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Herzlich Willkommen bei Komplextext

Interessenten werden zu Kunden. Jedes Kind weiß, was hinter Ihrer Marke steckt. High Potentials wollen bei Ihnen arbeiten. Und Konkurrenten sind neidisch auf Sie. Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wieder finden, gehört zu Ihrem Marketing- oder Kommunikationsteam mindestens ein sehr guter Texter. Wenn nicht, freue ich mich darauf, das gemeinsam mit Ihnen zu ändern.

Ich bin schnell, kreativ und zuverlässig. Darüber hinaus bin ich aber vor allem in der Lage, zuzuhören. Und zwar wirklich zuzuhören. Wahrzunehmen, was Sie sagen und meinen. Das heißt nicht, dass ich immer Ihrer Meinung bin. Im Gegenteil. Ich sehe meine Aufgabe nicht nur im reinen Schreiben. Ich verstehe mich auch als Berater.

Mehrere Dutzend Website habe ich betextet. Als Journalistin wie im PR-Auftrag mindestens ebenso viele Reportagen, Berichte, Ratgeber-Artikel, Interviews oder Porträts geschrieben und ich weiß, wie man verständlich und mitreißend schreibt und trotzdem der Unternehmenshierarchie gerecht wird. Dieses Wissen stelle ich Ihnen zur Verfügung, wenn wir gemeinsam an Ihren Texten arbeiten. So helfe ich Ihnen, Ihre Unternehmensziele zu erreichen, statt einfach nur einen Text zu veröffentlichen. 

Überzeugen Sie sich davon, wie vielfältig und unterschiedlich Sprache eingesetzt werden kann: Stöbern Sie durch meinen Blog weiter unten auf dieser Seite oder sehen Sie sich in den Arbeitsproben Beispiele ganz verschiedener Corporate Publishing-Projekte an. Ein individuelles Angebot für Ihre Texte unterbreite ich Ihnen gern nach einem kostenlosen Erstgespräch. Melden Sie sich einfach bei mir, ich freue mich darauf!

#stolzTexte: Besser schlafen

Interviews werden in der Unternehmenskommunikation immer noch wie ungeliebte Stiefkinder behandelt. Dabei können Sie so viel leisten: In der Regel bringen Sie mehr Aufmerksamkeit als eine bloße Meldung und zwar sowohl im eigenen Unternehmensblog wie auch in der klassischen Medienarbeit. Ich rufe heute den Tag des Interviews aus und lege mit diesem über guten Schlaf vor, das ich kürzlich für ein Magazin geschrieben habe:

 

Gute Nacht, Thüringen!

Laut einer Statistik des Portals Statista litten im Jahr 2016 immerhin 38 Prozent der Deutschen an Einschlafproblemen. 45 Prozent konnten nicht gut durchschlafen. Doch wer schlecht schläft, kann auch seine Tage nicht genießen. Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des interdisziplinären Schlaflabors am Universitätsklinikum Jena, kennt alle gängigen Schlafstörungen – und weiß, was dagegen hilft.

Prof. Dr. Schwab, was ist „guter“ Schlaf?

Menschen schlafen dann gut, wenn sie sich am nächsten ausgeschlafen und erholt fühlen. In der Regel ist das der Fall, wenn man gut durchschlafen kann.

Ist „guter“ Schlaf also für alle Menschen gleich?

Grundsätzlich ja. Was wir brauchen, um durchzuschlafen und erholt aufzuwachen, ist aber von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt zum Beispiel Kurzschläfer und Langschläfer. Das ist weitestgehend genetisch programmiert. Ein Kurzschläfer kann auch nach sechs Stunden Schlaf absolut erholt und fit sein. Ein Langschläfer braucht vielleicht mehr als acht Stunden, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Und auch die optimale Einschlafzeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sind Sie eher ein Morgenmensch, können Sie sich zwar antrainieren, lange wach zu bleiben, aber Höchstleistungen werden Sie abends nicht mehr bringen. Umgekehrt geht es Abendtypen so, wenn Sie früh am Morgen Spitzenergebnisse liefern sollen.

Morgen- oder Abendtyp: Ist das ebenfalls genetisch vorgegeben?

Ja, allerdings nicht gleich von Geburt an. Der Schlaf-Wach-Rhythmus von Babys wird nahezu ausschließlich vom Hunger bestimmt. Erst wenn die innere Uhr gereift ist, bildet sich allmählich auch der Aktivitätstyp heraus, wobei jüngere Kinder fast immer Morgentypen und fast alle Jugendliche in der Pubertät Abendtypen sind. Erst danach, also so mit 17 oder 18 Jahren, legt sich endgültig fest, zu welchem Typ wir als Erwachsene gehören.

Welchen Einfluss hat die Umgebung auf die Schlafqualität?

Die Umgebung kann großen Einfluss auf den Schlaf haben. Wenn es laut ist oder sehr hell im Schlafzimmer, verhindert das unter Umständen, das wir einschlafen.

Wie soll das Schlafzimmer also gestaltet sein?

Zunächst einmal ist es wichtig zu unterscheiden: Wer gut schläft, also problemlos ein- und durchschläft und sich am nächsten Tag erholt fühlt, kann tun und lassen, was er will. Er kann einen Fernseher ins Schlafzimmer stellen und bei laufendem Krimi einschlafen. Er kann wenig schlafen und spät ins Bett gehen und von mir aus auch direkt vor dem Einschlafen Sport machen. Solange er seinen Schlaf-Wach-Rhythmus einigermaßen dem Tag-Nacht-Rhythmus anpasst, damit die Hormonproduktion nicht durcheinander gerät, wird das alles keine Probleme verursachen.

Erst, wenn wirklich Schlafstörungen auftreten, können sogenannte schlafhygienische Maßnahmen sinnvoll sein, zu denen auch die Gestaltung des Schlafzimmers gehört. In diesem Fall empfehlen wir, den Raum möglichst dunkel zu halten, denn erst bei Dunkelheit wird das schlafanstoßende Hormon Melanin aktiv. Außerdem sollte das Schlafzimmer ruhig und kühl sein. Nachts sinkt unsere Körpertemperatur. Das ist normal und mit einem kühlen Schlafzimmer kommen wir dem entgegen. Auch eine gute Matratze kann helfen, den Schlaf zu verbessern.

Und woran erkennt man eine gute Matratze?

Daran, dass man am nächsten Tag keine Rückenschmerzen hat. Vor dem Kauf sollte man auf jeden Fall probeliegen und sich beraten lassen. Grundsätzlich gilt: Sehr dicke Matratzen und solche aus Latex, die sich der Körperform richtig anpassen, sind besser als einfache Schaumstoffmatratzen. Aber im Details muss jeder selbst ausprobieren, welche Matratze für ihn perfekt ist.

Was ist mit elektronischen Geräten? Dürfen die ins Schlafzimer?

Wie gesagt: Jemand, der keine Schlafprobleme hat, kann das halten, wie es ihm gefällt. Bei Schlafstörungen sollte man allerdings alles aus dem Raum verbannen, was nichts mit dem Schlafen zu tun hat. Das Gehirn soll lernen, das Schlafzimmer mit Schlaf zu assoziieren – und nur damit. Deshalb empfehlen wir auch, sich nicht ewig im Bett herumzuwälzen, wenn man nicht schlafen kann. Wer nach 15 bis 30 Minuten immer noch wach ist, sollte lieber aufstehen. Gehen Sie in einen anderen Raum. Dort können Sie auch lesen oder fernsehen, wenn Sie das müde macht. Aber wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie das nicht im Bett tun. Dort wird nur geschlafen.

Welche Verhaltensweisen oder Rituale können helfen, besser, also gesünder, zu schlafen?

Rituale sind grundsätzlich eine gute Idee, weil sie in der Regel helfen, ruhiger zu werden und zu entspannen – und das ist die wichtigste Voraussetzung, um gut und schnell einzuschlafen. Deshalb führen die meisten Eltern ja auch Rituale ein, wenn es darum geht, Kinder ins Bett zu bringen. Ob Sie jeden Abend eine heiße Milch mit Honig oder einen Abendtee trinken, einen Spaziergang machen oder Entspannungsübungen, ist Ihnen überlassen. Die Rituale selbst haben meist keinen kausalen Zusammenhang zum Schlaf. Es handelt sich dabei eher um einen sehr effektiven Placeboeffekt, denn durch die regelmäßige Wiederholung lernt das Gehirn dieses Rituale mit Schlaf zu verbinden. Und der Schlaf ist nichts, was einfach „passiert“. So fühlt es sich zwar an, aber in Wirklich ist es für das Gehirn ein aktiver Prozess. Es muss den Schlaf „anstoßen“, damit wir einschlafen.

Schlafen wir heute besser oder schlechter als früher?

Weder noch. Ich glaube, dass es heute nicht mehr Schlafstörungen gibt als früher. Aber wir sind heute so fokussiert auf uns und überprüfen ständig jeden Bereich unseres Lebens. Dafür hatte man früher einfach keine Zeit und deshalb sind Schlafstörungen damals nicht so häufig aufgefallen und erst Recht nicht so oft behandelt worden.

Für manchen Patienten wäre es gut, ein bisschen dieser Sorglosigkeit zurückzugewinnen. Viele Schlafstörungen entstehen auch, weil die Patienten sich Schlafdruck machen. Sie haben mal gehört, dass man eine bestimmte Schlaflänge braucht, um gesund zu bleiben und machen sich wahnsinnigen Stress, wenn sie nicht rechtzeitig genug einschlafen, um auf diese Stundenzahl zu kommen. Sie gehen dann vielleicht früher ins Bett, obwohl sie noch gar nicht müde sind und mit jeder Stunde, die sie wach im Bett liegen, steigt ihre Angst, gar nicht mehr schlafen zu können, am nächsten Tag nicht fit zu sein und krank zu werden. Daraus entsteht dann ein Teufelskreis, weil sie diese Gedanken so aufwühlen, dass sie erst Recht nicht mehr schlafen können und dann natürlich am nächsten Tag nicht erholt sind – und abends im Bett wird die Angst vor der Einschlafstörungen dann gleich noch ein bisschen schlimmer.

Es stimmt also nicht, dass man mindestens acht Stunden Schlaf braucht?

Nicht in dieser Pauschalität. Wie viel Schlaf man braucht, ist wirklich von Mensch zu Mensch verschieden.

Welches sind die häufigsten Probleme, die den Schlaf stören?

Am häufigsten treten sogenannte psycho-physiologische Insomnien auf. Das sind Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, die in der Regel psychische Ursachen haben. Das kann durch genetische Prädispositionen begünstigt werden, wenn jemand also schon von vornherein ein Schlechtschläfer ist. In der Regel trifft es aber Menschen, die sehr stressanfällig sind und zum Grübeln neigen.

Es gibt auch Patienten, die das Gefühl haben, ständig wach zu sein. Im Schlaflabor stellt sich dann aber manchmal heraus, dass sie in Wirklichkeit durchschlafen. Unser Tiefschlaf – das ist der Schlaf, der für den Erholungseffekt sorgt – unterteilt sich in mehrere Phasen. Eine davon ist der sogenannte Leichtschlaf. Und diesen empfinden diese Patienten als Wachsein.

Es gibt auch organische Ursachen für Schlafstörungen, die sind aber extrem selten.

Welche Ursachen können das sein?

Die Schlafkrankheit zum Beispiel. Oder auch das Schnarchen, das mit Atemaussetzern einhergeht, hat in der Regel körperliche Ursachen und muss behandelt werden, damit es nicht zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt.

Wer ist vor allem von Schlafproblemen betroffen?

Das ist unterschiedlich. Psycho-physiologische Insomnien betreffen eher Frauen. Das Schnarchen mit Atemaussetzern ist ein typisches Männerproblem – vor allem, wenn Männer stark übergewichtig sind.

Wann ist ein Schlafproblem behandlungsbedürftig?

Grundsätzlich sollte man Schlaf nicht problematisieren. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang und in der Regel holt sich der Körper den Schlaf, den er braucht. Auch Schlafstörungen sind nicht gleich schädlich. Wenn jemand gerade besonders viel Stress hat, zum Beispiel, weil er die Arbeitsstelle gewechselt hat oder einen Angehörigen pflegt, dem es sehr schlecht geht, wird das auch Auswirkungen auf die Schlafqualität haben. Das gibt sich aber wieder, wenn das Leben ruhiger wird. Wer aber ohne äußeren Anlass länger als einen Monat Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen hat, sollte das ärztlich abklären lassen.

An wen kann sich jemand wenden, der Hilfe bei Schlafproblemen sucht?

Zunächst natürlich an den Hausarzt. Der kann dann auch an eine Schlafsprechstunde beziehungsweise ein Schlaflabor überweisen.

Was passiert in einem Schlaflabor?

Die Patienten werden an verschiedene Messgeräte angeschlossen, die die Körperfunktionen während des Schlafes überwachen. So können wir zum einen das subjektive Empfinden der Patienten objektivieren. Wir finden also heraus, ob sie wirklich so schlecht und so wenig schlafen, wie sie glauben. Ist das nicht der Fall, geht die Diagnostik weiter, weil hinter dem Abgeschlagenheitsgefühl und der Müdigkeit vielleicht andere Ursachen liegen.

Aber wir können natürlich auch feststellen, wenn jemand wirklich Atemaussetzer hat und wie schwerwiegend diese sind.

Wie geht es für die Patienten nach dem Aufenthalt im Schlaflabor weiter?

Ist geklärt, dass wirklich ein behandlungsbedürftiges Schlafproblem vorliegt, stoßen wir die Therapie an. Die fällt je nach Diagnose sehr unterschiedlich aus und wird mit jedem Patienten individuell festgelegt. Häufig ist sie eine Mischung aus psychotherapeutischen Ansätzen, medikamentöser Behandlung und schlafhygienischen Maßnahmen.

Das heißt, es werden Schlafmittel verschrieben?

Nur in sehr seltenen Fällen. Manchmal kann das indiziert sein, um den Körper zur Ruhe zu bringen und dem Gehirn zu zeigen, dass das mit dem Schlaf sehr wohl klappen kann. So lässt sich der Teufelskreis aus Schlafstörung und Schlafdruck durchbrechen. Schlaftabletten können aber abhängig machen und dürfen nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Häufiger arbeiten wir deshalb mit Antidepressiva – auch wenn der Patient keine Depression hat. Antidepressiva sind zum Langzeitgebrauch bestimmt und machen deshalb nicht abhängig, dafür ist eine sehr häufige Nebenwirkung einiger Antidepressiva, dass sie müde machen und den Schlaf fördern. Das machen wir uns zunutze.

Und was ist mit „schlafhygienischen Maßnahmen“ gemeint?

Das sind vor allem Dinge, die der Patient selbst tun kann und muss, um seine Schlafqualität wieder zu verbessern. Das geht von der Gestaltung des Schlafzimmers, die wir schon angesprochen haben, bis zur Schlafrestriktion. Dabei geht der Patient bewusst erst sehr spät ins Bett – so spät, dass er wirklich müde ist – steht aber zu seiner normalen Zeit auf. Und auch tagsüber sollen diese Patienten nicht schlafen. Das führt zwar dazu, dass sie sich einige Tage erschöpft fühlen, hilft Gehirn und Körper aber, wieder zu einem Schlafrhythmus zu finden. Allmählich wird die Einschlafzeit dann wieder vorverlegt.

Und was ist mit den Schnarchern, deren Atem aussetzt? Hilft ihnen diese Art der Therapie auch?

Nein, diese Schlafstörung wird anders behandelt. Oft hilft es diesen Patienten schon, auf der Seite statt auf dem Rücken zu schlafen und abzunehmen. Das Problem ist nämlich, das bei starkem Übergewicht die Muskulatur verfettet und schlaff wird – auch die, die die Zunge hält. Schlafen diese Patienten auf dem Rücken, kann es deshalb passieren, das die Zunge nach hinten fällt und die Atemwege verlegt. Die Atemaussetzer führen dann zu Sauerstoffmangel im Blut und das kann langfristig ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen. Deshalb sollten diese Patienten unbedingt zügig zum Arzt gehen. Mit einem speziellen Atemgerät, dass nachts zusätzlich Luft in die Atemwege bläst, kann man dieses Problem gut behandeln. Das führt in der Regel schnell zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafqualität und damit fühlen sich diese Patienten auch am Tag wieder fitter.

Dieser Text ist im Magazin „Besser leben in Thüringen“ erschienen, das die Mediengruppe Thüringen herausgibt.

Lange Texte richtig gliedern und spannend schreiben

Seit einigen Jahren gebe ich regelmäßig Schreib-Seminare für Mitarbeiter eines Sozialverbandes, die beruflich viel mit Text zu tun haben – und diese Schreibaufgaben so gut wie nie an einen professionellen Texter auslagern können. Die Fragen der Teilnehmer sind dabei immer dieselben: Wie bleiben auch Fachtexte verständlich? Wie mache ich Lust aufs Lesen und bringe die Leser dazu, in meinem Sinne auf den Text zu reagieren? Und wie strukturiere ich längere Texte wie Berichte?

Um Letzteres in Zukunft einfacher beantworten zu können, habe ich hier einen Leitfaden für alle entwickelt, die oft lange Textformen schreiben müssen:

  1. Schritt: Material sichten und Hauptthesen identifizieren
  2. Schritt: Passende Textart finden
  3. Schritt: Inhaltliche Einheiten definieren
  4. Schritt: Einleitung entwickeln und Leselust wecken
  5. Schritt: Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Material sichten und Hauptthesen identifizieren

Wer einen langen Text schreiben muss, hat in der Regel auch jede Menge Material dafür vorliegen. Das gilt für Berichte im Geschäftsleben genauso wie für lange Stücke im Journalismus. Zahlen, Fakten, Zitate, Beobachtungen, Hintergrund- und Quellenmaterial, Szenen und Analysen, Erklärungen und Erläuterungen und dazu persönliche Kommentare – je nachdem, wie lange die Recherche dauerte, kann der Wust an Informationen schier unüberwindbar wirken.

Deshalb ist der erste Schritt – lange bevor Sie einen Buchstaben zu Papier bringen – das Sortieren.

Nehmen Sie sich die Zeit, jede Zeile und jede Zahl, jede Quelle und jede Notiz noch mal zu lesen (am besten am Stück, damit alle Informationen gleich präsent sind, wenn Sie anschließend ans Strukturieren gehen). In diesem Arbeitsschritt – oder auch bei einem zweiten Lesen – markieren Sie mit einem Textmarker die wirklich wichtigen Passagen in Ihrem Recherchematerial.

Kleiner persönlicher Tipp: Ich markiere nicht nur die wesentlichen Passagen, sondern versehe sie auch gleich mit einem Kürzel, um auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich um einen relevanten Fakt, etwas, das ich im Text später als Zitat verwenden oder eine Beobachtung handelt, die dem Beitrag als szenische Darstellung dienen könnte. Fakten bekommen dann ein Ausrufezeichen am Rand, „S“ steht für Szene und „Z“ steht für Zitat. Selbstredend können Sie auch Ihre eigenen Kürzel erfinden.

Anschließend formulieren Sie aus dem Material eine Hauptthese. In journalistischen Texten ist das der Nachrichtenkern oder „Küchenzuruf“. In langen Berichten ist es meist nicht ganz einfach, alles auf einen einzigen Satz zu reduzieren. Suchen Sie in diesem Fall nicht so sehr nach einer inhaltlichen Hauptthese, sondern eher nach dem übergeordneten Ziel des Textes. Hier hilft es, wenn Sie sich fragen, was genau Sie mit Ihrem Bericht erreichen wollen. Definieren Sie aber auch Ihre Zielgruppe. Wen wollen Sie erreichen und was sollen diese Leser nach der Lektüre tun?

Denken Sie dabei nicht zu konkret, in diesem Schritt geht es wirklich nur um die große, übergreifende These. Sie dient Ihnen später beim Schreiben als Richtschnur, indem Sie immer wieder prüfen können, ob das, was Sie gerade schreiben, wirklich Ihrem Ziel dient. So schweifen Sie weniger ab und verlieren den roten Faden nicht.

Passende Textart(en) finden

Sie können einen Bericht natürlich einfach herunterschreiben, indem Sie einen Fakt an den anderen reihen. Lesegenuss schaffen Sie so aber eher nicht. Vor allem bei Texten, die sich über viele Seiten strecken, ist die Gefahr riesig, dass Ihre Leser mittendrin aussteigen. Damit verschenken Sie Ihre Chance, den Leser zu einer Reaktion zu bewegen, die in Ihrem Sinne ist. Wenn Sie etwa mit einem Tätigkeits- oder Geschäftsbericht Unterstützer, Spender oder Kooperationspartner gewinnen wollen, dann sollte der Bericht nicht dröge, langweilig und langatmig sein, sondern neugierig machen und überzeugen.

Das gelingt durch einen guten Stil, aber auch durch Abwechslung in den Darstellungsformen. Gerade umfangreiche Berichte profitieren davon, wenn der reine Fakten-Text ergänzt wird durch Mini-Reportagen (etwa Szenen aus konkret umgesetzten Projekten) oder wirklich interessante Interviews mit Verantwortlichen oder Projektteilnehmern. Überlegen Sie sich zunächst, in welcher Textart Sie den Haupttext gestalten wollen und finden Sie dann passende Darstellungsformen für die „Sidekicks“.

Inhaltliche Einheiten definieren

Jetzt geht es an die Struktur des Textes: Fassen Sie die Bestandteile Ihres Recherchematerials zu Blöcken zusammen, bilden Sie also inhaltliche Einheiten. Aber Vorsicht: Seien Sie ehrlich zu sich und zwingen Sie sich zu streichen. Was nicht zur Hauptthese aus dem vorherigen Arbeitsschritt, also zum Ziel Ihres Textes passt, fliegt beziehungsweise schafft es gar nicht erst in den Text.

Jede dieser einzelnen, inhaltlichen Einheiten bekommt jetzt eine Überschrift, die ihren jeweiligen Nachrichtenkern zusammenfasst. Das kann auch eine Leitfrage sein, die Sie dann im dazugehörigen Text umfassend beantworten.

Tipp: Diesen Arbeitsschritt können Sie gut mit Karteikarten organisieren. Legen Sie für jeden inhaltlichen Block eine Karte an, schreiben Sie oben die Überschrift oder Leitfrage auf und fügen Sie darunter stichpunktartig alle Fakten, Szenen, Zitate und Quellen hinzu, die dazu gehören. Die Karteikarten können Sie dann auf dem Tisch oder Boden ausbreiten und verschieben, um die richtige Reihenfolge und damit die perfekte Gliederung für den Text zu finden.

Einleitung entwickeln und Leselust wecken

Erst jetzt beginnen Sie mit dem Schreiben. Wenn Sie so viel Zeit in die Vorbereitungen investieren, hat das nicht nur den Vorteil, dass Sie schneller und strukturierter schreiben können. Es wird Ihnen auch leichter fallen, an verschiedenen Tagen an Ihrem Text weiterzuarbeiten, wenn Sie nicht am Stück schreiben können.

Um Neugier zu wecken, Lust auf den langen Text zu machen und die Leser davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Zeit für die aufwändige Lektüre zu investieren, kommt der Einleitung eine wichtige Rolle zu. Seien Sie ruhig kreativ und überlegen Sie sich eine lebendige Einleitung. Rufen Sie sich Ihre Hauptthese aus Schritt eins noch mal in Erinnerung, dann fällt Ihnen sicher etwas ein. Sind Sie eher ein Faktenmensch, können Sie auch erstmal mit dem Faktenteil des Textes beginnen und eine kreative Einleitung später ergänzen (oder vom Korrekturleser ergänzen lassen).

Die Einleitung ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Zusammenfassung Ihres Textes. Auch die steht häufig am Anfang und gibt dem Leser in Kurzform einen Überblick über die Fakten. Sie ist aber sehr sachlich. Die Einleitung dagegen soll vor allem Lust machen und den Leser in den Text ziehen. Hier führen Sie Ihre Protagonisten ein und skizzieren die Hauptthesen Ihres Textes. Das können Sie tun, in dem Sie den Leser Szenen nacherleben lassen oder starke Zitate Ihrer Protagonisten benutzen.

Schluss entwickeln und Call-to-Action einbinden

Ähnlich wichtig wie die Einleitung ist der Schluss Ihres Textes. Sie können die Einleitung fortführen und einen Rahmen schaffen, indem Sie zum Beispiel die Eingangsszene noch mal aufgreifen oder die Protagonisten aus der Einleitung noch mal zu Wort kommen lassen.

Hier ist aber nun auch Platz für das, was online der „Call to action“-Button wäre – also der Knopf, den die Nutzer drücken sollen, um zum Beispiel eine Bestellung zu tätigen, Informationsmaterial anzufordern oder Sponsor zu werden.

Nehmen Sie Ihre These aus Arbeitsschritt eins noch mal hervor, die Ihr Ziel definierte: Zu welcher „Action“, also welcher Handlung möchten Sie Ihre Leser mit dem Text motivieren? Sollen Sie Ihre Projekte im nächsten Geschäftsjahr finanziell unterstützen? Für Sie werben? Oder möchten Sie sie als Teilnehmer oder Kooperationspartner gewinnen?

Stimmen Sie Ihren Schluss darauf ab, indem Sie zum einen ganz deutlich machen, warum der Leser so und nicht anders handeln sollte, was er also davon hat, in Ihrem Sinne zu reagieren. Und machen Sie es ihm zum Zweiten so einfach wie möglich, genauso zu handeln. Das bedeutet: Geben Sie Kontakt- oder Bankdaten an, hängen Sie ein Adressen- oder Ansprechpartnerregister an und listen Sie alle Websites auf, die der Leser brauchen kann. Vermeiden Sie auf jeden Fall, dass er Ihren Text erst zur Seite legen und an anderer Stelle nach Informationen oder einer Kontaktmöglichkeit suchen muss.

#stolzTexte: Was ist eigentlich Achtsamkeit?

 

Alle Welt redet von Achtsamkeit – und meint damit mal Erfolg, mal Glück, Dankbarkeit, Produktivität, Ausgeglichenheit, Vergebung oder auch Entschleunigung. Achtsamkeit ist zu einem Trend geworden. Doch wem nützt sie wirklich, was kann sie – und was nicht? Das waren Fragen, denen ich im Auftrag des So!-Magazins der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl nachspürte. Das Ergebnis war dieser Beitrag aus der Kategorie #stolzTexte.

 

Annas Malbuch für Erwachsene verstaubt im Regal. Kaum eine Handvoll Seiten hatte sie ausgemalt. Damit hat die Sache mit der Achtsamkeit schon mal nicht geklappt. Anna ist Anfang 30 und beruflich erfolgreich. Sie arbeitet viel, kann sich ihre Zeit dabei aber frei einteilen. Das hat Vorteile – wenn eine Regenwoche überraschend zwei Sonnenstunden spendiert, kann sie die für einen ausgiebigen Stadtbummel nutzen oder für eine Radtour – egal zu welcher Uhrzeit. Aber diese Freiheit hat auch Nachteile: Einen echten Feierabend kennt Anna nicht. Sie schreibt Mails auch mal nach Mitternacht oder sitzt am Sonntag am Schreibtisch, wenn noch ein Auftrag fertig werden muss. Privat- und Berufsleben fließen ineinander, im Kopf läuft die Arbeit immer mit – auch wenn sie eigentlich Wochenende oder Urlaub hat.

Ist Achtsamkeit gleich Ruhe, Kraft, Zufriedenheit?

Anna gibt es wirklich, aber sie könnte auch einfach nur ein Dummy sein – ein Prototyp für die Generation der Um-die-30-Jährigen. Viele Akademiker, viele beruflich stark eingespannt, aber nicht abgesichert. Viele von ihnen teilen eine Sehnsucht nach innerer Ruhe, Ausgeglichenheit, Entschleunigung, Zufriedenheit. Auf dem Weg dahin lesen sie Ratgeber, besuchen Seminare, buchen Coachings, um Gelassenheit und Glück zu lernen. Der Hype ist enorm und er trägt seit einigen Jahren ein Etikett: Achtsamkeit!

Glaubt man den Ratgebern und Gurus könnte Achtsamkeit ein Allheilmittel für viele Krankheiten und Probleme dieser Gesellschaft sein, in der „Müßiggang“ zum Schimpfwort geworden ist und „Produktivität“ zur Religion: Es soll gegen Stress und Angst helfen, es soll produktiver und effektiver machen, zugleich entspannter und fokussierter. Doch schaut man genauer hin, fällt auf, dass jeder dieser „Experten“ etwas Anderes meint, wenn er „Achtsamkeit“ sagt. So! hat sich also auf Spurensuche begeben und nach den Wurzeln dieses Trends gesucht.

Achtsamkeit wissenschaftlich erforscht

Mitten in Coburg stehen Kräne und Baufahrzeuge um ein paar eher nüchterne Gebäude herum. Der Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Künste Coburg. Hier werden traditionell vor allem technisch-ingenieurswissenschaftliche Fächer gelehrt. An der Fakultät „Soziale Arbeit und Gesundheit“ ist aber auch der Fachbereich Gesundheitsförderung angesiedelt, in dem der Medizinpsychologe Prof. Dr. Niko Kohls seit 2013 auch zum Thema Achtsamkeit forscht.

Was genau das ist, dazu habe auch die Wissenschaft noch keinen eindeutigen Konsens finden können, sagt er. „Betrachtet man es psychologisch, ist Achtsamkeit ein spezifischer Bewusstseinszustand, der durch längeres Praktizieren auch zu einer Lebenseinstellung oder einem Persönlichkeitsmerkmal werden kann“, erklärt er. „Dabei geht es um zwei Dinge: Achtsamkeit lehrt, im Hier und Jetzt, also ganz in der Gegenwart, zu bleiben, die Dinge alle immer so zu betrachten, als erlebte man sie zum ersten Mal. Aber es geht noch ein Stück weiter: Es geht auch darum, Dinge, die man in diesem Moment fühlt, sieht oder zum Beispiel hört, einfach nur wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten.“

Wer profitiert von Achtsamkeitsübungen

Grundsätzlich kann mehr Achtsamkeit jedem Menschen guttun. Prof. Dr. Niko Kohls von der Hochschule Coburg plädiert sogar dafür, Achtsamkeit zum Bestand von Schul- und Hochschulbildung zu machen. Wenn Sie sich damit auseinandersetzen möchten, sollten Sie:

  • die Möglichkeit und den Willen haben, sich täglich etwa 10 bis 20 Minuten Zeit für die Achtsamkeitsübungen zu nehmen,
  • in der Lage sein, sich wirklich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Menschen, die psychisch instabil sind, sollten sich ärztliche oder therapeutische Begleitung sichern, bevor Sie sich an Achtsamkeitsübungen probieren.

Klingt ganz einfach, ist aber in der Praxis sehr anstrengend, denn der Mensch ist nicht dazu gemacht, Dinge nicht zu bewerten. Und auch nicht dazu, nur auf die Gegenwart zu fokussieren. „Die Evolution hat es so eingerichtet, dass wir alles, was wir erleben, ständig mit Vergangenem, bereits Erlebtem und Erinnertem vergleichen und an unsere Zukunftserwartungen anpassen“, erklärt Niko Kohls. Das war vor ein paar Millionen Jahren durchaus nützlich, denn wer sich nur auf die Gegenwart konzentrierte und Erlebnisse nicht bewertete, war unter Umständen schnell tot. Stand plötzlich ein Säbelzahntiger vor einem, war es geschickter, wenn das Gehirn sich automatisch und ohne Zeitverlust erinnerte, dass man so einem Tier besser aus dem Weg ging. „Wenn wir aber diesem Autopiloten, der immer noch in uns steckt, zu viel Raum lassen, vergeben wir uns eine Chance, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen“, sagt der Experte.

Achtsamkeit ist eine innere Haltung

Wer achtsam ist, trifft Entscheidungen – darüber, wie er die Welt und sich wahrnehmen will. Er erlebt dasselbe, wie jemand, der nicht achtsam ist, doch er entscheidet sich vielleicht bewusst für eine andere Perspektive. „Nehmen Sie einen Stau“, erklärt Niko Kohls an einem Beispiel: „Sie können sich eine Stunde lang aufregen, weil Sie im Stau stehen und zu spät ins Büro kommen. Oder Sie können den Stau als willkommene Auszeit betrachten, der Ihnen eine Stunde Zeit schenkt – zum Beispiel für Achtsamkeitsübungen.“

Doch wie gelingt es denn nun, diese innere Haltung zu finden, in der uns nichts mehr aus der Bahn werfen kann? Angebote, die alle unter dem Etikett „Achtsamkeit“ verkauft werden, gibt es viele: Die Empfehlungen reichen von der Meditation über Achtsamkeitskurse, die erwähnten Malbücher für Erwachsene, die Anregung, Dankbarkeitstagebücher zu führen, zu gärtnern oder eine Schweigezeit einzulegen. Und nicht wenige davon kosten richtig viel Geld. „Achtsamkeit ist heute wie ein Black-Box-Container, in den jeder wirft, was ihm gerade dazu einfällt. Doch die meisten dieser Dinge beinhalten vielleicht Aspekte von Achtsamkeit, aber sie füllen das Konzept häufig nicht vollständig, denn meist lehren sie nur, wie man sich im Sinne von Aufmerksamkeit auf die Gegenwart fokussiert. Aber sie vergessen, dass es eben auch darum geht, das Nicht-Bewerten und damit Unvoreingenommenheit, Demut oder freundliche Neugier zu lernen.“

Achtsamkeit braucht Übung: die Meditation

Für Puristen der Achtsamkeitslehre gibt es dafür nur eine echte Übung: die Achtsamkeitsmeditation.

Die Achtsamkeitsmeditation

Die Achtsamkeitsmeditation geht auf Weisheitslehren wie die buddhistische, vor allem aber auch die christliche Meditationslehren zurück. Setzen Sie sich dafür bequem hin und sorgen Sie dafür, dass Sie mindestens zehn Minuten wirklich ungestört sind. Atmen Sie ruhig ein und aus und konzentrieren Sie sich auch gedanklich ganz auf den Atem. Schweifen Ihre Gedanken ab – und das werden sie – führen Sie sie einfach wieder zum Atem zurück. Wenn Sie diese Meditation regelmäßig trainieren, wird es Ihnen immer leichter fallen, die Gedanken zu zügeln – und es wird weniger anstrengend werden.

Der Body Scan ist ebenfalls eine Meditationstechnik, aber Sie gibt Ihren Gedanken etwas mehr „zu tun“. Probieren Sie einfach aus, ob Ihnen diese Methode am Anfang vielleicht leichter fällt. Legen Sie sich dazu bequem auf den Rücken, schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich nun auf Ihren Körper. Beginnen Sie bei den Zehen und spüren Sie jedem kleinsten Körpergefühl nach. Das Gewicht der Decke, ein Jucken, vielleicht ist Ihnen warm – wandern Sie langsam gedanklich durch Ihren Körper und nehmen Sie ganz bewusst jedes dieser Gefühle wahr.

Bei beiden Übungen ist es wichtig, dass Sie sich auf die reine Wahrnehmung konzentrieren. Es gibt kein richtig oder falsch, denn genau das soll Achtsamkeit ja trainieren: Wahrzunehmen ohne zu bewerten.

„Das Einzige, worum es bei der Achtsamkeit wirklich geht, ist die Innenschau, die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst“, sagt Niko Kohls. Und auch das sei viel anstrengender, als es im ersten Augenblick klinge. „Viele Menschen, die damit beginnen, sind erschrocken, wie schwer es ihnen fällt, sich zum Beispiel nur ein paar Minuten auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Unser Geist rennt hin und her wie ein wild gewordenes Huhn, obwohl wir doch eigentlich gerade dabei sind, nichts zu tun.“ Diesen Ruhemodus, der eigentlich ein Unruhemodus ist, nennt die Neurobiologie das „Default Mode Network“, Vorgänge im Gehirn, die dafür verantwortlich sind, dass unsere Gedanken anfangen zu rasen, sobald wir zur Ruhe kommen könnten. „Wer die Achtsamkeitsmeditation trotzdem weiterverfolgt und regelmäßig trainiert, kann dieses ‚Default Mode Network‘ zumindest ein stückweit runterfahren und wirklich zur Ruhe finden.“

Allerdings: Das ist kein Automatismus und es ist auch nicht wie Radfahren, das man – einmal erlernt – nie wieder vergisst. „Achtsamkeit ist ein Weg, kein Ziel. Es ist wie ein Muskel. Beide nehmen ab, wenn sie nicht mehr trainiert werden.“ Schon dieser Satz macht klar: Stressbewältigung, Effizienz und Produktivität können kaum Ziele von Achtsamkeitsübungen sein, denn sie zielen ja auf Methoden und Instrumente, die man einmal lernt und immer einsetzt. „Wer achtsam mit sich und seiner Umgebung, seinen Mitmenschen umgeht, kann dabei auch lernen, mit Stress besser umzugehen, bewusster oder dankbarer zu leben, aber das sind eher Folgen der Achtsamkeit, nicht ihr Ziel“, sagt Niko Kohls.

Achtsamkeit für mehr Selbstbestimmtheit

Das Ziel ist die Selbstbeobachtung, die Fokussierung. Wer das schafft, holt sich auch ein Stück Kontrolle über sein Leben zurück, das sich für viele Menschen fremdbestimmt anfühlt. Sie haben das Gefühl, im Hamsterrad gefangen zu sein, das ein Anderer antreibt und in dem sie nur mitrennen müssen. „Wer lernt, Situationen wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten, lernt auch, sie aus einer neuen Perspektive zu betrachten und Auswege zu finden“, sagt Prof. Kohls. Deshalb eigne sich Achtsamkeit eben gerade nicht zur Selbst- oder Fremdoptimierung. Auch wenn viele Unternehmen inzwischen Achtsamkeitskurse buchen, um ihre Mitarbeiter produktiver, effektiver und ausgeglichener zu machen. „Wer eine neue Perspektive auf die Dinge findet, die ihn schon lange unzufrieden machen, reagiert nicht immer, wie sich die Unternehmen das wünschen, sondern auch schon mal genau gegenteilig“, erzählt Kohls aus Studien und Kursen in Firmen. Da habe es durchaus auch Mitarbeiter gegeben, die nach diesem Kurs nicht „auf Linie“ liefen – sondern kündigten. „Achtsamkeit gibt den Menschen Autonomie und damit Würde zurück und das kann sehr heilsam sein.“

Achtsamkeit in der Medizin

Achtsamkeitsbasierte Konzepte wurden vor ca. 30 Jahren in die westliche Medizin eingebracht. Man hatte festgestellt, dass vor allem Schmerzpatienten, denen keine Medikamente halfen, durch Achtsamkeitsübungen Erleichterung fanden. „An den Schmerzen änderte sich zwar nichts, aber die Patienten lernten, sie anders wahrzunehmen und anders mit ihnen umzugehen“, erklärt Prof. Niko Kohls. Heute wird die Achtsamkeit vor allem in der Psychotherapie eingesetzt. MBSR- oder MBCT-Therapien, also die „Mindfulness Based Stress Reduction“, die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, und die „Mindfulness Based Cognitive Therapy“, die Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie, werden vor allem bei Depressionen erfolgreich eingesetzt.

Auch vorbeugend bieten viele MBSR-Trainer Achtsamkeitskurse an. Diese Trainer sind zertifiziert und arbeiten nach strengen Vorgaben. Das ist ein gutes Kriterium, um Geldmacherei und seriöse Angebote zu unterscheiden. Teilweise übernehmen auch die Krankenkassen anteilig die Kosten für solche Kurse, die durch die Zentrale Prüfstelle Prävention akkreditiert sind.

Was tun, wenn der Texter die falschen Texte schreibt?

Ich habe wirklich eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Post veröffentliche, weil ich sie schon alle schreien höre: „Du kannst doch nicht Kunden öffentlich kritisieren!“ (Tue ich gar nicht.) „Jetzt denken alle, sie könnten endlos unbezahlt an Texten rummäkeln!“ (Das kann tatsächlich zu einem Problem werden, aber die meisten meiner Kunden sind sehr fair und gehören nicht zu der Gruppe, die abzocken und ausnutzen, deshalb riskiere ich es.). Weil ich aber glaube, dass der Nutzen dieses Posts größer ist als das Risiko:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Urlaub gebucht. Und Sie haben einen Aufpreis bezahlt, weil Sie Wert darauf legen, in einer Suite mit eigener Küchenzeile zu übernachten. Damit Sie morgens im Schlafanzug auf dem Zimmer frühstücken oder sich spontan einen Mitternachtssnack zubereiten können, wenn Ihnen danach ist. Das Geld ist schon abgebucht.

Sie kommen im Hotel an, man begrüßt Sie freundlich, erklärt Ihnen, wann und wo es Frühstück gibt, wie Sie an den Pool kommen, was es in der Nähe so an Sehenswürdigkeiten gibt – und dann zeigt man Ihnen Ihr Zimmer. Ein Zimmer. Keine Suite. Keine Küchenzeile.

Würden Sie einfach zwei Wochen lang den Kopf in den Sand stecken und nichts sagen? Oder würden Sie sofort wieder zur Rezeption laufen und darauf bestehen zu bekommen, was Sie gebucht haben?

Unzufrieden mit Texten vom Texter? Reden Sie darüber!

In letzter Zeit kam es immer mal wieder vor, dass ich Kunden hatte, die mit den Erstentwürfen der Texte für Ihre Website nicht so recht zufrieden waren. Das ist weder ungewöhnlich noch dramatisch, sondern ganz normal.

Immerhin haben wir meist nur ein Gespräch – oft genug sogar nur telefonisch – um uns kennenzulernen. Meist reicht mir das, um nicht nur die Fakten für die Texte abzufragen, sondern auch, um ein Gefühl für den Stil und den Ton zu bekommen, den sich meine Kunden wünschen. Aber meistens ist eben nicht immer.

Manchmal fehlt den Texten nur eine Kleinigkeit, um den Kunden wirklich glücklich zu machen. Manchmal liege ich auch total daneben und muss noch mal anfangen. Manchmal wird einem Kunden auch erst beim Lesen der Erstentwürfe klar, was und wie er es sich eigentlich genau wünscht. Vor allem solche Kunden, die sich mit Ihrem Marketing bisher noch nie richtig beschäftigt haben, fällt es manchmal schwer, auszuformulieren, was sie sich wünschen.

Das macht die Arbeit an den Texten nicht leichter, aber es macht sie auch nicht unmöglich. Unmöglich wird sie aber, wenn ich von diesen Kunden einfach nichts mehr höre. Manche melden sich wochenlang nicht mehr und wenn wir dann doch noch mal zueinander finden, erfahre ich, dass es daran lag, dass Ihnen die Texte nicht gefielen, Sie sich aber a) nicht trauten, mir das zu sagen und sie b) nicht formulieren konnten, was sie genau stört.

Deshalb heute meine zwei wichtigsten Ratschläge:

Trauen Sie sich, mir zu sagen, dass Ihnen meine Texte nicht gefallen!

Dem Hotelier würden Sie ja auch sagen, dass Sie sich etwas Anderes gewünscht – und bezahlt – haben. Auch für die professionelle Texterstellung zahlen Sie Geld. Entweder direkt, wenn Sie selbst einen Texter beauftragen. Oder indirekt über den Paketpreis, den Ihnen die Agentur für alle Leistungen in Rechnung stellt. Wir sind Dienstleister und Profis und zum Handwerk gehört auch das Nachbessern.

Im Mittelpunkt stehen Sie mit Ihrem Auftrag. Aber nur, wenn Sie mit mir reden, kann ich am Ende Texte bauen, die Sie auch langfristig glücklich machen – und die zu Ihrem Marketingkonzept insgesamt passen. Und wenn wir dafür zwei oder drei Anläufe brauchen, dann ist das so.

Sie verletzen weder meine Gefühle, noch bin ich beleidigt, wenn Sie meine Texte kritisieren. Aber ich bin frustriert, wenn ich dieser Kritik immer hinterherlaufen muss, genau merke, dass etwas nicht stimmt (und den Auftrag auch nicht abschließe kann, weil von Ihnen keine Reaktion kommt), aber nicht handeln kann. Also: Lassen Sie uns reden! Gerne auch immer wieder.

Äußern Sie Kritik einfach, wie Sie sie fühlen – und vergessen Sie die „richtigen“ Worte!

Wenn Sprache nicht gerade ein persönliches Hobby oder eben der Beruf ist, kann es richtig schwer sein, in Worte zu fassen, was Sie an einem bestimmten Text stört. Hören Sie auf, nach diesen Worten zu suchen.

Es kann sein, dass es länger dauert, bis ich verstehe, was Sie wirklich stört, wenn Sie es nicht direkt in Worte fassen können. Aber ich werde es irgendwann verstehen, weil ich im Zweifel Wort für Wort der Entwürfe mit Ihnen durchgehe. Ich werde Ihnen Alternativen vorschlagen zu Formulierungen, die Ihnen besonders missfallen. Und ich werde Ihnen Fragen stellen, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Fragen wie diese, die Ihnen vielleicht auch im Vorfeld helfen, besser zu fassen, was Ihnen an den Texten nicht gefällt:

  • Haben Sie den Eindruck, der Text ist für die falschen Personen geschrieben? Ist er Ihnen zu männlich, zu weiblich, zu kindlich?
  • Ist Ihnen der Text zu schmalzig, zu kitschig? (Ich liebe Adjektive, kann schon mal sein, dass ich damit ein bisschen sehr großzügig war und damit dieses Gefühl auslöse.)
  • Empfinden Sie den Text als zu trocken, langweilig, leblos?
  • Stören Sie bestimmte Worte, weil Sie die selbst nie benutzen und deshalb das Gefühl haben, sich selbst in Ihren Texten gar nicht mehr wiederzufinden? (Versuchen Sie herauszustreichen, welche Worte das genau sind.)
  • Fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sind sie nicht genug betont? Welche?
  • Fehlt dem Text Ihrer Meinung nach der rote Faden? Wünschen Sie sich andere Information weiter vorn im Text?
  • Ist Ihnen der Text zu lang (Vorsicht: Ist der Text für das Internet gedacht, sollten Sie 200 Worte pro Seite nicht unterschreiten, weil Sie sonst unter Umständen in den Suchmaschinen nicht mehr so gut gelistet sind)?
  • An welche Begriffe denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihr Unternehmen beziehungsweise das Produkt denken, um das es im Text geht? Tauchen diese (oder Synonyme) oft genug im Text auf?

Die Antworten auf diese Fragen helfen mir, herauszufinden, wo stilistisch die Stellschraube anzuziehen ist, damit der Text zu Ihrem Text wird. Fühlt er sich für Sie zum Beispiel zu männlich an, kann es sein, dass ich mit mehr Adjektiven und einem emotionaleren Vokabular schon einen großen Schritt in die richtige Richtung mache. Haben Sie das Gefühl, wichtige Informationen kommen nicht richtig zur Geltung, arbeite ich eher am Aufbau des Textes und wenn sich die Worte, an die Sie zuerst denken, wenn es um Ihr Unternehmen geht, im Text nicht wiederfinden, ist es kein Wunder, dass Sie beim Lesen unzufrieden sind.

Also trauen Sie sich: Wenn Ihnen der Erstentwurf nicht gefällt, denken Sie immer an das Hotel im Urlaub. Kommen Sie an meine Rezeption und teilen Sie mir mit, dass Sie noch nicht bekommen haben, was Sie gebucht haben (vor Reiseantritt! Natürlich dürfen Sie sich auch gern nach dem Einchecken noch umentscheiden, aber dafür fallen dann eben Umbuchungsgebühren an – auch beim Texter). Wenn wir miteinander reden, finde ich in den allermeisten Fällen auch einen Weg, Sie mit meinen Texten glücklich zu machen – früher oder später!

#stolzTexte: Schreibtisch auf Zeit

In der Kategorie #stolzTexte zeige ich Ihnen in unregelmäßigen Abständen Texte von mir, die ich für besonders gelungen oder besonders relevant halte. Texte, die meine Vielfalt als Texterin zeigen, aber auch solche, die einfach Themen behandeln, die diskutiert werden müssen – meiner Meinung nach.

Heute geht es dabei um die „schöne, neue Arbeitswelt“. So nennen wir intern eine Serie, die in loser Folge im So!-Magazin erscheint, der Wochenendbeilage in allen Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl. Darin dreht es sich um die neuen Entwicklungen, die die Digitalisierung für die Arbeit mit sich bringt. Industrie 4.0., Firma ohne Hierarchien. Oder eben Coworking. Was das ist und wie es funktionieren kann, habe ich im Krämerloft in Erfurt ausprobiert:

Schreibtisch auf Zeit im Krämerloft

Wer einen Coworking Space nutzt, mietet sich einen Schreibtisch auf Zeit. Das ist praktisch für Selbstständige, aber auch Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter mittlerweile öfter ins Gemeinschaftsbüro mit Fremden. Zum Beispiel im Krämerloft in Erfurt.

Von Anita Grasse

Auf dem Tisch, der aussieht, als wäre er früher einmal Teil einer Tischtennisplatte gewesen, steht ein Laptop. Daneben liegen ein Smartphone, zwei Schreibblöcke, ein Kugelschreiber. Mehr braucht Jesssika Fichtel nicht zum Arbeiten. Die 27-Jährige Bloggerin und Autorin sitzt an diesem Tag im „Open Space“, dem großen Gemeinschaftsbüro im Krämerloft in Erfurt, in dem sich jeder spontan einen Schreibtisch mieten kann.

Der neueste Coworking Space der Stadt hat vor etwas mehr als einem Monat eröffnet. Er ist in einem Hinterhof untergebracht, nur fünf Gehminuten vom Erfurter Hauptbahnhof entfernt. Beim ersten Besuch läuft man schon einmal am Eingang vorbei, so unscheinbar wirkt er.

Wo man sich den Schreibtisch mit Fremden teilt

Innen setzen die Betreiberinnen Nicole Sennewald und Bianca Schön-Ott bewusst auf das Unperfekte. Die Wände sind absichtlich nicht glatt verputzt, als Beleuchtung im Gemeinschaftsarbeitsraum hängen Glühlampen in simplen, schwarzen Fassungen von der Decke. Für jeden Arbeitsplatz gibt es eine Verteilersteckdose. An den grünen Tischen blättert die Farbe ab und die Stühle sehen aus, als wären sie zu einer Zeit Büromöbel gewesen, als man Briefe noch mit der Schreibmaschine schrieb.

Dieser Raum, in dem Jessika Fichtel gerade arbeitet, wirkt kleiner – und gemütlicher! – als erwartet. 18 Arbeitsplätze gibt es hier, immerhin. Arbeitsplätze, die täglich und manchmal auch mehrmals am Tag neu besetzt werden. Jeder, der in Erfurt einen Ort zum Arbeiten sucht, aber die Ausgaben für ein eigenes Büro scheut, kann sich hier im Krämerloft einen Platz mieten. Das Angebot richtet sich ebenso an Menschen, die nur kurz in der Stadt sind wie an solche, die das Arbeiten in einem Coworking Space als Ergänzung zum normalen Büro betrachten.

Das ist Coworking

Coworking bedeutet „zusammenarbeiten“. Es bezeichnet eine Arbeitsform, bei der Unternehmen und Selbstständige einzelne Arbeitsplätze oder ganze Büros in einem Coworking Space mieten können. Oft werden dabei sehr kurze Mietzeiten vereinbart. So kann man Schreibtische für einen Tag buchen, aber auch monats- oder jahresweise abrechnen. Die Betreiber der Coworking Spaces bieten die notwendige Büro-Infrastruktur wie ein Internet-Netzwerk, Drucker und Kopierer an. Auch Meeting-Räume sind oft vorhanden.

Weil die Mieten in einem Coworking Space in aller Regel deutlich günstiger sind als die Kosten für eigene Büroräume, ist diese Arbeitsform vor allem bei Freiberuflern und Solo-Selbstständigen beliebt. Aber auch immer mehr Unternehmen schätzen den Austausch mit Vertretern verschiedener Branchen.

Nicole Sennewald und Bianca Schön-Ott, die Betreiberinnen des neuen Erfurter Coworking Space, stellen ihren Kunden die Infrastruktur, die man so zum Arbeiten im Büro braucht. Etwa einen Drucker oder Kopierer, aber auch ein Netzwerk für schnellen Internetzugang, eine gemütliche Lounge zum Austauschen und eine hochmoderne Küche mit einem unbegrenzten Vorrat an ausgezeichnetem Kaffee.

Coworking: Arbeiten nach dem Pippilotta-Prinzip

„Coworking ist für uns mehr als einfach nur Schreibtische oder Büros zu vermieten“, sagen die beiden Frauen. Sie haben das Krämerloft gemeinsam gegründet, im Februar war Eröffnung. „Coworking ist für uns eine Möglichkeit, Menschen wirklich zusammenzubringen. Sie sollen hier nicht nur im selben Raum arbeiten, sondern eine Umgebung vorfinden, die sie inspiriert, ins Gespräch zu kommen, zu netzwerken, Kooperationen aufzubauen, zu experimentieren und Neues zu wagen.“ Bianca Schön-Ott ergänzt nach kurzem Nachdenken: „Wir arbeiten hier sozusagen alle nach dem Pippilotta-Prinzip und machen uns zumindest die Arbeitswelt, wie sie uns gefällt.“

Das funktioniere super, bestätigt Jessika Fichtel. Seit der Eröffnung arbeitet sie im Schnitt einmal pro Woche hier. Die selbstständige Bloggerin und Autorin genießt die Abwechslung zum Büro in der eigenen Wohnung. „Ich arbeite gern von zu Hause aus, aber manchmal fehlten mir einfach Kollegen. Jetzt habe ich das Beste aus beiden Welten“, sagt sie. „Ich fühle mich hier sehr wohl und genieße die gemeinsame Mittagspause oder den Kaffee mit Menschen aus ganz anderen Branchen und Bereichen.“ Menschen wie Konstanze Wutschig. Die Fotografin nickt zustimmend, als die junge Bloggerin ins Schwärmen kommt.

Coworking geht auch mit festem Büro

Konstanze Wutschig ist einer der Coworker, die im Krämerloft nicht nur einen Schreibtisch mieten, wenn sie ihn brauchen, sondern einen festen Arbeitsplatz in einem der sechs Büros gebucht haben. Nicht jeden Tag ist sie hier, ein großer Teil ihrer Arbeit findet im Freien oder bei ihren Kunden statt. Aber die Büroarbeit und das Nachbearbeiten der Bilder erledigt sie heute eben nicht mehr im Homeoffice, sondern im Coworking Space.

Das Büro teilt sie sich mit mehreren anderen Coworkern, alle aus unterschiedlichen Branchen und längst nicht alle Selbstständige. Zwar fing die Coworking-Bewegung tatsächlich als Unterstützung für Solo-Selbstständige, kleine Start-ups und Freiberufler der Kreativbranche an. Doch allmählich entwickelt sich diese Form des Arbeitens weiter.

Für wen eignet sich Coworking?

Aber auch wenn inzwischen auch eine Lehrerin und ein reisender Versicherungsmakler zu den Coworkern im Krämerloft gehörten: Der Großteil der Coworker, nicht nur in Erfurt, kommt aus eher kreativen Berufen und ist selbstständig. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn so attraktiv Coworking wegen seiner großen Flexibilität sein kann, es ist nicht für jede Branche und jeden Menschen geeignet.

Wer sich zum Beispiel nicht gut konzentrieren kann, wenn es um ihn herum mal unruhig wird, bekommt in vielen Coworking Spaces Probleme. Auch wer mit viel Ausrüstung, zahlreichen Ordnern und Materialien arbeitet, ist mit einem festen Büro besser dran, denn Coworking im klassischen Sinne, also mit befristet gemietetem Arbeitsplatz, bedeutet auch, dass man alle Arbeitssachen jedes Mal neu mitbringen muss. Wer da die viel schleppen muss oder gerade die eine, wichtige Akte vergisst, hat Pech.

Checkliste: Ist Coworking etwas für mich?

Nicht für jede Branche und jede Stelle eignet sich Coworking. Ob diese neue Arbeitsform etwas für Sie sein könnte, klären diese Fragen. Je mehr Sie mit „Ja“ antworten können, desto wahrscheinlicher ist Coworking eine Option für Sie:

  1. Arbeiten Sie gern in Gesellschaft?

  2. Können Sie sich gut konzentrieren, auch wenn es um Sie herum mal unruhig wird?

  3. Brauchen Sie zum Arbeiten nur wenig Material, das sich leicht transportieren lässt?

  4. Können Sie sich gut selbst organisieren und haben auch ohne festen Rahmen ein gutes Zeitmanagement?

  5. Können Sie auf eine Festnetz-Büro-Telefonnummer verzichten?

  6. Können Sie auf ein festes Büro verzichten, das nur Sie benutzen?

  7. Brauchen oder wollen Sie den Austausch mit Menschen aus anderen Branchen?

  8. Wollen Sie beim Arbeiten ein Netzwerk aufbauen?

  9. Haben Sie wenig Kundenkontakt bzw. können Sie Kundengespräche in jeder Umgebung führen?

  10. Sind Sie oder Ihr Arbeitgeber bereit, zwischen 150 und 250 Euro monatlich für die Miete im Coworking Space zu investieren (Durchschnittswert, in jedem Coworking Space unterschiedlich)?

Auch Berufe mit viel Kundenkontakt finden sich in den meisten Coworking Spaces eher selten, es sei denn, die Coworker können Ihre Kunden überall bedienen. Dann stellen fast alle Coworking Spaces Konferenzräume zu Verfügung, die man mieten kann, um in Ruhe Geschäftstermine abzuwickeln. Für Fotografin Konstanze Wutschig klappt das super. „Meine Kundinnen reagierten durchweg begeistert von der neuen Option, auch im Krämerloft Porträtfotos von sich machen zu lassen“, sagt sie.

Familie und Beruf unter einen Hut bringen

Doch für die Kollegen von Timmy Hack zum Beispiel, mit dem sich die Fotografin ein Büro im Krämerloft teilt, wäre das schon weniger einfach. Timmy Hack ist als Marketing Manager bei „Hörgeräte Möckel“, einem Unternehmen mit Sitz im südthüringischen Meiningen, festangestellt. „Für mich klappt das mit dem Coworking Space super, für unsere Mitarbeiter, die vor Ort beim Kunden arbeiten und etwa Hörgeräte anpassen, wäre das aber kaum umsetzbar“, sagt er. Er selbst hätte Schreibtisch und Arbeitsplatz ebenfalls in Meiningen haben könnte. Genau das wollte der 31-Jährige aber nicht, der vor Kurzem zum zweiten Mal Vater geworden ist.

„Ich stelle die Familie im Moment über den Beruf, will meine Söhne aufwachsen sehen und meine Frau unterstützen können, wenn es nötig ist. Deshalb habe ich beim Vorstellungsgespräch um eine Lösung gebeten, die mir erlaubt, an meinem Wohnort in Erfurt zu arbeiten“, erklärt er.

Damit trifft er in diesem Coworking Space einen Nerv. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war vor anderthalb Jahren nämlich der Grund, warum Nicole Sennewald überhaupt einen (weiteren) Coworking Space in Erfurt gründen wollte. Und deshalb gibt es hier neben den Büros, den 18 Tischen im „Open Space“, der großen Küche mit Lounge, den Meetingräume und dem Telefonierzimmer auch ein buntes, üppig mit Spielzeug ausgestattetes Familienzimmer für all die Coworker, die ihre Kinder zur Arbeit mitbringen.

Jeder Coworking Space ist anders – probearbeiten lohnt sich

Auf dieses Weise hat jeder Coworking Space sein eigenes Profil. Das System ist zwar überall gleich, die Ausrichtung aber immer ein bisschen anders. Es lohnt sich also, sich verschiedene Coworking Spaces anzusehen, wenn man mit dieser Form der Arbeit liebäugelt. Vor allem in größeren Städten gibt es inzwischen meist mehrere Anbieter und langsam ziehen auch kleinere Orte nach. Eine vollständige Übersicht über alle deutschen Coworking Spaces gibt es nicht – dafür sind zu viele zu unterschiedliche Anbieter auf dem Markt. Es gibt große Ketten, die gleich mehrere Coworking Spaces in verschiedenen Städten betreiben und kleine, private Initiativen wie die in Erfurt.

Global Coworking Survey – Prognose 2017

Jedes Jahr erscheint die „Global Coworking Survey“, eine Umfrage zu Entwicklungen und Erwartungen der Coworking Spaces weltweit. An der aktuellen Fassung vom 9. November bis 23. Dezember 2016 beteiligten sich insgesamt 1876 Befragte. Das Ergebnis:

  • Bis Ende 2017 wird es weltweit etwa 14000 Coworking Spaces geben.
  • Bis Ende 2017 werden weltweit fast 1,2 Millionen Menschen in Coworking Spaces arbeiten.
  • Jeder fünfte Coworker arbeitet zu sehr unregelmäßigen Zeiten.
  • Etwa 40 Prozent der Coworker kommen mindestens jeden Werktag in den Coworking Space, etwa 30 Prozent drei- bis viermal pro Woche.

Nachzulesen sind Details der „Global Coworking Survey“ bei deskmag, einem Onlinemagazin über neue Arbeitsformen.

Timmy Hack hat sich für letztere entschieden und für seinen Arbeitgeber sei dieser Wunsch nach wohnortnahmen Arbeiten kein Problem gewesen. „Unser Geschäftsführer ist selbst Vater und beobachtet zudem die Trends, die vor allem die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt bedeuten, genau. Er war sehr offen, was meinen Vorschlag anging, es mit dem Coworking Space zu versuchen.“

Coworking trotz Festanstellung? Das sagen Arbeitgeber

Das ist nicht selbstverständlich, denn auch für Timmy Hacks Arbeitgeber bedeutete diese Lösung zunächst Mehraufwand. Es mussten Server und Datenverbindungen eingerichtet werden, mit denen Timmy Hack auch von Erfurt aus sicher auf Kundendaten zugreifen konnte. Und wer sich nur einmal pro Woche persönlich sieht, muss auch sein Kommunikationsverhalten anpassen, effektiver gestalten. Doch „Hörgeräte Möckel“ ist nicht das einzige Unternehmen, das diese zusätzlichen Anstrengungen auf sich nimmt, um gute Mitarbeiter zu finden – und zu halten.

Auch Sven Lindig, Geschäftsführer der Lindig Fördertechnik GmbH in Krauthausen bei Eisenach, hat einen Arbeitsplatz im Krämerloft für einen seiner Mitarbeiter gemietet. Der Fachkräftemangel setze seinem Unternehmen zu. Längst ließen sich nicht mehr alle offenen Stellen mit Personal aus der Region besetzen und es gebe einige Mitarbeiter, die in Erfurt wohnten statt in der Wartburgregion.

„Wir öffnen uns im Zuge von New Work auch für neue Arbeitsformen und wollen so als Alternative zum Homeoffice auch den Coworking Space anbieten“, erklärt er. Er sieht darin vor allem drei Vorteile: Mitarbeiter, die nicht ständig pendelten, sparten erstens Zeit und zweitens Kraftstoff, schonten somit auch die Umwelt. Und der „potenzielle Vernetzungseffekt“ sei ebenfalls nicht zu unterschätzen. „Vielleicht ergibt ein Gespräch mit jungen Gründern eine Innovation?“, hofft er.

Diesen Vorteil sieht man auch bei „Hörgeräte Möckel“ in Meiningen. „Der Austausch führt zu neuen Ideen und Arbeitsansätzen und damit letztlich auch zu besseren Arbeitsergebnissen. Viel wichtiger aber ist, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, wohnortnah und zeitlich flexibel zu arbeiten, motiviertere, leistungsfähigere und bessere Mitarbeiter bekommen“, sagt Timmy Hack. „Meine Generation will mehr vom Leben als nur viel Geld. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar dafür, dass ich meine Familie über alles stellen, aber auch auf meine Selbstverwirklichung nicht verzichten muss. Und das gebe ich mit Leistung zurück.“

Und was machen Sie so beruflich?

Sie kennen das doch alle: Geburtstagsparty (In meinem Fall war es eine sehr nette, gemütliche Kaffeerunde unter Frauen), man plaudert, der Gastgeber stellt diejenigen seiner Freunde vor, die sich noch nicht kennen. Meist geschieht das mit Namen, der eigenen Kennenlerngeschichte und dem Beruf des Neuen.

So war am Wochenende auch der Plan einer guten Freundin von mir. Nur scheiterte sie, als sie erklären wollte, was ich eigentlich beruflich mache. Nicht, weil sie das nicht wusste, sondern weil sie sich nicht entscheiden konnte. Und als sie den Ball an mich abgab, war meine erste Antwort auch: „Wie viel Zeit habe ich?“

Die Sache mit der Nische und warum es mir schwer fällt, mich darin einzurichten, habe ich ja schon mal erklärt. Inzwischen ist das bei dieser Frage auch nicht mehr das Problem, denn ich habe mir in den Jahren meiner Selbstständigkeit einen klaren Fokus erarbeitet: Ich biete Dienstleistungen an, die sich um Text drehen.

Das ist aber für die meisten Menschen immer noch zu unkonkret, um sich ein Bild zu machen. Und deshalb beginne ich auf diesen Partys schließlich immer mit dem Erzählen. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber glasige Augen bekommt, bin ich meist gerade in der Hälfte angekommen.

Deshalb also hier einmal als Zusammenfassung:

Mein Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: Komplextext, die Tüte Glück und die Traureden (Achtung: Da steht KEIN „er“ zwischen „Trau“ und „Reden“ – nur um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen.

Die letzten beiden sind schnell erklärt:

Traurednerin: individuelle Hochzeitszeremonien

Als Traurednerin biete ich Paaren ihre ganz persönliche, individuelle Hochzeitszeremonie und vor allem eine Rede, die den Namen verdient und nicht nur gut geschrieben, sondern auch gut vorgetragen ist. Ich bin ausdrücklich keine Hochzeitsplanerin. Das überlasse ich Kollegen, die darin mehr Erfahrung haben und viel besser sind als ich. Ich gestalte ausschließlich die Zeremonie um das „Ja-Wort“ – vor allem dann, wenn Paare an einem Ort heiraten wollen, an dem es kein Standesamt gibt oder wenn sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass ein Standesbeamter in einer Zeremonie, auf deren Ablauf sie selbst nur wenig Einfluss haben, die richtigen Worte findet. Mehr dazu erkläre ich ausführlich auf der Seite und im Blog, die zu dem Traureden-Geschäft gehören.

Kreativ ausleben im DiY-Blog „Tüte Glück“

Die Tüte Glück begann als Hobby, als Blog, um meine Kreativität auszuleben, die Ergebnisse von Handarbeits- und Bastelorgien zu zeigen. Irgendwann ist daraus ein weiterer Pfeiler im Geschäft geworden, nämlich als eine Kollegin von der Tageszeitung fragte, ob ich aus den Blogbeiträgen nicht auch eine regelmäßige Seite für die Wochenendbeilage machen könnte.

Heute läuft der Workflow umgekehrt: Ich produziere jede Woche eine Anleitung für die Tageszeitungen der Verlagsgruppe Hof Coburg Suhl und die wird später zu einem Blogpost auf der Tüte Glück. Inzwischen versuche ich, diesen Geschäftbereich weiter auszubauen, denke und bastle schon eine Weile an einem Buch herum, doch dessen Realisierung scheitert noch an den Produktionsbedingungen. Die sind viel weniger leicht umzusetzen, als ich in meiner Blauäugigkeit bisher dachte.

Komplextext: Leidenschaft um Sprache und Text

Unter Komplextext schließlich fasse ich alle Angebote zusammen, die direkt mit dem werblichen Texten zu tun haben.

Das ist zum einen die journalistische Arbeit für verschiedene Tageszeitungen, obwohl die heute nur noch einen sehr kleinen Anteil meines Umsatzes ausmacht. Viel wichtiger sind da die Aufträge für Agenturen und Unternehmen geworden.

Im letzten Jahr habe ich vor allem die Arbeit als Texterin für Web-Auftritte kleinerer Unternehmen ausgebaut, aber auch Corporate-Publishing-Projekt wie das Erlebnismagazin der Welterberegion Wartburg Hainich oder das Buch des Wartburgkreises realisiere ich unter dem Komplextext-Label. Und natürlich gehören hier auch alle Seminare und Workshops zum Portfolio, die ich über die Jahre vor allem direkt in Unternehmen oder bei Partnern wie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen angeboten habe.

Wer also schreiben lassen will – egal zu welchem Anlass – oder es lieber selbst lernen will, ist bei Komplextext richtig.

So viel also dazu. Und ich werde mir diesen Blogpost jetzt ausdrucken (oder lieber den Link auf die Visitenkarten drucken lassen?), um ihn auf der nächsten Geburtstagsparty einfach jedem zu übergeben, der fragt: „Und was machst du so beruflich?“

Agenturarbeit: Website-Texten für Unternehmen

Vor gut einem Jahr bekam ich völlig unerwartet eine E-Mail: Die Mitarbeiterin einer Online-Marketing-Agentur in Erfurt bat mich um Rückruf. Sie war auf der Suche nach guten Textern und wollte wissen, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Hatte ich. Natürlich. Ich war gerade dabei, mich aus dem Tageszeitungsgeschäft zu verabschieden und wollte wirklich gern stärker kommerziell texten. PR-Projekte unterstützte ich schon länger und wollte diese Schiene gern ausbauen. Ein Angebot, künftig an den Webauftritten unterschiedlicher Unternehmen mitzuarbeiten, kam mir da gerade Recht, zumal ich es liebe, Neues auszuprobieren. So bleibt der Job spannend und ich kann mich entwickeln und verändern, obwohl ich doch immer dasselbe tue, nämlich schreiben.

Neues Geschäftsfeld: Texter für Agenturen

Jetzt nach gut einem Jahr hat sich diese Mail von damals als ein echter Glücksgriff erwiesen. Ich liebe diese Aufträge: Projektarbeit mit klar umrissenen zeitlichen Grenzen und kontrollierbaren Zielen, der direkte Austausch mit dem „Leser“, nämlich dem Kunden, der mir im Tageszeitungsgeschäft immer fehlte, und die Herausforderung, mich binnen weniger Tage in mir völlig fremde Themen und Branchen einzuarbeiten.

Dabei haben sich inzwischen Routinen entwickelt, doch der erste Auftrag, meine Arbeitsprobe sozusagen, war aufregend. Übrigens für beide Seiten. Die Betreiber eines Sonnen- und Wellnessstudios waren genauso nervös wie ich, als wir am Telefon absprachen, wie die Texte ausfallen sollen. Doch dann lief alles wie am Schnürchen. Die Kunden waren überglücklich und ich hatte Blut geleckt.

SEO: schreiben für Suchmaschinen und die Menschen, die sie nutzen

Inzwischen habe ich für diese Agentur Texte für fast 20 Unternehmenswebsites geschrieben. Seit ein paar Monaten übernehme ich auch SEO-Texte für diese Agentur. Dabei hätte mich der erste beinahe in den Wahnsinn getrieben. Ich sollte den Footertext für die Startseite eines Immobilienbüros schreiben und dabei unter anderem die Keyword-Gruppe „Immobilien Verkauf Erfurt“ unterbringen. Mehrfach (wie oft und worauf es bei SEO-Texten sonst noch ankommt, haben die Experten aus einer Partneragentur mir sehr geduldig erklärt). Nur ist das schlicht unmöglich, wenn der Satz grammatisch korrekt und sprachlich sinnvoll sein soll. Ich diskutierte damals lange mit den SEO-Technik-Menschen, die die Keywords vorgegeben hatten. Doch die Lösung war dann ganz einfach: Die Worte mussten zwar wirklich in genau dieser Reihenfolge und als Substantive fallen (Ich hatte zunächst von „Immobilien verkaufen in Erfurt“ geschrieben, das ging aber nicht.), aber ich lernte, dass Google Bindestriche nicht weiter interessieren. Im Text wurde also „Immobilien-Verkauf Erfurt“ daraus und alle waren glücklich.

Seither beschäftige ich mich intensiver mit SEO und bin ganz fasziniert, was da alles geht. Deshalb will ich in diesem Jahr eine gute Weiterbildung zu dem Thema besuchen. Wer also Seminare oder Workshops dazu empfehlen kann, möge sich unbedingt melden – hier in den Kommentaren oder per Mail.

Größte Herausforderungen: Ego zügeln und Eintönigkeit verhindern

Viele Firmen, die diese Agentur beauftragen, um ihren Webauftritt zu über- oder ganz neu zu erarbeiten, sind kleine oder mittelständische Unternehmen. Die wenigsten haben vor meinem Anruf schon mal mit einem professionellen Texter zusammengearbeitet. Ich weiß nie, was mich erwartet: Es gibt ruppige Kunden, charmante. Solche, mit denen ich mich so verplaudere, dass aus dem geplanten halbstündigen Telefonat ein anderthalbstündiges Gespräch wird, aber auch solche, bei denen ich nur sehr schwer mehr als die harten Fakten erfahre und auf große Vorbehalte stoße, wenn ich anrege, die Texte ein bisschen persönlicher zu gestalten, um nicht so verwechselbar zu sein. Jeder Auftrag fordert mich doppelt: Als Texterin, aber auch in meiner Fähigkeit, Menschen ein gutes Gefühl zu geben, damit sie auftauen, mir vertrauen und offen mit mir reden. Das ist großartig!

Die größte Herausforderung aber ist, die Texte trotz aller Erfahrung und Routine nie gleich klingen zu lassen. Deshalb frage ich im Vorgespräch nicht nur die wichtigsten Informationen ab, sondern will vor allem wissen, WIE die Kunden ihre eigenen Kunden ansprechen wollen. Und so wird die Seite für den Zahnarzt eben eher sachlich, während die für die Physiotherapeutin stärker emotionalisiert. Beide bieten Heilbehandlungen an, aber ihr Ansatz, ihre Kommunikation und nicht zuletzt ihre Persönlichkeiten sind unterschiedlich und das soll sich widerspiegeln.

Die zweitgrößte Herausforderung ist schwieriger zu bewältigen: Sie liegt in meinem Ego. Das muss beim kommerziellen Texten den Kopf einziehen. Aber wenn ein Kunde meine sorgfältig gebauten und geschliffenen Texte so umstellt oder umschreibt, dass in meinen Augen schöne, flüssige Übergänge ruiniert sind und Sprachbilder, die ich wunderschön fand, gnadenlos gestrichen werden, weil der Kunde sie einfach nicht mag, dann ist es manchmal ganz schön schwer, das sensible Kreativen-Ego in die Ecke zu stellen. Umso größer aber ist die Genugtuung, wenn es gelingt, sich ein echter Austausch über die Texte entwickelt, wir gemeinsam noch mal feilen und schreiben und am Ende ein Text entsteht, mit dem sich mein Kunde identifiziert – und den ich ebenso mag.

Lieblingsaufträge: Ich will mehr davon!

Und dann gibt es noch die Highlights, die Aufträge, bei denen schon von Anfang an alles stimmt. Bei denen ich sofort ein Gefühl für Branche, Produkt und Kunde habe und es mir gelingt, das in Texte umzusetzen. Aufträge, bei denen die Zusammenarbeit Spaß macht und ich am Ende richtig stolz bin. Aufträge wie der für die Gartenbaufirma (die neue Seite ist noch nicht online), deren Chef sich sehr über mich und mein eher ambivalentes Verhältnis zu Pflanzen amüsierte (Ich töte unbeabsichtigt, durch übergroße Fürsorge sogar Kakteen.). Oder die ehemalige Bankerin, die sich mit einem Shop für ausgefallene Kissen eine Traum erfüllt (Seit unserem Gespräch bin ich überzeugt davon, dass ich ein Zirbenkissen BRAUCHE. Unbedingt.).

Ich genieße diese Art der Texterei und hätte gern (noch) mehr davon. Sind Sie Mitarbeiter einer Agentur, die gute Texter auf Honorarbasis (pauschal pro Text oder Stundensatz) sucht? Dann freue ich mich über eine Nachricht von Ihnen. Sind Sie kein Mitarbeiter einer solchen Agentur? Dann freue ich mich umso mehr, dass Sie diesen Blog gefunden und diesen Post bis zum Ende gelesen haben – und vielleicht mögen Sie ihn ja auch teilen und verbreiten? Vielen Dank!

Frohe Weihnachten!

Und schon ist sie wieder vorbei, die Adventskalender-Zeit. 24 Türchen haben Sie mit mir geöffnet und ich hoffe, Sie haben 24 Mal gelacht, gelernt, probiert, diskutiert, nachgedacht. Heute, am Tag des Heiligabend, gebe ich Ihnen meine persönlichen 24 Wünsche für die kommenden Festtage und das neue Jahr mit auf den Weg. Möge es für Sie und Ihre Liebsten eine Zeit sein voller

  1. Frieden
  2. Fröhlichkeit
  3. Gemeinsamzeit
  4. Ruhe
  5. Gelassenheit
  6. Leidenschaft
  7. Zufriedenheit
  8. Glück
  9. Gesundheit
  10. Erfolg
  11. Überraschungen
  12. Herausforderungen
  13. Verbundenheit
  14. Energie
  15. Ausgeglichenheit
  16. Pausen
  17. Lächeln
  18. Freundlichkeit
  19. Höflichkeit
  20. Nachdenklichkeit
  21. Staunen
  22. Freude
  23. Ausgelassenheit
  24. Barmherzigkeit

Frohe Weihnachten Ihnen und Ihren Liebsten und ein glückliches, neues Jahr wünscht

Anita Grasse
von Komplextext

Worauf Brautpaare bei einer freien Trauung achten sollten

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal ein Paar getraut. Nun bin ich keine Standesbeamtin und auch keine Pfarrerin, diese Trauungen sind also weder vor dem Staat noch der Kirche bindend, aber immer mehr Paare entscheiden sich – zusätzlich zum Verwaltungsakt – für eine solche freie Trauung.

Für mich ist das eine ganz besondere Aufgabe. Reden halte und schreibe ich viele. Als Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes gehört das dazu und macht mir Spaß. Ich finde es toll, wenn ich Stimme und Sprache – meine beiden großen Talente – gemeinsam einsetzen kann, um Menschen zu faszinieren, zu amüsieren und zu überzeugen.

Aber eine Traurede ist eben keine normale Rede. Genau genommen, ist sie ein permanenter Balanceakt: Sie soll persönlich sein, aber nicht zu intim, denn nicht nur das Brautpaar, auch die Gäste sollen sie ja verstehen und mitfühlen können. Sie soll amüsant sein, aber nicht lächerlich, berührend, aber nicht traurig oder melancholisch. Dass eine Traurede erfolgreich war, weiß ich, wenn mein Brautpaar ständig zwischen Lachen und Seufzen wechseln muss – und auch die eine oder andere Träne aus Rührung fließt.

Damit das passiert, investiere ich extrem viel Zeit in die Vorbereitung. Mindestens zwei Stunden dauert ein Vorgespräch mit dem Brautpaar üblicherweise. Dabei geht es einerseits darum, sich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, denn nur wem man vertraut, dem verrät man auch die Höhen und Tiefen der eigenen Beziehung.

In diesem Vorgespräch arbeite ich aber auch einen Fragenkatalog ab, der mir bei der Vorbereitung hilft. Lustigerweise tauchen dabei immer mal wieder Fragen auf, die mein Brautpaar noch gar nicht bedacht hat, die aber für die ganze Trauung, nicht nur die Zeremonie selbst, relevant sind.

So will ich zum Beispiel wissen:

  1. In welchem Still wird die Feier und damit auch die Zeremonie abgehalten (ganz traditionell, sehr feierlich, lustig, wie eine große Party, intim und persönlich, sachlich, …)?
  2. Möchten Sie die traditionelle Trauformel („…Dann sagen Sie jetzt ‚Ja!‘“) oder möchten Sie ein eigenes Ehegelübde schreiben (wenn ja, soll ich das in die Rede einbinden oder lesen Sie es selbst vor?)?
  3. Haben Sie ein Gedicht oder Zitat, das zu Ihrem Trauspruch werden soll?
  4. Sollen Familie oder Freunde eingebunden werden, indem sie etwa Segenssprüche oder Fürbitten vortragen?
  5. Sollen die Ringe vor dem Tausch durch die Reihen der Zuschauer gereicht werden, die ihnen dabei Segen und gute Wünsche mit auf den Weg geben können?
  6. Soll Musik gespielt werden? Wenn ja, welche, an welcher Stelle der Zeremonie und wer kümmert sich darum, dass ein Abspielgerät und die CD am Tag vor Ort sind?
  7. Wie möchten Sie die Zeremonie einläuten: Gäste und Brautpaar betreten den Trauraum gemeinsam; Gäste nehmen Platz, Bräutigam kommt, erst dann feierlicher Einzug der Braut; Braut und Bräutigam laufen gemeinsam ein;…) und wie soll der Ausmarsch gestaltet werden?

Aber der größte Teil des Vorgespräches dient mir dazu, die gemeinsame Geschichte des Paares zu erfragen. Und das aus gutem Grund: Bei fast allen Trauungen, die ich bisher auf Standesämtern erlebt habe, waren mir die Reden ein Gräuel. Manchmal waren die Standesbeamten zumindest rhetorisch geschult. Dann verzettelten sie sich wenigstens nicht zwischen Schachtelsätzen und Zitaten über die Liebe. Aber selbst diese guten Standesbeamten hielten meist austauschbare Reden. Das Paar, das gerade vor ihnen saß, kam darin persönlich kaum vor. Es waren allgemeine Reden über die Liebe, Beziehungen, die Ehe, Partnerschaft und was sie einen gibt und kostet.

Auch in meinen Reden kommen diese Themen vor. Sie sind einfach wichtig und gehören zu einer Trauung, aber ich finde, dass sie eben nur ein Teil der Hochzeitszeremonie sein sollten – und nicht der größte. Ich konzentriere mich in meinen Traureden ganz auf das Paar, das sich an diesem Tag ein Versprechen geben will. Deshalb benutzte ich auch keine Rede ein zweites Mal. Diese Rede ist – wie die Ringe, der Brautstrauß und das Kleid – ganz persönlich für dieses eine Paar. Um aber eine wirklich individuelle Rede schreiben zu können, muss sich das Brautpaar öffnen, mir vertrauen, denn nur dann beantworten sie auch Fragen wie diese ehrlich und ausführlich, die ich im Vorgespräch stelle:

  1. Wie haben Sie sich kennengelernt?
  2. Wie war Ihr allererstes, offizielles Rendezvous?
  3. Wann war Ihnen klar, dass es für immer ist?
  4. Worüber haben Sie sich zum ersten Mal gestritten?
  5. Wie war Ihr erster gemeinsamer Urlaub?
  6. Welche Eigenschaften mögen Sie an Ihrem Partner am liebsten?
  7. Welche Eigenschaften Ihres Partners gehen Ihnen richtig auf die Nerven?
  8. Worüber können Sie gemeinsam lachen?
  9. Worüber streiten Sie regelmäßig?
  10. Teilen Sie Hobbys? Welche?
  11. Wie halten Sie Ihre Liebe lebendig?
  12. Was ist für Sie das Wichtigste an einer Partnerschaft?
  13. Was wünschen Sie sich für Ihre Ehe?
  14. Wenn Sie in zehn Jahren auf Ihren Hochzeitstag zurückblicken: Wie möchten Sie dann fühlen, was möchten Sie denken?
  15. Gab es in Ihrer gemeinsamen Geschichte Situationen, die Ihre Beziehung auf die Probe gestellt haben? Welche und wie haben Sie sie gemeistert?
  16. Wenn Sie an sich als Paar denken: Welches Erlebnis, welche Anekdote kommt Ihnen als erstes in Erinnerung?

Aus all diesen Antworten filtere ich Informationen, die für mich den Unterschied zwischen einer passablen und einer tollen Traurede machen. Aber – und das ist mindestens ebenso wichtig – ich bekomme nicht nur Fakten, sondern vor allem ein Gefühl dafür, wie das Brautpaar tickt. Ich spüre, ob die beiden ironische Anspielungen in Ihrer Trauung sympathisch fänden oder furchtbar, ob es ein bisschen anzüglich sein soll oder lieber ganz seriös, ob Sie sehr sachlich sind oder üppige sprachliche Bilder als festlich und angemessen empfinden.

Dieses Vorgespräch ist für mich als Traurednerin also beinahe wichtiger als die Trauung selbst. Deshalb empfehle ich jedem Paar, ob es sich nun von mir trauen lassen will oder nicht: Planen Sie genug Zeit dafür ein! Ich weiß, wenn Sie in der Planung Ihrer Hochzeit an der Stelle sind, an der Sie sich um einen Trauredner kümmern, haben Sie Zeit am allerwenigsten, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie es nicht bereuen werden. Im Gegenteil: Haben Sie einmal zwei Stunden investiert (und hat am Ende die Chemie gestimmt), können Sie diesen Punkt beruhigt von Ihrer Liste streichen, müssen nicht mehr ständig nachhaken und haben den Kopf frei für all die anderen tausend Details, die noch auf Sie warten.

Welche Bilder darf ich veröffentlichen?

Den Facebook-Auftritt eines philharmonischen Orchesters zu betreuen, ist spannend. Ein Thema, das ich dabei immer wieder mit den Mitarbeitern der Intendanz diskutiere, sind die Bilder. Von fast allen Konzerten, aber auch von Gastspielen und Konzertreisen veröffentlichen wir Bilderstrecken. Die erzielen hervorragende Reichweiten – nur übertroffen von Videos. Aber hinter den Bildern steckt ein großer Aufwand und damit meine ich nicht nur den des Fotografen, sondern vor allem den der juristischen Prüfung. Bei jedem Bild müssen wir abwägen, ob wir es überhaupt veröffentlichen dürfen.

Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte prüfen

Um das zu entscheiden, muss ich mich in vier Rechtsgebieten bewegen: Urheberrecht, Persönlichkeitsreich, Hausrecht und unter Umständen das Markenrecht. Letzteres ist bei diesem Orchester in der Regel zu vernachlässigen, aber es wäre relevant, würden Musiker zum Beispiel auf einer Messe spielen und die Logos großer Marken wären dick im Bild. Auch das Urheberrecht ist in unserem Fall geklärt. In der Regel sind die Bilder von den Musikern oder Mitarbeitern des Orchesters und werden explizit für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Bei Werken von fremden Fotografen holen wir stets die Erlaubnis zur Veröffentlichung ein, bevor wir etwas posten (Achtung: Explizit die Erlaubnis zur Veröffentlichung in sozialen Netzwerken einholen, nicht einfach nur pauschal um Veröffentlichungsgenehmigung bitten. Viele Fotografen geben die Bilder für eine Website oder Prospekt frei, sehen sie aber nicht gern auf Facebook und Co.).

Bleiben noch das Hausrecht und die Persönlichkeitsrechte. Ersteres ist schnell erklärt: Der Hausherr darf entscheiden, ob Fotos gemacht und vor allem ob sie veröffentlicht werden dürfen. Verbietet er das, hat man sich daran zu halten. Fertig.

Das Recht am eigenen Bild

Die Persönlichkeitsrechte, hier konkret das Recht am eigenen Bild, sind dann aber schon wesentlich schwieriger zu prüfen. Geregelt sind sie im Kunsturhebergesetz und zunächst einmal gilt auch hier: Jeder darf selbst entscheiden, welches Bild von ihm der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dabei ist wichtig, dass in diesem Fall nicht das Fotografieren, sondern wirklich nur die Veröffentlichung der Bilder gemeint ist. Anfertigen dürfen Sie, ganz grob betrachtet, also fast jedes Bild. Zur Veröffentlichung brauchen Sie aber die Genehmigung der abgebildeten Person. Theoretisch.

Praktisch ist das kaum umzusetzen. Stellen Sie sich die Situation im Konzert vor: Einer der Musiker macht zum Beispiel ein Bild von der Bühne, das zufällig auch die erste Reihe der Zuschauer zeigt. Es ist unmöglich, jeden einzelnen davon zu fragen, ob wir das Bild auf Facebook posten dürfen. Für solche Fälle sieht das Gesetz Ausnahmen vor. Trifft eine davon zu, darf das Bild auch ohne Einwilligung veröffentlicht werden. Diese Ausnahmen sind:

  • Zeitgeschichtliches Ereignis
  • Beiwerk
  • Versammlung/Aufzug

Ein zeitgeschichtliches Ereignis ist dabei definiert als etwas, bei dem das sogenannte Informationsinteresse der Öffentlichkeit stärker wiegt das die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten. Legt man das streng aus, trifft das auf nur wenige Veranstaltungen zu. Der G7-Gipfel wäre unzweifelhaft ein solches Ereignis oder auch beispielsweise Gerichtsprozesse wie der zum NSU. Aber die Gerichte sind an dieser Stelle sehr großzügig und legen in der Rechtsprechung oft auch Feste, Bälle, Galen oder Tage der offenen Tür als „zeitgeschichtliches Ereignis“ aus. Das heißt also: Wer eine solche Veranstaltung besucht, muss damit leben, dass er fotografiert und das Bild veröffentlicht wird.

Allerdings gilt das nicht für Nah- oder Porträtaufnahmen. Das Bild ist nur dann gestattet, wenn es das Ereignis in den Mittelpunkt stellt, nicht die abgebildete Person. Bei einem Konzert ein Foto von den Besuchern zu machen, ist also vermutlich zulässig – wenn sie sichtbar im Konzert, also etwa vor der Bühne und den Musikern abgebildet sind. Ein Porträtfoto von einem von ihnen, das auch überall sonst entstanden sein könnte, ist dagegen nicht mehr erlaubt.

Die zweite Ausnahme ist das Beiwerk, soll heißen: Ist der Mensch auf dem Bild nur Nebensache, weil es sich eben nicht vermeiden ließ, ihn mit abzulichten, dann kann er gegen die Veröffentlichung des Fotos nichts tun. Diese Ausnahme greift zum Beispiel häufig, wenn Sehenswürdigkeiten oder Straßenzüge in Städten abgelichtet werden. Es ist schlicht unmöglich, das Brandenburger Tor ohne Menschen zu fotografieren. Wenn das Foto also ganz klar ein anderes Motiv als den Menschen in den Mittelpunkt stellt, gilt er als Beiwerk und muss mit der Veröffentlichung des Fotos leben. (Es sei denn, es greift die Ausnahme von der Ausnahme, aber dazu später mehr.)

Die letzte Ausnahme im Gesetzt betrifft Aufzüge und Versammlungen, also alle Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammenkommen, um einen einheitlichen Willen öffentlich zu bekunden. Klassischer Fall hierfür: Demonstrationen. Würden wir also ein Bild posten, auf dem viele Menschen gegen den Sparkurs der Landesregierung in der Kulturlandschaft protestieren, müssten wir sie nicht um Erlaubnis für die Veröffentlichung bitten. Aber: Auch hier gilt, wie beim zeitgeschichtlichen Ereignis, dass diese Ausnahme nur greift, wenn das Bild die Veranstaltung abbildet und nicht einzelne Menschen. Je mehr Menschen zu sehen sind, umso besser. Weniger als sechs sollten es jedenfalls nicht sein.

Übrigens, die sogenannten absoluten und relativen Personen der Zeitgeschichte, die die Rechtsprechung zum Recht am eigenen Bild früher kannte, gibt es so nicht mehr. Alle diese oben genannten Regeln gelten heute also auch für Prominente. Allein die Tatsache, dass sie berühmt und bekannt sind, rechtfertigt heute nicht mehr, dass man Bilder ohne ihre Einwilligung verbreitet.

Prüfschema zum Recht am eigenen Bild

Zurück zum Orchester: Nehmen wir mal an, wir haben Bilder von einem Picknick-Konzert, das in einem kleinen Schlosspark stattfand und wollen diese veröffentlichen. Um die Bildrechte zu klären, gehen wir jetzt streng nach Prüfschema vor:

  1. Liegt die Einwilligung der Abgebildeten vor?
  2. Trifft eine Ausnahme des Gesetzes zu?

Ersteres verneinen, letzteres bejahen wir und entscheiden auf zeitgeschichtliches Ereignis. Doch damit ist es noch nicht getan, denn jetzt kommt Stufe drei des Prüfschemas – die Ausnahme von der Ausnahme:

  1. Verletzt eine Veröffentlichung berechtigte Interessen der Abgebildeten?

Nehmen wir zum Beispiel an, auf einem der Bilder ist eine Zuschauerin zu sehen, die zu diesem Konzert nur ein luftiges Top trug. Als das Bild entstand, beugte sie sich gerade zu ihrem Picknickkorb herunter und die Perspektive des Fotografen war so ungünstig, dass man ihr bis zum Bauchnabel sehen – und gut erkennen kann, dass sie keinen BH trägt.

Abwägung zwischen Persönlichkeitsrechten und Informationsinteresse der Öffentlichkeit

Nach den Regeln oben – zeitgeschichtliches Ereignis ist bestätigt – könnte die Dame nichts gegen die Veröffentlichung des Bildes machen. Kann sie aber sehr wohl. Denn im letzten Schritt der Prüfung müssen wir abwägen: Wiegen die Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten schwerer oder das Informationsinteresse der Öffentlichkeit? Säße die Dame einfach nur auf ihrer Decke, könnte sie kaum eine Persönlichkeitsrechtsverletzung geltend machen. Aber durch die Abbildung ihrer nackten Brust ist sie in ihrem „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzt, das Bild ist so intim, dass sie es nicht hinnehmen muss, so aller Welt gezeigt zu werden. In diesem Fall würden wir das Foto also nicht in die Diaschau aufnehmen – auch wenn es immer noch ein zeitgeschichtliches Ereignis abbildet.

Kinder sind besonders geschützt – auch in Sachen Bildrechte

Besondere Vorsicht ist übrigens geboten, wenn Kinder fotografiert werden. Das Orchester gibt zum Beispiel häufig Konzerte für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen. Dabei kommt es schon mal vor, dass diese Kinder auch auf der Bühne mitmachen dürfen und natürlich möchten wir das auch gern auf Facebook zeigen, doch das ist riskant. Grundsätzlich gilt: Kinder sind vom Gesetzgeber besonders geschützt und das gilt auch für Abbildungen von ihnen. Deshalb reicht es nicht, wenn begleitende Lehrer oder ein Elternteil die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilen. Rein juristisch müssen alle erziehungsberechtigten Personen zustimmen, nur dann darf das Bild veröffentlicht werden.

Außerdem sollte diese Einwilligung – aber das gilt auch bei Erwachsenen – möglichst schriftlich und so konkret wie möglich erfolgen. Also nicht „Hiermit erlauben wir, dass Fotos unseres Kindes veröffentlicht werden“, sondern: „Hiermit gestatten wir, dass Fotos unseres Kindes auf der Website, in gedruckten und digitalen Werbemitteln sowie auf sozialen Netzwerken (des Orchesters/der Schule etc.) veröffentlicht werden dürfen.“

Die Ausnahmen, die das Gesetz vorsieht (zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk und Aufzug/Versammlung) gelten zwar auch, wenn Kinder abgebildet sind, aber erstens müssen Sie dann noch genauer darauf achten, auch wirklich das Ereignis oder Hauptmotiv in den Mittelpunkt zu stellen und zweitens sind Gerichte, wenn es zum Streit kommt, gerade im letzten Punkt des Prüfschemas außerordentlich kritisch und neigen viel früher dazu, eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung zu sehen als bei Erwachsenen.

Bei Kindern gilt deshalb also: Liegt keine Einwilligung zur Veröffentlichung vor, verzichten Sie lieber auf das Bild!

Zusammenfassung:

Ob Sie ein Bild anfertigen und veröffentlichen dürfen, hängt ab von: Hausrecht, Markenrecht, Urheberrecht, Persönlichkeitsrechten. Bei letzterem prüfen Sie: 1. Liegt die Einwilligung des Abgebildeten zur Veröffentlichung vor? 2. Wenn nein, trifft eine dieser Ausnahmen zu, bei denen keine Einwilligung nötig ist: zeitgeschichtliches Ereignis, Beiwerk, Versammlung/Aufzug? 3. Wenn ja, werden bei einer Veröffentlichung berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt?

Wollen Sie es genauer wissen? Dann empfehle ich dieses Buch.