichen in den Post investieren?

Diese Frage ist vor allem wichtig, wenn sich viel Kommunikation auf sozialen Netzwerken abspielt. Professionelle Kommunikation heißt hier nämlich auch: schnelle Reaktion. Wer Kommentare oder Nachrichten von Lesern tagelang unbeantwortet lässt, hat unter Umständen schnell keine (aktiven) Leser mehr. Das bedeutet also: Wenn ich auf sozialen Netzwerken poste, muss ich auch garantieren können, dass ich danach erreichbar bin und Zeit für den Austausch habe. Vom Flughafen noch schnell einen kontroversen Blogpost zu veröffentlichen und direkt danach in den Flieger zu steigen, der einen für drei Wochen ins Nirgendwo bringt, ist also keine so gute Idee. Gute Redaktionsplanung berücksichtigt das.

Die Veröffentlichungen werden so geplant, dass Urlaube, wichtige Konferenzen, Recherchereisen, Messen oder ähnliche Events ihnen nicht in die Quere kommen – es sei denn, es gibt eine Vertretung, die in dieser Zeit Blog und soziale Netzwerke kompetent betreuen kann. Kompetent heißt dabei übrigens nicht unbedingt „unmerkbar für den Leser“. Man darf ruhig thematisieren, dass man selbst gerade nicht da ist, aber eine ganz großartige Vertretung zur Verfügung steht. Dann ist es auch nicht tragisch, wenn die auf die ein oder andere Frage sagen muss: „Sorry, das weiß ich nicht. Aber XY kümmert sich sofort darum, wenn er oder sie wieder da ist.“ Der Leser hat ja eine Reaktion bekommen und fühlt sich wahrgenommen. Schon klar, dass die Antwort nach dem Urlaub dann aber auch wirklich erfolgen muss, oder?

Brauche ich Partner für einzelne Geschichten oder Vorlauf für die Produktion?

Das Schöne an sozialen Medien ist ja, dass wir uns austoben können: Wir können mit Erzählformen und Medien experimentieren, andere Blogger, unsere Leser oder zusätzliche Quellen einbinden und – wo es nötig ist – in epischer Länge zeigen, was gezeigt werden muss. Aber je vielfältiger und aufwendiger ein Beitrag wird, umso mehr Vorlauf braucht er in der Produktion. In der Redaktionsplanung bedeutet das im Zweifel, nicht nur den Veröffentlichungs- und den Produktionstermin zu notieren, sondern die Produktion in Einzeltermine zu zerlegen.

Ein Beispiel: Ein Kreativblog will zeigen, wie das mit dem Falten von Origami-Kranichen funktioniert. Eine Bilderstrecke als Schritt-für-Schritt-Anleitung ist dort Standard. Aber weil Origami im Foto nur sehr schwer eindeutig zu zeigen ist, soll außerdem ein Video entstehen. Die Redaktionsplanung dafür könnte nun wie folgt aussehen:

  1. Veröffentlichungstermin festlegen und ggf. Zusatztermine für spätere Vermarktung auf anderen Kanälen notieren
  2. spätestens eine Woche vor dem Veröffentlichungstermin finale Produktion, also Schreiben des Beitrags, Einbinden von Fotos und Video, Texten der Vorschau-Teaser für die automatische Aussendung auf den sozialen Netzwerken
  3. Einige Tage davor Termin für die Videoproduktion eintragen. Wann genau das stattfindet, hängt letztlich davon ab, ob man mit einem Partner dreht oder die Kamera einfach auf einem Stativ mitlaufen lässt. Mit einem Partner muss der Termin natürlich abgestimmt sein. Außerdem ist zu bedenken, dass das Video im Zweifel noch geschnitten und vertont werden muss. Hier würde ich also lieber zwei Tage mehr einplanen, um Puffer zu haben.
  4. Termin für die Fotoproduktion festlegen und mit dem Fotografen abstimmen. Und hier braucht es einen Fotografen! Kein Mensch kann Origami-Kraniche mit einer Hand falten und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Fotos, die entstehen, wenn man den Selbstauslöser einstellt und die Kamera dann für die richtige Perspektive zwischen Kinn und Brust klemmt, sind auch nicht der Brüller. Ein Stativ ist eine Alternative. Gerade für filigrane Bastelbilder ist es aber meist schwierig, damit den richtigen Winkel zur Tischplatte zu finden.

Insgesamt ist eine Redaktionsplanung immer hilfreich. Unerlässlich wird sie, wenn mehrere Personen an einem Kanal arbeiten. In einer solchen Konstellation auf Zuruf zu arbeiten (oder jeden posten zu lassen, wann und worauf er Lust hat), führt zwangsläufig irgendwann zu Konflikten. Außerdem bedeutet, einen Plan zu haben, ja nicht, nie mehr spontan sein zu dürfen. Gerade auf sozialen Netzwerken funktioniert das gar nicht, denn die leben ja von schneller und eben auch aktueller Information. Die Planung ist da das Gerüst, das garantiert, dass immer eine Bohle liegt, über die ein Leser gehen kann – auch wenn aktuell eben gerade nichts passiert, was zu den eigenen Themen passt.

Mit meinen Kunden mache ich das in der Regel so, dass wir uns einmal im Monat zusammensetzen und dieses Gerüst bauen. Die Posts bereite ich dann vor. Und für die Zeit dazwischen gibt es eine Facebook-Gruppe, um auf dem kurzen Dienstweg schnell auf Posts oder Themen aufmerksam zu machen und abzustimmen, ob die für unsere Zielgruppe so passend sind, dass wir sie zusätzlich veröffentlichen. So klappt das prima – und Montage können mich mal gern haben!

 

10 Tipps für wirklich gute Reden

So romantisch ist meine Arbeit selten: Am Freitag werde ich zwei Menschen verheiratet, die sich seit über 20 Jahren lieben. Na schön, streng genommen sind sie schon ein paar Tage verheiratet – das hat eine Standesbeamtin übernommen. Aber was zählte, ist die Veranstaltung am Freitag: eine freie Zeremonie in einer kleinen Burgkapelle. Nur die Familie und die engsten Freunde. Und ich. Ich darf ihre Traurede halten – und ihnen dabei auch noch einmal die Treueschwüre abnehmen, ihnen zusehen, wie sie sich die Ringe anstecken, küssen und die ein oder andere Träne verdrücken.

Damit dieser Tag so perfekt wie möglich wird, habe ich eine Menge Zeit auf die Traurede verwendet. Es gab ein ausführliches Vorgespräch mit dem Paar, in dem ich nicht nur nach der Kennenlerngeschichte und den Marotten des Partners gefragt habe, sondern auch danach, wie sie ihre Trauung möchten. Die einen wünschen sich den großen Moment besonders festlich. Die anderen wollen es lustig. Und wieder andere haben besondere Rituale, Requisiten oder Sprüche, die sie einbauen wollen. Deshalb ist die Vorbereitung so wichtig. Und das gilt übrigens nicht nur für Traureden. Gute Reden für sich selbst zu schreiben, ist schwierig. Sie für andere zu schreiben, noch viel schwerer. Aber mit diesen Tipps wird jede Rede ein bisschen besser:

 

  1. Formulieren Sie Ihre Rede aus!

Ein Fehler, den ich vor allem bei Männern immer wieder sehe, die es eigentlich besser wissen müssten: Sie versuchen eine Rede zu halten – mit nicht mehr als ein paar Stichworten auf dem Zettel. Meistens handelt es sich dabei um Männer (wirklich, das habe ich bisher kaum bei Frauen gesehen), die sehr oft Reden halten – und deshalb vermutlich glauben, Sie bräuchten keine ausformulierten Manuskripte mehr. Aber ganz im Ernst: Es gibt nur sehr, sehr wenige Menschen, die wirklich derart begnadete Redner sind, dass sie ohne Manuskript mitreißend und strukturiert reden können. Die meisten kommen stattdessen vom Hundertsten ins Tausendste, beenden Sätze nicht korrekt, weil sie vergessen haben, wie sie sie angefangen haben oder kommen auf der Suche nach den richtigen Vokabeln ins Stammeln. Deshalb mein dringender Rat: Formulieren Sie Reden immer aus – auch, wenn Sie sie „nur“ für sich selbst schreiben. Wenn Sie Angst haben, dass Sie beim Ablesen zu steif klingen, dann lernen Sie die Rede weitestgehend auswendig – und nehmen dann, aber auch nur dann, wirklich nur noch Stichpunkte mit ans Rednerpult, die Ihnen die rote Linie in Erinnerung rufen.

  1. Sorgen Sie für einen starken Einstieg!

Mal ehrlich, wie oft haben Sie Ihre Reden schon mit „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste“ begonnen – und im schlimmsten Fall noch ein „schön, dass Sie da sind“ hinterhergeschoben? Und wie oft sind Sie selbst bei einer Rede, die so anfing, schon an dieser Stelle gelangweilt ausgestiegen? Eben! Starten Sie in Ihre Rede mit einem Kracher. Fassen Sie Ihre Botschaft in einem oder zwei Sätzen zusammen – präzise formuliert, so dass sie sachlich und emotional bei jedem im Publikum ankommt. Investieren Sie beim Schreiben Zeit in den Einstieg, feilen Sie so lange, bis er wirklich sitzt. Benutzen Sie eine aktive Sprache: Keine Satzungetüme, keine Substantivierungsmonster und keine wissenschaftliche Analyse (nicht mal, wenn Sie eine wissenschaftliche Fachtagung eröffnen)! Gern können Sie beim Einstieg auch provozieren – wenn es zu Ihnen und zu Ihrem Thema passt.

Ich weiß, am Anfang fühlt sich das ungewohnt an. Vielleicht fühlen Sie sich auch richtig unwohl, wenn Sie einfach so loslegen und ohne formelle Begrüßung direkt ins Thema tauchen sollen. Aber glauben Sie mir: Wenn Sie Ihre Gäste mitreißen wollen, gelingt das am einfachsten mit einem brillanten Einstieg. Fangen Sie dagegen langweilig an, müssen Sie anschließend verloren gegangene Aufmerksamkeit wiedergewinnen und das ist bedeutend schwieriger als sie gleich zu halten. Übrigens, nach dem Einstieg dürfen Sie Ihre Gäste natürlich auch kurz begrüßen.

  1. Bleiben Sie authentisch – auch in der Sprache!

Dieser Tipp ist der problematischste, wenn Sie Reden für andere Menschen schreiben. Ein Redner kann seinen Text nur dann glaubwürdig und souverän vortragen, wenn er sich in der Sprache, in der er verfasst ist, zu Hause fühlt. Texten Sie für einen sehr sachlichen, rationalen Menschen, wird er weder mit einer sehr emotionalen Rede authentisch wirken noch mit einer außergewöhnlich witzigen. Deshalb ist ein ausführliches Vorgespräch so wichtig, wenn Sie für einen fremden Redner schreiben. Lassen Sie ihn viel reden und achten Sie nicht nur darauf, was er sagt, sondern auch, wie er redet. Nehmen Sie diesen Stil als Grundlage für die Rede. Das gilt natürlich auch, wenn Sie für sich selbst eine Rede schreiben. Und keine Sorgen: Auch wenn Sie nicht der geborene Entertainer sind, können Sie ohne weiteres eine großartige Rede halten. Versuchen Sie nur nicht, sich als jemand zu präsentieren, der Sie einfach nicht sind. Das geht fast immer nach hinten los. Denn wenn man ihnen anmerkt, dass der Stil nicht der Ihre ist, ist es nur noch ein kurzer Weg, bis Ihre Zuhörer auch den Inhalt Ihrer Rede in Frage stellen.

  1. Binden Sie Ihr Publikum ein!

Mit dem richtigen Einstieg haben Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums gefesselt, jetzt müssen Sie sie halten. Das ist nicht so einfach, weil Ihre Zuhörer nur zuhören müssen – und das ist mitunter anstrengender als selbst mitzumachen. Deshalb ist mein ultimativer Tipp: Binden Sie sie ein, indem Sie in Ihrer Rede Bezug zum Leben und den Interessen Ihrer Zuhörer nehmen. Zeigen Sie Ihnen, warum es ganz persönlich für sie wichtig ist, Ihnen zuzuhören. Das gilt ganz besonders bei Fachthemen. Wenn Sie also eine Rede zum Energiewandel schreiben, dann fangen Sie nicht damit an, zu erklären, wie Windräder funktionieren, sondern erklären Sie zum Beispiel, wie viel jeder im Publikum in 20 Jahren für Strom bezahlen muss, wenn wir nicht jetzt in die Erforschung alternativer Energieformen investieren.

Nehmen Sie Ihre Zuhörer ruhig auch in die Pflicht. Appellieren Sie! Um im Bild zu bleiben: Fordern Sie Ihre Zuhörer auf, Ihren eigenen Energiekonsum zu überprüfen und zu reduzieren. Oder schicken Sie sie zum nächsten Windpark in ihrer Nähe, um sich eine fundierte, eigene Meinung zu bilden. Wie auch immer Sie es gestalten: Betrachten Sie die Zuhörer nicht als stummen Block auf der anderen Seite des Rednerpultes, sondern als Partner, mit denen Sie oder derjenige, für den Sie die Rede geschrieben haben, tatsächlich „reden“.

  1. Visualisieren Sie!

Wie gesagt: Nur zuzuhören, ist anstrengend. Binden Sie deshalb die anderen Sinne der Zuhörer ein! Als ich vor zwei Jahren eine Rede zur miserablen Einkommenssituation von Pressefotografen hielt, illustrierte ich das, indem ich erst einen Fünf-Euro-Schein in die Höhe hielt und am Ende einen 20-Euro-Schein – für das aktuelle Honorar, das Fotografen für ein Tageszeitungsfoto bekommen und das Honorar, das sie mindestens bekommen müssten. Dazu erklärte ich, was man für den jeweiligen Geldschein heute noch kaufen kann. Damit musste mein Publikum nicht nur zuhören, sondern bekam auch etwas zu sehen – und vor dem inneren Auge lief ein Film ab, weil jeder Zuhörer sich an seine eigenen „alles-wird-immer-teurer“-Erfahrungen erinnerte.

Visualisieren heißt übrigens NICHT, die Rede im Hintergrund mit einer Power-Point-Präsentation zu wiederholen. Damit machen Sie es sich (oder dem Redner) nur unnötig schwer, weil die Zuhörer von den wechselnden Folien abgelenkt werden und Ihnen nicht mehr richtig zuhören. Setzen Sie Visualisierungen ein, wenn sie passen, also die Botschaft Ihrer Rede unterstreichen, aber überfordern Sie Ihr Publikum nicht, indem Sie sie mit einer Requisite nach der anderen bombardieren.

  1. Bleiben Sie kurz und folgen Sie dem roten Faden!

Der wichtigste Tipp von allen! Wirklich! Den hier kann man nicht oft genug wiederholen. Eine Rede ist kein Vortrag, kein Seminar, kein Workshop. Es ist eine Rede. Sie kann wichtig sein und sie kann etwas bewirken, wenn sie gut ist. Aber sie ist auch nur eine Rede. In aller Regel wird sie eine Veranstaltung einleiten, jemanden ehren oder in ein Thema einführen. Vergessen Sie den Anspruch, alle wichtigen Aspekte in der Rede unterbringen zu müssen. Das gelingt nie – und es ist vor allem nicht dazu angetan, Ihr Publikum bei der Stange zu halten. Konzentrieren Sie sich auf die Kernbotschaft und haben Sie den Mut, auf Details zu verzichten. Das macht Ihre Rede nicht nur kürzer, sondern lässt auch noch Themen und Fragen offen, die anschließend zum Gesprächseinstieg dienen können – und so einen echten Dialog eröffnen.

Ich habe für mich selbst eine maximale Redelänge von 10 Minuten festgelegt. Länger ist keine meiner Reden. Das ist aber eine sehr persönliche Sache, die Ihnen Leitfaden sein kann, aber nicht muss. Trotzdem: Halten Sie Ihre Reden so kurz, dass Ihre Zuhörer Ihnen gern bis zum letzten Wort folgen.

Ob das klappt, hängt allerdings nicht nur an der Länge, sondern vor allem an der Struktur Ihrer Rede. Sie braucht einen roten Faden. Argumente und Absätze müssen logisch auf einander aufbauen. Erinnern Sie sich an den ersten Tipp aus dieser Liste: Formulieren Sie die Rede aus – auch und vor allem, um ihren roten Faden nicht zu verlieren. Ausformulierte Reden haben nämlich den Charme, dass man Absätze und Gedanken so lange hin und her schieben kann, bis sie wirklich klar und logisch angeordnet sind.

  1. Bedanken Sie sich nicht!

So wie viele Redner oft mit dem obligatorischen „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste“ beginnen, enden sie häufig mit „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“. Tun Sie es nicht! Bedanken müssen Sie sich nur, wenn Ihre Rede so schlecht war, dass es eine echte Leistung war, bis zum Schluss aufmerksam zu bleiben. Nach einer guten Rede dürfen (und werden!) sich die Zuhörer anschließend bei Ihnen bedanken. Außerdem schwächen Sie mit einem Dank am Ende Ihre Botschaft ab. Was Sie zuletzt sagen, merken sich die Gäste am leichtesten. Verschenken Sie dieses Potenzial also nicht, indem Sie eine alberne Phrase verwenden, die nichts aussagt. Schließen Sie stattdessen lieber mit einem starken Appell oder mit einer knappen, präzisen Zusammenfassung Ihres Themas, die den Einstieg der Rede wieder aufgreift.

  1. Mund und Körper müssen dasselbe sagen!

Dieser Tipp gilt für den Redner, nicht für den Redenschreiber – ist aber dennoch wichtig. Achten Sie auf Ihre Körpersprache. Ihre Zuhörer nehmen auf, was Sie sagen, aber ob sie es Ihnen abnehmen, wird auch davon abhängen, ob Ihre Körpersprache zu Ihrer Rede passt. Ein Beispiel: Sie reden über ein neues Entspannungsverfahren, klicken währenddessen aber ständig mit einem Kugelschreiber in ihrer Hand, wechseln von einem Bein aufs andere und streichen sich oft durchs Haar. Ob man Ihnen abnehmen wird, dass Sie ein Experte für Entspannungstechniken sind?

Wenn Sie (übrigens wie ich) dazu neigen, mit Gegenständen zu spielen, wenn Sie reden, sorgen Sie dafür, dass während Ihrer Rede keine Dinge in Reichweite liegen. Stehen Sie mit leicht gespreizten Beinen, Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verlagert. Treten Sie einen Schritt vom Pult zurück, damit Sie Platz für natürliche Gesten haben (was nur geht, wenn Sie Ihre Rede so groß ausgedruckt oder auf dem Tablet haben, dass Sie sie auch mit einem Schritt Entfernung noch gut lesen können). Atmen Sie vor Ihrer Rede einige Mal langsam und tief in den Bauch, das stabilisiert Ihre Stimme und verhindert, dass Sie vor lauter Aufregung kurzatmig wirken.

  1. Schaffen Sie einen passenden Rahmen!

Wie Ihre Rede ankommt, hängt vom Text, vom Thema und vom Redner ab, aber Sie müssen es sich ja nicht schwerer machen als nötig. Wenn Sie darauf Einfluss nehmen können, sorgen Sie für Rahmenbedingungen, in denen die Rede gut wirken kann. Testen Sie die Technik, bevor die ersten Gäste den Raum betreten. Stellen Sie Rednerpult und Mikrofon auf die richtige Größe ein. (Und besorgen Sie sich vorher einen Schemel oder eine leere Bierkiste, wenn Sie so klein sind wie ich und hinter normalen Rednerpulten sonst nicht mehr zu sehen sind.) Drucken Sie Ihre Rede aus – auch wenn Sie vorhaben, Sie zum Beispiel vom Tablet abzulesen. So kann Sie auch ein leerer Akku oder ein Hänger in der Software nicht stressen. Achten Sie darauf, dass Sie die Rede gut lesen können, dass also das Licht ausreicht. Lassen Sie sich ein Glas Wasser auf das Rednerpult stellen – das hilft nicht nur gegen einen trockenen Mund, sondern ist auch eine gute Methode, um zu kaschieren, wenn Sie kurz den Faden verloren haben und die richtige Stelle im Manuskript suchen müssen. Machen Sie es auch Ihrem Publikum so bequem wie möglich. Sitzplätze sind bequemer als Stehtische, Reihenbestuhlung verführt weniger zum Quatschen als kleine, intime Tische. Schaffen Sie einfach einen Rahmen, in dem Ihre großartige Rede glänzen kann

  1. Üben Sie die Rede!

Egal, ob Sie das Manuskript ausformuliert ablesen oder mit Stichpunkten arbeiten: Üben Sie die Rede vor dem großen Auftritt ein paar Mal. Sie bekommen damit Sicherheit und Ihr Vortrag wird natürlicher wirken. Außerdem hilft das laute Vorsprechen auch, Schwächen im Text aufzudecken. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, üben Sie vor ein paar Probezuhörern, die Ihnen wohlgesonnen sind, aber ehrliches Feedback geben.

 

Mit diesen Tipps werden Sie in Zukunft mit Sicherheit bessere, mitreißendere Reden schreiben – und halten. Und wenn das auch mit diesem Leitfaden nicht klappen will: Sie wissen ja, wo Sie mich finden!

Geburtstagsgewinnspiel: Sieger steht fest!

Neue Woche, neues Glück. Bei Komplextext sind die Stapel auf dem Schreibtisch übers Wochenende auf geheimnisvolle Weise gewachsen und müssen jetzt zügig abearbeitet werden, aber vorher nehme ich mir die Zeit für diesen kurzen Blogpost, denn… Trommelwirbel… der Sieger des Geburtstagsgewinnspiels steht fest!

Sie erinnern sich? Komplextext wurde ein Jahr alt. Das haben wir mit einer Verlosung gefeiert. Übrigens, vielen Dank für die vielen Geburtstagswünsche, die mich über Facebook oder privat erreicht haben. Die Verlosung selbst hat zwar nur wenige Teilnehmer gefunden, das macht aber nichts. Gefreut habe ich mich über jede Nachricht und Sie wissen ja: Wenn Sie einen guten Texter brauchen, der sich besonders gut in Zielgruppen einfühlen und Ihre Ideen in die richtigen Sätzen verwandeln kann, dürfen Sie sich bei mir natürlich auch außerhalb jedes Gewinnspiels immer melden.

Einen Gewinner haben wir aber trotzdem – oder besser eine Gewinnerin: Eve. Eve schrieb unter dem Post zum Gewinnspiel:

„Ich habe mich mit einer Nischenseite auch auf ein bestimmtes Thema spezialisiert. Es geht dabei um Gesundheit im Mund. Auf meinem Blog würde ein ausführlicher Text zum Thema ‚Wie sich gesunde Ernährung (Essen u. trinken) auf die Mundflora auswirkt.‘ meinen Lesern einen tollen Mehrwert bieten. Ich freue mich sehr an der Verlosung teilzunehmen und bin jetzt gespannt wie ein Flitzebogen:-).“

Herzlichen Glückwunsch, liebe Eve! Ich freue mich sehr darauf, diesen Text zu schreiben – und dabei sicherlich auch noch selbst was zu lernen. Und er passt gerade gut in die Zeit. Auf dem über Wochenende geheimnisvollerweise gewachsenen Stapel liegt nämlich auch ein Auftrag, der zu deinem Thema passt: Die Website eines Zahnarztes soll neu getextet werden – mit den Schwerpunkten auf Prophylaxe und Zahnersatz. Und jetzt packe ich wohl mal die Schokolade, die hier neben mir liegt, weg und hole mir lieber einen Apfel, nicht wahr? 😉

Liebe Eve, noch einmal: Herzlichen Glückwunsch. Bitte schick mir deine Kontaktdaten per Mail an grasse@komplextext.de, damit wir in Ruhe einen Telefontermin ausmachen können, um über die Details deines Gewinns zu reden!

Happy Birthday, Komplextext!

Nur noch wenige Tage: Am Freitag knallen hier die Sektkorken – jedenfalls im übertragenen Sinne –  denn dann wird Komplextext ein Jahr alt. Unheimlich viel hat sich seither geändert. Entgegen aller Unkenrufe hat sich die enge Fokussierung als richtig erwiesen. Wo ich vorher einen Bauchladen voller toller Angebote hatte und von Grafik über Fotografie bis zur PR-Konzeption alles gemacht habe, ist da heute nur noch ein kleines Schatzkästchen in meiner Auslage: Da funkelt und glänzt der Text.

Und erstaunlicherweise fühle ich mich damit überhaupt nicht eingeschränkt. Das mag daran liegen, dass Kunden, mit denen ich auch früher schon zusammenarbeitete, wissen, dass ich auch die anderen Dinge kann und immer mal wieder auch in diesen Feldern um Unterstützung bitten. Aber das passiert nur noch sehr selten, auch weil ich es nicht forciere, denn auch beim reinen Texten kam in den vergangenen Monaten nie Langeweile auf.

Abwechslungsreiche, herausfordernde Aufträge

So unterschiedlich sind die Kunden und Projekte, für die und an denen ich arbeiten durfte. Das Magazin der Welterberegion Wartburg Hainich ist ein Herzensprojekt. Das ist Heimat und deren Schönheit so zu beschreiben, dass auch Fremde sich verlieben, war mir eine große Freude. Ganz neu entwickelte sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen, die im Auftrag ihrer eigenen Kunden Websites betexten lassen. Das kann relativ einfach sein – wie die Texte für eine Physiotherapiepraxis oder ein Sonnenstudio. Das kann aber auch richtig, richtig anspruchsvoll sein wie die Energiepolitiktexte für einen großen Industrieverband, die mich nicht nur als Texterin, sondern in meinem Kern als Journalistin gefordert haben. Sie waren nämlich nicht nur aufwendig zu schreiben, sie waren auch rechercheintensiv. Ebenso neu – und eine große Leidenschaft – sind die Bastelseiten, die ich einmal in der Woche für diverse Tageszeitungen in Südthüringen und Nordbayern produziere. Projekte zu finden, die sich mit Kindern basteln lassen, die echten Nutzwert bieten, nicht in jedem x-beliebigen Bastelbuch stehen, kein Vermögen kosten und die Wohnung nicht in ein Schlachtfeld verwandeln – die Herausforderung ist nicht zu unterschätzen. Und ich liebe sie.

Aktuell darf ich helfen, die Website des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal neu zu gestalten (Übrigens ist ein Naturpark etwas ganz anderes als ein Nationalpark. Es lohnt sich, sich damit mal zu beschäftigen. Bei Bedarf erkläre ich das auch gern in den Kommentaren). Auch das ist für mich Heimat (jedenfalls der südliche Teil), aber wie das so ist: Von den Schönheiten, die direkt vor der eigenen Haustür liegen, weiß man meistens am wenigsten. Deshalb liegt, wenn ich die Texte schreibe, jetzt immer ein kleiner Notizzettel neben meinem Rechner, auf dem ich mir aufschreibe, was ich mir jetzt endlich und unbedingt ansehen, welche Wege ich wandern und welche Abenteuer (Wasserwandern!) ich erleben muss.

Neues „Lebensjahr“ bringt neue Ideen und Projekte

Es war ein aufregendes Jahr, ein arbeitsreiches, ein befriedigendes. Und ich habe vor, das nächste genauso zu gestalten. Neue Projekte sind schon in Arbeit. Da ist das Bastelbuch, das im November erscheinen soll. Da sind die Schreibcoachings, die ich anbiete – und die im Frühjahr durch ein ebook und eine kostenlose Online-Challenge flankiert werden sollen. Und auch meine eigene Weiterbildung wird ein Schwerpunkt werden. Im Moment zum Beispiel arbeite ich mich in alles ein, was mit SEO-Texten zu tun hat, also Beiträgen, die für Suchmaschinen optimiert sind.

Dieses Geburtstagsgeschenk können Sie gewinnen!

Aber erstmal feiere ich Geburtstag. Und zum Geburtstag gehören Geschenke. Und wenn ich mich auch immer über Geschenke freue (Danke für die leeren Kaffeekapseln zum Basteln, lieber Kollege, die sind diese Woche gut angekommen!) – heute bekommen Sie ein Geschenk. Zum 1. Geburtstag von Komplextext verlose ich einen Text. Wenn Sie also eh gerade Ihre Website neugestalten oder einen Flyer, ein Mailing, einen Liebesbrief, eine Rede oder irgendetwas anderes schreiben wollten, ist das hier Ihre Chance.  Unter allen Beiträgen, die als Kommentare hier im Blog oder auf der Komplextext-Facebookseite eingehen, verlose ich maximal zwei DIN A4-Seiten Text. Das sind etwa 1200 Wörter oder knapp 8000 Zeichen. Damit lässt sich eine ganze Menge sagen – vor allem in einem professionellen Beitrag. Vorher besprechen wir natürlich ausführlich Ziele, Zielgruppen, Inhalte und Ausspielwege, damit Sie Ihren Gewinn am Ende auch wirklich sinnvoll einsetzen können.

Ich glaube zwar nicht, dass dieser Hinweis nötig ist, aber dennoch: Der Gewinn kann nicht eingelöst werden für Texte, die gegen Gesetze oder die guten Sitten verstoßen. Ich behalte mir vor, das Texten abzulehnen, wenn ich es nicht mit meinen Überzeugungen oder meinem Berufsethos vereinbaren kann. Für die Richtigkeit der Informationen übernimmt der Gewinner die Gewährleistung, sofern sie von ihm zur Verfügung gestellt wurden.

Also los, ran an die Tasten: Feiern Sie mit mir den 1. Komplextext-Geburtstag, schreiben Sie mir in den Kommentaren, wofür Sie Ihren Gewinn einsetzen würden und ich lasse Ende nächster Woche das Los entscheiden, wenn es mehrere Interessenten gibt. Damit es spannender wird, dürfen Sie diesen Beitrag natürlich auch gern großzügig teilen und weiterverbreiten. Happy Birthday!

Blogparade: Der weibliche Weg zum Erfolg

Kürzlich bin ich in einer Facebook-Gruppe über eine Blogparade gestolpert, in der es um „weiblichen“ Erfolg geht. Mit solchen Gender-Zuschreibungen tue ich mich furchtbar schwer. Ich bin kein Verfechter der Frauenquote und halte auch nicht viel von Ratgebern, die sich auf die männliche oder eben weibliche Art etwas zu tun fokussieren. Als wäre das Geschlecht ein Malus, den es zu überwinden gälte – oder eine Geheimwaffe, die man nur zu nutzen lernen müsse. Beides halte ich für Unsinn. Trotzdem: Seit ich von dieser Blogparade unter dem Titel „Der weibliche Weg zum Erfolg“ gelesen habe, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf und ich habe mich also entschlossen, selbst teilzunehmen.

Männlichen Erfolg kann man zählen, weiblichen hören

Ich glaube, ob Erfolg männlich oder weiblich ist, hängt gar nicht so sehr mit den Dingen zusammen, die man tut oder sagt, um erfolgreich zu sein. Meiner Meinung nach ist der einzige Unterschied die Definition von Erfolg, denn darin unterscheiden sich Frauen (immer noch) häufig von vielen Männern, habe ich beobachtet.

Männlicher Erfolg lässt sich zählen. Ein Mann definiert sich als erfolgreich über das Gehalt oder den Umsatz, über die Zahl der Aufträge, die Position im Unternehmen, den Titel auf der Visitenkarte. Viele Frauen haben nach wie vor das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, wenn sie das Gleiche anstreben, weil es so „unweiblich“ ist. Sie definieren ihren Erfolg eher über das Lob der Anderen, die Zahl der Weiterempfehlungen und manchmal sogar über die Zahl der Überstunden (wobei auch Männer die zum Prahlen nutzen, überarbeitet zu sein, ist derzeit sehr in und unsinnigerweise ein Erfolgssymbol).

Nicht der weibliche Weg, aber MEIN Weg

Ich bin mit Komplextext noch lange nicht da, wo ich mal sein möchte. Aber ich empfinde mich dennoch auch heute schon als erfolgreich. Aber bin ich anders erfolgreich als meine männlichen Texterkollegen? Ja, ich bin stärker auf Harmonie bedacht als viele von ihnen. Auch wenn ein Kunde oder Geschäftspartner Forderungen stellt, die an Unverschämtheit grenzen, schimpfe ich lange nur im (leeren) Büro allein vor mich hin, bevor ich den Konflikt (und damit eine Lösung) suche. Macht mich das weniger erfolgreich? Ich glaube nicht, denn ausschlaggebend ist, DASS ich den Konflikt annehme – nicht, WANN ich das tue.

Ich glaube nicht, dass Erfolg davon abhängt, ob ich einen weiblichen oder einen männlichen Weg gehe. Er hängt davon ab, ob ich MEINEN Weg finde. Ich muss mich mit dem, was ich verkaufe und den Konditionen, zu denen ich es anbiete, wohl fühlen. Nur dann kann ich authentisch und selbstbewusst auftreten – und erfolgreich sein. MEIN Weg zum Erfolg war mit folgenden Lektionen gepflastert:

  1. Keine Dumpinghonorare!

Der schlimmste Fehler, den ich im Laufe meiner Selbstständigkeit je gemacht habe: Am Anfang habe ich mich auf Honorare eingelassen, die nicht mal die Spritkosten für die Fahrt zum Briefing und zurück deckten. Warum? Weil ich zum einen keine (brauchbare) Kalkulation für meine Stunden- und Tagessätze gemacht hatte. Und zum anderen, weil ich vor lauter Panik, nicht genug zu verdienen, um davon zu leben, einfach jeden Auftrag angenommen habe.

Klar, am Anfang braucht man Referenzen und marktangemessene Preise durchzusetzen ohne jede Erfahrung ist schwierig. Aber: Einmal zu niedrig angesetzte Honorare später auf ein ordentliches Niveau zu bringen, ist beinahe unmöglich. Deshalb: Keine Dumpinghonorare!

Das hat noch einen weiteren Vorteil: Wenn ich bei 90 Prozent aller Aufträge angemessene Preise erziele, kann ich mir ein- oder zweimal im Jahr auch ein schlecht- oder unbezahltes Herzensprojekt gönnen.

  1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken!

In meiner Branche haben viele Kollegen eine Heidenangst davor, sich zu vernetzen. Wenn sie einem anderen Texter einen Auftrag vermitteln oder ihn als Projektpartner ins Boot holen, befürchten sie, von ihm ausgebootet zu werden. Die Erfahrung (und der gesunde Menschenverstand) zeigt aber, dass das quasi nie passiert. Warum auch? Die Branche ist überschaubar, man kennt sich – und sei es nur über drei Ecken – und es spricht sich schlichtweg herum, wenn jemand ständig Kollegen verdrängt oder über den Tisch zieht. Derjenige steht sehr schnell selbst ohne Netzwerk und damit auch ohne Autragsnachschub da.

Die Ängste sind also zumindest übertrieben. Die Vorteile, die ein gutes Netzwerk mit sich bringt, werden dagegen immer noch oft unterschätzt. Wenn ich eine Flaute erlebt habe, fand ich den Weg heraus nie über Akquise (auch weil ich unfassbar unbegabt auf diesem Gebiet bin), sondern immer über mein Kollegen-Netzwerk, in dem ich dann gestreut habe, dass ich freie Kapazitäten und Lust auf neue Aufträge hätte. Das hat nicht immer sofort funktioniert, aber es hat funktioniert – und häufig sind daraus nicht nur einmalige, sondern auch langfristige Zusammenarbeiten entstanden.

Darüber hinaus habe ich mein Netzwerk auch auf Personen aus verwandten Branchen ausgeweitet, bin also gut vernetzt mit Fotografen, Webdesignern oder Grafikern, denn häufig kommt es vor, dass ein Kunde ein Projekt am liebsten als Ganzes vergeben will, um nur einen Ansprechpartner zu haben. Ich habe von Bereichen, die ans Texten grenzen, zwar Ahnung, aber ich bin darin kein Experte. Also sammle ich Experten um mich herum – und kann dem Kunden das Gesamtpaket zu optimaler Qualität anbieten.

  1. Ich muss nicht alles selber können!

„Du musst nicht alles selber können!“ Das hat mal ein Kommilitone zu mir gesagt. Damals ging es um eine Excel-Tabelle (Excel und ich – wir sind bis heute keine engen Freunde.), aber die Lektion hat sich festgesetzt. Man ist nicht erfolgreich, wenn man alles selbst macht. Erfolg ist, zu wissen, worin man so gut ist, dass es sich lohnt, seine Zeit genau in diese Aufgaben zu investieren – und andere zu delegieren. Dinge, die ich zum Beispiel abgegeben habe, weil ich darin nicht gut bin (und/oder sie mich wahnsinnig machen): Alles, was mit Steuern zu tun hat und alles, was nötig ist, damit ein Rechner oder eine sonstige Maschine mit einer Macke wieder richtig läuft. In der Zeit, in der mein Steuerbüro meine Buchhaltung macht oder der IT-Mann meinen Rechner wieder zum Laufen bringt, kann ich mich um mein Unternehmen, meine Aufträge und Auftraggeber – oder diesen Blog – kümmern. Davon haben wir alle was.

  1. Nische finden!

Gegen diese Lektion habe ich mich sehr lange gewehrt. Ich bin Journalistin geworden, um mich nicht festlegen zu müssen, fand es toll, dass ich jeden Tag etwas Neues sehen, erfahren, ausprobieren, lernen konnte. Entsprechend habe ich ein paar Jahre nach Beginn meiner Selbstständigkeit einen ganzen Bauchladen an Angeboten mit mir herumgetragen: Texten, Fotografieren, Layouten, Social-Media-Management, Lektorieren, Reden schreiben, Seminare geben – alles, was ich spannend fand, habe ich ausprobiert und schließlich auch meinen Kunden angeboten. Immer im Glauben: Je mehr ich anbiete, desto mehr verkaufe ich auch.

Das war ein kolossaler Trugschluss. Es ist vielmehr wie bei einem Handwerker: Wenn Sie Ihr Bad fliesen lassen wollen und der Fliesenleger Ihnen versichert, er könne genauso gut auch noch Ihr Dach decken und die elektrischen Leitungen neu verlegen, würden Sie ihm ja auch kein Wort glauben (egal, ob er für all diese Gewerke Zusatzqualifikationen nachweisen kann oder nicht). Wahrscheinlich würden Sie vielmehr anfangen, auch an seinen Fähigkeiten als Fliesenleger zu zweifeln. So ungefähr ging mir das auch. Bis ich mit Komplextext einen Neuanfang mit neuer – streng fokussierter – Ausrichtung wagte.

Meine Nische ist der Text – aber eben auch alles, was dazu gehört. Ich biete Fotografie- und Grafikdienstleistungen nicht mehr aktiv an (profitiere von der Qualifikation aber trotzdem und sei es nur, weil ich meine Geschäftsausstattung selbst produzieren kann), dafür aber alles rund um das professionelle Texten. Das sind Schreibwerkstätten und Seminare ebenso wie Texte für Website oder Social-Media-Kanäle. Text – das bin ich, ohne dass ich mich dabei allzu sehr einengen muss. Und das fühlt sich genau richtig an, was auch meine Auftraggeber merken.

Und noch einen Vorteil hat diese klare Fokussierung: Ich bin für potenzielle Auftraggeber viel leichter zu finden, denn die googeln im Zweifel nach „Texter“ und vielleicht noch der geografischen Nähe. Darunter hat man mich früher vergeblich gesucht. Heute ist das anders.

  1. An die Zukunft denken!

Dass man als Unternehmerin die Zahlen im Blick haben muss, ist nicht gerade das, was ich als die schönste Seite meines Jobs bezeichnen würde. Aber über die Jahre habe ich gelernt, dass es trotzdem wichtig ist. So bequem es ist, die Buchhaltung und den Steuerkram auszulagern: Ich habe trotzdem immer einen Überblick über meine Zahlen und bilde Rücklagen für alle relevanten Belange.

Das meint zum einen so kleine Dinge wie die Versicherung, die nur einmal im Jahr abbucht. Wenn ich jeden Monat einen kleinen Betrag dafür zurücklege, tut die große Abbuchung im Januar (einem der umsatzschwächsten Monate in der Regel) nicht so weh. Das meint aber auch große, weit in die Zukunft gedachte, Rücklagen wie für die Altersvorsorge oder auch für ein neues Auto, eine teure Weiterbildung oder neues Equipement. Wenn ich jeden Monat ein bisschen dafür abzweige, schlafe ich ruhiger – auch wenn ein Monat mal nicht so prickelnd läuft. Allerdings müssen diese Rücklagen dafür auch sicher sein. Wer also dazu neigt, Geld auszugeben, wenn es da ist, sollte für die Rücklagen ein eigenes, separates Konto anlegen.

  1. Auszeiten nicht nur planen, sondern auch nehmen!

Dieser Fehler hätte mich vor ein paar Jahren beinahe ins Verderben gestürzt. Auszeiten für den Sport, den Stadtbummel oder den Spaziergang habe ich mir immer eingeplant – die standen sogar fest im Kalender. Und waren das Erste, was daraus verschwand, sobald es stressig wurde. Ich habe nie weniger wichtige Termine mit anderen abgesagt, sondern immer die, die ich nur mit mir und für mich eingetragen hatte. Eine Zeit geht das gut, aber irgendwann fordern Körper und Seele ihren Tribut für diesen Raubbau. Ich muss mich noch immer ziemlich zusammenreißen, um diesen Fehler nicht zu wiederholen, aber mir half ein Umdenken: Ich bin es nicht nur mir schuldig, für Ausgleich und Erholung zu sorgen, sondern auch meinen Kunden. Die bezahlen schließlich ordentliches Geld und dürfen dafür auch eine sehr gute Leistung erwarten. Die kann ich aber nur bringen, wenn ich ausgeruht und voller Energie bin.